Nino Haratischwili

 4,3 Sterne bei 502 Bewertungen
Autorin von Das achte Leben (Für Brilka), Die Katze und der General und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Deutsch-georgisches Gedankengut der Dramatikerin und Autorin Nino Haratischwili: Nino Haratischwili wurde 1983 in Georgien geboren und fühlte sich von Beginn an sowohl ihrer Heimat als auch Deutschland verbunden. Bereits im Alter von 15 Jahren gründete sie den deutsch-georgischen Theaterverein „Fliedertheater“. Sie schrieb und inszenierte Stücke für das Ensemble, die meist in Georgien und teilweise bei Gastspielen in Deutschland aufgeführt wurden. 2003, nach dem Abschluss ihres Studiums der Filmregie in Tiflis, verließ sie Georgien und das "Fliedertheater" und zog in ihre Wahlheimat Hamburg. Hier studierte sie bis 2007 Theaterregie an der Theaterakademie. Seitdem inszenierte sie mehrere Uraufführungen an bekannten Hamburger Theatern wie "Kampnagel" und dem "Thalia Theater". Nebenher schreibt sie weiterhin eigene Stücke. Ihr erster Roman erschien 2010. „Juja“ beruht auf einer wahren Geschichte und erzählt vom Potenzial der Literatur, Leben zu verändern. Er erhielt den Debütpreis des Buddenbrookhauses. Der Nachfolgeroman „Mein sanfter Zwilling“ wurde ebenfalls mit Preisen ausgezeichnet. 2014 erschien das dritte Werk „Das achte Leben (Für Brilka)“. Das Familienepos folgt sechs Generationen einer georgischen Familie. Haratischwili erhielt dafür unter anderem den Bertolt-Brecht-Preis und das Grenzgänger-Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung, dass ihr Recherchen in Russland und Georgien ermöglichte. Mit "Die Katze und der General" steht sie 2018 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Alle Bücher von Nino Haratischwili

Cover des Buches Das achte Leben (Für Brilka) (ISBN: 9783548289274)

Das achte Leben (Für Brilka)

 (264)
Erschienen am 07.09.2017
Cover des Buches Die Katze und der General (ISBN: 9783627002763)

Die Katze und der General

 (66)
Erschienen am 05.03.2020
Cover des Buches Mein sanfter Zwilling (ISBN: 9783442745500)

Mein sanfter Zwilling

 (60)
Erschienen am 12.08.2013
Cover des Buches Das mangelnde Licht (ISBN: 9783627002930)

Das mangelnde Licht

 (45)
Erschienen am 25.02.2022
Cover des Buches Das mangelnde Licht (ISBN: 9783548066707)

Das mangelnde Licht

 (4)
Erschienen am 10.01.2024
Cover des Buches Die Katze und der General (ISBN: 9783548066677)

Die Katze und der General

 (2)
Erschienen am 23.02.2022
Cover des Buches Mein sanfter Zwilling (ISBN: 9783548066714)

Mein sanfter Zwilling

 (3)
Erschienen am 27.07.2022
Cover des Buches Georgia / Liv Stein (ISBN: 9783886613939)

Georgia / Liv Stein

 (1)
Erschienen am 25.09.2018

Auf Georgienreise mit...

Nino Haratischwili ist eine der bekanntesten und bedeutendsten Autorinnen Georgiens der Gegenwart. Sie fühlt sich ihr ganzes Leben lang sowohl Deutschland, als auch ihrer Heimat verbunden und wächst mit einem Band zu beiden Ländern auf. Als sie 2003 nach Hamburg zieht, beginnt sie, eigene Texte zu schreiben. In ihren Romanen verarbeitet Haratischwili häufig wahre Geschichten und eigene Erfahrungen in Bezug auf ihr Heimatland. Mit „Die Katze und der General“ steht sie 2018 sogar auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Und der Zeitpunkt könnte nicht passender sein, ist doch Georgien in diesem Jahr das Gastland der Frankfurter Buchmessse. Wir haben Nino Haratischwili zum Interview getroffen und ihr einige Fragen gestellt. Lest selbst:

Liebe Frau Haratischwili, was ist das schönste Feedback, das Sie von Lesern erhalten haben?

