Niklaus Flütsch

 4.5 Sterne bei 15 Bewertungen

Lebenslauf von Niklaus Flütsch

Niklaus Flütsch, geb. 1964, kam als Mädchen zur Welt und wusste schon als Kleinkind, dass er ein Junge sein wollte. Ein Traum, den er sich erst Jahrzehnte später erfüllte. In seinem Buch schreibt er: »Ich habe immer schon gewusst, dass mein Inneres Erleben nicht zu einem weiblichen Körper passt. So habe ich in letzter Konsequenz schließlich meinen Körper meiner männlichen Identität angepasst. Dieser Prozess war extrem befreiend und entsprach einem Gefühl, wie wenn ich nach langem Umherirren im Dunkeln endlich nach Hause gefunden hätte.« Niklaus Flütsch betreibt in Zug eine gynäkologische Praxis und ist als Geburtshelfer am Zuger Kantonsspital tätig. Daneben begleitet er transidente Menschen auf ihrem Weg, schreibt Fachartikel und hält Vorträge und Workshops im In- und Ausland.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Niklaus Flütsch

Cover des Buches Geboren als Frau - Glücklich als Mann (ISBN:9783037633137)

Geboren als Frau - Glücklich als Mann

 (15)
Erschienen am 31.10.2018

Neue Rezensionen zu Niklaus Flütsch

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Rezension zu "Geboren als Frau - Glücklich als Mann" von Niklaus Flütsch

Spannender und emotionaler Einblick ​
LaLecturevor einem Jahr

Dieses Buch zu bewerten ist eine unheimlich schwere Aufgabe, da es größtenteils die privaten Erlebnisse und Gefühle eines Menschen sind, die dieser mutigerweise mit uns teilt. Ich möchte deswegen klarstellen, dass sich weder meine Sternebewertung noch meine spätere Kritik auf Niklaus Flütsch als Person oder seine persönlichen Erfahrungen beziehen sondern lediglich auf den Aufbau dieses Buches, seine zusätzlichen Themen und seinen Wert als Informationsmaterial über das Thema Trans allgemein.

Ich war mit dem Thema Transsexualität bzw. Transidentität bereits ein wenig vertraut, jedoch eher auf theoretischer Ebene, da ich keine Trans-Menschen persönlich kenne. Für mich waren die in diesem Buch geschilderten Erlebnisse von Niklaus daher sehr faszinierend.

Das Buch besteht aus kurzen, gut lesbaren Textabschnitten, die zum Teil Erinnerungen an Niklaus‘ Kindheit darstellen, zum Teil aber auch kurze „Logbucheinträge“ aus der Zeit kurz vor, während und nach seiner Transition sind. Wie bedrückend und schmerzhaft es sein kann, als ein Mensch wahrgenommen zu werden, als der man sich nicht fühlt, schildert Niklaus hier sehr anschaulich und berührend. Alleine deshalb ist dieses Buch sicher eine lohnenswerte Lektüre für alle Menschen, die sich nicht vorstellen können, wie sich Transidentität anfühlt. Sehr emotional waren für mich auch die Abschnitte, in denen Niklaus die Freude beschreibt, die er empfand, als er endlich die ersten Male als Mann wahrgenommen wurde, und erklärt, wie und warum sich das nun viel besser und endlich richtig für ihn anfühlt.

Eingeflochten sind auch Texte aus der Sicht von Niklaus‘ Familie, Freundeskreis ehemaligen Partnerinnen, Patientinnen, Kolleg*innen und seinem Ehemann. Diese eröffnen eine neue, ebenfalls sehr interessante Perspektive darauf, wie Niklaus und seine Transition von außen wahrgenommen wurden und wie sich seine inneren Kämpfe auch auf seine Beziehungen auswirkten. Vor allem aber zeigen sie, dass Menschen, die einen wirklich lieben, einen so nehmen, wie man wirklich ist, was für mich eine sehr berührende, indirekte Aussage des Buches war.

Eine für mich besonders interessante Information, die leider nie genauer aus wissenschaftlicher Sicht erklärt wird, war für mich, dass sich Niklaus, wie viele Transmänner, zunächst als lesbische Frau identifiziert hat. Auch anhand Niklaus‘ eigener Vorurteile, von denen er erzählt, wird hier deutlich, wie häufig in unserer Gesellschaft die Grenzen zwischen sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität noch verschwimmen und so beispielsweise angenommen wird, Frauen, die sich „männlich“ verhalten, seien lesbisch. Niklaus macht, ohne auf diesen Irrtum genauer einzugehen, durch seine Geschichte den Unterschied klar.

Neben den vielen persönlichen Informationen enthält das Buch auch, vor allem im Anhang, Informationen zum Thema Transidentität allgemein, zu den medizinischen Vorgängen bei der Transition und zur Rechtslage in der Schweiz. Niklaus beschreibt anschaulich, wie belastend es für Transmenschen sein kann, wenn Nachweise für die Transidentität im Form von Therapie und einer Diagnose gefordert werden, was im Grunde bedeutet, dass Transmenschen als krank gelten müssen, um ihren Körper ihren Empfindungen anzupassen.

