Nikolai W. Gogol Die toten Seelen: Roman (Fischer Klassik PLUS)

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Inhaltsangabe zu „Die toten Seelen: Roman (Fischer Klassik PLUS)“ von Nikolai W. Gogol

Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit dem Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Weltliteratur. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. Auf so eine zynische Idee muss man erst mal kommen: Ein ehemaliger Zolleinnehmer reist durch die russische Provinz und kauft mehreren Gutsbesitzern verstorbene Leibeigene ab, weil diese noch beim Finanzamt eingetragen sind und deshalb als Pfandobjekte an Kreditinstitute verkauft werden können. Auch wenn man sich im Zeitalter der Globalisierung längst an solche Formen des Zynismus gewöhnt hat – Gogols groteske Kritik am kaltblütigen Gewinnstreben hat nichts von ihrer Schärfe verloren.

Die gelungenen Charakterstudien sind die wahre Stärke des Romans, der aber nur Fragment blieb und sogar mitten in einem Satz endet...

— Miamou
Miamou

Gogols einziger Roman - leider nur ein Fragment und daher schwer zu beurteilen!

— vanessabln
vanessabln

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    Die toten Seelen: Roman (Fischer Klassik PLUS)
    Miamou

    Miamou

    08. November 2016 um 10:25

    In „Die toten Seelen“ erzählt Gogol die Abenteuer des Schelms Tschitschikow, der für einen sehr geringen Preis die Namen verstorbener Leibeigener (die toten Seelen) von Grundbesitzern aufkauft und dadurch zu einem scheinbar wohlhabenden Mann wird. So wäre, am Kürzesten zusammengefasst, die Handlung dieses Romans. Denn tatsächlich geht es um nichts anderes. Leider blieb Gogols einziger Roman nur fragmentarisch erhalten, denn nachdem er die ersten zwei Teile geschrieben und überarbeitet hat, hat er den zweiten Teil – möglicherweise durch einen wahnhaften Anfall – verbrannt. Aber schauen wir mal auf das, was tatsächlich von diesem großen Werk übrig geblieben ist. Der erste (vollständige) Teil des Romans enthält elf Kapitel, wobei diese zum größten Teil in einer gewissen Schablone in ihrer Handlung bleiben. Tschitschikow lässt sich in der Stadt N. nieder und sucht dort gleich Bekanntschaften zu den „höher Gestellten“ der Gesellschaft, die ihm auch verraten, wo die verschiedensten Typen von (Groß - ) Grundbesitzern zu finden sind. In den Kapiteln zwei bis sieben beschreibt Gogol, wie Tschitschikow diese Grundbesitzer besucht und wie er ihnen ihre „toten Seelen“ abschwatzt. Manchesmal gelingt ihm dies sehr leicht, ein andersmal muss er sich mächtig ins Zeug legen um die Namen der verstorbenen Leibeigenen zu erhalten. Insgesamt besucht er im ersten Teil fünf Großgrundbesitzer, die alle sprechende Namen haben und deren Gut auch deren Charaktereigenschaften darstellt. So hat zum Beispiel Manilow (zu deutsch: umständlich, überhöflich, freigiebig) ein Gut, das zwar gut läuft, jedoch nur, weil er einen fähigen Verwalter hat. Manilow schenkt Tschitschikow seine „toten Seelen“ ohne auch nur eine Kopeke dafür zu verlangen. Ganz anders Pljuschkin (zu deutsch: verwahrloster Messie, Geizhals), dessen Gut am Rande des Abgrunds steht und der im Handel mit Tschitschikow das große Geld sieht. Die Handlung wird somit in den ersten zwei Drittel des ersten Teils kaum vorangetrieben, da es im Grunde immer um das Gleiche geht nur mit jeweils anderen Charakteren. Dies hat zum einen die Folge, dass man als Leser doch dann kurz davorsteht sich zu langweilen, weil einfach immer dasselbe kommt, andererseits (und das ist nun die wirklich große Stärke, die sich über das gesamte Buch hinweg zieht) sind Gogol damit großartige Charakterstudien gelungen, die eigentlich immer überspitzt und satirisch sind. Die Kapitel acht bis zehn beschäftigen sich dann damit, dass Tschitschikow seine Verhandlungen abschließt und amtlich offiziell seine „toten Seelen“ übernehmen darf. Er erzählt von seinem „großen Gut“, dass natürlich auch nur reine Erfindung ist und was er mit seinen „neuen Leibeigenen“ alles vorhat. Doch wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten, denn sehr schnell verbreiten sich die wildesten Gerüchte um Tschitschikow, sodass