Ninni Holmqvist

 4.3 Sterne bei 104 Bewertungen
Autor von Die Entbehrlichen, Die Verführten und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Ninni Holmqvist

Ninni HolmqvistDie Entbehrlichen
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Die Entbehrlichen
Die Entbehrlichen
 (100)
Erschienen am 11.02.2011
Ninni HolmqvistDie Verführten
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Die Verführten
Die Verführten
 (4)
Erschienen am 28.06.2004
Ninni HolmqvistThe Unit
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The Unit
The Unit
 (0)
Erschienen am 01.03.2010

Neue Rezensionen zu Ninni Holmqvist

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Buchsensibels avatar

Rezension zu "Die Entbehrlichen" von Ninni Holmqvist

Ausdrucksstarker Ethikroman
Buchsensibelvor 6 Monaten

„Die Entbehrlichen“ ist ein sehr stiller, leiser Roman, aber extrem ausdrucksstark und geht (im wahrsten Sinne des Wortes) unter die Haut. Denn auch hier spielt das Thema der unfreiwilligen Organspende eine große Rolle.

Bei „Die Entbehrlichen“ handelt es sich mehr um einen ethischen Roman für Erwachsene, der sehr stilsicher und eindrücklich erzählt wird und die Gesellschaft (hier die schwedische, welche aber als Synonym für jede Gesellschaft stehen könnte) kritisch im Blick hat. Er wirft humanitäre Fragen auf: die Frage, wie lohnenswert der Mensch in einer leistungsorientierten Gesellschaft ist, was es bedeutet, wenn Menschen nach ihrer Nutzbarkeit in ein Wertigkeitssystem einsortiert werden, wenn eine Zweiklassengesellschaft existiert und die Privilegien der einen zum Wegsehen und Schweigen der anderen gegenüber führen. Wenn Kinderlosigkeit noch immer gleichgesetzt wird mit minderwertigem Leben(sinhalt) und Einsamkeit im mittleren Alter an den Rand des Bewusstseins gedrängt wird.

Ein erschütterndes Gedankenspiel, wohin es führen könnte, wenn ein großer Gesellschaftsteil ein bestehendes System und die Existenz von Ungleichheitsbehandlung nicht in Frage stellt und das Recht auf Würde abhängig ist vom Überlegenheitsdenken bestimmter Gruppierungen. Wenn Ignoranz sich durchsetzt.

Inhaltlich, sprachlich und stilistisch hat mich dieses Buch sehr bewegt.

Am Ende habe ich Rotz und Wasser geheult. Dieser Roman blieb mir noch lange in Erinnerung!

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KruemelGizmos avatar

Rezension zu "Die Entbehrlichen" von Ninni Holmqvist

Rezension zu Die Entbehrlichen
KruemelGizmovor 10 Monaten

Dorrit Wegner ist eine „Entbehrliche“ – in einer Gesellschaft in der nur Produktivität gilt und Profit, werden Frauen und Männer die allein lebend ohne Kinder an ihrem fünfzigsten bzw. sechzigsten Geburtstag in ein Sanatorium eingesperrt. Die Sanatorien sind fest verschlossen, einen Kontakt zur Außenwelt, zu Verwandten oder Freunden gibt es nicht mehr. Die „Entbehrliche“ dienen als Versuchspersonen für psychologische und medikamentöse Tests und müssen auch für jegliche Art der Organentnahmen zur Verfügung stehen, dafür wird ihnen die Endzeit ihrer Existenz mit Luxus und Komfort so angenehm wie möglich gestaltet. Dorrit fügt sich widerspruchslos in ihr neues Leben, bis sie jemanden begegnet, der ihr alles bedeutet…

 

Die Entbehrlichen stammt aus der Feder von Ninni Holmqvist.

 

Das Buch lässt sich vom Schreibstil her sehr flüssig lesen, die zu Grunde liegende Thematik für mich weniger. Oftmals musste ich einfach schlucken oder tief durchatmen, bevor ich weiterlesen konnte. Die Vorstellung mit fünfzig bzw. sechzig nur nach als Versuchskaninchen und als Ersatzteillager zu dienen ist schon wirklich grauenvoll und menschenverachtend und zwischendurch kommt ein schon mal der Gedanke, das diese Vorstellung leider eigentlich gar nicht so unrealistisch ist. Alles in Allem wird die Geschichte für mein Empfinden recht nüchtern und beklemmend erzählt, was aber für mich diese drastische Vorstellung noch zusätzlich unterstrich.

 

Zu Dorrit Wegner, die Protagonistin dieser Geschichte, konnte ich als Leser nicht wirklich eine Verbindung aufbauen, was natürlich auch der Thematik geschuldet ist, aber sie blieb mir trotz ihrer Tierliebe einfach ein wenig fremd. Auch wirkte sie auf mich nicht immer wie eine fünfzigjährige in ihren Gedanken, was meine Vorstellung von ihr ein wenig behinderte.

 

Auch fehlte mir hier einfach ein bisschen der Kampfgeist bei den Personen um das eigene Leben, dieses einfache hinnehmen und akzeptieren dieser Regelungen und dem sich beugen empfand ich ein wenig unrealistisch, auch wenn es zur Geschichte in ihrer Endgültigkeit passte.