In vielen Passagen des Buches regt der Autor sehr zum Nachdenken an, nicht nur über den Umgang mit Transmenschen sondern auch über das Geschlecht und die Bedeutung, die wir ihm im Alltag beimessen, allgemein. Er kritisiert zum Beispiel die Klassifizierung von Transidentität als Krankheit und weist daraufhin, dass nicht die Transidentität die Probleme verursacht, sondern die Reaktionen der Gesellschaft, besonders der Drang, Menschen in Geschlechterrollen einzuordnen.

Allgemein spricht er sich, was aufgrund seiner negativen Erfahrungen mit starren Geschlechterrollen verständlich ist, dafür aus, diese Rollenbilder allgemein aufzuweichen und das Geschlecht auf juristisch-politischer Ebene abzuschaffen, sodass es in Ausweisen, auf Geburtsurkunden, etc. nicht mehr geführt wird. Ein ebenfalls interessanter Gedankengang, der angeschnitten wird, ist die Frage, wieso Menschen dem biologischen Geschlecht, das im Grunde nur für die Fortpflanzung wirklich relevant ist, so viel Bedeutung beimessen.


Trotz der vielen interessanten Aspekte kann ich das Buch nicht als Einführung in das Thema Gender, Geschlechtsidentität und Trans empfehlen. Dadurch, dass es sich hauptsächlich um einen persönlichen Erfahrungsbericht handelt, fehlt es dem Buch trotz des Glossars am Ende an vielen allgemeinen Informationen. Neurobiologische Nachweise von Transidentität und Debatten darum werde nur am Rande angeschnitten und der Autor spricht zwar von Geschlecht als einem Spektrum und von „queren Theorien“ (die er falsch oder zumindest missverständlich definiert), lässt aber unerwähnt, dass es gerade wegen dieses Spektrums auch Menschen gibt, die sich - was das Gender betrifft - weder komplett als Mann noch komplett als Frau identifizieren. Dies ist, wenn man sich für das Thema interessiert, heutzutage jedoch ein wichtiger Bestandteil der Diskussion, ebenso wie „Cis“ als Gegenbegriff zu „Trans“, der hier völlig fehlt. Den Begriff „Transgender“ kritisiert der Autor wegen des Fokus auf das „soziale Geschlecht“ und die fehlende Erwähnung der Anatomie, ignoriert dabei jedoch, dass der Begriff besonders für Menschen existiert, deren Hauptproblem eben nicht ihre Anatomie ist sondern die gesellschaftlichen Rollen, die damit verbunden werden.
Dass das Buch keine allgemeine, sachliche Einführung in das Thema ist, werfe ich dem Autor auch absolut nicht vor, denn diesen Anspruch erhebt er schließlich nicht. Doch ich hätte mir gewünscht, dass er mit Begrifflichkeiten und Informationen, die über seine persönliche Geschichte hinausgehen, etwas sensibler und informierter umgeht.

Auch das Bild der (lesbischen) feministischen Szene, dass der Autor zeichnet, fand ich kritisch. Häufig betont er, er habe Angst gehabt, zu seinem männlichen Ich zu stehen, weil seine Bekannten ihn dann als Verräter gesehen hätte, weil sie Männer hassten. Ich will nicht ausschließen, dass es solche Frauen in der lesbischen Szene gibt, doch die Darstellung und Formulierungen waren mir teilweise etwas zu verallgemeinernd.

Mein größtes Problem mit dem Buch waren jedoch die starren Geschlechterrollen, in denen der Autor - trotz seiner negativen Erfahrungen damit - denkt und spricht. Dabei geht es mir nicht darum, Niklaus‘ seine Erfahrungen mit Eigenschaften, die er an sich persönlich als männlich definiert, anzusprechen. Ich kann auch durchaus nachvollziehen, wieso jemand, der Jahrzehnte brauchte, um als Mann anerkannt zu werden, sich unter anderem über Männlichkeitsklischees definiert.
Doch häufig sind seine Aussagen über Äußerlichkeiten, Charaktereigenschaften und Hobbys, die er als „männlich“ oder „weiblich“ bezeichnet, stark verallgemeinernd. So schreibt er beispielsweise, Whiskey trinken wäre „männliche Freizeitgestaltung“ und eine Pfeife würde nicht zu einem Frauenkörper passen, über Gefühle sprechen, Schmuck, Make-Up und Röcke tragen wiederum wären weiblich. Für jemanden, der selber stark unter Geschlechterrollen gelitten hat, finde ich solche Aussagen nicht nur konservativ und rückständig sondern auch erstaunlich unsensibel, da sie, wenn er Weiblichkeit und Männlichkeit darüber definiert, implizieren, Menschen, auf die diese Dinge nicht zutreffen bzw. die Eigenschaften des anderen Geschlechts zutreffen, wären nicht weiblich bzw. männlich genug.
Mir fehlte hier einfach die klare Unterscheidung zwischen Aussagen darüber, wodurch der Autor sich persönlich besonders männlich fühlt, und Aussagen darüber, was seiner Meinung nach Männlichkeit bei allen Männern ausmacht.


