Nicole Balschun

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Autor von Ada liebt.

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Ada liebt

Ada liebt

 (28)
Erschienen am 17.02.2012

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19angelika63s avatar

Rezension zu "Ada liebt" von Nicole Balschun

Ada und Bo, oder ziehen sich Gegensätze wirklich an?
19angelika63vor 3 Jahren

Klappentext
Als ihre Tante Rosi stirbt, gerät Adas Welt aus den Fugen. Aber nicht so sehr wegen der Trauer um die schrullige Tante. Vielmehr weckt einer der Sargträger Adas Interesse, als er aus Versehen sein Gebetbuch ins Grab fallen lässt. Bo ist Landwirt und nur im Nebenberuf Sargträger. Er ist ganz anders als die verschlossene Ada.
Ada sucht ihr Glück in Büchern und verkriecht sich vor dem Leben. Bis Bo mit seinen Kühen und Schweinen in ihr Leben tritt. Er liest Ada aus den Landwirtschaftszeitungen vor und stellt ihr schließlich eigene Gummistiefel hin. Doch Ada traut den Schweinen nach wie vor nicht über den Weg, und sie glaubt nicht recht am die Beziehung …


Vielleicht bekommst du eine Chance, dein Bedürfnis nach Liebe und Leben anderswo zu stillen … Mut, das Leben ist überall … Warte … Gib nicht auf … Warte! Es dauert nicht mehr lange, und das Leben wird neu erwachen …
(Madeleine Bourdouxhe)

Ada ist anders als andere Mädchen. Sie lebt in ihrer eigenen Welt … der der Bücher. Sie meidet jegliche Kontakt … in der Schule, an der Uni, im Leben. Ihr sind die losen Kontakte und unverbindlichen Dates am liebsten. Um ja nicht am Leben teilnehmen zu müssen legt sie sich Karteikarten an, um Ausreden am Telefon parat zu haben.

Eines Tages lernt sie Bo kennen. Er ist einer der Sargträger von Adas Tante. Als sein Gebetbuch in das Grab fällt, richtet er damit ungewollt Adas Aufmerksamkeit auf sich. Fortan ist Ada jeden Sonntag auf dem Friedhof, um Bo zu treffen. Aus der Freundschaft scheint sich so etwas wie eine Liebe zu entwickeln.

„Fühlst du es, fragte meine Mutter, der es wichtig war. Was, fragte ich und sie sagte die Liebe. Ich fühlte in mich hinein und sah mein Blut rauschen und mein Herz schlagen, aber Bo sah ich nicht.“ (Seite 40)

Adas Eltern haben jedoch so ihre Zweifel, ob Bo der Bauer, der richtige Mann für Ada ist. Doch Ada hat sich entschieden und will es mit Bo versuchen … wäre da nicht ihre Angst vor seinen Schweinen und dieser fürchterliche Geruch …

„Die Buchstaben, die mir in meiner Kinderzeit so viel Ärger eingebracht hatten, waren in der Bibliothek an ihrem Platz. Sie hatten ihren eigenen Geruch nach altem, abgegriffenem Papier, nach Druckerschwärze und verbrauchter Luft. Sie atmeten de Geräusche ihrer Leser ein, das heisere Räuspern, das Kratzen der Bleistifte auf chlorfreiem Papier und das Rascheln der Seiten beim hastigen Umblättern durch trockene Hände.“ (Seite 44/ 45)

Diese Geschichte um Ada ist so schwierig und ungewöhnlich wie Ada selbst. Ehrlich gesagt, kann ich gar nicht so genau sagen, ob ich dieses Buch mag. Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftigt. Nicht nur, dass die Autorin die indirekte Rede gebraucht, nein, sie springt auch in ihren Sätzen, so dass ich oft nicht so genau wusste, worum es gerade geht. Doch je mehr ich las, desto mehr gewöhnte ich mich an Stil und Sprache.

„In diesem Augenblick wurde mir klar, wie klug Bo war, und dass seine Klugheit eine andere war als meine. Bo hatte sein Wissen aus dem Leben und irgendwie auch aus dem Herzen. Ich hatte meines aus Büchern und es konnte doch nicht gut gehen mit uns, und während mir sein Geruch in die Nase stieg, flüsterte ich Bo ins Ohr, du bist so dumm, Bo, und er lachte und flüsterte zurück, und du erst., Ada.“ (Seite 147)

Die Story selbst ist auch etwas ungewöhnlich. Da ist einmal Ada, das Mädchen, die eher eine Eigenbrötlerin ist und lieber für sich bleibt. In meinen Augen hat Ada leichte Autistische Züge. Sie verliebt sich in Bo, einem Landwirt. Auf den ersten Blick erscheint mir als Leserin diese Konstellation als unmöglich. Doch jeder der beiden Protagonisten entwickelt sich in der Geschichte.

Die Autorin hat mit diesem Roman versucht zu zeigen, wie schwer es ist sich einem Menschen zu öffnen. Sein Innerstes nach außen zu kehren, Nähe zuzulassen und sich seinen Gefühlen zu stellen. An manchen Stellen gelingt es, an anderen hätte ich mir mehr davon gewünscht.