 

Dieses Buch konnte mich trotz meiner kleinen Kritikpunkte wirklich in seinen Bann ziehen und hat mich bis zur letzten Seite fesseln können und spukt mir immer noch in meinen Gedanken herum.

 

Mein Fazit:

Ein fesselnder Roman mit einer brisanten Thematik, die einen nicht unberührt lässt.

Kommentare: 8
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HibiscusFlowers avatar

Rezension zu "Die Entbehrlichen" von Ninni Holmqvist

Was ist der Sinn des Lebens ?
HibiscusFlowervor 10 Monaten

Klappentext des Verlages:
In einer Gesellschaft, die nur auf ihre produktivsten Mitglieder setzt, gehört Dorrit Wegner zu den »Entbehrlichen«. Allein lebend und ohne Kinder muss sie sich an ihrem fünfzigsten Geburtstag in ein Sanatorium einweisen lassen, das nur einem Zweck dient: die hier wohnen, haben sich für psychologische Tests und Organentnahmen zur Verfügung zu stellen. Dabei sollen Luxus und Komfort den »Entbehrlichen« die Endzeit ihrer Existenz so angenehm wie möglich machen. Auch Dorrit fügt sich scheinbar widerspruchslos in ihr neues Leben, bis sie einem Menschen begegnet, der ihr alles bedeutet.

"Ich habe wohl geglaubt, mein Leben ist mein Besitz...Etwas, über das ich frei verfüge und über das niemand anders etwas zu sagen hat. Aber jetzt denke ich anders. Mir gehört mein Leben überhaupt nicht, es gehört anderen."
(S. 102)

Sie hat immer nur so gelebt, wie sie es stets für richtig gehalten hat: frei, neugierig, selbstbestimmt, emanzipiert, niemanden zur Last fallend. Der vorgegebenen Schablone der Politik hat Dorrit keine Beachtung geschenkt, als sie sich ihren Traum von einem eigenen Häuschen erfüllt, in dem sie sich - begleitet von ihrem Hund - das Leben so gestaltet hat, wie sie es wollte. Die Liebe kam, die Liebe ging. Für ein ganzes Leben hat es nicht ausgereicht: für eine Zukunft, in der sie benötigt wird, hat es nicht ausgereicht. Denn:

"Nur neue Konstellationen werden anerkannt. Menschen, die einen neuen Haushalt gründen und neue Menschen poduzieren...alles muss sich vorwärtsbewegen."
(S. 136)

Und da sich Dorrit nicht als benötigt klassifizieren konnte, weil es niemand gibt, für den sie lebt, muss sie ihr bisheriges Leben hinter sich lassen und wie die anderen Entbehrlichen an einem Ort leben, der zwar mit vielen Annehmlichkeiten einhergeht, den sie jedoch nie wieder verlassen wird.
Wissenschaftliche Humanversuche, Testreihen unterschiedlicher Arten, Organspenden stehen für die Entbehrlichen auf den Plan, denn welch benötigter Mensch hätte schon die Zeit dazu?

Ich war erstaunt, wie schlicht und einfach sich die Entbehrlichen ihrem Schicksal ergeben und in dieses neue, begrenzte Leben einfügen. Aber es gibt auch keine andere Wahl, kein Hintertürchen durch das sie schlüpfen könnten. Sie wissen nicht, wie viel Zeit ihnen bis zu Endspende bleibt und doch nehmen sie das Leben an, schließen Freundschaften, schaffen Vertrauen und haben den Mut zu lieben, wohlwissend dass es für sie nur die Gegenwart und keine Zukunft gibt.

Die Geschichte von Dorrit wird leise erzählt und doch sorgt jedes Kapitel für ein stetiges Vibrieren, während man sie verfolgt. Bewegend ohne ins Rührselige abzutriften aber auch nicht nüchtern - so habe ich den, wenn auch alles andere als freiwillig eingeschlagenen, beschriebenen Weg von Dorrit empfunden, bei dem ich immer wieder innehalten musste, damit die Selbstverständlichkeit in dem Geschehen bei mir ankommen konnte. Die Frage: Was ist der Sinn des Lebens ? stellt sich mir nicht durch dieses Buch das erste Mal, aber dafür aus einem anderen Blickwinkel heraus.

Ein dystopischer Blick auf die Gesellschaft, der unterschiedliche Emotionen auszulösen vermag und definitiv zum Nachdenken anregt...besonders mit Zitaten wie diesem, mit dem ich meine Gedanken zu dem Buch abschließen mag:

"Ich wünschte, ich hätte in der Zeit gelebt, als der Mensch noch an das Herz glaubte. Als der Mensch noch glaubte, das Herz sei das zentrale Organ, das alle Erinnerungen, Gefühle, Fähigkeiten, Mängel und andere Eigenschaften enthielt, die aus uns die einzigartigen Individuen machen, die wir sind..., bevor das Herz seinen Status verlor und zu einem von mehreren zwar lebensnotwendigen, aber ersetzbaren Organen reduziert wurde."
(S. 196/197 - Dorrit)

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