Fazit

„Geboren als Frau, glücklich als Mann“ ist ein sehr emotionaler und anschaulicher Bericht über das Leben als Transmann vor und nach dem Outing, durch den ich viel Neues gelernt habe. Als allgemeine Einführung in das Thema Trans und all seine Facetten ist das Buch jedoch nicht geeignet und auch die kommentarlose Wiedergabe starrer Geschlechterrollen störte mich.

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Rezension zu "Geboren als Frau - Glücklich als Mann" von Niklaus Flütsch

Eine Metamorphose
Arwen10vor einem Jahr

Der Autor wurde als Frau geboren und lebt nun glücklich als Mann. Der Titel des Buches ist zugleich die Inhaltsangabe. Bisher habe ich schon öfters davon gehört, aber nie von einem Betroffenen darüber gelesen.

Meine Meinung lasse ich nicht einfließen, sondern bewerte nur das Gelesene. Für mich bleiben Fragen offen, die ich gerne dem Autor gestellt hätte, erst dann ergibt sich für mich ein abschließendes Bild.

Das Buch ist in kurzen Abschnitten geschrieben. Immer wieder wechselt die Sicht des Autors mit den Menschen seiner Umgebung ab. Hier bekommt der Leser ein umfassendes Bild vom Gefühlsleben des Autors. Irritierend fand ich das Hin- und Her zwischen den Jahren. Eine chronologische Reihenfolge hätte ich hier besser gefunden. Nach dem Lesen hatte ich noch einige Fragen.  Zum Glück gibt es den Anhang mit weiterführenden Informationen. Diese fand ich sehr hilfreich und sie haben mir auch weitergeholfen.

Wer ein Buch sucht, wie man sich fühlt, wenn man wie der Autor davon ausgeht, im falschen Körper zu sein, bekommt hier umfassende Informationen. Der Autor beschreibt dazu noch seine Wandlung. Als Frau geboren, lebt er nun auch als Mann. Wie man auch am Buchcover erkennen kann.

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M

Rezension zu "Geboren als Frau - Glücklich als Mann" von Niklaus Flütsch

Respekt
MK262vor einem Jahr

„Geboren als Frau, glücklich als Mann“ von Niklaus Flütsch ich konnte es am Anfang nicht glauben das die Person auf dem Titelbild früher eine Frau gewesen ist. Habe das Buch mit großem Interesse gelesen war für mich ein ganz neues Thema mit dem ich mich noch nie so intensive auseinander gesetzt habe. Ich fand bei vielen TV Sendungen schon immer sehr bewundernswert. Egal Ob Frau/Mann oder Mann/Frau Es gibt aber tiefere Einblicke wieder nur im TV mit viel Schminke hohen  Schuhen und Schicken Kleidern. Hier geht es einem richtig Nahe und man bekommt mit wie es in einem Menschen aussieht. Ein wunderbares Buch mit Tiefeneinblicken in das wahre Leben. 

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches Geboren als Frau - Glücklich als Mann (ISBN:undefined)
Niklaus Flütsch kam 1964 in Zürich zur Welt. Als Bettina. Das Kind trug alle äußeren Zeichen eines Mädchens, wurde von seiner Umgebung auch eindeutig als solches wahrgenommen, fühlte sich aber als Junge. Im Alter von vier Jahren bat es seine Mutter, sich die langen Haare schneiden zu dürfen. Die Enttäuschung, dass mit den fallenden Haaren nicht automatisch ein Zipfelchen zwischen seinen Beinen wuchs, war immens. Über seine Seelennot redete das Kind nie, auch nicht in der Pubertät. Es arrangierte sich so weit wie möglich mit seiner weiblichen Hülle, studierte später Medizin und wurde Gynäkologin. Im Alter von 46 Jahren schließlich entschied sich Niklaus, so der neue Name, zur Transition. Im nun folgenden Prozess sprach er das erste Mal über seine Not. Mit seinen Eltern, seinen Geschwistern, seinen Patientinnen, seinen Freundinnen und Freunden, seinen Arbeitskolleginnen und -kollegen. Er setzte alles auf eine Karte und war bereit, alles zu verlieren, um endlich zu werden, was er im Grunde immer schon war. Heute, mit fünfzig Jahren, blickt Niklaus im Spiegel endlich in das Gesicht, das seine Seele schon immer haben wollte. Niklaus Flütsch betreibt in Zug eine gynäkologische Praxis und ist als Geburtshelfer am Zuger Kantonsspital tätig. Daneben begleitet er transidente Menschen auf ihrem Weg, schreibt Fachartikel und hält Vorträge und Workshops im In- und Ausland.

Die gebundene Originalausgabe ist 2014 erschienen – zum Release des Taschenbuches möchten wir hier gerne 15 Exemplare verlosen.

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