Ninni Holmqvist

 4.3 Sterne bei 105 Bewertungen
Autor von Die Entbehrlichen, Die Verführten und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Ninni Holmqvist

Die Entbehrlichen

Die Entbehrlichen

 (101)
Erschienen am 11.02.2011
Die Verführten

Die Verführten

 (4)
Erschienen am 28.06.2004
The Unit

The Unit

 (0)
Erschienen am 01.03.2010

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Rezension zu "Die Entbehrlichen" von Ninni Holmqvist

Abgründe, so tief, dass sie einen erschauern lassen – oder, was ist der Mensch wert?
ninchenpinchenvor einem Monat

Abgründe, so tief, dass sie einen erschauern lassen – Erstellungsdatum 16.11.2018

Ein Buch, das man niemals vergisst! 

Die Entbehrlichen von Ninni Holmqvist. Dorrit ist fünfzig geworden,

hat keinen Mann, keine Kinder, nur einen kleinen Hund. Der heißt Jock und sie liebt ihn sehr.

Aber, sie ist eine Entbehrliche, d. h. sie hat keinen besonderen Job und eben keine Familie. Eltern und Geschwister zählen nicht. So wird sie abgeholt – ihren geliebten Hund Jock darf sie nicht mitnehmen –  und sie kommt in die Reserveeinheit, das Luxusschlachthaus. Alles sehr schön, edel und großzügig. Jede Ecke wird abgehört und überwacht, es gibt null Privatsphäre, auch im Bad und WC nicht. Massenmenschhaltung sozusagen. 

Die Entbehrlichen in der „Einheit“ müssen für alles herhalten: Medizinische Versuche, Organspenden, z. B. Nierenentnahmen, Hornhautspenden, Ohrknöchelchenspenden. Ein Entkommen ist unmöglich und selbst wenn: Wo sollten sie hin?

Dorrit, die Ich-Erzählerin berichtet akribisch von den neuen Freundinnen und Freunden und von deren plötzlichem Verschwinden, wenn die Endspende ansteht.

Das Ganze ist so gruselig, weil an wirklich alles gedacht ist: Luxusleben vor Exekution. Und dann geschieht etwas, das Unsagbare, das noch nie in der Einheit geschehen ist. Das soll hier nicht verraten werden. Lest selbst, wenn ihr das aushalten könnt! 

Dorrits Träume von ihrem so geliebten kleinen Hund Jock, dem Stöckchen werfen am Meeresstrand, das geht unter die Haut und wirkt nach. Da kommen die Tränen.

Fazit: Ich habe lange kein Buch in der Hand gehabt, das so viele Gefühle in mir ausgelöst hat. Und es ist brillant geschrieben. Jedes Wort sitzt, jeder Satz passt. Es ist einfach unglaublich!

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Buchsensibels avatar

Rezension zu "Die Entbehrlichen" von Ninni Holmqvist

Ausdrucksstarker Ethikroman
Buchsensibelvor 8 Monaten

„Die Entbehrlichen“ ist ein sehr stiller, leiser Roman, aber extrem ausdrucksstark und geht (im wahrsten Sinne des Wortes) unter die Haut. Denn auch hier spielt das Thema der unfreiwilligen Organspende eine große Rolle.

Bei „Die Entbehrlichen“ handelt es sich mehr um einen ethischen Roman für Erwachsene, der sehr stilsicher und eindrücklich erzählt wird und die Gesellschaft (hier die schwedische, welche aber als Synonym für jede Gesellschaft stehen könnte) kritisch im Blick hat. Er wirft humanitäre Fragen auf: die Frage, wie lohnenswert der Mensch in einer leistungsorientierten Gesellschaft ist, was es bedeutet, wenn Menschen nach ihrer Nutzbarkeit in ein Wertigkeitssystem einsortiert werden, wenn eine Zweiklassengesellschaft existiert und die Privilegien der einen zum Wegsehen und Schweigen der anderen gegenüber führen. Wenn Kinderlosigkeit noch immer gleichgesetzt wird mit minderwertigem Leben(sinhalt) und Einsamkeit im mittleren Alter an den Rand des Bewusstseins gedrängt wird.

