Nicole Henneberg

 4,7 Sterne bei 7 Bewertungen

Lebenslauf

Nicole Henneberg, geboren 1955 in Hof, studierte Komparatistik und Philosophie in Berlin und Paris. Sie schreibt als freie Autorin und Literaturkritikerin für Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und den Berliner Tagesspiegel. 2024 erschien ihre große Biographie »Zur Freundschaft begabt« über Gabriele Tergit.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Nicole Henneberg

Cover des Buches Gabriele Tergit. Zur Freundschaft begabt (ISBN: 9783895614767)

Gabriele Tergit. Zur Freundschaft begabt

(6)
Erschienen am 22.02.2024
Cover des Buches Gabriele Tergit. Zur Freundschaft begabt (ISBN: 9783442775446)

Gabriele Tergit. Zur Freundschaft begabt

(1)
Erschienen am 16.07.2025

Neue Rezensionen zu Nicole Henneberg

Cover des Buches Gabriele Tergit. Zur Freundschaft begabt (ISBN: 9783442775446)
YukBooks avatar

Rezension zu "Gabriele Tergit. Zur Freundschaft begabt" von Nicole Henneberg

YukBook
Würdigung einer verkannten Schriftstellerin

Gabriele Tergit war mir als Autorin von „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ ein Begriff. Dass die jüdische Schriftstellerin auch eine mutige Journalistin und Gerichtsreporterin war, die aus ihrer Heimat vertrieben wurde, erfuhr ich erst in dieser Biografie.

Zu Beginn werden Orte in ihrer Heimatstadt Berlin vorgestellt, an denen man Tergit nahekommen kann – eine gelungene Einstimmung, denn Ihre Wohn- und Wirkungsorte werden in diesem Buch noch eine wichtige Rolle spielen. Mir hat es gefallen, nicht nur ihre journalistische und schriftstellerische Karriere zu verfolgen, sondern auch in die Blütezeit der Berliner Presse zwischen 1925 und 1933 einzutauchen und die verschiedenen Zeitungshäuser mit ihren Eigenheiten kennenzulernen.

Nach der Machtergreifung der Nazis folgen jedoch schwere Jahre. 1933 emigriert sie widerwillig mit Mann und Kind nach Palästina. Ich war beeindruckt, wie Gabriele Tergit sich trotzdem die neue Umgebung schreibend erschloss. Auch im Londoner Exil schreibt sie unermüdlich weiter, kann jedoch nicht mehr an ihren einstigen Erfolg anknüpfen. 

Minuziös stellt Nicole Henneberg heraus, in welchem Umfang persönliche Erlebnisse und reale Personen, politische und menschliche Krisen in Tergits Romane eingeflossen sind und wie wichtig ihr historische Genauigkeit war. Das fand ich einerseits bemerkenswert, andererseits etwas mühsam zu lesen, weil mir ihre Werke (noch) nicht vertraut sind. Die umfassende Biografie würdigt somit nicht nur Tergits bewegtes Leben, das durch Heimatlosigkeit und Ringen um Anerkennung geprägt war, sondern auch ihr beinahe in Vergessenheit geratenes Gesamtwerk.

Cover des Buches Gabriele Tergit. Zur Freundschaft begabt (ISBN: 9783895614767)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Gabriele Tergit. Zur Freundschaft begabt" von Nicole Henneberg

Bellis-Perennis
Eine Hommage an eine fast Vergessene

Nicole Henneberg beleuchtet in einer beeindruckenden Biografie Leben und Werk einer der interessantesten Autorinnen der Weimarer Republik. 

Gabriele Tergit wird als Elise Hirschmann am 4. März 1894 in eine jüdische Berliner Familie geboren. Schon während  ihrer Studienzeit, sie ist eine der ersten Studentinnen an der Berliner Universität, legt sie sich das Pseudonym Gabriele Tergit zu (ein Anagramm aus dem Wort "Gitter"). Unter diesem Namen schreibt sie ihre Artikel und später ihre Romane. Seit 1915 schreibt sie Feuilletons, Reiseberichte und Glossen. Die Straßen Berlins bieten dafür überreichlich Stoff. 1925 wird sie, als erste Frau, beim Berliner Tageblatt fix angestellt und  bald eine berühmte Reporterin. Ihre Spezialität sind Gerichtsreportagen. Dabei kann sie das Milieu, in dem die Nazis heranwachsen, aus nächster Nähe beobachten. Als sie dann im Jänner 1932 ihre Meinung bei einem Bericht nicht zurückhalten kann, wird sie, laut Goebbels, "die miese Jüdin" zur erklärten Feindin der Nazis. 

Mit der Machtübernahme der Nazis 1933 endet ihre Karriere frühzeitig. Gabriele Tergit geht nach London ins Exil. Nach dem Krieg kann sie an ihre früheren Erfolge nicht mehr anschließen und wird, wie viele andere, zu einer der zu Unrecht Vergessenen. 

Fazit: 

Gerne gebe ich dieser lebendigen und penibel recherchierten Biografie einer beeindruckenden Frau, die zu Unrecht fast vergessen worden ist, 5 Sterne.