Ich fühle mich immer sehr demütig und irgendwie auch überfordert, wenn mir Menschen Persönliches erzählen – ob es ihre Familiengeschichten sind, an die sie durch mein Buch bzw. Texte erinnert wurden oder irgendeine Veränderung in ihrem Leben, die sie nach der Lektüre vollbracht haben. Auch die Tatsache, dass z.B. viele nach der „Das achte Leben“ Lektüre nach Georgien gereist sind bzw. noch reisen ist ein großes Geschenk.

Wann kommen Ihnen die besten Ideen?

Unterschiedlich, manchmal vollkommen unvermittelt, manchmal in völlig unpassenden Momenten, aber die kommen nie in der ersten Tageshälfte. Ich bin erst ab nachmittags so richtig „wach,“ davor funktioniere ich nur. Und die produktivste Zeit sind für mich die Abend- bzw. Nachtstunden. Das frühe Aufstehen war noch nie meins und wird es auch nie mehr werden.

Haben Sie ein Lieblingswort?

Im Georgischen verwende ich sehr oft das Wort „codoa,“ das im direkten Sinne „armselig,“ bedeutet, aber ich verwende es anders und zwar im Sinne von „rührend.“ Mittlerweile benutzen es auch einige meiner deutschen Freunde.

Welchen anderen Job würden Sie gerne für einen Tag ausüben?

Ich wäre gerne einen Tag lang eine Wissenschaftlerin, die an etwas Wichtigem forscht oder eine entscheidende Entdeckung macht. Da ich einen vollkommen unwissenschaftlichen Blick auf die Welt habe und für diesen Weg viel zu ungeduldig bin – würde es mich reizen etwas derart Entgegengesetztes zu tun.

Haben Sie für uns einen Tip für eine gute Fernsehserie?

Oh, da gibt es viele. „Game of Thrones“ natürlich, aber auch „House of Cards“ habe ich sehr genossen. „The Killing“ fand ich großartig. Momentan habe ich eine neue Krimi-Serie angefangen „Sharp Things“ – die bisher auch ziemlich vielversprechend zu sein scheint.

Welches Buch verschenken Sie gerne?

„Der Gott der kleinen Dinge“ hab ich schon öfters verschenkt, aber auch aktuelle deutschsprachige Bücher. Ich versuche die Bücher immer individuell auszusuchen, denn nicht jedes Buch passt zu jedem Leser. Und überlege mir im Vorfeld was der Mensch, dem ich ein Geschenk mache, an Literatur mag bzw. mögen könnte.

Wohin sollen wir unbedingt einmal reisen und welches Buch soll uns begleiten?

Oh, die Auswahl ist endlos. Wenn ich nach Indien reisen würde, würde ich auf jeden Fall die besagte Arundhati Roy mitnehmen oder „Mitternachtskinder“ von Rushdie, für Russland würde ich u.a. auch „Meister und Margarita“ empfehlen, für Kolumbien muss es Marquez sein, Philip Roth würde mich in die USA begleiten. „Vielleicht Esther“ von Katja Perowskaja würde ich jedem Ukraine-Reisenden ans Herz legen wollen… Es gibt so unendlich viele gute Bücher…

Gibt es etwas, was Sie gerne lernen würden?

Ich hätte nichts dagegen in Mathematik besser zu sein – Zahlen waren leider noch nie meine Stärke. Und ich wäre grundsätzlich gerne geduldiger.

Was ist das Besondere an georgischer Literatur?

Sie ist vielfältig und großteils noch ziemlich unentdeckt. Die moderne georgische Literatur ist ebenfalls sehr heterogen und sie kann einem definitiv dabei helfen einen Zugang zu dem Land zu bekommen.

Warum können wir uns auf die Buchmesse mit dem Gastland Georgien besonders freuen?

Ich denke und hoffe, dass die Georgier das Land mitsamt seiner Literatur so präsentieren werden, dass man Lust bekommt sie weiter zu entdecken, dorthin zu reisen, sie kennenzulernen und das lohnt sich ein für alle Male!

Ihr georgisches Lieblingsbuch:

Auch da gibt es viele. Von den Klassikern mag ich Iwane Dschawachischvili sehr, ein Autor, der leider den stalinistischen Säuberungen zum Opfer gefallen ist. Von den Gegenwartsautoren würde ich viele empfehlen können: Lasha Bugadze, Tamta Melaschwili, Archil Kikodze, Ana Kordsaia, etc Auch die georgische Lyrik, ist sehr intensiv und eigen. Die Lyriker der Künstlergruppe/Strömung „Die blauen Hörner“ sind großartig.

