Niklas Maak Fahrtenbuch

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Inhaltsangabe zu „Fahrtenbuch“ von Niklas Maak

Der Roman eines Autos, eines Mercedes 350 SL. Wer waren die Fahrer? Was sind ihre Geschichten? Anfang der Siebzigerjahre stellt sich der Chirurg Bellmann den Mercedes vor den Bungalow, weil er raus will aus kleinbürgerlichem Mief und Mittelmaß. Der Wagen bekommt die ersten Kratzer, das schicke Lederpolster einen Riss. Als Nächstes geht er an einen Italiener, wechselt wieder den Besitzer, kurvt durch Deutschland, fährt in den Osten und nach Frankreich. Am Ende ist das einstige Protzauto schrottreif und gelangt in einem Container nach Marokko, in Yazids Werkstatt, der die Einzelteile verkauft.

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  • Rezension zu "Fahrtenbuch" von Niklas Maak

    Fahrtenbuch
    Ulf_Borkowski

    Ulf_Borkowski

    20. December 2011 um 01:40

    Im Jahre 1971 läuft in Untertürkheim einer der ersten Mercedes 350 SL vom Band. 37 Jahre später wird er ausgeschlachtet und seine Einzelteile werden von einem marokkanischen Schrothändler verkauft. Dazwischen liegen zehn Besitzer des alpinaweißen Edel-Cabrios, deren Geschichten der FAZ-Redakteur Niklas Maak in seinem „Fahrtenbuch“ vor dem Panorama von fast vier Jahrzehnten deutscher Geschichte atmosphärisch in Szene setzt. Da ist der Erstkäufer, Hans Joachim Bellmann, ein aufstrebender Schönheitschirurg, feiersüchtig, verheiratet, schwer verliebt in eine junge amerikanische Ärztin und alles was aus Amerika kommt. In einem Bungalow mit Pool, Kellerbar und bunten Plastikstühlen ist Bellmann ein typisches Kind seiner Zeit. Doch mit seiner Frau und seiner Geliebten verabschiedet er sich auch von seinem geliebten 350er SL, der in den Besitz des erfolgreichen italienischen Immigranten Antonio Comeneno übergeht, der sich Ende der 1970er in München als Betreiber mehrerer Münchener Edel-Restaurants einen Namen gemacht hat und sich und seine Familie unvermittelt jugoslawischen Schutzgeld-Erpressern ausgesetzt sieht. Während auf dem Oktoberfest eine Bombe explodiert, kümmert sich Comenenos neapolitanische Verwandtschaft diskret um seine ungewollten Gläubiger. Niklas Maak deckt mit den folgenden Besitzern der Edel-Karosse fast das gesamte Spektrum der deutschen Gesellschaft ab und illustriert gekonnt den jeweils herrschenden Zeitgeist. Da ist der versnobte Sohn der alten Hamburger Anwaltsfamilie Berkenkamp, der nach der Wende die ostdeutsche Anverwandte Bianca aus dem Plattenbau wegheiratet, der ostdeutsche Biobauer Peter Radonovicz, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Bekanntschaft mit der Russenmafia und rabiaten holländischen Investoren macht und seinen mittelständischen Betrieb mit ebenso rabiaten Mitteln zu verteidigen weiß, die dauernd unter Alkohol- oder Marihuana-Einfluss stehende Berliner Radio-Sprecherin Marie Bergsson, die in Berlin-Mitte durch ein Chaos zahlloser Beziehungen driftet oder der Finanzmakler Jochen Berger, der beim Lehman-Brothers-Crash 2008 nicht nur seine Karriere, sondern auch den Mercedes 350 SL demoliert. Symptomatisch für fast alle Besitzer des weißen Mercedes 350 SL ist, dass die Protagonisten Brüche aufweisen und kaum einer ohne ein blaues Auge davon kommt. Stellvertretend für die deutsche Gesellschaft der letzten vierzig Jahre desillusioniert Niklas Maak seine Protagonisten in ihren Träumen von Hedonismus, Freiheit, Frieden, Sicherheit, materiellen Erfolg und persönlichem Glück, die sich in dem alpinaweißen Cabrio materialisieren. Empfehlenswert ist die die Fahrt auf Maaks Reise durch vierzig Jahre der jüngeren deutschen Geschichte allemal, auch wenn der Weg zwischendrin etwas holprig wird und man zeitweise aussteigen möchte, lenkt Maak schnell wieder auf Straßen, die ein höheres Tempo zulassen und es empfiehlt sich das „Fahrtenbuch“ bis zum Ende im Auge zu behalten.

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