Die Entbehrlichen

von Ninni Holmqvist 
4,3 Sterne bei99 Bewertungen
Die Entbehrlichen
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Ein sehr stiller, leiser Roman, aber extrem ausdrucksstark und geht (im wahrsten Sinne des Wortes) unter die Haut.

-Bitterblue-s avatar

Hätte etwas dramatischer sein könne, so ist es ein wenig kurzweilig

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Inhaltsangabe zu "Die Entbehrlichen"

In einer Gesellschaft, die nur auf ihre produktivsten Mitglieder setzt, gehört Dorrit Wegner zu den 'Entbehrlichen'. Allein lebend und ohne Kinder muss sie sich an ihrem fünfzigsten Geburtstag in ein Sanatorium einweisen lassen, das nur einem Zweck dient: die hier wohnen, haben sich für psychologische Tests und Organentnahmen zur Verfügung zu stellen. Dabei sollen Luxus und Komfort den 'Entbehrlichen' die Endzeit ihrer Existenz so angenehm wie möglich machen. Auch Dorrit fügt sich scheinbar widerspruchslos in ihr neues Leben, bis sie einem Menschen begegnet, der ihr alles bedeutet.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596183319
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:11.02.2011

Rezensionen und Bewertungen

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    Buchsensibels avatar
    Buchsensibelvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein sehr stiller, leiser Roman, aber extrem ausdrucksstark und geht (im wahrsten Sinne des Wortes) unter die Haut.
    Ausdrucksstarker Ethikroman

    „Die Entbehrlichen“ ist ein sehr stiller, leiser Roman, aber extrem ausdrucksstark und geht (im wahrsten Sinne des Wortes) unter die Haut. Denn auch hier spielt das Thema der unfreiwilligen Organspende eine große Rolle.

    Bei „Die Entbehrlichen“ handelt es sich mehr um einen ethischen Roman für Erwachsene, der sehr stilsicher und eindrücklich erzählt wird und die Gesellschaft (hier die schwedische, welche aber als Synonym für jede Gesellschaft stehen könnte) kritisch im Blick hat. Er wirft humanitäre Fragen auf: die Frage, wie lohnenswert der Mensch in einer leistungsorientierten Gesellschaft ist, was es bedeutet, wenn Menschen nach ihrer Nutzbarkeit in ein Wertigkeitssystem einsortiert werden, wenn eine Zweiklassengesellschaft existiert und die Privilegien der einen zum Wegsehen und Schweigen der anderen gegenüber führen. Wenn Kinderlosigkeit noch immer gleichgesetzt wird mit minderwertigem Leben(sinhalt) und Einsamkeit im mittleren Alter an den Rand des Bewusstseins gedrängt wird.

    Ein erschütterndes Gedankenspiel, wohin es führen könnte, wenn ein großer Gesellschaftsteil ein bestehendes System und die Existenz von Ungleichheitsbehandlung nicht in Frage stellt und das Recht auf Würde abhängig ist vom Überlegenheitsdenken bestimmter Gruppierungen. Wenn Ignoranz sich durchsetzt.

    Inhaltlich, sprachlich und stilistisch hat mich dieses Buch sehr bewegt.

    Am Ende habe ich Rotz und Wasser geheult. Dieser Roman blieb mir noch lange in Erinnerung!

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    KruemelGizmos avatar
    KruemelGizmovor 9 Monaten
    Rezension zu Die Entbehrlichen

    Dorrit Wegner ist eine „Entbehrliche“ – in einer Gesellschaft in der nur Produktivität gilt und Profit, werden Frauen und Männer die allein lebend ohne Kinder an ihrem fünfzigsten bzw. sechzigsten Geburtstag in ein Sanatorium eingesperrt. Die Sanatorien sind fest verschlossen, einen Kontakt zur Außenwelt, zu Verwandten oder Freunden gibt es nicht mehr. Die „Entbehrliche“ dienen als Versuchspersonen für psychologische und medikamentöse Tests und müssen auch für jegliche Art der Organentnahmen zur Verfügung stehen, dafür wird ihnen die Endzeit ihrer Existenz mit Luxus und Komfort so angenehm wie möglich gestaltet. Dorrit fügt sich widerspruchslos in ihr neues Leben, bis sie jemanden begegnet, der ihr alles bedeutet…

     

    Die Entbehrlichen stammt aus der Feder von Ninni Holmqvist.

