Niko Tinbergen

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Cover des Buches Eskimoland (ISBN:9783406741715)

Eskimoland

 (2)
Erschienen am 18.07.2019

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Rezension zu "Eskimoland" von Niko Tinbergen

Interessante Einblicke
Sikalvor einem Monat

Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Niko Tinbergen (1907 – 1988) gehörte zu den Pionieren der Grönland-Forscher. Gemeinsam mit seiner Frau kam er Anfang der 1930er Jahre nach Grönland, um eigentlich arktische Vögel zu studieren. Seine Beobachtungen erstreckten sich nicht nur auf die Vogelwelt, sondern vor allem auf das Leben der Ureinwohner. Er verbrachte ein Jahr mitten unter ihnen, wurde bewundert, belächelt, lernte deren Sprache, fand Freunde und beschrieb vor allem detailliert seine Erlebnisse, die Gepflogenheiten und auch die zum Teil schwierigen Verhältnisse, die ein Überleben zur Herausforderung machen.

 

„Ein Europäer ist anfänglich ein Nichtsnutz, der durch die weitgehende Spezialisierung in seiner Gesellschaft die eigene Unabhängigkeit verloren hat. Versucht er nicht, diese wenigstens teilweise wiederzuerlangen, bleibt er in den Augen der Universalisten, die die Eskimos sind, ein unbeholfener Tölpel.“

 

Oft wurde Tinbergen mit der Frage konfrontiert „Hast du das selbst gemacht?“ – und wenn er die Frage verneinte, wurden diverse Dinge schnell uninteressant, bevor sie mit einem mitleidigen Schulterzucken ihrer Verwunderung Ausdruck verliehen. Die Menschen dort lernten, sich der Kälte anzupassen, stellten ihre Handwerkzeuge selbst her. Kajaks, Schlitten, Kleidung, Zelte, Harpunen – alles was sie für ein Leben brauchten. Tinbergen lernte schnell zu schätzen, welche Vorteile beispielsweise Kleidung aus Robbenfell mit sich bringt.

 

Interessant finde ich, mit welcher Herzlichkeit Tinbergen aufgenommen wurde. Die Menschen teilten mit ihm und seiner Frau, zeigten den beiden ihre überschaubare Welt und worauf es bei einem Leben in der Natur ankommt. Was mich etwas verwundert hat, war, dass sehr wenig auf Vorräte geschaut wird, obwohl es reichlich Nahrungsangebot gibt. Die Menschen teilen untereinander die vorhandenen Lebensmittel, wobei bei Nahrungsmittelknappheit diese Organisation sofort versagt. Da wird dann nur mehr auf das Überleben der eigenen Familie Rücksicht genommen und was rundherum geschieht wird ausgeblendet.

 

Auch interessant, mit welch ausgeklügelten Jagdmethoden die Eskimos arbeiten, wie raffiniert sie sich an Robben oder Eisbären heranschleichen, um diese zu erlegen. Bei der Aufteilung des Tieres wird nach einer genauen Ordnung vorgegangen, so erlangen auch Kinder zum Teil große Fleischteile.

 

Dieser Reisebericht wurde erst 2017 wieder entdeckt und ins Deutsche übersetzt. Zum Glück muss man sagen, denn es handelt sich wirklich um ein aufschlussreiches Zeitdokument – die Eskimos leben längst nicht mehr so, wie Tinbergen es schildert. Der 2. Weltkrieg hat ziemliche Veränderungen nach Grönland und zu den Menschen dort gebracht. Lesenswert! Gerne vergebe ich 5 Sterne für dieses interessante Reisedokument.

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Rezension zu "Eskimoland" von Niko Tinbergen

Für Leser von Reiseberichten, Grönlandfans, Sachbuchliebhaber
Buchraettinvor einem Monat

Der Name des Autors, Niko Tinbergen, war mir bisher in Zusammenhang mit Konrad Lorenz bekannt. Beide bekamen 1973 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.
In diesem Sachbuch, das sich wie ein Reisebericht liest, schildert Tinbergen seine Erlebnisse während der Teilnahme an der niederländischen Expedition im Jahr 1932/33 in Grönland. Es war das internationale Polarjahr. In der Einführung geht der Autor genauer auf diese Expedition ein, unterlegt mit Daten wird hier in das Buch eingeführt.
Als Leser bekommt man hier eine Aussicht, welche Erlebnisse, Beobachtungen einen im Buch erwarten und auf was der Fokus des Autors liegen wird.
Schon das erste Durchblättern dieses Sachbuches weckte Vorfreude bei mir als Leser. Auf fast jeder findet man Fotos. Schwarz-weiß Fotographien, die einem die Einblicke in die damalige Reise gewähren und ebenso wie das Lesen des Textes ein Gefühl für die Zeit, die Menschen vor Ort, die grandiose Landschaft und die Welt der Flora und Fauna in Grönland ermöglichen.
Gerade die Fotos, die Ausrüstung, die Kleidung zeigen eine vergangene Welt und machen auch deutlich wie damals diese Expedition ausgerüstet war. Der Text im Buch liest sich für mich wie eine Art Reisebericht. Es ist unterhaltsam geschrieben und es ermöglicht dem Leser ein Eintauchen in diese fremde Welt, aber gleichzeitig ist es auch das Gefühl einer Zeitreise in den Anfang, die 30 er Jahre des 20. Jahrhunderts.
Der Stil des Autors ist beschreibend. Er schildert die Landschaft und geht auch auf Tierbeobachtungen ein. So beobachtet er das Verhalten der Hunde der Ureinwohner. Aber immer wieder beschreibt er auch die Menschen, die hier leben. Ihre Eigenarten, ihre Kultur, ihr Überleben in dieser eisigen Welt. Er und seine Frau, die ihn begleitet auf dieser Expedition, lernen die Sprache der Inuit. In einem Kapitel geht der Autor darauf etwas genauer ein.
Wundervoll untermalt und verstärkt wird das Gefühl einer Zeitreise noch durch die vielen Fotos. Es ist ein Haut-nah-dabei-sein Gefühl beim Lesen und Betrachten und es hat wirklich Spaß gemacht dieses Sachbuch zu lesen. Die Fotos haben immer einen Satz dabei, in dem es Erklärungen zum Bild gibt.
Interessant zu lesen waren auch die vielen Beobachtungen zu Verhaltensweisen der Ureinwohner. Ein wenig Gänsehaut bekommt man als heutiger Europäer vielleicht beim Lesen der hygienischen Vorstellungen- das dieses nicht Waschen (In der Winterzeit) auch zur Isolierung des Körpers beitrug.
Als Abrundung hat mit auch der Anhang sehr gut gefallen. Im Nachwort schreiben Verena Traeger und Peter Schweitzer eine Art Lebenslauf über Nikolas Tinbergen. Sie gehen in einem Abschnitt auch auf die „Wahrnehmungen eines Europäers“ ein (vergl. S. 225). Es liest für mich wie eine Art Interpretation des Buches.
Abgeschlossen wird dieses Buch durch ein reichhaltiges Literaturverzeichnis und noch eine Autorenvorstellung von Verena Traeger und Peter Schweitzer und auch eine editorische Nachbemerkung.

Für Leser von Reiseberichten, Grönlandfans, Sachbuchliebhaber- informativ und mit vielen historischen Fotos unterlegt und auch unterhaltsam zu lesen.

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