Nina Bouraoui

 4,8 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Erfüllung, Geiseln und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Nina Bouraoui

Nina Bouraoui, geboren 1967, ist eine der führenden französischen Schriftstellerinnen ihrer Generation. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Algerien, mit Zwischenstationen in Zürich und Abu Dhabi, und lebt seitdem in Paris. Sie ist Preisträgerin des Prix Renaudot, Prix du Livre Inter und Prix Emmanuel Roblès, und Commandeur de l’ordre des Arts et des Lettres. Ihre Romane sind weltweit in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Erfüllung (ISBN: 9783906903811)

Erfüllung

Neu erschienen am 23.09.2022 als eBook bei Elster Verlag.
Cover des Buches Erfüllung (ISBN: 9783906903194)

Erfüllung

 (4)
Neu erschienen am 05.09.2022 als Gebundenes Buch bei Elster Verlag.

Alle Bücher von Nina Bouraoui

Cover des Buches Geiseln (ISBN: 9783906903163)

Geiseln

 (4)
Erschienen am 30.08.2021
Cover des Buches Erfüllung (ISBN: 9783906903194)

Erfüllung

 (4)
Erschienen am 05.09.2022
Cover des Buches Erfüllung (ISBN: 9783906903811)

Erfüllung

 (0)
Erschienen am 23.09.2022
Cover des Buches La vie heureuse (ISBN: 9782253072607)

La vie heureuse

 (0)
Erschienen am 10.03.2004
Cover des Buches Sauvage (ISBN: 9782290041895)

Sauvage

 (0)
Erschienen am 06.11.2013

Neue Rezensionen zu Nina Bouraoui

Cover des Buches Erfüllung (ISBN: 9783906903194)KataRafs avatar

Rezension zu "Erfüllung" von Nina Bouraoui

Klug und sinnlich
KataRafvor 20 Tagen

»Das Schreiben reinigt meine Seele,  lindert meinen Schmerz. Worte lassen das Geschehene verjähren, verzerren die Realität, machen sie zumutbar.«

In ihren tagebuchartigen Einträgen zieht uns eine widersprüchliche Frauenfigur in einen soghaften, sinnlichen und das Wahnhafte streifenden Stream of Conciousness. Der Sound von »Erfüllung« ist leidenschaftlich, fließend, warm, sehnsüchtig. Die Gedanken sind giftig, erregt, besessen, melancholisch und beschämt.

Michéle Akli ist Französin, die in ihrer Zwischenwelt lebt. Nach der Revolution und Unabhängigkeit, ist sie ihrem Mann Brahim nach Algier in dem Moment gefolgt, in dem viele Kolonialisator:innen Algerien verließen. Sie hatte sich in Mann und Land verliebt, doch diese Liebe Erkältet. Michéle versucht ihre Einsamkeit mit Alkohol und dem Schreiben zu verdrängen. Ihrem Garten und ihrem zehnjährigen Sohn Erwan widmet sie sich mit devotionaler Obsession. Doch auch dort verschiebt sich etwas.

»Ich frag mich oft, was Erwan von mir und seiner Kindheit bleiben wird. Ich würde gern (...) unsere Glücksmomente auf Film bannen. Ich habe Angst, dass unsere Liebe mit den Erinnerungen schwindet.«

Erwan lernt Bruce kennen, ein Mädchen, das einnehmend ist, das sich in den Augen von Michéle zwischen den Geschlechtern bewegt. Auch wenn sie nahezu wahnhaft in diese Freundschaft ein erwachendes sexuelles Begehren hineinliest, das sie eifersüchtig zu verhindern versucht, sie spürt, die Erfüllung der innigen Mutter-Sohn-Beziehung wird enden. Haltlos richtet Michéle ihr leidenschaftliches Begehren auf Bruce's Mutter Catherine in ihren Heften. Real ist sie still, scheu, zurückgezogen und eigen. Michéle ist Französin in Algerien, sie ist priveligiert und sie ist gefangen in den Grenzen des Frauseins, so wie sie es versteht und schau eifersüchtig auf die Männer. Auch das zunehmende loslassen des Sohnes und die neue Stelle im Französischen Gymnasium bringen ihr keine Erfüllung.

Spannend machen »Erfüllung« besonders die nicht erzählten Perspektiven und Dimensionen, die sich andeuten und aufdrängen.
Wie erlebt der 10jährige seine Mutter, seinen Vater, wie Bruce, wie ist seine Welt in Algerien, wo er wahrscheinlich keine Zukunft haben wird? Wie ist die Welt von Brahim, der alles erduldet, der seine arabische Herkunft zu verachten scheint? Was ist Bruces Mikrokosmos? Ein Mädchen, das sich nicht mädchenhaft gibt, das von ihrem algerischen Vater abgelehnt wird und Nähe sucht zu seiner attraktiven Mutter Catherine, die Algerien als Zwischenstation sieht und sich von einer Affäre in die nächste stürzt. Was ist die Innenwelt von Amar, Catherines Mann, Unternehmer, in der Welt unterwegs, unter Beobachtung der Milizen und bald soweit, Algerien zu verlassen. Die postkoloniale Situation, die Gewalt in der Luft, die berechtigte Wut, die Zuwendung zum Islam, die Frage eines weiteren Krieges atmen zwischen den Zeilen und verstärken meine Begeisterung für diesen klugen und sinnlichen Roman.