er gezwungen wird in einer Nacht – und Nebelaktion aus der Stadt N. zu fliehen. Erst mit dem abschließenden elften Kapitel demaskiert Gogol seinen Held, der im Grunde nur darauf aus ist, eine hohe gesellschaftliche Stellung innezuhaben, egal was es kostet. Den ersten Teil fand ich somit sehr gut in sich abgeschlossen. Man kennt nun den Held besser, kennt die Beweggründe seines Kaufs der „toten Seelen“ und versteht, dass er eigentlich an einem Ort neu anfangen will. Gogol hat besonders in diesem ersten Teil sein Können grundgelegt. Hinter seinen Figuren und Handlungen steckt nämlich natürlich eine ordentliche Brise System – und Gesellschaftskritik, jedoch macht er es nicht so schwergewichtig wie zum Beispiel Tolstoi in „Anna Karenina“. Gogol beschreibt seine Charaktere nämlich mit sehr viel Sarkasmus und Ironie und an vielen Stellen hat auch der Leser seinen Spaß mit ihnen. Leider kann Gogol aber auch sehr schnell in endlose Monologe ausufern, die in Klassiker zwar sehr oft vorkommen, aber ich hatte dann öfter das Gefühl, dass sie hier am eigentlichen Geschehen gar nicht andocken. Sie stehen oft für sich allein, was das Lesen dann doch anstrengend macht. Deswegen war ich dann umso überraschter, als es in den zweiten Teil ging, der aus fünf Kapitel besteht. Das erste Kapitel ist vollständig erhalten und ich dachte momentan, dass es sich um ein ganz anderes Buch handelt, Tschitschikow taucht nämlich erst am Ende dieses Kapitels wieder auf. Vorher beschreibt Gogol das Gut eines weiteren Großgrundbesitzers und schafft dabei eines wunderschöne und idyllische Naturbeschreibung. Danach erscheinen weitere Gutsbesitzer auf der Bildfläche, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Kostanschoglo beispielsweise erinnert in seinem Gerechtigkeitssinn und der beständigen Arbeit, entfernt an Ljewin (aus „Anna Karenina“) nur das letzterer um einiges sympathischer ist. Tschitschikow selbst versucht noch immer an „tote Seelen“ heranzukommen und schreckt auch vor unlauteren Mitteln nicht zurück. Schlussendlich wird ihm das aber auch wieder zum Verhängnis und er muss erneut fliehen. Da nur mehr Fragmente des zweiten Teils erhalten geblieben sind, sind die Kapitel oft verkürzt bzw. enden sie sehr abrupt. Es kann auch passieren, dass ganze Sätze fehlen und nur durch Punkte gekennzeichnet sind. Besonders das letzte Kapitel fällt komplett aus dem Rahmen, da zwischen dem vierten und dem fünften Kapitel für einen sinngemäßen Handlungsstrang einiges fehlt. Ich hätte herausgelesen, dass Tschitschikow dann plötzlich in einer größeren Stadt gelandet ist, dort im Gefängnis landet, weil man ihn der Betrügerei bezichtigt. Ob er tatsächlich in der Stadt ist und warum bleibt dem Leser selbst überlassen. Goglos Plan war Tschitschikow durch drei Phasen laufen zu lassen – „Verleumdung, Läuterung, Glückseligkeit“. Die Läuterung hat für mich persönlich im zweiten Teil mit seinem Aufenthalt im Gefängnis bedingt begonnen. Dass er noch einen weiten Weg vor sich hatte, zeigt sein letzter Auftritt in dem Buch, als er sich vor seiner Flucht noch einen sündteuren Frack kauft. Trotzdem war der zweite Teil um einiges leichter zu lesen. Gogol verliert sich nicht mehr in endlosen Monologen bzw. wenn er es tut, setzt er sie mehr in die Handlung, sodass sie mehr Hand und Fuß bekommen. Auch hier sind ihm mit seinen Grundbesitzern wieder wunderbare Charakterbeschreibungen gelungen, die aber vielleicht nicht mehr so spitz waren, wie im ersten Teil. Trotzdem war die Erzählung um einiges dynamischer und es kamen auch andere Themen vor und nicht mehr ausschließlich die Verhandlungen um die „toten Seelen“. Zudem sollte man sich besonders im zweiten Teil immer vor Augen halten, dass es sich wirklich um eine fragmentarische Erzählung handelt, dann ist man nämlich auch nicht überrascht, dass das Buch mitten im Satz endet. „Die toten Seelen“ ist ein Buch mit dem offensichtlich nicht nur Gogol gestrudelt hat. Auch ich habe es…manchmal mehr, manchmal weniger. Lange habe ich üerblegt, ob es 3 oder 4 Sterne werden sollen, ich habe mich dann aber für die bessere Bewertung entschieden, weil es trotz allem eine interessante Leseerfahrung war.