     

    Das Buch lässt sich vom Schreibstil her sehr flüssig lesen, die zu Grunde liegende Thematik für mich weniger. Oftmals musste ich einfach schlucken oder tief durchatmen, bevor ich weiterlesen konnte. Die Vorstellung mit fünfzig bzw. sechzig nur nach als Versuchskaninchen und als Ersatzteillager zu dienen ist schon wirklich grauenvoll und menschenverachtend und zwischendurch kommt ein schon mal der Gedanke, das diese Vorstellung leider eigentlich gar nicht so unrealistisch ist. Alles in Allem wird die Geschichte für mein Empfinden recht nüchtern und beklemmend erzählt, was aber für mich diese drastische Vorstellung noch zusätzlich unterstrich.

     

    Zu Dorrit Wegner, die Protagonistin dieser Geschichte, konnte ich als Leser nicht wirklich eine Verbindung aufbauen, was natürlich auch der Thematik geschuldet ist, aber sie blieb mir trotz ihrer Tierliebe einfach ein wenig fremd. Auch wirkte sie auf mich nicht immer wie eine fünfzigjährige in ihren Gedanken, was meine Vorstellung von ihr ein wenig behinderte.

     

    Auch fehlte mir hier einfach ein bisschen der Kampfgeist bei den Personen um das eigene Leben, dieses einfache hinnehmen und akzeptieren dieser Regelungen und dem sich beugen empfand ich ein wenig unrealistisch, auch wenn es zur Geschichte in ihrer Endgültigkeit passte.

     

    Dieses Buch konnte mich trotz meiner kleinen Kritikpunkte wirklich in seinen Bann ziehen und hat mich bis zur letzten Seite fesseln können und spukt mir immer noch in meinen Gedanken herum.

     

    Mein Fazit:

    Ein fesselnder Roman mit einer brisanten Thematik, die einen nicht unberührt lässt.

    Kommentare: 8
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    HibiscusFlowers avatar
    HibiscusFlowervor 9 Monaten
    Was ist der Sinn des Lebens ?

    Klappentext des Verlages:
    In einer Gesellschaft, die nur auf ihre produktivsten Mitglieder setzt, gehört Dorrit Wegner zu den »Entbehrlichen«. Allein lebend und ohne Kinder muss sie sich an ihrem fünfzigsten Geburtstag in ein Sanatorium einweisen lassen, das nur einem Zweck dient: die hier wohnen, haben sich für psychologische Tests und Organentnahmen zur Verfügung zu stellen. Dabei sollen Luxus und Komfort den »Entbehrlichen« die Endzeit ihrer Existenz so angenehm wie möglich machen. Auch Dorrit fügt sich scheinbar widerspruchslos in ihr neues Leben, bis sie einem Menschen begegnet, der ihr alles bedeutet.

    "Ich habe wohl geglaubt, mein Leben ist mein Besitz...Etwas, über das ich frei verfüge und über das niemand anders etwas zu sagen hat. Aber jetzt denke ich anders. Mir gehört mein Leben überhaupt nicht, es gehört anderen."
    (S. 102)

