Nika Sachs Namenlos

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Inhaltsangabe zu „Namenlos“ von Nika Sachs

Namen sind Schall und Rauch. Das denkt sich auch die junge Frau, die den Unbekannten am Nachbartisch anspricht. Sich gegenseitig vorstellen, interessant finden, verabreden, ausgehen und am Ende intim werden? Ein alter Hut. Wie lernt man sich am besten kennen? Rückwärts, findet sie. So bestehen die unkonventionellen Dates der beiden Protagonisten aus schwarzhumorigen und tiefsinnigen Gesprächen über Literatur, Arbeit, Liebe und dem magischen Moment der Zweisamkeit mit einem unbekannten Menschen. Vor allem aber beinhalten sie eines nicht: die Frage nach dem Namen. Wie so oft folgen Leben und Liebe aber ihren ganz eigenen Gesetzen und komplizieren das Vorhaben mit der möglichst späten Auflösung des Geheimnisses.

Melancholisch, intensive Sprache, tief. Geht unter die Haut und ist einfach nur grandios!

— KKahawa

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  • Liebe ohne Namen oder was sagt der Name über uns

    Namenlos

    Eva-Maria_Obermann

    18. May 2017 um 15:54

    Namenlos ist der Protagonist, ein schreibender Wirtschaftsmensch, der vor kurzem verlassen wurde. Es ist die Verzweiflung der Einsamkeit, mit der dieses Buch emotional einsteigt. Kein Wort ist Kitsch. Nah an der Figur, vielleicht gerade dadurch, dass kein Name genannt wird. Herr Namenlos trifft eine Frau, sehr klassisch, in einer Bar. Und das ist das einzige klassische daran. Denn die beiden lassen sich auf das Experiment ein, sich ohne Informationen wie Namen kennen zu lernen. Was ist er eigentlich, dieser Name. Was bedeutet er. Der Erzähler mimt einen personalen, dass er auktorial ist, merkt der Leser, wenn auch die Frau, ihre Gefühle und Gedanken im Mittelpunkt stehen. Hauptfigur aber bleibt der männliche Part der Erzählung. Und der wünscht sich sehr schnell, den Namen der Frau zu wissen, mit der er sich trifft. Und mehr. Doch was ist es eigentlich, was wir wissen müssen, um jemanden zu kennen? Name, Herkunft, Auto, Wohnort – Informationen, die wenig über unser Inneres aussagen und doch über unsere Prägung. Manche Dinge werden angesprochen, bekannt gegeben. Sehr langsam aber. Stattdessen diskutieren Herr und Frau Namenlos über eben solche sozialen Strukturen, über Philosophie, Musik, Kunst. Eine Argumentationskultur, die viel verrät, ohne sich an den Normen der Statussymbole (Namen, Auto, Wohnung) abzuarbeiten. Ein interessantes Experiment, dass viel über die eigentliche Basis einer Beziehung aussagt. Frei von Herkunftsmerkmalen (dazu gehört auch der Name), geht es den beiden erst mal um sich. Eben um ihr innerstes. Die Gespräche sind intensiv, tief und voller Inhalte. Statt beschwörend den Namen des anderen zu Hauchen, wird wirklich gesprochen. Ganz ohne den Rest geht es aber doch nicht. Je mehr die beiden unternehmen, desto mehr tauchen sie auch in das Leben des jeweiligen anderen ein. Bis nur noch der Name fehlt, das letzte Rätsel. Mythologisch gesehen bietet der Name eine Macht über den anderen. Wer den wahren Namen kennt, kann Menschen, Dinge, Dämonen, besiegen. Heute bedeutet der Name auch die Möglichkeit, den anderen zu prüfen. Digital versteht sich. Wir glauben alles zu wissen, weil wir es nachlesen können. Bilder sehen, Kommentare, Lebensläufe. Doch das ist nur ein Abbild des Menschen, nicht der Mensch wirklich. Nika Sachs schafft es, diesen Umstand aufzugreifen. Der Stil ist wunderbar. Zwischen sehr klaren Debatten wird es geradezu poetisch. Nicht durch Metaphern, sondern durch die Sprache selbst. Die ist hier nicht nur Kommunikationsmedium, sondern Kunstwerk. Darin gehe ich als Lesende auf, verliere mich, tauche ein. Und so werden auch die Argumentationen nicht einfach dahingestellt, sondern dem Leser als Angebot gemacht. Namenlos ist eine wundervolle Liebesgeschichte, ohne Kitsch, ohne Schnulziges, ohne Übertreibungen. Bitte lesen!