Alles in allem eine nette Geschichte, von der ich mir irgendwie mehr erhofft hatte.

„Leben ist mehr als Zusehen und Aufschreiben, hat Bo in einer Nacht zu mir gesagt. Leben geht über Wörter hinaus, die du studierst, Leben beginnt dort, wo die Sprache aufhört, es ist Atem und du kannst seinen Pulsschlag hören, wenn du nur willst.“ (Seite 189)


Kommentare: 1
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steffchen3010s avatar

Rezension zu "Ada liebt" von Nicole Balschun

Bäuerliche Liebe
steffchen3010vor 4 Jahren

“Du bist so einsam, Ada, das ist nicht normal, jeder braucht jemanden und jeder Mensch nimmt sich erst durch die Liebe eines anderen Menschen wahr.”

Zitat, Seite 89


Ada ist anders als die anderen. Das Anpassen will ihr einfach nicht gelingen, deshalb versteckt sie sich lieber in Büchern und verkriecht sich so vor der Welt. Freunde hat sie nur wenige, oberflächliche Bekanntschaften sind ihr lieber. Bei ihnen kommt sie nicht in Bredouille, muss nicht die richtigen Worte finden, die sie eh nicht zu finden scheint. Männer sind ihr unangenehm, sie verschrecken sie, mit ihrem schmatzenden saugartigen Geräuschen beim Küssen und ihren heißen schwitzigen Händen.

Nur Bo ist anders. Bo ist Landwirt und nebenberuflich Sargträger. Auf der Beerdigung ihrer Tante Rosie bemerkt sie ihn, mit seinen glänzenden goldenen Ringellöckchen im Nacken, dem wettergegerbten Gesicht und dem erdigen Geruch nach Schweinen.

Auf seinem Bauernhof begegnen ihr maulende Kühe und Schweine mit Schwimmwesten. Bo liest ihr aus Landwirtschaftszeitungen vor und schenkt ihr eigene Gummistiefel, damit sie sich nicht die Füße schmutzig macht. Doch auf Tuchfühlung geht sie mit den Tieren nicht. Sie traut ihnen nicht über den Weg, den Schweinen und Kühen. Und noch viel weniger der Beziehung zu Bo. Dem dummen Bauerntölpel, zu dem sie gar nicht so wirklich passt. Oder vielleicht doch?


“Insgeheim wussten wir, dass ich nie eine Bäuerin und Bo nie kein Bauer sein würde, aber wir fühlten einander und machten ansonsten die Augen zu. Vielleicht übersahen wir deshalb die dröhnende Lawine, die uns mit einem Schlag mitten im blühendsten Sommer überrollen sollte.”

Zitat, Seite 81

Nicole Balschun hat mit “Ada liebt” eine berührende Geschichte über zwei Menschen geschrieben, die ungleicher nicht sein könnten und sich dennoch perfekt ergänzen. Ada, die kluge belesene Frau von Welt und Bo, der ländliche einfache Typ vom Dorf. Mit ihrer Begegnung treffen zwei Welten aufeinander. Und obwohl sie irgendwie nicht zu harmonieren scheinen, können sie bald auch nicht mehr ohne einander. Eine sich widersprechende Beziehung und Liebe zueinander entsteht, die den Leser auf alle Höhen und Tiefen ihres gemeinsamen Weges mitnimmt und ihm zeigt, dass Liebe scheinbar keine Grenzen kennt.

“Ganz plötzlich, ohne Vorwarnung, sagte Bo etwas Furchtbares. Bo sagte, Ada, ich liebe dich ungeheuerlich. Er sagte es ganz leiste und dann etwas lauter, Herrgott, ich weiß nicht, warum, du kannst hier nichts, aber deine kleinen Hände und du, ihr gehört irgendwie dazu auf einmal. Wenn ihr nicht hier seid und alles durcheinanderbringt, dann wird mir die Milch sauer.”

Zitat, Seite 94

Der Autorin gelingt es dabei, dass so aufwühlende und emotionsgeladene Thema mit teils komischen und witzigen Anekdoten gekonnt aufzulockern. Sie unterhält uns mit abstrusen Details aus dem Leben der Landwirtschaft und hitzigen Diskussionen zwischen Ada und ihren Eltern. Denn auch Adas Papa ist Bo ein Dorn im Auge. Er mag ihn nicht, den einfachen dahergelaufenen Bauerntölpel mit seinen Schweinen und Kühen. Nicht neben Ada. Allen Anpassungsschwierigkeiten seiner Tochter zum Trotz gehört ein Mann von Welt zu ihr, einer mit Stil und Charme. Kein Bo.

“Ich lag in der Wanne und sah auf das Schwein. Meine weißen Füße guckten aus dem Wasser. Du fehlst mir auch nicht, sagte ich in die Stille und spritzte Wasser gegen den Schweinekopf. Und dann weinte ich. Ich hatte wieder zu viel Wasser im Auge, auch das sollte sich der Arzt morgen mal ansehen.”

