Nilüfer Göle Europäischer Islam

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Inhaltsangabe zu „Europäischer Islam“ von Nilüfer Göle

Über den Islam wird viel gesprochen und publiziert, aber die anerkannte Soziologin Nilüfer Göle hat in diesem Buch erstmals das Thema aus einer gesamteuropäischen Perspektive und mit Fokus auf den Alltag der Menschen beleuchtet. Sie hat vier Jahre lang in Deutschland, Frankreich, England und anderen Ländern zahlreiche Menschen befragt, was den Islam in Europa ausmacht. Gerade in Zeiten von Terror scheinen die Konfrontationslinien zwischen dem Islam und der europäischen Welt härter zu werden, aber dieser Eindruck trügt. Wie Nilüfer Göle zeigt, ist der Islam längst selbstverständlicher Bestandteil unseres – gemeinsamen – modernen Alltagslebens geworden. Es entstehen neue Identitäten und Formen des Zusammenlebens und natürlich auch neue Konflikte, wie etwa im Karikaturenstreit, die aber durchaus kreativ gelöst werden. In diesem Prozess erfindet sich Europa neu, eine Entwicklung, die kein Fundamentalist aufhalten kann.

Nilüfer Gölen entwirft eine Vision einer neuen Gesellschaft, in der europäische Muslime sich gleichberechtig einbringen.

— JulesBarrois
JulesBarrois

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  • Differenzierte und ruhige Darstellung

    Europäischer Islam
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    21. November 2016 um 12:46

    Differenzierte und ruhige DarstellungDie Fronten eskalieren, politische Parteien und einzelne Politiker nehmen auf, was an sichtbarer und faktischer Gefährdung durch den Islamismus der Welt droht. Und zudem stellt sich die Frage nicht nur konkret, wie einer Terrorgruppierung begegnet werden kann, sondern über den Islamismus dieser Prägung hinaus geht es ans Grundsätzliche. „Der Islam“ steht im Brennpunkt. Die Frage nach verschiedenen Lebensweisen miteinander, die Frage nach geforderter Abgrenzung der „liberalen“ Anhänger des Islam gegenüber den Extremisten, die Frage auch, ob eine scharfe Trennung im Sinne gegenseitiger „Abkapselungen“ nicht aus westlicher Sicht die notwendige Konsequenz wäre, die, je nach politischer Coleur, durch Verhandlungen oder die „harte Hand“ durchgesetzt werden sollte.Auf der anderen Seite leben seit Jahrzehnten Millionen Moslems im „europäischen Westen“. Teils durch Flucht angelangt, teils als Gastarbeiter angeworben, teils mit noch laufenden oder bereits bewilligten Asylanträgen, teils bereits in zweiter und dritter Genration. Ein Islam, der nun mehr und mehr verstärkt auch öffentlich sichtbar wird, nicht nur durch den Bau der ein oder anderen Moschee.Ein Prozess, den Göle über vier Jahre hinweg auf seine konkreten, alltäglichen Folgen hin in Europa untersucht hat, indem Sie eine „Feldforschung unter europäischen Muslimen“ durchführt.Und in der sie als ihren Befund der Analyse feststellt, dass dieser „lange Weg“ des Islam im Westen Europas „von der Collage zum Gewebe“ geführt hat und weiterführen kann, ja muss, wenn das „gemeinsame Werk“ eines „Miteinander-Lebens“ gelingen soll. Zumindest in weiten Teilen der muslimischen Bürger Europas.Wobei es zunächst eher keinen Konflikt um die beobachtbaren Fakten geben dürfte.„Die Muslime mit ihrer religiösen und ethnischen Vielfalt sind nun untrennbar mit dem Leben vieler Stadtviertel verbunden“. Eine „alltägliche Präsenz“ die auf der anderen Seite zur Verunsicherung führt im „Kollektivbewusstsein der europäischen Länder“ die in ihren Werten tatsächlich anders geprägt sind.So formuliert Göle das Problem der Zeit sehr treffend:„Die religiösen Bürger mit Migrationshintergrund und die alteingesessenen antireligiösen Bürger teilen sich denselben öffentlichen Raum, haben aber nicht das Gefühl, zum gleichen „Zeit-Raum“ zu gehören“.Wie sehen das nun die Menschen, die Muslime aus Ihrer Sicht her konkret? Wie stellt sich die alltägliche Situation dar? Wie ist der Umgang mit Verschleierung, Scharia, der Alleinstellungsanspruch des Islam? Diese Fragen untersucht Göle in ihrer klassischen Feldforschung mit vielen Interviews und Auswertungen von Zahlenmaterial. Mit dem Ziel, Bedingungen formulieren zu können, eine „Öffentlichkeit herzustellen“, Wege, in denen „Raum und Zeit geteilt wurde“.Wobei der Anknüpfungspunkt für diesen möglichen Übergang von der „Collage“ zum „Gewebe“ der Interaktion als dringend notwendiges Fundament bedarf, wie Göle ausführt. Interaktion mit dem „gewöhnlichem Muslim“, der im Buch als Synonym für einen gesellschaftlich engagierten, gläubigen Menschen steht, „der seinen islamischen Habitus aktiv lebt, ohne dass dies einen islamistischen Miltantismus zur Folge hätte“. Und das genau ist, wie Göle herausarbeitet, die überwältigende Mehrheit der Muslime in Europa. Die sich, wie Europa selbst, am Übergang befinden zu seinem lauter und öffentlich sichtbarer werdenden religiösen Selbstverständnis und zugleich weiterhin den liberalen Strukturen Europas eher neutral bis wertschätzend gegenüberstehen.Wobei Göle am Ende deutlich betont, dass es (nicht nur, aber sehr) eines muslimischen „kreativen“ Beitrages bedarf (für den sie die Kunst als „Spielwiese“ zunächst benennt).Was als „Lösung“ doch eher auch kritisch hinterfragt werden muss, ob solche konkreten Vorschläge nicht zu kurz oder an der falschen Stelle greifen. Wenn sie greifen.Egal aber, wie man zu den Folgerungen Göles und ihren Vorschlägen für die nahe Zukunft stehen mag, das Buch enthält eine wichtige, differenzierte und sozialwissenschaftliche Betrachtung des „alltäglichen“ muslimischen Lebens- und Selbstverständnisses in Europa, der sich in jüngster Zeit entfaltenden, starken „Reibungen der Werte“ und möglicher Ansatzpunkte für eine konstruktive Annäherung zweier „fremder Welten“, die im gleichen „Zeit-Raum“ gemeinsam die Gegenwart gestalten könnten. Nicht mit allen und nicht in allen Ausprägungen, aber die Teilmenge gemeinsamer Interessen der Mehrheiten auf allen Seiten scheint doch in nicht geringem Maße vorhanden zu sein.Informativ und als Feldforschung akkurat gearbeitet.