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  • Leserunde zu "Die toten Seelen: Roman (Fischer Klassik PLUS)" von Nikolai W. Gogol

    Die toten Seelen: Roman (Fischer Klassik PLUS)
    Apfelgruen

    Apfelgruen

    Willkommen zur aktuellen Leserunde der Gruppe "Wir lesen Klassiker der Weltliteratur". Für den Oktober haben wir uns die "Toten Seelen" von Nikolai Gogol vorgenommen.Klappentext:Anfang der 1840er Jahre geriet Nikolaj Gogol (1809-1852) in eine schwere Schaffenskrise, die durch seine sich radikalisierende Religiosität ausgelöst wurde und sich zu einer schwerwiegenden Psychose steigerte. In diese Zeit fällt die Arbeit an seinem dreiteiligen Roman "Die toten Seelen", der sich auf satirische Weise mit dem russischen Landleben und speziell dem Landadel beschäftigt. Vollendet hat Gogol von dieser Trilogie nur die beiden ersten Teile. Der erste Teil erschien 1842, den zweiten verbrannte Gogol vermutlich in einem psychotischen Anfall kurz vor seinem Tod am 21. Februar 1852; nur einige Bruchstücke sind erhalten. Ich hoffe, mir ist die Einteilung der Leserunde diesmal nicht zu kleinteilig geraten. In meiner Ausgabe haben die Abschnitte immer ca. 50-70 Seiten bis auf das allerletzte Kapitel. Die Leserunde startet am 1. Oktober und wie immer sind alle Interessierten herzlich eingeladen mitzulesen. Viel Spaß!

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    Miamou

    Miamou

    07. November 2016 um 16:39
    Ambermoon schreibt Der Grund liegt jedoch nicht darin, dass das Buch unvollendet ist und Lücken aufweist, sondern eher an der fehlenden Handlung und das obwohl doch so viel passierte. Ich hatte jedoch irgendwann ...

    Ich finde auch (und dass hat vanessabln auch schon wo erwähnt), dass die Charakterdarstellungen die große Stärke des Buchs waren.

  • Ein Fragment mit Höhen und Tiefen

    Die toten Seelen: Roman (Fischer Klassik PLUS)
    vanessabln

    vanessabln

    07. November 2016 um 09:48

    In Gogols einzigem Roman reist Tschitschikow samt Kutsche und Bediensteten im Lande umher, um geschickt und auf seinen Vorteil bedacht tote Seelen zu erwerben. Wie das genau vonstatten gehen soll und wozu, ist dem Leser erstmal ein Rätsel. Tschitschikow ist ehrgeizig und gerissen, trotz seiner einnehmenden Art. Detaillierte Charakterbeschreibungen kommen in diesem Buch allgemein nicht zu kurz, ebenso Beschreibungen der Natur und der Russen allgemein (aus Gogols Sicht, wie zu betonen ist). Jede Person, der Tschitschikow begegnet, reagiert anders auf sein Vorhaben, so dass die Vielfalt der Menschen anschaulich dargestellt wird. Anfangs fiel mir dieses Stück russische Weltliteratur nicht leicht zu lesen, der Witz und der oft bis ins Groteske gehende Sarkasmus Gogols machten mir jedoch immer mehr Spaß, so dass ich unbedingt durchhalten wollte. Denn anderseits gibt es auch immer wieder Längen und Wiederholungen (oft wohl auch gewollt). Auffallend ist die vielseitige Gesellschaftskritik (offen oder in Prosa verpackt), besonderes im 1. Teil gibt es hier witzige Szenen, die mich beeindruckten. Durch die ganzen Details und Beschreibungen kommt andererseits die Handlung etwas zu kurz, die ohnehin keinen rechten roten Faden hat. Das Rätsel um die "Seelen" wird nicht so recht aufgedeckt bzw. die angefangenen Fäden vollendet, was zunehmend ärgerlich für den Leser ist. Teilweise sind sogar Sätze unvollendet und die Handlung ist nicht nachvollziehbar bzw. irritierend, weil ganze Teile fehlen. Der 1. Teil endet etwas abrupt, wirkt trotzdem am abgeschlossensten, danach kam mir der 2. Teil wie ein neues Buch vor. Der Schreibstil ist hier anders, zwar gefälliger, dafür aber weniger bissig. Die Handlung wird leider zunehmend lückenhaft, sogar Sätze sind unvollendet. Erst während des Lesens wurde mir überhaupt bewusst, dass dieser Roman lediglich aus Fragmenten besteht und von Gogol gar nicht zur Veröffentlichung bestimmt war. Allerdings kann man ihm das schwer zum Vorwurf machen, wenn das Werk deshalb nicht perfekt ist. Das Schlusskapitel wirkt dann noch einmal ganz anders und war mir zu sehr plattes Lehrstück (das zumindest zum Fragment!). Ich habe mit einer anderen Ausgabe begonnen und bin dann zum dtv-Taschenbuch (2013) in der Neuübersetzung von Vera Bischitzky gewechselt, die ich nur empfehlen kann. Sie ist gewollt präzise und trotzdem für die heutige Zeit gut lesbar. Es gibt hinten einen Lebenslauf Gogols und ein Nachwort, außerdem gut verständliche Erklärungen von speziellen Begriffen. Der Roman verlangt dem Leser schon ein wenig ab. Neueinsteiger sollten sich wohl eher erstmal den Erzählungen Gogols zuwenden, in denen sein Witz und spezieller Schreibstil besser zur Geltung kommen.

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