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annlu

vor 1 Jahr

(17)

„Nun zu dir, Niemand!“

Alle lachten über ihn. Der Teufel hatte eine Macke. Aber das war das kleinste Problem, hier im Niemandsland. Denn Überhaupt Niemand und Niemand Sonst kämpften um den Thron. Sie stritten nicht laut wie die Laberköppe und beschwerten sich nicht über die eigene Dummheit wie der Teufel. Über ihre hinterhältige und in aller Stille ausgefochtene Zwietracht vergaßen sie den, der wirklich wichtig war: Niemand!

Klappentext: Neben unserer liegt eine Welt voller Mehrdeutigkeiten. Eine Welt, in der alles wörtlich genommen wird, in der Drecksäcke, Wurzelmännchen, Trauerklöße oder Laberköppe leben. Dorthin verirrt sich Nina und begegnet – Niemand. Niemand ist der künftige Herrscher von Niemandsland, doch sein eigener Vater – Niemand Sonst – will ihm den Thron streitig machen. Der Böse glaubt seinen Sieg sicher, wäre da nicht dieser leckerlieblichzuckersüße Erdbeerduft des Menschenmädchens, der alles durcheinanderbringt. Nina und Niemand finden Verbündete, die ihnen beim Kampf gegen Niemand Sonst helfen: eine ABK, Fräulein Klimper, den Nikolaus und viele mehr. Nur auf eine Weise kann das Niemandsland vor der Vernichtung gerettet werden: Niemand muss seinen Namen erhalten. Aber welcher Name ist passend für einen jungen Herrscher? Auf der Suche nach dem perfekten Namen stößt Nina auf ein düsteres Geheimnis.


Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, habe ich hier auf den Klappentext zurückgegriffen, da ich ihn sehr aussagekräftig fand – eine Zusammenfassung, die auch den Stil des Buches wiedergibt, hätte ich nicht so passend hinbekommen.

Die Geschichte ist in kurze Kapitel eingeteilt und sehr sprachbetont. Sie erinnert an ein Märchen und ist etwas Besonderes durch ihre fantasievollen Wesen - Redewendungen und wörtlich genommene Ausdrücke werden hier lebendig. Manche davon konnte ich mir gleich vorstellen, andere brauchten mehr Fantasie. So kommen neben dem unsichtbaren Herrscher bekannte Gesichter, wie der Teufel (der Probleme beim Scheren hat), Jesus, der Nikolaus und der kopflose Reiter vor, aber auch die Labberköppe, eine klimpernde Fee, der Trauerkloß und ein Schaumschläger... Würde ich alle hier aufzählen, wäre die Liste bei weitem länger. Manchmal hatte ich das Gefühl, auf jeder Seite einem neuen Wesen zu begegnen. Bei einigen, wie dem Drecksack und den Schleimschießern, bin ich erst einmal zusammengezuckt – man liest die Wörter ja nicht unbedingt in Märchen. Sie haben hier aber die gleiche Existenzberechtigung, wie alle anderen Niemandsländer, sind genau das, was ihr Namen beschreibt und nicht irgendwelche Schimpfwörter oder schlechte Wesen.

Wie in einem Märchen erscheint die Handlung auf den ersten Blick geradlinig und durchschaubar. Sie wechselt sehr rasch, der gemeinsame Weg von Niemand und Nina ist von vielen Begegnungen – einige davon auch gefährlicher Art – geprägt. Auf den zweiten Blick enthält die Geschichte aber neben ihrer humorvollen Art, Wörter und Mehrdeutigkeiten zu betrachten, auch – typisch Märchen – tiefgründigere Aussagen. So begegnen sie den Stromschwimmern, die alle in eine Richtung gehen, ohne darüber nachzudenken. Diese Szene wird mit den Worten kommentiert: „Wenn du das erste Mal gegen den Strom schwimmst, ist es anstrengend. Aber mit der Zeit wirst du daraus deine Lehren ziehen. Nur so erlangst du deine Weisheit und sammelst Erfahrungen.“ Das Zitat stellt nur eine Kostprobe dar, da immer wieder passend zu den Wesen (und damit den von uns benutzen Namen und Ausdrücken) auch kritische Anmerkungen herausgelesen werden können.

Neben der Reise und den fantastischen Wesen werden Nina und Niemands Gefühle füreinander beschrieben, die sich immer besser verstehen. Dass sie beide einige Probleme mit ihren Familien haben, scheint sie noch mehr zueinander zu bringen. Eine Besonderheit des Niemandslandes ist es, dass Gefühle als Gerüche wahrgenommen werden können. So fand ich die Beschreibungen des Verliebtseins nicht kitschig oder störend, sondern leckerlieblichzuckersüß nach Erdbeer duftend.

Erwähnen muss man bei diesem Buch auch die Aufmachung. Schon das Cover der neuen Auflage finde ich sehr geschmackvoll, dezent aber doch ansprechend. Der Umschlag ist aus einem glänzenden Material gefertigt. Hinter den Klappen – von denen eine das mir sehr sympathische Wurzelmännchen zeigt, das in der Geschichte eine Nebenrolle spielt – liegt vorne eine detaillierte Karte des Niemandslandes. Im Buch selbst werden einige Kapitel von Illustrationen abgeschlossen, die die Geschichte lebendiger machen.

Ich hatte sehr hohe Erwartungen an das Buch, die der Klappentext und die Beschreibung ausgelöst haben. Sie wurden anders erfüllt, als ich mir das vorgestellt hatte. Hatte ich mit mehr Humor gerechnet, so wurde ich hier durch die Sprachgewandtheit und die eher zurückhaltende Kritik überrascht. Das Buch ist keines, das sich leicht nebenbei dahinlesen lässt, es braucht etwas Konzentration, um all die Doppeldeutigkeiten herauszulesen. Wenn man sich dafür aber die Zeit nimmt, so wird man mit einer netten Geschichte und einer einzigartigen Idee belohnt.

Autor: Nicole Rensmann
Buch: Niemand
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