Saphir Royal: Touch the Boss von Nika Liebmann ist eine moderne Gay Boss Romance, die das klassische Machtgefälle zweier Männer in ein luxuriöses Grandhotel-Setting verlegt und dabei weit mehr erzählt als eine reine Affären-Geschichte. Zwischen Spa, Chefetage und familiärem Erwartungsdruck entfaltet sich eine Romanze, die von Anziehung lebt, aber vor allem von Kommunikation, Verantwortung und emotionaler Reife.
Im Zentrum stehen Marek, ein engagierter Spa-Masseur, der beruflich feststeckt und sich zunehmend von seinem aktuellen Vorgesetzten ausgenutzt fühlt, und Leandro, der Sohn des Hotelbesitzers, der durch die schwere Erkrankung seines Vaters unvermittelt in eine Rolle gedrängt wird, für die er sich weder bereit noch frei fühlt. Beide befinden sich an Wendepunkten ihres Lebens, beide tragen Verantwortung, allerdings aus völlig unterschiedlichen Machtpositionen heraus. Genau dieses Spannungsfeld nutzt der Roman konsequent und glaubwürdig.
Besonders gelungen fand ich auch hier die Figurenzeichnung. Marek wirkt ruhig, professionell und reflektiert, gleichzeitig aber auch verletzlich. Sein innerer Konflikt, der Wunsch nach beruflicher Anerkennung, gepaart mit dem Bedürfnis nach Nähe und Fairness, ist jederzeit nachvollziehbar. Leandro hingegen bringt eine ganz andere Energie mit: Er ist impulsiver, im Bossmode, oft von neckischen Gedanken aber auch von Unsicherheiten im Bezug auf eigene Gefühle und Beziehung begleitet. Gerade diese Gegensätzlichkeit verleiht der Beziehung Dynamik. Es prallen zwei Lebenswelten aufeinander, die sich zunächst reiben, sich aber genau dadurch ergänzen und gegenseitig herausfordern, was mir sehr gut gefallen hat.
Ein zentrales Thema des Romans ist Kommunikation. Saphir Royal zeigt sehr deutlich, dass gute Absichten allein nicht ausreichen, wenn Machtverhältnisse unausgesprochen im Raum stehen. Die Beziehung zwischen Marek und Leandro lebt von Missverständnissen, unausgesprochenen Sorgen und der Frage, wie viel Nähe unter ungleichen Voraussetzungen überhaupt erlaubt ist. Besonders stark fand ich dabei, dass beide Perspektiven ernst genommen werden: Mareks Zurückhaltung wirkt ebenso begründet wie Leandros Fürsorge. Die Konflikte entstehen nicht aus künstlichem Drama, sondern aus realistischen, emotional nachvollziehbaren Situationen wie ich finde.
Neben der Liebesgeschichte überzeugt auch das Setting. Das Hotel „Saphir Royal“ ist nicht bloße Kulisse, sondern ein lebendiger Teil der Handlung. Interne Probleme, wirtschaftlicher Druck und äußere Bedrohungen, bis hin zur Steuerfahndung, verleihen der Geschichte zusätzliche Spannung und Tiefe. Diese zweite Ebene sorgt dafür, dass der Roman nicht ausschließlich auf die Beziehung fokussiert bleibt, sondern auch strukturelle und familiäre Konflikte beleuchtet. Für mich war genau dieser Aspekt ein großes Highlight, weil er die Neugier konstant hochhält und die Handlung vorantreibt. Ich war so gespannt und neugierig wie es dazu gekommen ist und wie es am Ende aufgelöst wird.
Stilistisch verbindet Nika Liebmann emotionale Nähe mit prickelnder Spannung. Die erotischen Elemente sind präsent, aber eingebettet in Charakterentwicklung und Handlung. Sie dienen nicht dem Selbstzweck, sondern unterstreichen Intimität, Vertrauen und emotionale Öffnung, was mir sehr gefallen hat. Insgesamt entsteht eine sehr stimmige Mischung aus Gefühl, Romantik, sinnlicher Spannung und erzählerischem Drive finde ich.
Saphir Royal: Touch the Boss ist damit für mich eine gelungene Boss Romance, die bekannte Tropes nutzt, sie aber mit emotionaler Tiefe, glaubwürdigen Figuren und einem atmosphärischen Setting füllt. Für mich war es ein rundes, mitreißendes Leseerlebnis, das zeigt, wie gut Gay Romance funktionieren kann, wenn sie nicht nur auf Anziehung setzt, sondern auf echte Beziehung, Dialog und Entwicklung. Dazu würde ich mir auch eine Reihe wünschen 🤭








