Niko Tinbergen

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Cover des Buches Eskimoland (ISBN: 9783406741715)

Eskimoland

 (2)
Erschienen am 18.07.2019

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Rezension zu "Eskimoland" von Niko Tinbergen

Eskimoland
Bibliomaniavor 10 Monaten

Dieses Buch hat mich wahrlich überrascht! Niko Tinbergen war niederländischer Verhaltensforscher und passionierter Skiläufer. Zusammen mit seiner Frau macht er sich 1932 auf nach Grönland, um dort 14 Monate die grönländischen Inuit zu erforschen und unter ihnen zu leben. „Eskimoland“ ist sein Erlebnis- und Erfahrungsbericht, der mit vielen Photos gespickt ist. Er erforscht nicht nur die Inuit selbst, er eignet sich auch deren Fähigkeiten und Fertigkeiten an: Das Angeln und Eisfischen, Kanufahren und die Eskimorolle beherrschen, Schuhe flicken und Robbenfleisch zubereiten. Sie versetzen damit sogar die Einwohner in Erstaunen. Nicht zu jeder Zeit konnte er Vögel, wie Schnee- und Sporammern, Eiderenten oder Küstenseeschwalben beobachten, an denen er besonders interessiert war, also schwenkte er im Winter zu den Schlittenhunden um, bei denen es genauso viel zu erkunden gab.

Das Leben der Inuit war immer auf das nackte Überleben gemünzt. Besitz war nicht wichtig, es wurde viel geteilt und gegenseitig geholfen. Interessant ist auch, dass die heiße Phase in Europa (Aufstieg des Nationalsozialismus und Hitler) überhaupt nicht bis nach Grönland vordrang.

Eine unfassbar interessante Gegend, in der die Lebensbedingungen noch heute schwierig sind und neue Probleme, unter anderem durch den Klimawandel, deutlich werden. Obwohl der Bericht durchaus deutlich macht, dass das Leben auf Grönland nicht leicht war, denke ich, dass es heute nicht viel besser ist. Zu gerne möchte ich mir selbst ein Bild von Grönland machen und will am liebsten sofort aufbrechen. Ein toller Reisebericht!

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Rezension zu "Eskimoland" von Niko Tinbergen

Interessante Einblicke
Sikalvor einem Jahr

Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Niko Tinbergen (1907 – 1988) gehörte zu den Pionieren der Grönland-Forscher. Gemeinsam mit seiner Frau kam er Anfang der 1930er Jahre nach Grönland, um eigentlich arktische Vögel zu studieren. Seine Beobachtungen erstreckten sich nicht nur auf die Vogelwelt, sondern vor allem auf das Leben der Ureinwohner. Er verbrachte ein Jahr mitten unter ihnen, wurde bewundert, belächelt, lernte deren Sprache, fand Freunde und beschrieb vor allem detailliert seine Erlebnisse, die Gepflogenheiten und auch die zum Teil schwierigen Verhältnisse, die ein Überleben zur Herausforderung machen.

 

„Ein Europäer ist anfänglich ein Nichtsnutz, der durch die weitgehende Spezialisierung in seiner Gesellschaft die eigene Unabhängigkeit verloren hat. Versucht er nicht, diese wenigstens teilweise wiederzuerlangen, bleibt er in den Augen der Universalisten, die die Eskimos sind, ein unbeholfener Tölpel.“

 

Oft wurde Tinbergen mit der Frage konfrontiert „Hast du das selbst gemacht?“ – und wenn er die Frage verneinte, wurden diverse Dinge schnell uninteressant, bevor sie mit einem mitleidigen Schulterzucken ihrer Verwunderung Ausdruck verliehen. Die Menschen dort lernten, sich der Kälte anzupassen, stellten ihre Handwerkzeuge selbst her. Kajaks, Schlitten, Kleidung, Zelte, Harpunen – alles was sie für ein Leben brauchten. Tinbergen lernte schnell zu schätzen, welche Vorteile beispielsweise Kleidung aus Robbenfell mit sich bringt.

 

Interessant finde ich, mit welcher Herzlichkeit Tinbergen aufgenommen wurde. Die Menschen teilten mit ihm und seiner Frau, zeigten den beiden ihre überschaubare Welt und worauf es bei einem Leben in der Natur ankommt. Was mich etwas verwundert hat, war, dass sehr wenig auf Vorräte geschaut wird, obwohl es reichlich Nahrungsangebot gibt. Die Menschen teilen untereinander die vorhandenen Lebensmittel, wobei bei Nahrungsmittelknappheit diese Organisation sofort versagt. Da wird dann nur mehr auf das Überleben der eigenen Familie Rücksicht genommen und was rundherum geschieht wird ausgeblendet.

 

Auch interessant, mit welch ausgeklügelten Jagdmethoden die Eskimos arbeiten, wie raffiniert sie sich an Robben oder Eisbären heranschleichen, um diese zu erlegen. Bei der Aufteilung des Tieres wird nach einer genauen Ordnung vorgegangen, so erlangen auch Kinder zum Teil große Fleischteile.

 

Dieser Reisebericht wurde erst 2017 wieder entdeckt und ins Deutsche übersetzt. Zum Glück muss man sagen, denn es handelt sich wirklich um ein aufschlussreiches Zeitdokument – die Eskimos leben längst nicht mehr so, wie Tinbergen es schildert. Der 2. Weltkrieg hat ziemliche Veränderungen nach Grönland und zu den Menschen dort gebracht. Lesenswert! Gerne vergebe ich 5 Sterne für dieses interessante Reisedokument.

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