Niklas Luhmann Der neue Chef

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Inhaltsangabe zu „Der neue Chef“ von Niklas Luhmann

Jede Organisation, und sei sie noch so behäbig, erfährt eine gewisse Erschütterung durch die Nachricht, dass ein neuer Chef oder eine neue Chefin ins Haus steht. Flurgespräche häufen sich, mit Wissensvorsprüngen wird gepunktet, Ungewissheit liegt in der Luft. Aber auch nach vollzogenem Wechsel gibt es Probleme, etwa wenn der, der »von oben« überwachen soll, »von unten« angelernt werden muss. Kurzum: Die Beziehung zwischen Vorgesetzten und Untergebenen ist kompliziert. Niklas Luhmann hat sie unter die soziologische Lupe genommen und zeigt, wodurch sie strapaziert wird: durch Kommunikationsschwierigkeiten und Selbstdarstellungsinteressen, Rollenfindungsprobleme und Wertvorstellungsdissonanzen. Der Schatten des Vorgängers kann lang, der Einfluss innerbetrieblicher Cliquen schwer zu durchbrechen sein. Und über allem schwebt die Frage: Wer hat die Macht? Es ist, soviel ist sicher, nicht per se der Chef – vorausgesetzt, so Luhmann, die Untergebenen beherrschen die Kunst, ihren Vorgesetzten zu lenken. »Unterwachung« ist sein Stichwort und Takt das wichtigste Mittel zum Zweck. Aber Vorsicht: Wer es darin zur Meisterschaft bringt, der wird nicht selten – der neue Chef.

Kurzweilig, theoretisch, analytisch und so herrlich zeitlos und amüsant geschrieben. Luhmann FOREVER!

— ichundelaine
ichundelaine

Die Lektüre sei insbesondere den mehrheitlich juristisch besetzten Personalabteilungen empfohlen.

— schreibwasueber
schreibwasueber

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    Der neue Chef
    ichundelaine

    ichundelaine

    05. September 2017 um 20:02

    Wer hinter dem Titel "Der neue Chef" einen Ratgeber a la "So werden Sie Chef und bleiben es auch" vermutet und eine praxisbezogenen Text mit Anleitung erwartet, der sollte hiervon lieber die Finger lassen. Niklas Luhmann ist Soziologe und genau so nähert er sich auch der Thematik."Der Alltag ist für den Beamten geregelt. Er kann seine Gefühle daher für sich behalten."Ich muss hier gestehen, dass ich ein kleines Luhmann-Fan Girl bin, seitdem ich ihm im Studium begegnet bin und meine helle Freude an diesem Buch hatte. Rein theoretisch und analytisch nimmt Luhmann die Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und ihren Vorgesetzten am Beispiel der Verwaltung auseinander. Er wendet seinen Blick weniger auf das Individuum als auf die Gruppe von Personen, die innerhalb einer Organisation mit einem neuen Vorgesetzten konfrontiert werden. Hierbei analysiert er zunächst die Beziehungen innerhalb der Gruppe der "Untergebenen" und deren Strategien, mit den formalen Regularien ihrer Arbeit umzugehen und diese, durch Zusammenschlüssen und persönliche Charaktereigenschaften, zu ihren Gunsten zu biegen, ohne diese jedoch zu brechen. Durch diese Gruppierungen bekommt die streng reglementierte Arbeit auch einen persönlichen Charakter und verleiht dem Individuum das Gefühl, eben nicht in einem Korsett zu agieren. Luhmann beschreibt scharfsinnig die Wechselwirkungen zwischen Individuum (Beamter/Arbeiter) und Organisation (Verwaltung/Arbeitsstätte) und vieles davon kommt dem geneigten Leser dann doch recht bekannt vor, besonders wenn es um die Absonderung bestimmter Kleingruppen geht, denn wer kennt sie nicht, diese Gruppe an Kollegen, die immer etwas zu beanstanden hat?"Die Organisation fordert ihm jedoch nur spezifische Leistungen ab. Seine Gefühle, und seine Selbstdarstellungsinteressen werden dabei kaum beansprucht. Sie lungern während der Arbeit funktionslos herum und stiften Schaden, wenn sie nicht unter Kontrolle gehalten werden." Er widmet zudem ein komplettes Kapitel der "Unterwachung". So kann ein neuer Vorgesetzter durch das Vorenthalten von Informationen bzw. durch das weiterleiten ausgewählter Informationen von unten gesteuert werden, ohne das dieser es überhaupt merkt. Um den Wert dieses kleinen Büchleins, das perfekt in jede Handtasche passt, zu erkennen, bedarf es keinem Soziologie-Studium, lediglich einem Interesse an einer analytischen Auseinandergliederung von bestimmten sozialen Phänomenen in der Arbeitswelt, denn DAS kann Niklas Luhmann! Und äußerst amüsant schreiben auch. 

