Nikolos Barataschwili Gedanken am Flusse Mtkvari

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Inhaltsangabe zu „Gedanken am Flusse Mtkvari“ von Nikolos Barataschwili

1845 stirbt ein kleiner Angestellter, mit 26 Jahren, in Aserbaidschan an der Malaria, und nichts deutet darauf hin, daß dieser noch namenlose »Hilfsbuchhalter « – wie wir ihn, Fernando Pessoa im Kopf, nennen könnten –, von dem sich auch kein Bildnis erhalten hat, 1893 aus seinem Grab verfrachtet wird, bis man ihn 1938 endlich da bettet, wo die Helden der georgischen Kultur ruhen: im Pantheon auf dem Hausberg Mtazminda über Tiflis, den er selbst als Dichter besungen hatte.

30 Jahre später, 1968, legte Rainer Kirsch als Übersetzer das lyrische Gesamtwerk Nikolos Barataschwilis vor, das, in Tiflis gedruckt, aber nie den Weg zu deutschen Lesenden fand. Zum 200. Geburtstag des – neben Rustaveli und Vascha Pschavela – wohl legendärsten georgischen Dichters macht der Arco Verlag diese Nachdichtungen erstmals zugänglich, mit dem Nachwort des Übersetzers. Diese Publikation wurde richtungsweisend: 1969 reiste ein Trio aus Deutschlands Osten mit einem Spezialauftrag nach Tbilisi: Adolf Endler und wiederum Rainer Kirsch erarbeiten im Verbund mit Elke Erb und der Georgierin Nelly Amaschukeli vor Ort Nachdichtungen der Georgischen Poesie aus acht Jahrhunderten.

Zum Autor

Nikolos Barataschwili (1817–1844), verarmter Adliger, zu Lebzeiten unter Bedrängnissen und unglücklich Liebender, wurde mit der halben europäischen Romantik – Byron, Heine, Lermontov, Mickiewicz, Shelley – verglichen, und jeder dieser Vergleiche hinkt. Stark mit der Geschichte Georgiens verbunden, das zu seinen Lebzeiten um seine Unabhängigkeit rang, und in der urwüchsigen georgischen Landschaft wie dem Flusse Mtkvari (Kura) und den Bergen wurzelnd, ist ein originär georgischer Beitrag zur Romantik und zur Weltliteratur zu entdecken, der Naturlyrik, Liebesgedichte und Mystisches miteinsschließt.

Zum Übersetzer

Rainer Kirsch (1934–2015) war Verfasser von Lyrik, Dramen, Erzählungen, Essays, Hörspielen und Kinderbüchern. In der DDR erregten seine Person und Werke mehrfach Anstoß. Nach der Wende in der DDR wurde er dort 1990 Präsident des Schriftstellerverbandes. Kirsch gehörte zu den profilierten Nachdichtern von Lyrik, besonders aus dem Russischen, wie von Majakovskij und Gorkij, Esenin, Mandel´štam, Achmatova, Charms, Cvetaeva, Vysockij und Evtušenko. Er übersetzte auch Molière und Rostand sowie Romantiker wie Shelley und Keats. Seine Nachdichtungen aus dem Georgischen entstanden auf der Basis umfassender Interlinearübersetzungen – eine übliche Praxis, wie sie auch Übersetzungen ins Russische durch Boris Pasternak und Marina Cvetaeva zugrundelag.

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