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Cover des Buches Erfüllung (ISBN: 9783906903194)culejules avatar

Rezension zu "Erfüllung" von Nina Bouraoui

Widersprüchliche Sehnsüchte
culejulevor 25 Tagen

4,5 von 5 Sterne

Als Leser tauchen wir in eine Geschichte auf 226 Seiten ein, welche 1977 in Algerien spielt, wo in einem kleinen Haus Michèle zusammen mit ihrem zehnjährigen Sohn Erwan und ihrem Ehemann Brahim wohnt. In ihrem Tagebuch hält sie ihre Gedanken und Gefühle fest, die voller Ehrlichkeit und Melancholie sind. Michèle ist bereits jetzt als Mutter eifersüchtig auf alle Menschen, die das Herz ihres Sohnes bereits erobert haben bzw. erobern werden. Außerdem muss sie sich eingestehen, dass die Leidenschaft und das Verlangen zu ihrem Mann erloschen sind und die Ehe nicht das hergibt, was sie sich erhofft hat. Doch dann lernt Michèle eines Tages Catherine kennen, die die Mutter der Freundin ihres Sohnes ist, und die Welt von ihr wird komplett auf den Kopf gestellt.

Dies war mein erstes Buch von der Autorin und ich mochte vor allem die Detailverliebtheit der einzelnen Beobachtungen in den Settings. Nina Bouraoui schafft es mit wenigen Wörtern passende Stimmungen dem Leser zu transportieren. Der Roman enthält viel Sinnlichkeit und Intimität und ich kann das Buch nur empfehlen.

Ich werde definitiv noch weitere Bücher der Autorin lesen.

Kommentare: 20
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Cover des Buches Erfüllung (ISBN: 9783906903194)aus-erlesens avatar

Rezension zu "Erfüllung" von Nina Bouraoui

In Reflexionen die Chancen erkennen
aus-erlesenvor einem Monat

Auch das Unglück braucht seinen Raum, um sich entfalten zu können. Da ist nur wenig Platz für die Dinge, die glücklich machen. Michèle Akli, 38, Französin im Algerien des Jahres 1977, versucht ihre Gedanken in einem Heft festzuhalten. Und zwar in der Hoffnung, dass sich das Unglück nicht allzu sehr ausbreitet und das Glück bald schon wieder Einzug in ihr Leben hält. 

Vor fünfzehn Jahren ist sie mit ihrem Mann Brahim in sein Heimatland gekommen. Algerien hatte sich entbehrungsreich von der einstigen Kolonialmacht Frankreich gelöst. Ein guter Zeitpunkt zurückzukommen. Für Brahim. Algier ist die neue Heimat. Erwan ist der Sonnenschein in der Dunkelheit von Michèles Leben. Ihren zehnjährigen Sohn betrachtet sie so oft es geht. Sie verfolgt wie sich sein Körperbau verändert, malt sich aus welch prächtiger Mann er einmal sein wird. Doch sieht sie auch die Veränderungen in seinem Wesen. Als Bruce in Erwans Leben tritt, macht sich Angst breit bei der mittlerweile desillusionierten Michèle. Ist Bruce die erste Liebe in Erwans jungen Leben? Bruce ist ein Mädchen, das bemerkt Michèle erst später. Die beiden – Erwan und Bruce – nebeneinander, von der Ferne wie zwei Jungen, die beschlossen haben die Welt zu erkunden und eines Tages aus den Angeln zu heben. Michèle ist besorgt. Wird Bruce Erwan ihr entreißen? Wird sich der Sprössling von ihr loslösen? Bruce ist eine greifbare Gefahr. Doch wofür?

Ebenfalls spürbar, doch viel subtiler ist die Situation in Algerien. Der Freiheitsgedanke ist religiösem Regelwerk gewichen. Telefonate werden abgehört. Auf der Straße wird man beobachtet, sogar verfolgt. Und Brahim … der ist einfach nur noch der Mann, den sie einmal innig liebte. Verlangen – Fehlanzeige. Vielmehr genießt sie die unbeschwerte Zeit mit Erwan, erforscht ihren Garten, beobachtet den Himmel, sehnt sich nach der Freiheit, die immer so selbstverständlich war. Michèle beklagt sich nicht, sie nimmt wahr. Und ihr Tagebuch ist letztendlich der klägliche Rest Freiheit, der ihr geblieben ist. Die Pakete aus ihrer Heimat sind Trostpflaster, die sie zu gleichen Teilen belasten und hoffen lassen. 

Die Sorge um den Verlust Erwans lässt sie immer mehr Schreckensszenarien ausmalen. Sie ist tief im Inneren eifersüchtig auf Bruce. Denn dieses kleine Mädchen kommt ihrem Sohn näher als Michèle jemals war. Nur ihr Tagebuch hält die Lunte davon ab sich ihren Weg zur Explosion zu suchen. Bei all den Gedankengängen entgeht Michèle die enorme Kraft zu lieben, die in ihr steckt. Die Gedanken an Catherine, ihre Freiheit, ihr Talent sind bloße Projektionen. Tief im Inneren empfindet sie Liebe für Catherine, Bruce und selbstverständlich ihren Sohn Erwan. Sie kann es nur nicht immer erkennen und akzeptieren. Dann erkennt Michèle, dass Fassaden auch bröckeln können... 

Nina Bouraoui verweigert nur scheinbar ihrer Protagonistin das Glück, die Erfüllung, die ihr unweigerlich zusteht. Es ist ein dorniger Weg zur Erkenntnis, dass das Glück niemals mit Pauken und Trompeten an die Tür klopft. Erst der selbst gewählte Weg verheißt Linderung im schmerzhaften Gerangel um das Glück. Und das Glück der Anderen bringt oft selbst den Stein ins Rollen, der die Erfüllung bringt.

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