Nina Pauer

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Interview mit Nina Pauer

Im Herbst 2011 erscheint mit "Wir haben keine Angst" das erste Buch von Nina Pauer. Zu diesem Anlass führte LovelyBooks ein Interview mit ihr:

1) „Wir haben keine Angst“ ist Dein erstes Buch. Wie kam es dazu und bist Du jetzt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aufgeregt?

Die Idee zu meinem Buch kam mir, als es in einer Redaktionssitzung um das Thema moderner Tabus ging. Da dachte ich sofort: „Angst“. Also all das, was wir ständig hinter unseren lässigen, fitten und ironischen Fassaden zu verbergen suchen und nur mit unseren besten Freunden und Therapeuten teilen: Der Stress, die Unsicherheit, die Entscheidungsschwierigkeiten. Ich habe dann viel mit meinen Freunden und Bekannten darüber gesprochen und festgestellt: Alle haben diese Ängste, aber keiner mag es offen zugeben. In diesem Sinne ist mein Buch ein großes Eingeständnis.

2) Der Titel des Buches steht für eine Generation, die sich täglich durch neue Katastrophenmeldungen kämpfen muss. Inwieweit können wir überhaupt noch echte Katastrophen von mediengemachten Hypes unterscheiden?

Wir zeigen uns zwar besorgt und ernsthaft betroffen, wenn es um Kriege oder Naturkatastrophen am anderen Ende der Welt geht. Dass es uns allerdings persönlich treffen könnte, scheint uns sehr unwahrscheinlich. Der Rahmen unseres Lebens ist die Sicherheit. Wir wissen, dass wir nicht über Nacht in eine Diktatur schliddern werden und dass alle Killerviren schon nach kurzer Zeit wieder vergessen sind. Die Katastrophen, die uns den Schlaf rauben, sind nun mal keine weltpolitischen, sondern einzig und allein unsere privaten Ängste.

3) Was hat Dir zuletzt richtig Angst gemacht?

Ich denke, wenn man mein Buch liest, findet man auf diese Frage viele Antworten. Es ist zwar keine Biographie, aber nichts davon ist wirklich frei erfunden...

4) Florian Illies hat damals mit der „Generation Golf“ eine sehr harmlose Generation beschrieben, geprägt durch ein Aufwachsen im Wohlstand und wo das einzig schlechte Gewissen darin besteht, dass man den Müll nicht richtig trennt. Was hat sich seitdem geändert?

Das Aufwachsen im Wohlstand hat die ganzen Ängste, die wir haben, ja erst entstehen lassen. Meiner Generation fällt es sehr schwer sich angesichts der endlosen gebotenen Möglichkeiten zu entscheiden und zufrieden zu sein. Natürlich sind wir dankbar für unser gutes Leben, wir können uns aber trotzdem nie wirklich entspannen. Die ewigen Optionen geben uns keine Ruhe. Gleichzeitig wissen wir, dass dieser Druck ein Luxusproblem ist. Und dafür schämen wir uns. Da hilft auch kein Mülltrennen mehr.

5) Es stehen uns und unseren Kindern heute viele Möglichkeiten offen. Aber schränkt diese Auswahl auch seelisch ein, macht der Überfluss an Reizen eventuell doch Angst? Wie hast Du entschieden, wohin Dein beruflicher Weg Dich führen soll?

Auch ich war spätestens seit dem Ende der Schulzeit komplett überfordert mit den ganzen Möglichkeiten. Ich versuche so wenig wie möglich auf die kleinen Stimmchen in meinem Kopf zu hören, die immer gleich fragen „Willst du das wirklich? Bist du das wirklich?“. Sondern mich statt dessen an den alten Spruch zu halten: Der Weg ist das Ziel.

6) Nun startest Du mit einem Sachbuch – gibt es auch schon Pläne für ein weiteres Buch, etwa für einen Genrewechsel zu den Romanen?

Ja, es gibt Pläne für ein weiteres Buch. Doch dem Genre des Sachbuches mit erzählerischen Elementen bleibe ich treu.

7) Was liest Du denn selbst gern bzw. welches Buch würdest Du unseren Lesern empfehlen?

Das letzte Buch, das ich gelesen habe war „Yoga für den unteren Rücken“. Sehr empfehlenswert! Ansonsten lese ich gerne Romane, zum Beispiel von Jonathan Franzen oder Philip Roth.

8) Auf Plattformen wie LovelyBooks nutzen die Autoren die Möglichkeit, um mit ihren Lesern direkt in Kontakt zu treten, sie erhalten dort Lob aber auch Kritik. Wie gehst Du damit um?

Da „Wir haben keine Angst“ mein erstes Buch ist, bin ich sehr gespannt auf jede einzelne Rückmeldung. Ich hoffe natürlich, dass sich die Leser in dem wiederfinden, was ich beschreibe und der Austausch über unsere gemeinsamen Ängste uns allen weiterhilft.