Nikos Dimou Über das Unglück, ein Grieche zu sein

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Inhaltsangabe zu „Über das Unglück, ein Grieche zu sein“ von Nikos Dimou

"Wenn ein Grieche von Europa spricht, schließt er Griechenland automatisch aus. Wenn ein Ausländer von Europa spricht, ist es undenkbar für uns, dass er Griechenland nicht mit einschließt." "Das Parkinsonsche Gesetz auf Griechisch: Zwei Griechen schaffen in zwei Stunden (wegen Streitigkeiten), was ein Grieche in einer Stunde schafft." Das behaupten nicht die Kontrolleure der EU, sondern einer der bekanntesten griechischen Intellektuellen, Nikos Dimou. Sein Klassiker "Über das Unglück, ein Grieche zu sein", den jeder Grieche kennt, hat gerade wieder die Bestsellerlisten gestürmt - und liegt nun erstmals auf Deutsch vor. Zeitlose Einsichten für alle, die Griechenland lieben und doch an ihm verzagen: "Ein Grieche tut alles, was er kann, um die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu vergrößern." "Mit Methode und System, die unserem täglichen Leben und unserer Arbeit fehlen, konzentrieren wir uns auf unsere geheime Mission: das wunderbare Land, das uns das Schicksal zugedacht hat, so effektiv wie möglich zu zerstören."

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  • Rezension zu "Über das Unglück, ein Grieche zu sein" von Nikos Dimou

    Über das Unglück, ein Grieche zu sein

    WinfriedStanzick

    16. February 2012 um 11:27

    Auf ein solches Buch hat man in Europa gewartet. Neben den eindrucksvollen Interviews, die der in Deutschland sehr beliebte Schriftsteller Petros Markaris in den letzten beiden Jahren zum finanziellen und volkswirtschaftlichen Abstieg Griechenlands gab (mit „Faule Kredite“ hat er dem Thema ein ganzes Buch gewidmet) ist der hier nun zum ersten Mal auf Deutsch vorliegende Aphorismenband des bekannten griechischen Philosophen Nikos Dimou ein aufschlussreiches Dokument. Das Buch ist schon 1975(!) zum ersten Mal erschienen und hat nun nach seiner Wiederveröffentlichung in Griechenland sofort die Bestsellerlisten erobert. Schon 1975 schrieb Dimou etwa: „Ein Grieche tut alles, was er kann, um die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu vergrößern.“ Und regelrecht prophetisch, wenn man den aktuellen Zustand des Landes anschaut: „ Mit Methode und System, die unserem täglichen Leben und unsere Arbeit fehlen, konzentrieren wir uns auf unsere geheime Mission: das wunderbare Land, das uns das Schicksal zugedacht hat, so effektiv wie möglich zu zerstören.“ Deutsche Leser, die vielleicht seit Jahren mit Entsetzen beobachten, wie jede neue Milliarde, für die sie auch als Steuerzahler haften werden, im griechischen Sumpf verschwindet, mögen diese Aphorismen eine Lektüre sein, die ihnen großes Vergnügen bereiten. Für einen griechischen Leser jedoch sind sie eine Qual, denn sie zeigen ihm „das Grundproblem seiner Existenz, sein Verlangen nach mehr und seine Unfähigkeit, sich mit weniger zu begnügen.“ Dem Rezensenten wurde bei der Lektüre, die ihn nur selten zum Lachen brachte, mehr als einmal deutlich, wieso in den vergangenen beiden Jahren die EU mit ihrem Mitgliedsland Griechenland solche Probleme hatte. Und auch, warum das Vertrauen in die Griechen, sollte es jemals wirklich bestanden haben, zurzeit völlig aufgebraucht ist. Die Wahlen im April werden zeigen, ob das Volk weiter für seinen eigenen Abstieg in den Untergang stimmt. Das neu aufgelegte Buch von Nikos Dimou will dazu beitragen, im eigenen Land zu wirken und in Deutschland etwa zu zeigen, dass es auch eine konstruktive Sicht der Dinge gibt, bitter realistisch, aber nicht ohne Hoffnung für ein geliebtes Land. Er schreibt über sein Buch 2012: Es sei „ein bitteres Nachdenken“ über das tragische Schicksal des Landes, „gespalten zu sein zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Norden und Süden, Osten und Westen. Es ist eine Liebesserklärung an Griechenland, das wahre, das tiefe Griechenland - und nicht das oberflächliche Land der Mythen, das die Griechen selbst geschaffen haben, um der Realität zu entkommen.“ Er sei kein Anti-Grieche, sagt Dimou, sondern ein Mann, dem seine Heimat am Herzen liege. Er wolle seinen Mitbürgern helfen, dem delphischen Motto „Erkenne dich selbst“ zu entsprechen. Doch ihm ist klar: „Das kann eine schmerzliche Prozedur sein, wenn deine Mentalität, deine Erziehung dich von Anfang an gelehrt haben, die Wahrheit zu meiden. Griechenlands gegenwärtige missliche Lage ist zu großen Teilen das Ergebnis dieser Mängel im nationalen Charakter. Um es mit aller Emotion zu sagen: Die Griechen müssen sich neu erfinden, wenn sie in der heutigen Welt überleben wollen.“ Weitere Milliarden dort hinzupumpen, wird diesen schmerzlichen Selbsterkennungsprozess einer ganzen Nation nicht fördern, sondern die von Dimou beklagte Haltung nur noch verlängern. Die, die jetzt in Griechenland auf den Straßen protestieren und Häuser anstecken, sind Teil des Problems. Wenn sie nun alles dem „Staat“ als Schuldigen zuschieben, zeigen sie genau die Einstellung, die Dimou schon 1975 (!) beschrieben hat. Man sollte den Finanzministern und den Regierungschefs der EU-Länder ein Exemplar dieses erhellenden Buches zusenden vor ihren nächsten Entscheidungen.

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