Es hätte so schön sein können: Im Sommer 1936 möchte Josephine Tey mit Freunden im Urlaubsort Portmeirion in Wales ihren vierzigsten Geburtstag feiern. Gleichzeitig bemüht sich der berühmte Alfred Hitchcock um die Filmrechte an ihrem Roman Klippen des Todes. Doch durch den Mord an einer Hollywood-Ikone geraten die Feierlichkeiten vollkommen aus dem Ruder. Eine brutale Mordserie nimmt ihren Lauf.
Was ich an der Reihe ja mag, ist dass es hier kein starres Erzählmuster gibt. Beim letzten Mal haben wir uns der Handlung angenähert über ein Buch, welches Josephine gerade schrieb, während wir dieses Mal einige Jahre nach den eigentlichen Geschehnissen - und sogar nach Josephines Tod - ansetzen.
Zwar erfahren wir so schon, die Anzahl der Opfer, die uns erwarten werden und auch wie diese zu Tode kommen werden, aber viele wichtige Fakten werden uns natürlich noch nicht verraten, sondern nur so viele, um uns so richtig gespannt zu machen auf die Geschehnisse in Portmeirion 1936.
Besonders die Andeutung, dass damals wohl die falsche Person verantwortlich gemacht wurde für die Verbrechen, hat natürlich sofort mein Interesse wecken können. Vor allem da Archie, dem 1954 - kurz vor seiner Pensionierung - neue Erkenntnisse zuteil werden, sofort zugibt, dass er mit den damaligen Ermittlungen nicht ganz zufrieden war.
Ich war also gespannt zu erfahren, was sich tatsächlich zugetragen hat und warum er schon damals möglicherweise Zweifel hatte.
Was ich an der Reihe immer etwas schwierig finde, sind die fiktionalisierten Versionen echter Menschen. Mit Josephine Tey habe ich mich mittlerweile arrangiert, wobei es auch hilfreich ist, dass dieser Name eigentlich nur eines ihrer Pseudonyms war und sie mir zuvor gar nicht bekannt war. Ich hatte also gar kein Bild von ihr im Kopf.
Dieses Mal spielen aber auch noch die Hitchcocks eine nicht unerhebliche Rolle in diesem Buch.
So ganz weiß ich wirklich nicht, was das immer soll.
Ein paar Probleme hatte ich auch damit, dass uns hier eine recht große Anzahl neuer Figuren vorgestellt wird, die alle irgendwie mit den Hitchcocks oder dem Ort (oder beiden) in Verbindung stehen.
Es hat eine Weile gedauert bis ich wusste, wer wer sein soll.
Allerdings hatte ich für die Einordnung auch (leider) wirklich extrem viel Zeit.
Obwohl wir ja schon im ersten Kapitel erfahren, wieviele Opfer es geben wird und etwas über die Umstände ihres Todes, vergehen über zweihundert Seiten bis die Morde tatsächlich geschehen und zwar im sage und schreibe VIERTEN Teil des Buches.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich leider auch schon eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wer die Opfer sein würden und wen man verantwortlich halten würde und so kam es dann auch.
Allerdings musste uns vorher noch mal in aller Grausamkeit und Brutalität genau beschrieben werden, wie die Frauen getötet wurden, was sie dabei fühlten und schließlich auch, wie sie aufgefunden worden sind.
Diese überaus detailreichen Todesszenen und auch die Beschreibungen des Auffindens der ersten beiden Leichen hätte ich wirklich nicht gebraucht.
Zunächst übernimmt dann Archie die - im absoluten Schnelldurchlauf durchgeführten - Ermittlungen, da es einige Zeit dauert bis die zuständigen Dienststellen kontaktiert werden können und dorthin kommen können und da Archie nun mal vor Ort ist, beginnt er schon einmal die Fakten zusammenzutragen.
Der später eintreffende Inspektor ist allerdings über seine Einmischung nicht sonderlich erfreut, was er ihm auch deutlich zeigt und drängt ihn schnell aus den Ermittlungen.
Zu dem Zeitpunkt ist relativ ersichtlich, wer für diese Verbrechen verantwortlich gemacht werden soll und obwohl Archie gerne noch ein paar offene Fragen geklärt hätte, lässt er sich darauf ein.
Eine Tatsache, die ihn 1954 nachdem er neue Erkenntnisse zu diesem Fall erhält, natürlich umso mehr wurmt, weswegen er sich zu diesem Zeitpunkt tatsächlich noch mal auf den Weg macht, in der Hoffnung die letzten Fragen klären zu können.
Obwohl sich in diesem Teil so viel um Josephine dreht, spielt sie bei den Ermittlungen kaum eine Rolle. Sie ist in einigen Punkten eine wichtige Zeugin, ist ansonsten aber hauptsächlich mit ihrer Dreiecksbeziehung beschäftigt, die mich wirklich irritiert hat, da Lydia wohl nur ahnt, dass sie Teil einer Dreiecksbeziehung ist und Marta und Josephine einfach ewig brauchen, um sich auszusprechen, sich aber ständig gegenseitig ihre Liebe beschwören.
Das war alles teilweise so extrem langatmig erzählt, dass ich trotz des wirklich flüssigen Schreibstils einfach zwischendurch sehr genervt war.
Vor allem von der extremen Vermischung von Fakten und Fiktion, die mich hier wirklich ständig irritiert hat.
Noch mehr gestört hat mich aber die Art und Weise wie hier über einige Dinge gesprochen wurde, wie Vergewaltigung (auch in der Ehe) oder eine seltsame Überhöhung von Mutterschaft (selbst wenn die Mütter, die hier als Beispiel herangeführt worden sind, in Wahrheit teilweise komplett entgegen diesem angeblichen Idealbild gehandelt haben).
Fazit: Wegen des flüssigen und eigentlich sehr einnehmenden Schreibstils und dem wirklich einladenden Beginn würde ich wahnsinnig gerne höher bewerten, aber am Ende haben mich zu viele Punkte gestört. Allen voran die Art und Weise wie hier mit den weiblichen Opfern umgegangen wurde, während der fälschlicherweise beschuldigte Mörder - der im Übrigen trotzdem noch ein Vergewaltiger war - von Archie auch noch Mitleid bekam als knapp zwei Jahrzehnte später klar wurde, dass er die Morde gar nicht begangen hat.
Auch dass es so lange gedauert hat bis es zum ersten Mord kommt, war nicht hilfreich, da ich mir zu diesem Zeitpunkt schon sehr genau den weiteren Verlauf (wer wird Opfer und wer wird fälschlicherweise beschuldigt) ausmalen konnte.
Die Ermittlungen liefen dann dementsprechend im Schnelldurchlauf ab und als sich dann noch ganz zum Schluss herausstellt, dass auch bei der endgültigen Aufklärung Alfred Hitchcock seine Finger im Spiel hatte, war ich wirklich genervt.
Es war mir diesmal einfach eine zu extreme Vermischung von Fakten und Fiktion, die mir auf diese Art einfach nicht gefällt.






