    Sie hat immer nur so gelebt, wie sie es stets für richtig gehalten hat: frei, neugierig, selbstbestimmt, emanzipiert, niemanden zur Last fallend. Der vorgegebenen Schablone der Politik hat Dorrit keine Beachtung geschenkt, als sie sich ihren Traum von einem eigenen Häuschen erfüllt, in dem sie sich - begleitet von ihrem Hund - das Leben so gestaltet hat, wie sie es wollte. Die Liebe kam, die Liebe ging. Für ein ganzes Leben hat es nicht ausgereicht: für eine Zukunft, in der sie benötigt wird, hat es nicht ausgereicht. Denn:

    "Nur neue Konstellationen werden anerkannt. Menschen, die einen neuen Haushalt gründen und neue Menschen poduzieren...alles muss sich vorwärtsbewegen."
    (S. 136)

    Und da sich Dorrit nicht als benötigt klassifizieren konnte, weil es niemand gibt, für den sie lebt, muss sie ihr bisheriges Leben hinter sich lassen und wie die anderen Entbehrlichen an einem Ort leben, der zwar mit vielen Annehmlichkeiten einhergeht, den sie jedoch nie wieder verlassen wird.
    Wissenschaftliche Humanversuche, Testreihen unterschiedlicher Arten, Organspenden stehen für die Entbehrlichen auf den Plan, denn welch benötigter Mensch hätte schon die Zeit dazu?

    Ich war erstaunt, wie schlicht und einfach sich die Entbehrlichen ihrem Schicksal ergeben und in dieses neue, begrenzte Leben einfügen. Aber es gibt auch keine andere Wahl, kein Hintertürchen durch das sie schlüpfen könnten. Sie wissen nicht, wie viel Zeit ihnen bis zu Endspende bleibt und doch nehmen sie das Leben an, schließen Freundschaften, schaffen Vertrauen und haben den Mut zu lieben, wohlwissend dass es für sie nur die Gegenwart und keine Zukunft gibt.

    Die Geschichte von Dorrit wird leise erzählt und doch sorgt jedes Kapitel für ein stetiges Vibrieren, während man sie verfolgt. Bewegend ohne ins Rührselige abzutriften aber auch nicht nüchtern - so habe ich den, wenn auch alles andere als freiwillig eingeschlagenen, beschriebenen Weg von Dorrit empfunden, bei dem ich immer wieder innehalten musste, damit die Selbstverständlichkeit in dem Geschehen bei mir ankommen konnte. Die Frage: Was ist der Sinn des Lebens ? stellt sich mir nicht durch dieses Buch das erste Mal, aber dafür aus einem anderen Blickwinkel heraus.

    Ein dystopischer Blick auf die Gesellschaft, der unterschiedliche Emotionen auszulösen vermag und definitiv zum Nachdenken anregt...besonders mit Zitaten wie diesem, mit dem ich meine Gedanken zu dem Buch abschließen mag:

    "Ich wünschte, ich hätte in der Zeit gelebt, als der Mensch noch an das Herz glaubte. Als der Mensch noch glaubte, das Herz sei das zentrale Organ, das alle Erinnerungen, Gefühle, Fähigkeiten, Mängel und andere Eigenschaften enthielt, die aus uns die einzigartigen Individuen machen, die wir sind..., bevor das Herz seinen Status verlor und zu einem von mehreren zwar lebensnotwendigen, aber ersetzbaren Organen reduziert wurde."
    (S. 196/197 - Dorrit)

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    BeaSwissgirls avatar
    BeaSwissgirlvor einem Jahr
    Die Entbehrlichen


    Mein Leseeindruck subjektiv, aber spoilerfrei ;)


    Zufälligerweise bin ich beim Stöbern über dieses Buch hier gestolpert und der Titel aber vor allem auch der Klappentext klang sehr vielversprechend.....


    Der Schreibstil ist einfach, unauffällig, teilweise bezüglich Nebensächlichkeiten etwas detailliert, dafür werden auf Gefühle oder Gedanken nicht gross eingegangen.
    Geschrieben ist das Ganze aus der Sicht der 50 jährigen Dorrit in Ich- Form.