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  • Zurück bleibt die Leere des verblassten Idealismus.

    Namenlos

    KKahawa

    21. January 2017 um 12:13

    Namenlos ist eine Novelle im Hardcovereinband und dabei recht dünn. Auf Seite 89 ist die Novelle vorbei. Zunächst denkt man, für 15,99 € sei das ein recht teures Buch, aber bedenken wir, dass Hardcover enorm hochwertig sind und es auf den Inhalt ankommt. Und beim Inhalt wird man umgehauen: Durch die intensive Sprache der wortakrobatischen Autorin haben diese kleinen 89 Seiten gefühlt mindestens so viel Inhalt wie ein 300-Seiten-Roman.Die Namenlosigkeit lässt das Leseerlebnis zunächst im ersten Kapitel etwas holprig erscheinen. Man hat kein Bild von den Menschen im Kopf, wenig Vorurteile. Und die Vorurteile sind doch das, was uns in ein gutes Buch so schnell hineingleiten lässt. Wir sind sofort Teil der Geschichte, weil wir uns Bilder machen. Das gönnt uns die Autorin nicht. Zugegeben, ich hätte es sogar noch schöner gefunden, wenn Miriam nicht Miriam heißen würde, aber die Anfangsholprigkeit und der besondere Kern der Geschichte erreichten mich schon beim ersten Wort.So richtig in den Lesefluss bin ich erst im zweiten Kapitel gekommen. Und dann das dritte Kapitel! Spätestens ab da war ich Feuer und Flamme für die Geschichte.A propos Feuer und Flamme, da empfehle ich jedem (einschließlich der Autorin), Seite 24 als universelle Leseprobe herauszugeben. Ich bin verliebt in Seite 24. Klingt komisch, ist aber so. Hier zeigt sich, wie talentiert die Autorin mit den Worten spielt und mit ihrer Melancholie und Aussagedichte womöglich alle anderen Autoren (auch die mit Verlag) in den Schatten stellt. Ich spreche hier von einem Meisterwerk der Schriftstellerei; von allerhöchster Kunst. Seite 24 rausreißen und in einem Museum an die Wand tackern – würde ich machen, wenn ich es über's Herz bringen könnte, Büchern wehzutun.Wer also wissen will, warum Ornitologen "die Freiheit, die Fähigkeit von der Welt abzuheben" analysieren, wie es ist, "eine Masche enger im Fischernetz der kreativen Abhängigkeit" zu geraten oder über den emotionalen Bildungsstand zweier Personen schmunzeln will, ist hiermit aufgerufen, sich dieses klasse Buch zu kaufen.Der Fairness halber muss ich natürlich auch auf die negativen Kleinigkeiten eingehen: Ab und zu entdecke ich Kommafehler, selten ist "Sie" kleingeschrieben, obwohl es sich um die höfliche Anrede handelt, ein Punkt am Ende des Satzes hat mal gefehlt und zwischen den großen, imposanten Wörtern wird man oft mit "fragen, sagen, antworten" abgekühlt.Wie schlimm das ist, sehen Sie an meiner Bewertung mit fünf Sternen, denn es stört nur den Spießer in mir, nicht die begeisterte Leseratte.Dank ist im Miteinander niemals neutral, und so danke ich, die Leserin, der Autorin für dieses Kunstwerk und dass es diese Novelle gibt. Sie ist ungewöhnlich und die zahlreichen Interepretationsebenen haben mich so sehr beeindruckt, dass ich das Buch an Weihnachten noch einmal lesen möchte.

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