Optik – Cover + Klappentext: Das Buch ist eines von der Sorte, die nicht zu viel mit dem Cover verraten und eher auf dezente Details setzen. Das hat mir echt gut gefallen. Der Name der Autorin steht zentral am oberen Rand, der Titel mit großen Lettern in der Mitte des Covers, optisch leicht versetzt. Man sieht eine Art von Rauch, rosa-graufarben, der perfekt mit der Schrift harmoniert. Der Klappentext klingt unglaublich tiefgründig ebenso wie gefühlvoll und spannend. Ein Muss für mich, diesem Werk eine Chance zu geben.
Buchsatz + Schreibstil + Grammatik: Die Geschichte ist in Kapitel mit angenehmer Länge geteilt. Die Perspektiven der beiden Hauptdarsteller Julien und Sasha wechseln sich ab, sodass der Leser aus dem Leben und Denken der beiden eine Menge erfährt. Bemängeln müsste ich hier leider, dass sie in der Er-Perspektive geschrieben sind, die Ich-Perspektive wäre besser gewesen. Durch den besonderen Schreibstil war es mir oft schwer, beide Protas voneinander zu unterscheiden, da sie doch völlig gleich zu denken schienen. Hätte nicht der Name dort gestanden, hätte ich es nicht gemerkt. Das fand ich ungemein schade, weil Sasha und Julien so unterschiedliche Charaktere sind, die jeder ihre eigene Sprache verdient hätten. Doch vielleicht ist das Ansichtssache. Der Sprachstil der Autorin war allgemein sehr eigen. Viele Wortwiederholungen, kurze, abgehackte Sätze oder aneinandergereihtes Gedankenwirrwarr machten es mir manchmal sehr schwer, der Logik der Handlung zu folgen. Es wirkte zerrissen, wie die traumatisierten Jugendlichen, die eigentlich im Fokus stehen sollten.
Inhalt: Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Julien und Sasha, beide 19 Jahre alt, jeder auf seine Weise traumatisiert, die sich anfreunden und verlieben. Während der Anfang so spannend und authentisch war, dass ich dem Buch auf Anhieb 5 Sterne geben wollte, ruderte ich leider im Laufe des letzten Drittels extrem zurück. Das Ende wirkte wahllos zusammengestückelt, wies einige Logiklöcher auf und verlor dadurch an Stimmigkeit. Bsp: Warum schafft es Sasha, seiner Mutter die Stirn zu bieten und kaum ruft sein Vater an, verfällt er in alte kuschende Verhaltensmuster? - Das passte nicht zusammen und verlor an Echtheit. Obwohl die Liebe der beiden zueinander einen wichtigen Aspekt der Handlung ausmacht, erschien sie mir oft ungreifbar und unrealistisch, denn wenn für jemanden etwas neu ist, kann nicht alles perfekt ablaufen. Doch hier saß jede Berührung, jede Liebkosung, jeder Laut. Die Beschreibungen drumherum lenkten zudem ungemein ab und das Ende wirkte gehetzt. So als müsse jetzt unbedingt alles abgeschlossen werden.
Fazit: Wer es geschafft hat, sich durch den doch sehr eigenen Schreibstil durchzuwühlen und unter diese Schutzschicht aus permanenten Zahlen und kurzen Sätzen hindurchzukriechen, wird eine wunderschöne, sanfte Liebesgeschichte zweier Jugendlicher finden, die schwer vom Leben gezeichnet sind. Für die Authentizität der Handlung wäre es jedoch besser gewesen, an einigen Stellen das Tempo zu drosseln (Muss z.B. immer alles im Bett enden?) und es an anderen Stellen zu erhöhen und einfach knallhart bei der Wahrheit zu bleiben. (Sasha hätte zum Schluss nicht kuschen dürfen, weil es nicht zu seiner Persönlichkeitswandlung passte - das machte ihn fadenscheinig und zog alles unnötig in die Länge.)


