    Die Ausarbeitung der Charaktere allen voran der Hauptprotagonistin war meiner Meinung nach nur solide, da wäre so viel mehr möglich gewesen.
    Obwohl wird wie oben schon erwähnt zwar aus der Ich- Perspektive erzählt, dennoch konnte ich keine grosse Bindung zu Dorrit aufbauen. Was wahrscheinlich vor allem daran liegt, dass eher mässig auf die Gefühle und Gedanken der Protagonistin eingegangen wird und alles recht nüchtern ja  teilweise schon fast sachlich beschrieben wurde.
    Auch hatte ich ehrlich gesagt nie eine 50 Jahre alte Frau vor Augen, entsprechend ihrem ganzem Verhalten hätte ich sie recht jünger geschätzt.


    Der Plot an sich hat mir unheimlich gut gefallen ebenso hat die Geschichte so Einiges in mir aufgelöst.
    Ich war nämlich wütend, fassungslos, entsetzt, irgendwie traurig und wurde definitiv zum Nachdenken angeregt.
    Manchmal konnte ich die Passivität der Protagonisten fast nicht aushalten.Vielleicht ist dies von der Autorin ja gewollt um noch mehr zu provozieren? Ansonsten lässt es sich für mich nur so erklären, dass die Menschen es einfach nicht besser wissen, weil sie damit "aufgewachsen+ sind.....
    Gegen Ende verspürte ich einen leichten Hoffnungsschimmer schlug das Buch aber dennoch sehr zweigespalten zu....
    Der ein oder anderen Ansatz in dieser Gesellschaft ist übrigens gar nicht einmal so weit hergeholt....von daher wer bin ich, dass ich mir hier erlaube zu urteilen?!


    Ein utopischer Ethik- Roman mit einem Hauch Dystopie, jedoch ohne rebellischen Elemente, der für einigen Diskussionsstoff sorgt!


    Ich vergebe hiermit sehr gute vier Sterne

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    ConnyKathsBookss avatar
    ConnyKathsBooksvor 3 Jahren
    Beklemmende Dystopie

    Ein Luxus-Sanatorium mit allen Annehmlichkeiten, die man sich nur denken kann, Sport, Tanz, Musik, Gärten im Monet-Stil mit nie verwelkenden Blumen und Nahrung im Überfluss. Aber die ganze Sache hat einen Haken, denn in diesen "Genuss" kommen nur die "Entbehrlichen"; das sind Frauen und Männer, die im Gegensatz zu den "Benötigten" als nicht produktiv gelten und keine Kinder haben. So auch die 50jährige Dorrit Weger, die sich ab sofort für wissenschaftliche Humanversuche und als menschliches Ersatzteillager zur Verfügung stellen muss. Doch dann verliebt sie sich unerwartet in einen anderen "Entbehrlichen", aber die Uhr tickt, denn der Luxusaufenthalt endet unwiederbringlich mit der "Endspende".

    "Die Entbehrlichen" von Ninni Holmqvist ist ein hochspannender dystopischer Roman, der eine beklemmende Welt aufzeigt. Eine Gesellschaft mit fragwürdigen moralischen Vorstellungen, bei der die Menschenwürde so gut wie nichts mehr zählt und das Recht auf eine freie Lebensgestaltung nicht mehr existiert.

    Mit Fortschreiten der Handlung und einigen schrecklichen Ereignissen ruft der Roman immer mehr Bestürzung und Unglaube beim Leser hervor, noch verstärkt durch den recht nüchternen Schreibstil der Autorin. Die "Entbehrlichen" fügen sich einfach in ihr Schicksal, nehmen alles als normal und gegeben hin und denken nicht mal an Flucht. Selbst Dorrit zeigt vorerst nur kleine Ansätze von Aufbegehren, bis sie aufgrund einer bestimmt Entwicklung eine wichtige Entscheidung treffen muss. Und diese fällt absolut unerwartet aus. Ein nur schwer verständlicher Entschluss, der stark zum Nachdenken anregt und das Buch noch lange im Kopf nachklingen lässt.