Ein erschütterndes Gedankenspiel, wohin es führen könnte, wenn ein großer Gesellschaftsteil ein bestehendes System und die Existenz von Ungleichheitsbehandlung nicht in Frage stellt und das Recht auf Würde abhängig ist vom Überlegenheitsdenken bestimmter Gruppierungen. Wenn Ignoranz sich durchsetzt.

Inhaltlich, sprachlich und stilistisch hat mich dieses Buch sehr bewegt.

Am Ende habe ich Rotz und Wasser geheult. Dieser Roman blieb mir noch lange in Erinnerung!

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KruemelGizmos avatar

Rezension zu "Die Entbehrlichen" von Ninni Holmqvist

Rezension zu Die Entbehrlichen
KruemelGizmovor einem Jahr

Dorrit Wegner ist eine „Entbehrliche“ – in einer Gesellschaft in der nur Produktivität gilt und Profit, werden Frauen und Männer die allein lebend ohne Kinder an ihrem fünfzigsten bzw. sechzigsten Geburtstag in ein Sanatorium eingesperrt. Die Sanatorien sind fest verschlossen, einen Kontakt zur Außenwelt, zu Verwandten oder Freunden gibt es nicht mehr. Die „Entbehrliche“ dienen als Versuchspersonen für psychologische und medikamentöse Tests und müssen auch für jegliche Art der Organentnahmen zur Verfügung stehen, dafür wird ihnen die Endzeit ihrer Existenz mit Luxus und Komfort so angenehm wie möglich gestaltet. Dorrit fügt sich widerspruchslos in ihr neues Leben, bis sie jemanden begegnet, der ihr alles bedeutet…

 

Die Entbehrlichen stammt aus der Feder von Ninni Holmqvist.

 

Das Buch lässt sich vom Schreibstil her sehr flüssig lesen, die zu Grunde liegende Thematik für mich weniger. Oftmals musste ich einfach schlucken oder tief durchatmen, bevor ich weiterlesen konnte. Die Vorstellung mit fünfzig bzw. sechzig nur nach als Versuchskaninchen und als Ersatzteillager zu dienen ist schon wirklich grauenvoll und menschenverachtend und zwischendurch kommt ein schon mal der Gedanke, das diese Vorstellung leider eigentlich gar nicht so unrealistisch ist. Alles in Allem wird die Geschichte für mein Empfinden recht nüchtern und beklemmend erzählt, was aber für mich diese drastische Vorstellung noch zusätzlich unterstrich.

 

Zu Dorrit Wegner, die Protagonistin dieser Geschichte, konnte ich als Leser nicht wirklich eine Verbindung aufbauen, was natürlich auch der Thematik geschuldet ist, aber sie blieb mir trotz ihrer Tierliebe einfach ein wenig fremd. Auch wirkte sie auf mich nicht immer wie eine fünfzigjährige in ihren Gedanken, was meine Vorstellung von ihr ein wenig behinderte.

 

Auch fehlte mir hier einfach ein bisschen der Kampfgeist bei den Personen um das eigene Leben, dieses einfache hinnehmen und akzeptieren dieser Regelungen und dem sich beugen empfand ich ein wenig unrealistisch, auch wenn es zur Geschichte in ihrer Endgültigkeit passte.

 

Dieses Buch konnte mich trotz meiner kleinen Kritikpunkte wirklich in seinen Bann ziehen und hat mich bis zur letzten Seite fesseln können und spukt mir immer noch in meinen Gedanken herum.

 

Mein Fazit:

Ein fesselnder Roman mit einer brisanten Thematik, die einen nicht unberührt lässt.

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