Im Traumland begleitet man einen kleinen Prinzen und eine Prinzessin, die Tag für Tag in denselben Abläufen feststecken, bis ein gemeinsamer Traum ihr Leben verändert. Sie merken, dass sie beide von derselben fremden Welt geträumt haben und machen sich gemeinsam auf eine Reise, um herauszufinden, was dieser Traum bedeutet. Auf ihrem Weg treffen sie auf verschiedene Tiere wie die Eule Keule, die Ratten, einen seltsamen Vogel und ein kleines Pferdchen, die sie ein Stück ihres Weges begleiten und ihnen neue Gedanken mitgeben.
Der Schreibstil ist besonders und erinnert mich an die rätselhafte, leicht verdrehte Logik aus Alice im Wunderland. Viele Sätze wirken auf den ersten Blick verwirrend, fast geheimnisvoll, tragen aber im Hintergrund eine tiefere Bedeutung in sich. Genau das macht das Lesen anspruchsvoller, aber auch sehr reizvoll. Man darf mitdenken, deuten und sich selbst Fragen stellen – und gerade das hebt das Buch von klassischen Kinderbüchern ab.
Ein Satz blieb mir ganz besonders im Gedächtnis:
„Wenn man nicht das bekommt, was man wollte, bekommt man Erfahrung.“
Dieser Gedanke fasst die philosophische Seite des Buches wunderschön zusammen. Er zeigt, dass Enttäuschungen und Umwege nicht sinnlos sind, sondern etwas Wertvolles entstehen lassen – und dass es sich lohnt, offen für neue Wege zu bleiben.
Die Illustrationen passen hervorragend zum Thema Traum. Sie sind sanft, zart und nicht zu kräftig pigmentiert, wodurch sie wie schwebende Traumsequenzen wirken. Viele kleine Details laden zum Entdecken ein. Die Kinder, mit denen ich das Buch angeschaut habe, blieben lange an einzelnen Seiten stehen und haben erst die Bilder erkundet, bevor wir gemeinsam den Text gelesen haben. Das Buch lässt viel Raum für Fantasie und Gespräche.
Im Traumland richtet sich an Kinder, an Erwachsene, an Kindgebliebene und an alle, die sich manchmal eine kleine Flucht ins Fantastische wünschen. Es regt zum Nachdenken an, bringt Humor mit und stellt gleichzeitig philosophische Fragen über Wünsche, Erwartungen und das, was wirklich zählt.
Für mich ist es ein ungewöhnliches, poetisches und tiefgründiges Kinderbuch, das sich besonders für gemeinsame Vorlesemomente eignet – und für alle, die Geschichten lieben, die ein wenig geheimnisvoll, ein wenig verrückt und gleichzeitig voller kleiner Erkenntnisse sind.