    "Die Entbehrlichen" ist eine absolut überzeugende Dystopie, deren bedrückender Gesellschaftsentwurf aus heutiger Sicht so definitiv nicht vorstellbar ist und man nur hoffen kann, dass es niemals soweit kommt. Von mir gibt es daher eine klare Empfehlung.

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    dominonavor 4 Jahren
    Zukunftsvision?

    Wenn Frauen bis 50 und Männer bis 60 keine eigene Familie haben, werden sie entbehrlich und das heißt, sie kommen in eine Klinik, wo sie an Experimenten teilnehmen und nach und nach Organe spenden bis hin zu lebenswichtigen Organen, das nennt sich dann Endspende. Egal, wie schön einem das Leben dort auch gemacht wird, an dem Konzept stimmt etwas nicht und die Geschichte zeigt in ihrem Verlauf auch ganz genau was.

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    juni_mondvor 5 Jahren
    Beklemmend-guter Ethik-Thriller

    Der Zukunftsroman "Die Entbehrlichen" von Ninni Holmqvist ist ein Ethik-Thriller, der sehr zum Nachdenken anregt, einen dann und wann sprachlos werden lässt und eine beklemmende Stimmung verbreitet.

    Die Protagonistin des Romans beginnt ihre Schilderung der zukünftigen Zeit (es wird nicht erwähnt wann genau die Handlung spielt) an der Stelle, in der sie selbst entbehrlich geworden ist.
    Diesen Status erreichen die Menschen in der Geschichte, im Fall des weiblichen Geschlechts bei 50, im Fall des männlichen bei 60 Jahren und zwar genau dann, wenn sie bis zu diesem Alter keine Kinder bekommen haben und auch sonst kein benötigtes Glied der Gesellschaft sind.

    Ist der Zustand der Entbehrlichkeit erreicht, werden die Betroffenen in eine Einrichtung "Die Einheit" abtransportiert. Die Einheit ist eine Große Lebensgemeinschaft, in der es jeglichen Luxus für die Bewohner gibt. Große Parkanlagen, Sport- und Freizeitangebote, Restaurants, Schwimmhallen, Werkstätten für jegliche Art von Hobby, etc. etc... Nie müssen die Bewohner für etwas bezahlen, alles ist perfekt arrangiert, die Blumen und Pflanzen im Park erreichen nie den Zustand der Zersetzung, alles blüht immer, rund ums Jahr steht alles zur Verfügung. Es gibt kein Fenster, keinerlei Verbindung nach draußen.

    Doch der Zustand der Entbehrlichkeit bedeutet, dass alles für die Benötigten der Gesellschaft in der Welt draußen entbehrt werden kann. Die Bewohner müssen sich allen erdenklichen Forschungstests zur Verfügung stellen, ihre Organe werden Ihnen entnommen und nach "draußen" gespendet. Hier wird auch vor Dingen wie der Hornhaut des Auges und den Gehörknöchelchen nicht halt gemacht.
    Die Bewohner schleppen sich unter Einfluss zu testender Medikamente und von Operationsnarben gezeichnet durch die Einrichtung.
    Monatlich werden die Neuankömmlinge mit einem großen Fest begrüßt.

    So auch die Protagonistin der Geschichte, die sich zunächst keinen schweren Eingriffen unterziehen muss.
    Sie lernt Johannes kennen...
    Doch es geschehen Dinge, die in einer Rezension geschildert fehl am Platz wären, da sie zuviel von Handlung und Ausgang des Ganzen Szenarios verrieten.

    Ich kann nur empfehlen das Buch zu lesen und sich selbst mit den ethisch-moralischen Auseinandersetzungen zu beschäftigen, die der Inhalt des Werkes bereithält. 

    Nicht einmal der Aktualitätsbezug fehlt.