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  • Ist der Islam kompatibel mit europäischen Werten?

    Europäischer Islam
    JulesBarrois

    JulesBarrois

    24. September 2016 um 17:03

    Europäischer Islam: Muslime im Alltag - Nilüfer Göle (Autorin), 304 Seiten, Wagenbach Klaus Gmbh (23. September 2016), 24 €, ISBN-13: 978-3803136633   Nilüfer Göle war einer der ersten Soziologen, die sich mit der islamistischen Bewegung, mit der Rolle muslimische Frauen und dem gegenseitigen Einfluss zwischen Europa und dem Islam in einer breiten Feldstudie auseinandersetzte. Jetzt, nach vier Jahren Untersuchung in einundzwanzig europäischen Staaten, legt sie in diesem Buch ihre Ergebnisse vor. Moscheenbau, Kopftuch, Verschleierung, Fatwa, Scharia, Terroranschläge, Islamismus, Kampf der Kulturen – Schlagworte, die die Diskussion beherrschen. Das westlich-pluralistische Modell, das universelle Geltung beansprucht, wird dabei herausgefordert durch die eben nicht pluralistischen Praktiken des Islam, der ebenfalls weltweiten Anspruch erhebt. Und klar, je mehr der Islam in der nationalen Öffentlichkeit auftaucht, werden deren Prinzipien und Strukturen in Frage gestellt. In 10 Kapitel beschäftigt sich Nilüfer Göle mit dieser Problematik, erstmals nicht nur aus nationaler Sicht. Ihre Feldforschung wurde in vielen europäischen Städten in mehreren Sprachen durchgeführt. Und sie verleiht „dem ganz einfachen Muslim aus dem zeitgenössischen Europa eine Stimme.“ (Seite 15) Denn diese Feldforschung bezog Männer wie Frauen mit ein und diese gaben in einer durch präzise Fragen gesteuerten Unterhaltung von jeweils mehr als anderthalb Stunden Antwort bzw. beteiligten sich an jeweils über vier Stunden dauernden Debatten über die Realität des europäischen Islams. So rückt die Autorin die gewöhnlichen Muslime in den Vordergrund, auf die die täglichen Kontroversen konzentriert sind, die aber an den Debatten oder den öffentlichen Kontroversen über Beziehung und Interaktion mit ihren nicht-muslimischen Mitbürger nicht beteiligt sind. Auf jeden Fall verleiht sie diesem Teil Gesicht und Stimme. Vielleicht bringen uns diese bisher vergessenen oder unterschätzen Fakten und Meinungen, Antworten auf eine Fülle von Fragen: Ist der Multikulturalismus am Ende? Gibt es eine Islamophobie? Welche Erscheinungsformen des Islams gibt es im öffentlichen Bereich? Ist das Muslim-Bild reduziert? Was bedeutet das islamische Kopftuch? Was bedeutet die Scharia? Ist sie das islamische Gesetzeswerk? Halal: Was ist erlaubt, was ist nicht erlaubt? – eine breite Palette tut sich hier auf, bis hin zu der Frage, wie gestalten wir das gesellschaftliche Zusammenleben. Allein von der Themenvielfalt her ist es kein einfaches Buch. Wer es liest, sollte es im besten Sinne des Wortes kritisch tun. Muslimisches Leben gehört heute zum europäischen und auch zum deutschen Alltag. Doch über das alltägliche Leben der Muslime hier bei uns wissen wir eher wenig. Hier liefert die Autorin einen wichtigen Beitrag. Nilüfer Göle will mit ihrer Arbeit die Klischees überwinden, die Muslime in Europa betreffen. Es bleibt für mich nur die Frage, wie repräsentativ dieses Bild der europäischen muslimischen Gemeinschaft ist. Nilüfer Gölen entwirft eine Vision einer neuen Gesellschaft, in der europäische Muslime sich gleichberechtig einbringen. Mir scheint aber, dass die Mehrheit unserer Gesellschaft noch ganz weit entfernt ist. Ein hochinteressantes Buch für alle, die sich mit unserer Gesellschaft und ihren Problemen ernsthaft auseinandersetzen wollen. Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1052-europaeischer-islam.html Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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