Zitat, Seite 105/106

Doch auch als Ada für ihr Literaturwissenschaftsstudium in die Stadt zieht, ertappt sie sich immer wieder in Gedanken an Bo. Und an Siegfried, Bos Leitsau, die sie eigentlich nicht mag und dennoch dazugehört. Sie verschanzt sich in Bibliotheken und befasst sich fast zwanghaft mit ihrer Doktorarbeit. Mit Frauen aus England, den edlen Romanfiguren, nach deren Ordnung auch sie sich zu sehnen scheint. Doch irgendwann muss auch sie einsehen, dass ihr eigentliches Herz an Bo und seinem Bauernhof hängt. Dem unangenehmen Geruch nach Schweinen, ihren juckenden elektrisch aufgeladenen Füßen und der Angst in der finsteren Nacht, wenn sie bei ihm schläft.

“In diesem Augenblick wurde mir klar, wie klug Bo war, und dass seine Klugheit eine andere war als meine. Bo hatte sein Wissen aus dem Leben und irgendwie auch aus dem Herzen. Ich hatte meines aus den Büchern und es konnte doch nicht gut gehen mit uns, und während mit sein Geruch in die Nase stieg, flüsterte ich Bo ins Ohr, du bist so dumm, Bo, und er lachte und flüsterte zurück, und du erst, Ada.

Zitat, Seite 147

Balschun zeigt uns in “Ada liebt”, wie schwierig es ist, sich einem Menschen zu öffnen, dessen Leben und Gewohnheiten sich von den eigenen so unterscheiden. Mit Ada ist ihr eine authentische Protagonistin gelungen, die ich sehr schnell ins Herz schließen konnte und der ich durchweg versucht habe, mein Mitgefühl zu schenken, auch wenn ich nicht hinter jedem ihrer Gedanken und Handlungen stand. Bo hat trotz tiefbäuerlicher und miefender Note sehr schnell meine Sympathien für sich gewonnen. Er schien mir durchweg der stärkere Charakter in der Geschichte gewesen zu sein.

Einzig und allein die ungewöhnliche Handhabung der wörtlichen Rede und die dadurch entstandenen Schachtelsätze haben mich zwischenzeitlich Mühe und Kraft gekostet, dem Verlauf der Geschichte zu folgen. Durch die gewählte Ich-Perspektive wurden den Zeilen eine lebendigere und engere Beziehung zur Protagonistin verliehen, weswegen man durchweg das Gefühl hatte, selbst neben Ada durch den Matsch zu waten. Was für eine Sauerei!

“Leben ist mehr als Zusehen und Aufschreiben. (…) Leben geht über die Wörter hinaus, die du studierst, Leben beginnt dort, wo die Sprache aufhört, es ist Atmen und du kannst seinen Pulsschlag hören, wenn du nur willst.

Zitat, Seite 189

Kommentare: 1
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SharonBakers avatar

Rezension zu "Ada liebt" von Nicole Balschun

Rezension zu "Ada liebt" von Nicole Balschun
SharonBakervor 7 Jahren

Ich hatte so meine Anfangsschwierigkeiten bei diesen Buch mit den Schreibstill, Frau Balschun lässt alle Gespräche ohne Anführungszeichen und in einen Satz durchlaufen und mich machte das am Anfang nicht glücklich. Wenn man es aber weiterliest und sich drauf einlässt, lernt man Ada und Bo kennen. Sie sieht ihn das erste Mal auf der Beerdigung ihrer Tante, er ist einer der Sargträger und verliert auch direkt sein Gebetbuch im Grab von dieser. Danach sieht sie ihn immer auf den Friedhof, wenn sie mit ihren Vater das Grab besucht. Daraus entwickelt sich eine Liebesgeschichte mit zwei Persönlichkeiten die Unterschiedlicher nicht sein können. Ada weis nicht was sie im Leben will und studiert erst mal und Bo ist Landwirt aus Leidenschaft. Sie mag es nicht wenn man sie berührt und ist auch kalt anderen gegenüber. Ada meint das sie niemanden braucht und versteckt sich hinter ihren Büchern. Bo will ihr zeigen was Leben ist und möchte ihr das Leben hinter den Büchern zeigen. Trotz das ihr Lebensstile nicht zusammen passen, können sie nicht mit und erst recht nicht ohne einander. Ich hatte das Gefühl Ada des öfteren mal meine Meinung zu sagen oder sie zu schütteln, das sie doch endlich erwachsen werden möchte. Meine liebste Figur ist Bo, er weis genau was er zu welchen Moment sagen muss und bringt es genau auf den Punkt, obwohl er ja nur der Bauer ist und bringt dadurch Ada zum nachdenken. Die Gespräche zwischen ihnen haben mich oft zum schmunzeln gebracht. Aber trotzdem, als ich das Buch zugeklappt habe, hatte ich mich gefragt, ist das wirklich hier schon das Ende. Muss es nicht noch was weitergehen?

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