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    NiWas avatar
    NiWavor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Die Geschichte einer sehr sympathischen Frau, die damit zurecht kommen muss, entbehrlich geworden zu sein.
    Entbehrlich?

    Dorrit ist eine Entbehrliche. 

    Als entbehrlich gelten „gescheiterte“ Existenzen. Wer weder Kinder, einen Partner noch ein entsprechend hohes Einkommen aufweisen kann, wird von der Gesellschaft als entbehrlich eingestuft. 

    Denn in ihrer Entbehrlichkeit übernehmen sie zu guter Letzt eine wertvolle Funktion für die Gesellschaft: 

    Wer würde ansonsten an nervenschädigenden oder gesundheitsgefährdenden Experimenten teilnehmen? 

    Wer stünde sonst als Versuchsperson für neueste Medikamente zur Verfügung? 

    Wer sollte andernfalls dringendst benötigte Organe spenden? 

    Doch bevor die Entbehrlichen zur Endspende gerufen werden, erwartet sie ein relativ angenehmer Lebensabend in beschaulichem Luxus, den die Figur Dorrit dem Leser anhand ihrer Geschichte vor Augen führt. 

    Gesellschaftskritisch blickt der Leser in eine Welt, in der Leistung, Produktivität und Konsum die obersten Werte sind. Mit der Figur Dorrit erlebt er einen Lebensabend voll betäubender Annehmlichkeiten, überschattet von unangenehmen Begleiterscheinungen wie bizarren Experimenten oder sporadisch auftretenden Organspenden, bis die Endspende beschlossen ist. 

    Obwohl mich diese Erzählung sehr nachdenklich zurück gelassen hat, darf man sich keine mitreissende Dystopie erwarten, sondern es geht um die Gedanken und Erlebnisse einer sehr sympathischen Frau, die damit zurecht kommen muss, entbehrlich geworden zu sein. 


    (c) NiWa

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    Die Entbehrlichen von Ninni Holmqvist.

    Am Morgen ihres 50. Geburtstages wird Dorrit von einem Fahrer abgeholt und in eine Wohneinheit für die sogenannten “Entbehrlichen”, kinderlose Erwachsene jenseits der Fruchtbarkeit, gebracht. Dort wohnt sie mit anderen “Entbehrlichen” zusammen, die für Organentnahmen und medizinische Test zu Verfügung stehen müssen. Für die Bereitschaft ihr Leben im Dienste der Gesellschaft zu beenden, bietet der Staat den “Entbehrlichen” einiges an Luxus. Dorrit ist begeistert von all dem, was ihr in der Wohneinheit geboten wird, doch bald muss sie sich eingestehen, dass sie dafür einen hohen Preis zahlen wird.

    Als ich dieses Buch gelesen habe, war ich abwechselnd begeistert und erschüttert. Dass eine so düstere Auseinandersetzung mit der Überalterung unserer Gesellschaft, gleichzeitig so schön sein kann. Ich weiß, so ganz gehöre ich noch nicht zu der Demografie, auf die dieser Roman zugeschnitten ist, aber trotzdem hat er es geschafft mich zu berühren und zum nachdenken zu bringen, über Alter, biologische Bestimmung und den Wert eines Menschenlebens.

    Es handelt sich bei “Die Entbehrlichen” um einen relativ kurzen Roman, den ich in ca. zwei Tagen durchgelesen hatte – wobei die Pause dazwischen für mich schier unerträglich war. Das ernste Thema schließt nämlich ein hohes Maß an Spannung, sowie eine damit verbundene Liebesgeschichte nicht aus. So bleiben nun wirklich keine Wünsche mehr offen.

