"Wo Träume den Mut finden" ist ein Reiseroman geschrieben von Nicole Bergmann. Erschienen ist das Roman im Selfpublishing.
Cover
Wenn ich ganz ehrlich bin, ist es das Cover und das Setting Australien, das mich dazu bewegt hat, das Buch überhaupt erst zu kaufen. Das Cover ist wunderschön gezeichnet und in Goldtönen gehalten mit einem Strand und Palmen. Hat mir sofort Australien und Ferien/Reise Vibes gegeben. Deswegen auch einen Stern bei der Bewertung.
Inhalt
Amelie lebt ein geregeltes Leben in Deutschland. Ihre Zukunft scheint bereits geschrieben zu sein: Karriere in ihrem Bürojob machen, eines Tages heiraten, ihren Eltern Enkel schenken und ihren Lebensabend in edem kleinen Dorf zu leben. Bis sie Daniel trifft, der als Fotograf durch die Welt reist und sie an einen längst vergessenen Traum erinnert: Einmal im Leben nach Australien reisen. Kurzerhand beschließt sie, ihren guten Job an den Nagel zu hängen und wagt sich ins Down Under.
Das Setting, der Roadtrip und die Reise durch Australien haben mich sofort überzeugt. Da musste ich gar nicht erst lange fackeln. Der Rest der Geschichte war jedoch eine Enttäuschung. Der Roadtrip und die "große" Reise sind an sich zwar eine spannende Strecke und es gibt auch viele ungeplante und spontane Stopps, aber insgesamt kommt doch sehr schnell Langweile auf. Irgendwie scheinen Amelie und ihre Reisebegleiterin und fellow Backpackerin Julia von einem Strand zum nächsten zu fahren. Spätestens nach dem dritten Strand, der genau gleich wie die beiden vorigen beschrieben wird, hatte ich keine Lust mehr. Von dem Roadtrip und der Reise bekommt man zwar viel mit, aber die Geschichte nimmt keinen Schwung auf. Echte Spannung, die zum Weiterlesen anregt, bleibt leider aus.
Eine andere Sache, die mich unfassbar stört, ist das White Room Syndrom, das auch dieses Buch fest im Griff hat. Ganze Seiten bestehen nur aus Dialog, ohne irgendwas anderes. Auf Dauer war das nervig zu lesen.
Schreibstil
Unpersönlich und distanziert. Die Autorin erzählt, wie die Figuren sich fühlen, anstatt es die Leser*innen fühlen zu lassen. Der Schreibstil ist an manchen Stellen auch ziemlich peinlich für eine 30-jährige Protagonistin, sodass ich mehrmals die Augen verdreht habe. Das Buch liest sich leicht, aber manchmal stören Wortwiderholungen. Ein weiterer Störfaktor waren die vielen Synonyme zu sagen. Echauffieren, empören, u.s.w.... Klar kann man die nutzen und es sind auch ganz normale Begriffe der deutschen Sprache. Brauche ich die aber bei gefühlt jedem Dialog mehrmals? In meinen Augen war es unnötig und hat sich eher wie ein Duden oder Arbeitsblatt für eine Deutsch-Hausaufgabe gelesen.
Charaktere
Amelie ist die Protagonistin. Sie ist naiv, ängstlich und spießerisch - eine Kombination, die mich persönlich gestört hat. Seit ihren schlechten Erfahrungen mit Männern, hält sie gehörig Abstand zu ihnen. Was diese Erfahrungen sind, erfährt man erst ganz zum Schluss. Vermutlich wollte die Autorin eine gewisse Spannung aufbauen, da die Vergangenheit immer wieder mal angeteasert wurde, aber Spoiler, es hat mich einfach nicht gejuckt. Dazu waren die Teaser zu vage und irgendwann habe ich das Interesse komplett verloren. Auch die von anderen Figuren angemerkten Eigenschaften bei Amelie konnte ich nicht wirklich nachvollziehen, da sie mir sehr gewöhnlich vorkam. Wirkliche Tiefe hat Amelie dabei nicht.
Julia war am Anfang ganz okay. Irgendwann hat sie nur noch genervt. Ihr ständiges Gerede vom Universum und wie sie sich ständig wiederholt hat waren einfach nur noch anstrengend. Abgesehen davon fehlt ihr, so wie fast jeder Figur, eine gewisse Tiefe. SJulia scheint ausschließlich aus Yoga, Universum, Strand und Verpeiltheit zu bestehen. Eine absolute Verschwendung einer Figur in meinen Augen.
Daniel ist ein interessanter Charakter, Leider kommt er erst sehr spät in der Geschichte vor. Deswegen fehlt ihm eine gewisse Tiefe.
Ben war ebenfalls eine interessante Figur, die jedoch keinen so beeindruckenden Eindruck hinterlassen hat, wie die Autorin bei der Beschreibung wohl erhofft hat.
Die anderen Charaktere waren blass und ziemlich bedeutungslos. Luisa spielte in der Geschichte eine nebensächliche Rolle. Sie fand ich ganz okay.
Fazit
Ein wunderschönes Setting und eine an sich spannende Reise, die jedoch von einem schlechten und unpersönlichen Schreibstil, einer gewissen Langweile im Plot und flachen Charakteren überschattet werden. Sehr schade, aber das Buch ist ein absoluter Flop.