**** Worum geht es? & Mein Eindruck ****
Im Zentrum des Buches steht die emotionale Reise nach dem Verlust einer geliebten Person. Der Abschied bildet den Ausgangspunkt, doch im Fokus stehen vor allem Martàs Gefühle, ihre komplexen Freundschaften, erwiderte und unerwiderte Liebe – und ein Leben, das ihr immer wieder Steine in den Weg legt.
Martà ist eine vielschichtige, starke Figur. Leider verblassen die übrigen Charaktere neben ihr – oft stereotyp und weniger nuanciert gezeichnet. Das Buch trägt durchgehend eine gewisse Schwere in sich, die für mich sehr gut zur Zeit, zur politischen Atmosphäre in Ostberlin und Budapest und vor allem zu Martàs innerer Welt passt. Gesellschaft und Geschichte werden eindrucksvoll und atmosphärisch eingefangen. Emotional hat der Roman viel zu bieten, allerdings erschwerte mir der häufige Wechsel zwischen Zeitebenen den Zugang. Vergangenes wird immer wieder neu aufgeblättert, Szenen bleiben teils lange unbeendet – eine Gedankenreise, die für meinen Geschmack strukturierter hätte sein dürfen. Dennoch habe ich den Text sehr genossen: Kiss versteht es, mit klugen Akzenten und eindringlicher Sprache Interesse und Tiefe zu erzeugen.
**** Empfehlung? ****
Ein literarisch anspruchsvoller Roman über Liebe, Verlust und gesellschaftliche Umbrüche zur Zeit der DDR. Sprachlich stark, inhaltlich dicht – mit kleineren Schwächen bei Figurenzeichnung und Erzählstruktur. Für Leser*innen, die sich auf emotionale und politische Vielschichtigkeit einlassen möchten – definitiv eine Empfehlung.