    Was mich besonders gefreut hat, ist dass die Hauptfigur des Buchs eine Schriftstellerin ist, die auch in der “Einheit” weiter arbeitet. Ich hatte beim Lesen den Eindruck einen kleinen Einblick in den Arbeitsalltag von Nini Holqvist zu erhalten und habe so die Figur und die Autorin dahinter eng miteinander verknüpft. Trotzdem ist Dorrit nicht mein Lieblingscharakter im Buch, ihre verschlossene Art, machte es mir manchmal schwer mich in sie hineinzuversetzen. So diente sie allerdings auch als Eckpfeiler dieser Geschichte und verlieh ihr ein Rückgrat und damit auch Würde, was ich speziell bei diesem Thema wichtig und richtig finde.

    Die Dystopie, welche sich um die Handlung rankt ist grausam und man erstarrt als Leser oft in seinen Zügen, angesichts der staatlich organisierten Willkür, welche Menschen wie Vieh behandelt, nur weil sie kinderlos geblieben sind. Ich hoffe inbrünstig, dass dieser Roman genau das bleibt, nämlich eine fiktive Zukunftsvision, und nicht irgendwann düstere Realität wird in einem überalternden Europa.

    Dieses Buch ist uneingeschränkt empfehlenswert. Besonders ans Herz legen möchte ich es allen, die sich für Themen rund um die demografischen Veränderungen in der westlichen Welt interessieren, ob nun kinderlos oder nicht.

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    erdbeerliebe.s avatar
    erdbeerliebe.vor 6 Jahren
    Rezension zu "Die Entbehrlichen" von Ninni Holmqvist

    Dorrit ist über fünfzig Jahre alt, ledig und ohne Kinder und arbeitslos. Sie gehört damit zu den "Entbehrlichen" ihrer Gesellschaft und zieht an ihrem Geburtstag ins Sanatorium, der Reversebankeinheit für biologisches Material. Kurz gesagt ein Ort, an dem alle Entbehrlichen der Gesellschaft leben. Dort wird sie sich mit ihren Mitbewohnern für psychologische Experimente und Organspenden zur Verfügung stellen, um dem nützlichen Teil der Gesellschaft zu dienen. Luxoriös, kostenlos, bequem und wohlbehütet ist das Sanatorium, dafür aber abgeschottet von der restlichen Welt.
    Dorrit akzeptiert ihr Schicksal scheinbar widerstandslos, bis sie einem Menschen begegnet, der ihr alles bedeutet.

    Die Entbehrlichen ist ein Buch das einfache Worte findet, um viel auszudrücken - still und fast schon neutral schildert die Protagonistin Dorris ihren Alltag im Sanatorium, der sich gar nicht als so schlimm herausstellt, wie sie befürchtet hatte. Denn obwohl die Praxis der Organspenden seit Jahren schon in ihrem Land gang und gebe ist, hatte sie trotzdem irgendwie Angst davor - und bereute es ein bisschen, sich in ihren jüngeren Jahren nicht mehr angestrengt zu haben. "Das Leben ist ein Kapital, welches unter den Bürgern gerecht verteilt werden muss", antwortet sie ihrem Psychologen - dafür, dass sie der Gesellschaft bisher durch ihren Lebensstil eher zur Last gefallen ist (und weder Kind noch Karriere hatte), dient sie eben nun denen, die es sich verdient haben.

    Das Buch stellt leise und indirekte Fragen, die sich einem als Leser unweigerlich aufdrängen - kann es in unserer heutigen Gesellschaft wirklich so weit kommen? Ist das ethisch vertretbar, ältere Menschen für Jüngere, "produktive", sterben zu lassen? Als Versuchskaninchen zu benutzen? Und was tut man, wenn die älteren Menschen es gar nicht als Last empfinden? Wie weit geht Moral?

    Ninni Holmqvists Roman ist trotz seiner unaufregenden und sanften Erzählweise unglaublich eindrücklich und spannend - oder vielleicht gerade deswegen. Empfehlenswert besonders für Leser, die sich für Thematiken rund um die demografischen Veränderungen in der westlichen Welt interessieren.

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