"Wilde Minze“ von Nina LaCour war für mich ein ganz besonderes Leseerlebnis, das mich von der ersten Seite an fasziniert hat. Die Geschichte entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Nina LaCour schreibt sehr atmosphärisch und bildgewaltig: Nicht nur die Cocktails und Blumenarrangements wirken wie lebendige Kunstwerke, auch die Häuser, die Emilie mit so viel Hingabe restauriert, werden traumhaft beschrieben. Man sieht die Details der Architektur direkt vor sich!
Die Handlung selbst ist eine intensive Mischung aus Licht und Schatten. Es gibt diese ästhetischen, fast schon magischen Momente, aber auch richtig verstörende und düstere Kapitel. Besonders die Themen Sucht und Drogenabhängigkeit ziehen sich wie ein dunkler Faden durch das Leben der Protagonistinnen. In der Familie bzw. Freundeskreis wird die zerstörerische Kraft der Abhängigkeit ungeschönt und schmerzhaft thematisiert.
Inmitten dieser Schwere hat mich Emilies Charakter besonders berührt. Ihre tiefe Hilfsbereitschaft ist bemerkenswert; trotz der eigenen Päckchen, die sie zu tragen hat, bleibt sie ein Anker für die Menschen um sie herum. Ihr Drang, Dinge und Menschen gleichermaßen zu heilen und zu bewahren, macht sie zu einer sehr sympathischen Figur. Eingebettet ist dies in eine berührende queere Liebesgeschichte, die durch eine durchgängig gendersensible Sprache absolut stimmig, modern und zeitgemäß wirkt.
„Wilde Minze“ ist für mich schmerzhaft schön, eine Geschichte über das Heilen, das Verzeihen und die Suche nach einem Zuhause. Es ist keine leichte Kost, besonders durch die harten Realitäten der Familiengeschichten, aber die poetische Sprache fängt einen immer wieder auf. Für mich ein absolutes Jahreshighlight!