 

Cover des Buches Gabriele Tergit. Zur Freundschaft begabt (ISBN: 9783895614767)
Sigismunds avatar

Rezension zu "Gabriele Tergit. Zur Freundschaft begabt" von Nicole Henneberg

Sigismund
Literarisch und historisch interessant

REZENSION – Seit etwa zehn Jahren befasst sich die Literaturwissenschaftlerin Nicole Henneberg mit Werk und Leben der zeitlebens um ihren Erfolg gebrachten und zu Unrecht vergessenen jüdischen Schriftstellerin Gabriele Tergit (1894 bis 1982), die in jungen Jahren in Berlin als Gerichtsreporterin bekannt war. Mit der kommentierten Neuausgabe des satirischen Romans „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ (erstveröffentlicht 1932) ließ uns Henneberg im Jahr 2016 die Berliner Schriftstellerin wiederentdecken. Nach weiteren Neuausgaben wie Tergits Erinnerungen „Etwas Seltenes überhaupt“ (2018) oder ihres inzwischen zum Bestseller gewordenen zweiten Romans „Effingers“ (2019) sowie der Erstausgabe des dritten Tergit-Romans „So war's eben“ (2021) war Hennebergs Veröffentlichung einer ersten umfassenden Biografie „Gabriele Tergit. Zur Freundschaft begabt“, erschienen im Februar beim Verlag Schöffling & Co, nicht nur folgerichtig, sondern sogar notwendig, um der literarischen Gesamtleistung Gabriele Tergits erstmals umfänglich gerecht zu werden.

Nach intensiver Recherche und Sichtung von fast 50 Materialkästen im Deutschen Literaturarchiv Marbach mit umfangreicher Korrespondenz Tergits, Originalmanuskripten und wieder verworfenen Texten bringt uns Henneberg auf 400 Seiten einschließlich eines 30-seitigen Anhangs mit Quellen-, Literatur- und Namensverzeichnissen nicht nur das Leben Gabriele Tergits näher, sondern schildert auch eindrücklich deren in Flucht, Emigration, lebenslänglicher Heimatlosigkeit und fehlender Anerkennung als Schriftstellerin begründete Verzweiflung und letztlich auch Resignation.

Noch zu Kaisers Zeiten in einem Berliner Fabrikantenhaushalt geboren, arbeitete Elise Hirschmann ab 1924 unter dem Pseudonym Gabriele Tergit als Journalistin und heiratete 1928 den jüdischen Architekten Heinz Reifenberg (1894 bis 1968), Nachkomme wohlhabender Fabrikanten- und Bankiersfamilien. Deren Leben und Lebensumfeld bildete später die Grundlage ihrer stark autobiografisch geprägten Werke. Nach der Machtergreifung der Nazis konnte sich Tergit im November 1933 nur knapp ihrer Verhaftung entziehen und nach Prag entkommen. Noch im selben Jahr emigrierte sie mit ihrem Mann widerwillig nach Palästina, das für die deutsche Bildungsbürgerin kein „gelobtes Land“ war, und zog 1938 nach London, wo sie bis zu ihrem Tod (1982) lebte, nur schlecht als Journalistin und Schriftstellerin arbeiten konnte, vor allem aber viele Jahre als Sekretär (Geschäftsführerin) des Exil-PEN aktiv war, des Verbands deutschsprachiger Autoren im Ausland. Henneberg: „Die Mitglieder des Clubs bildeten ihren Freundeskreis und ersetzten zumindest ein bisschen das, was sie durch die Vertreibung verloren hatte.“

In der Nachkriegszeit besuchte Gabriele Tergit mehrmals ihre alte Heimatstadt („Der erste Zug nach Berlin“, 2000/2023), wurde aber häufig durch antisemitistische Äußerungen verschreckt. Tergit: „Hitler schwebt immer noch wie ein dunkler Geist über Deutschland.“ Dennoch versuchte sie wiederholt, als Schriftstellerin in Deutschland Anerkennung zu finden, war dies doch trotz jahrelangen Exils ihre Heimat geblieben: „Mein Leben in Berlin, das hat mich lebenslänglich geprägt.“ Doch ihr endlich veröffentlichter Roman „Effingers“ kam 1951 zur Unzeit und wurde kaum beachtet. Henneberg: „Nur wenige Buchhändler nahmen ihn überhaupt in ihr Sortiment, und die Menschen wollten von einer jüdischen Familie nichts lesen.“ Von einer Berliner Kulturdezernentin musste Tergit sich sogar sagen lassen: „Wer sind Sie überhaupt? Habe den Namen noch nie gehört.“

Auch 20 Jahre später bleibt trotz positiver Resonanz auf die Neuausgabe ihres Käsebier-Romans die erhoffte Anerkennung aus. Als sie 1977 einem Verlag das Manuskript ihres dritten Romans „So war's eben“ über die Blütezeit jüdischen Lebens anbietet, dem Deutschland viele Geistesgrößen und Mäzene verdankte, lehnt dieser eine Veröffentlichung ab: Dies sei ein „Buch für Insider, aber das werden nicht mehr sehr viele sein“. So kam es, dass dieser dritte Roman Tergits erst ein Jahr nach ihrem Tod nur in gekürzter Fassung und endlich 40 Jahre später (2021) durch Tergit-Expertin Nicole Henneberg in seiner originalen Fassung veröffentlicht wurde.

Mit den Neu- und Erstausgaben der Werke Gabriele Tergits, vor allem aber jetzt mit ihrer akribisch erarbeiteten, literarisch und historisch interessanten Tergit-Biografie hat Nicole Henneberg die jüdische Schriftstellerin nicht nur der Vergessenheit entrissen, sondern ihr das verdiente literarische Denkmal gesetzt. Wer Tergits Bücher inzwischen kennt, kommt um diese Biografie nicht herum, trägt sie doch viel zum besseren Verständnis ihrer Romane bei. Wer ihre Bücher noch nicht kennt, wird nun zweifellos zum Lesen ihrer Werke animiert. Die Biografie „Gabriele Tergit. Zur Freundschaft begabt“ ist also in jedem Fall eine unbedingt empfehlenswerte und zweifellos lohnende Lektüre. 

Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Welche Genres erwarten dich?

Community-Statistik

7 Bibliotheken

2 Merkzettel

Worüber schreibt Nicole Henneberg?

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks