Nina Pauer

 3.8 Sterne bei 46 Bewertungen
Nina Pauer

Lebenslauf von Nina Pauer

Nina Pauer, Jahrgang 1982 lebt in Hamburg und ist freie Autorin. Sie studierte Geschichte, Soziologie und Journalistik an der Universität Hamburg und der Université Michel Montaigne in Bordeaux. Während ihres Studiums hat sie am Hamburger Institut für Sozialforschung in den Arbeitsbereichen »Nation und Gesellschaft« und »Die Gesellschaft der Bundesrepublik« gearbeitet. Sie schreibt vor allem für das Feuilleton der ZEIT und das ZEITmagazin.

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Wir haben keine Angst

Wir haben keine Angst

 (39)
Erschienen am 25.07.2012

Interview mit Nina Pauer

Im Herbst 2011 erscheint mit "Wir haben keine Angst" das erste Buch von Nina Pauer. Zu diesem Anlass führte LovelyBooks ein Interview mit ihr:

1) „Wir haben keine Angst“ ist Dein erstes Buch. Wie kam es dazu und bist Du jetzt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aufgeregt?

Die Idee zu meinem Buch kam mir, als es in einer Redaktionssitzung um das Thema moderner Tabus ging. Da dachte ich sofort: „Angst“. Also all das, was wir ständig hinter unseren lässigen, fitten und ironischen Fassaden zu verbergen suchen und nur mit unseren besten Freunden und Therapeuten teilen: Der Stress, die Unsicherheit, die Entscheidungsschwierigkeiten. Ich habe dann viel mit meinen Freunden und Bekannten darüber gesprochen und festgestellt: Alle haben diese Ängste, aber keiner mag es offen zugeben. In diesem Sinne ist mein Buch ein großes Eingeständnis.

2) Der Titel des Buches steht für eine Generation, die sich täglich durch neue Katastrophenmeldungen kämpfen muss. Inwieweit können wir überhaupt noch echte Katastrophen von mediengemachten Hypes unterscheiden?

Wir zeigen uns zwar besorgt und ernsthaft betroffen, wenn es um Kriege oder Naturkatastrophen am anderen Ende der Welt geht. Dass es uns allerdings persönlich treffen könnte, scheint uns sehr unwahrscheinlich. Der Rahmen unseres Lebens ist die Sicherheit. Wir wissen, dass wir nicht über Nacht in eine Diktatur schliddern werden und dass alle Killerviren schon nach kurzer Zeit wieder vergessen sind. Die Katastrophen, die uns den Schlaf rauben, sind nun mal keine weltpolitischen, sondern einzig und allein unsere privaten Ängste.

3) Was hat Dir zuletzt richtig Angst gemacht?

Ich denke, wenn man mein Buch liest, findet man auf diese Frage viele Antworten. Es ist zwar keine Biographie, aber nichts davon ist wirklich frei erfunden...

4) Florian Illies hat damals mit der „Generation Golf“ eine sehr harmlose Generation beschrieben, geprägt durch ein Aufwachsen im Wohlstand und wo das einzig schlechte Gewissen darin besteht, dass man den Müll nicht richtig trennt. Was hat sich seitdem geändert?

Das Aufwachsen im Wohlstand hat die ganzen Ängste, die wir haben, ja erst entstehen lassen. Meiner Generation fällt es sehr schwer sich angesichts der endlosen gebotenen Möglichkeiten zu entscheiden und zufrieden zu sein. Natürlich sind wir dankbar für unser gutes Leben, wir können uns aber trotzdem nie wirklich entspannen. Die ewigen Optionen geben uns keine Ruhe. Gleichzeitig wissen wir, dass dieser Druck ein Luxusproblem ist. Und dafür schämen wir uns. Da hilft auch kein Mülltrennen mehr.

5) Es stehen uns und unseren Kindern heute viele Möglichkeiten offen. Aber schränkt diese Auswahl auch seelisch ein, macht der Überfluss an Reizen eventuell doch Angst? Wie hast Du entschieden, wohin Dein beruflicher Weg Dich führen soll?

Auch ich war spätestens seit dem Ende der Schulzeit komplett überfordert mit den ganzen Möglichkeiten. Ich versuche so wenig wie möglich auf die kleinen Stimmchen in meinem Kopf zu hören, die immer gleich fragen „Willst du das wirklich? Bist du das wirklich?“. Sondern mich statt dessen an den alten Spruch zu halten: Der Weg ist das Ziel.

6) Nun startest Du mit einem Sachbuch – gibt es auch schon Pläne für ein weiteres Buch, etwa für einen Genrewechsel zu den Romanen?

Ja, es gibt Pläne für ein weiteres Buch. Doch dem Genre des Sachbuches mit erzählerischen Elementen bleibe ich treu.

7) Was liest Du denn selbst gern bzw. welches Buch würdest Du unseren Lesern empfehlen?

Das letzte Buch, das ich gelesen habe war „Yoga für den unteren Rücken“. Sehr empfehlenswert! Ansonsten lese ich gerne Romane, zum Beispiel von Jonathan Franzen oder Philip Roth.

8) Auf Plattformen wie LovelyBooks nutzen die Autoren die Möglichkeit, um mit ihren Lesern direkt in Kontakt zu treten, sie erhalten dort Lob aber auch Kritik. Wie gehst Du damit um?

Da „Wir haben keine Angst“ mein erstes Buch ist, bin ich sehr gespannt auf jede einzelne Rückmeldung. Ich hoffe natürlich, dass sich die Leser in dem wiederfinden, was ich beschreibe und der Austausch über unsere gemeinsamen Ängste uns allen weiterhilft.

Neue Rezensionen zu Nina Pauer

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Rezension zu "Wir haben keine Angst" von Nina Pauer

"Wir haben keine Angst" von Nina Pauer
Tamar_vor 4 Jahren

„Gleich unser erster Angstmacher, die Arbeit, spaltet uns in zwei Gruppen. Wir sind entweder permanent geburnoutet. Oder lethargisch. Wir sind getrieben. Oder gelähmt. Wir geben alles. Oder gar nichts.“

 

Nina Pauer wählt die Charaktere Anna und Bastian als Protagonisten ihrer Geschichte, die die zwei Extrempole der gleichen Situation darstellen, die aus derselben Motivation, nur in ganz anderer Ausprägung zu denen geworden sind, die sie heute sind. Anna ist ehrgeizig, hochmotiviert, möchte immer die Beste sein, um sich ganz weit oben auf der Karriereleiter wiederzufinden. Bastian dagegen ist der ewige Student, der sich zu nichts aufraffen kann, selten mal die Uni, dafür aber öfter die Cafeteria von innen sieht und ein gerngesehener und gutgelaunter Gast auf jeder Party ist.

Im Laufe des Buches begleiten wir die beiden bei ihren Sitzungen mit dem Therapeuten Herrn G., mit dem sie abwechselnd über diese „Verpassens- und Versagensangst“ sprechen, die unsere ganze Generation seit dem Schulabschluss in Atem hält, die uns mal vorantreibt, mal zurückhält. Die Autorin führt uns dabei durch alle Lebensbereiche, die von dieser betroffen sind, sie spricht von der Arbeit, der Liebe, der Freundschaft, der Beziehung zu unseren Eltern und der Politik.

Denn egal, wohin wir gehen, so ganz lässt sie uns nie los: Die Angst, uns bei all diesen Möglichkeiten, die ausgebreitet vor uns liegen, für die falsche zu entscheiden und dadurch etwas Einzigartiges zu verpassen. Die Angst davor, nicht gut genug zu sein, zu versagen, den eigenen und den fremden Erwartungen nicht gerecht zu werden. Die Angst davor, nie dort anzukommen, wohin wir eigentlich wollen.

Obwohl Pauer sehr plakativ diese zwei so extremen Gegenpole wählt, gelingt es ihr, authentische Charaktere zu schaffen, in denen wir uns wiedererkennen – mal in dem einen, mal in dem anderen, mal in einer Mischung aus beiden, dazwischen.

So manch einer mag erleichtert aufatmen, dass endlich über das gesprochen wird, was uns schon so lange, vielleicht auch nur unterschwellig, beschäftigt. Während des Lesens der humorvollen Erzählung, die uns dennoch ernst nimmt, fühlen wir uns deshalb verstanden und nicht mehr ganz so allein. Und auch wenn das Buch keine klare Lösung bietet, packt es uns und lässt uns so schnell nicht mehr los.

Kommentare: 1
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Rezension zu "Wir haben keine Angst" von Nina Pauer

Wir haben keine Angst
Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren

Dieses Buch erzählt die Geschichte einer Generation. 

Diese  Generation hat Angst -auch wenn im Titel etwas anderes steht.

Die  Angst dieser Generation ist nicht die Angst vor einem Weltkrieg oder einer Naturkatastrophe - Nein diese Angst ist die Angst vorm Scheitern.


Dieses Buch ist so wirklich - so interessant und so ehrlich. 

Ein schönes Buch.

Nina Pauer ist eine tolle Schriftstellerin. 

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Anchesenamuns avatar

Rezension zu "Wir haben keine Angst" von Nina Pauer

Rezension zu "Wir haben keine Angst" von Nina Pauer
Anchesenamunvor 6 Jahren

Ich hatte eine Leseprobe zu dem Buch in den Fingern, es handelte sich hierbei um den Prolog des Buches, und ich fühlte mich angesprochen. Nina Pauer ist der (fast) gleiche Jahrgang wie ich, und in vielen Dingen fühlte ich mich durchaus angesprochen und ertappt. Allerdings gab es ein paar Dinge, die mich gestört haben. V. a. der Fakt, dass dieses Buch ganz eindeutig für Akademiker und Akademikerkinder geschrieben wurde. Die beiden Protagonisten, die für die zwei gänzlich gegensätzlichen Stereotypen "Karrierefrau" und "Gammelstudent" herhalten, stammen aus gut situierten Familien, die ihnen den finanziellen Rückhalt bieten können, um tun und lassen zu können, was sie wollen. Gut, Anna verdient ja selbst genug, aber Bastian ist der Gammelstudent, der zu nichts Lust hat und seinen Hintern nicht hochbekommt. Gerade beim Kapitel "Arbeit" kam mir die Existenzangst zu kurz. Was mache ich, wenn ich NICHT, wie Frau Pauer uns allen unterstellt, mit einer - ich zitiere - "Flatrate für Essens-, Kleidungs-, Wohnungs-, Transport- und Ausbildungskosten sowie sämtliche andere Ausgaben, die so anfallen" auf die Welt gekommen bin? Klar, wir werden alle in Familien hineingeboren, wo die Eltern so gut verdienen, dass wir uns selbst als Langzeitarbeitslose keine Gedanken um unsere Existenz machen müssen! Diese Unterstellung hat mich sehr gestört. Ich bin Akademikerin, also die Zielgruppe, die wohl angesprochen werden soll. Aber ich bin auch Arbeiterkind, das sich alles alleine irgendwie finanziert hat und ohne Arbeit ein ECHTES Problem hat, denn zu Mama und Papa rennen und die Hand aufhalten geht leider nicht.
Vielleicht ist Frau Pauer davon ausgegangen, dass nur hochgebildete Akademiker und Studenten aus wohlhabenden Familien ihr Buch in die Hand nehmen. Vielleicht wollte sie damit ein bisschen natürliche Auslese betreiben. Vielleicht ist sie in dem Glauben aufgewachsen, dass es jeder so gut hat wie sie. (Bei dieser Selbstverständlichkeit der finanziellen Freiheit gehe ich davon aus, dass Frau Pauer von den Eltern finanziert wurde.) Und natürlich, ich sehe ein, dass man nicht jedem Menschen, nicht jeder sozialen Schicht, nicht jeder Situation gerecht werden kann. Aber zu Frau Pauers und meiner Generation gehören nicht nur Akademiker. Dieses Buch könnte ich keinem meiner Nicht-Akademikerfreunde ans Herz legen, sie könnten schlicht kaum etwas damit anfangen. Deshalb fand ich die beiden Protagonisten, die ja nunmal den Großteil des Buches ausmachen, unglücklich gewählt. Und auch einige Anmerkungen wie z. B. die oben erwähnte Flatrate.
Das Buch hat mich etwas ratlos zurückgelassen. Vielleicht bin ich - als Arbeiterkind - einfach zu dämlich oder denkfaul, um für mich ein wertvolles Resümee ziehen zu können. Es ist unterhaltsam, das durchaus, aber ich hatte danach nicht das Gefühl, dass mir das Buch irgendetwas gegeben hätte. Es gibt die Geschichte von Anna und Bastian, die ich spannender fand als das Blablabla der Autorin dazwischen. Aber die beiden Figuren waren fiktiv, da kann man sich auch einen Roman durchlesen. Vielleicht hatte ich auch einfach zu hohe Ansprüche, hatte zu viel erwartet auf Grund des reißerischen Untertitels "Gruppentherapie einer Generation". Ich fühle mich nicht therapiert, besser verstanden oder nicht mehr so allein gelassen nach der Lektüre dieses Buches. Schade, da wurde meiner Meinung nach Potential verschenkt.
3 Sterne, weil das Buch an und für sich durchaus unterhaltsam ist dank der beiden Protagonisten.

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