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  • „Der neue Chef“, von Niklas Luhmann

    Der neue Chef
    schreibwasueber

    schreibwasueber

    23. June 2016 um 14:27

    „Hilfreich ist die Vorstellung, der Vorgesetzte habe keine Kleider an.“, so der Text auf dem Cover von „Der neue Chef“ von Niklas Luhmann (1927 bis 1998) und Jürgen Kaube (Hrsg.), das soeben im Suhrkamp Verlag erschienen ist. Naja, dachte ich mir, als ich das Buch in den Händen hielt, die Oma hat es schon in meiner Kindheit so ähnlich formuliert („Junge, stell dir die „Wichtigen dieser Welt“ in langen Unterhosen vor. Die sehen genauso bescheuert aus wie alle anderen.“).   Insofern war ich gespannt, was mir hier inhaltlich geboten werden würde. Die Bedeutung dessen, was Luhmann, der ja bereits 1998 verstarb, hier auf etwas über einhundert Seiten abgeliefert hat, ist gerade heute von immanenter Bedeutung.    Zunächst versteht es Niklas Luhmann vortrefflich darzustellen, auf welche Weise die klassische Organisationswirtschaft die emotionale Komponente in der Beziehung zwischen Vorgesetztem und Untergebenen verkennt und ignoriert. Als grundsätzliches Versagen der Organisationswirt- und Wissenschaft würde ich das jetzt nicht bezeichnen, gleichwohl schafft es Luhmann, die heute immer wichtigere informale Ordnung von Unternehmen und deren Bedeutung für „den neuen Chef“ herauszuarbeiten. Man könnte auch von Management by Emotion sprechen. Er unterscheidet hier noch den internen und den externen „neuen Chef“. Dabei sieht sich der externe „neue Chef“ vor eine deutlich größere Herausforderung gestellt. Durch die in jedem Unternehmen vorhandenen informalen Strukturen (kurz Cliquen und Gruppen, die das Ziel haben gemeinsame Interessen innerhalb einer Unternehmung durchzusetzen, unter Umgehung formaler Regeln und Kontrollinstanzen – die sogenannten „Spin-Doktoren“ einer Unternehmung), kann es zu seiner kommunikativen Isolierung kommen, insbesondere, wenn der Vorgänger unter Umständen an anderer Position noch im Unternehmen ist. Sofern es dem „neuen Chef“ hier nicht durch geeignete Maßnahmen, monetärer oder emotionaler Art, gelingt auch akzeptierter Chef der informellen Organisation zu werden (was nach Luhmann nicht zwangsläufig mit dem Einnehmen der Position einhergeht), kann dieses zu einem grandiosen Scheitern führen.    Für mich gibt es dazu herausragende Beispiele: Zum Einen scheiterte der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler („der neue Chef“ als Kontrastprogramm, in diesem Fall ein „Nicht-Politiker“ gegen Politiker), nicht etwa an seiner mangelnden Qualifikation, sondern an den informellen internen und externen Netzwerken der Bundeshauptstadt. Gleiches gilt für die Kurie im Vatikan. Erst Papst Franziskus scheint es, zumindest in Teilen, zu gelingen, das Netzwerk der Kurie aufzubrechen, während seine Vorgänger mehr oder weniger Marionetten gleichzusetzen waren.  Insofern liefert gerade der Vatikan ein gutes Beispiel dafür, wie Untergebene in der von Luhmann geschilderten Art und Weise ihre Vorgesetzten zu lenken vermögen, da ihnen die Komplexität der jeweiligen Entscheidungslage deutlich bekannter ist, als dem „neuen Chef“ und trifft hier den Kern, wenn er die Auffassung vertritt, dass der, der seine Vorgesetzten zu lenken vermag später Vorgesetzter wird.   Fazit: Niklas Luhmann’s „Der neue Chef“ ist weit mehr, als die Vorstellungskraft „vom Vorgesetzten ohne Kleider“. Die Lektüre sei insbesondere den mehrheitlich juristisch besetzten Personalabteilungen empfohlen, die auch heute noch Stellen allein auf Basis klassischer Annahmen der Organisationswirtschaft treffen und informale Komponenten ausser Acht lassen. Dies kann, wie Luhmann richtig feststellt, bei mittelständischen Unternehmen bis zur Unternehmensgefährdung führen. Lest auch meinen Blog schreibwasueberPUNKTde.

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