Ihr Lieblingsort in Georgien:

Die Vera und das Sololaki-Viertel sind ein Teil meiner Kindheit und haben demnach einen besonderen Stellenwert für mich. Überhaupt die Altstadt von Tbilissi bietet so viele Schönes, das man sich erschließen muss und das man entdecken kann. Es gibt nicht den einen Ort, eher sehr viele und das ist immer auch von der Stimmung abhängig, in der man grade ist.

Ihr Lieblingsort in Hamburg:

Ich liebe den gesamten St. Pauli Bereich und den Blick vom Park Fiction auf die Elbe. Da fühle ich mich immer sehr wohl.

Ein Satz über Ihr neues Buch:

Puh, das fällt mir schwer.

Ein Satz aus Ihrem neuen Buch:

Auch das überlasse ich gerne Ihnen.

Zu guter Letzt: Welche Figur aus einer Buchwelt würden Sie gerne treffen? Und was würden Sie gemeinsam unternehmen?

Meine ganze Kindheit lang wollte ich Pippi Langstrumpf treffen und mit ihr zu großen Abenteuern aufbrechen. Ich fand Anika immer nervig und wünschte mir, ich wäre an ihrer Stelle :) Shabatt aus „Shabatts Theater“ hätte ich gerne irgendwo in einer New Yorker Bar getroffen. Der ist meine liebste „Antifigur“ und der Roman – einer der Größten des 20. Jahrhunderts.

Neue Rezensionen zu Nino Haratischwili

Cover des Buches Das achte Leben (Für Brilka) (ISBN: 9783548289274)
S

Rezension zu "Das achte Leben (Für Brilka)" von Nino Haratischwili

Mit Männern kommt das Unglück und Sex führt zur Schwangerschaft
Sudavor 14 Tagen

"Das achte Leben" spielt in Georgien (und der UdSSR) und beschreibt über mehrere Generationen hinweg eine Familiengeschichte. Die Personen der Geschichte sind untereinander und mit angrenzenden Familien verflochten und unbewusst nehmen sie an zahlreichen historischen und politischen Ereignissen teil. Obwohl es der Familie in vielerlei Hinsicht sehr gut geht, kommen doch Schicksalsschläge und Unglücke - meist durch Männer, von denen die Frauen ausgenutzt, misshandelt oder einfach nur verführt werden. Auch wenn sich einzelne Geschichten wiederholen, bleibt man gespannt dabei. Sprachlich ist das Buch einfach, aber sehr bildlich geschrieben, was das Leseerlebnis sehr angenehm macht. Am Ende bleibt man wegen des unklaren Endes ein wenig ratlos zurück und hofft, dass die Personen, die man kennengelernt hat, ihren Weg in der Welt finden werden.

Cover des Buches Das achte Leben (Für Brilka) (ISBN: 9783548289274)
Pantoffeltiers avatar

Rezension zu "Das achte Leben (Für Brilka)" von Nino Haratischwili

Epische Familiengeschichte
Pantoffeltiervor einem Monat

Ich habe Jahre gebraucht mich dazu aufzuraffen diese Buch zu lesen, aber es hat sich gelohnt. Nino Haratischwili holt weit aus und erzählt eine etwa ein Jahrhundert umfassende Geschichte der Familie Jaschi.

Niza ist aus Georgien nach Deutschland ausgewandert und hat ihr Heimatland seitdem nicht mehr besucht. Als ihre Nichte Brilka sie mit Fragen zu ihrer Familiengeschichte zu konfrontiert, beginnt Niza nachzuforschen und zu erzählen.

Dafür beginnt sie beim Urgroßvater der in der Zarenzeit als Schokoladenfabrikant erfolgreich war und eine folgenreiche Entdeckung machte: das Rezept für die perfekte heiße Schokolade. Doch der Genuss scheint von einem Fluch getrübt. Und tatsächlich wird die Familie im Laufe der Zeit von etlichen Schicksalsschlägen gebeutelt. Die ideologischen Konflikte der Sowjetzeit ziehen sich bald mitten durch die Familie.

Die wechselhafte georgische/sowjetische Geschichte wird so geschickt mit den fiktiven Einzelschicksalen verwoben, dass man unwillkürlich recherchiert, was real ist und was Fiktion. Gleichzeitig ist gerade in der Großelterngeneration ein Hauch von magischem Realismus vorhanden, der mir ebenfalls gut gefiel und die teils schrecklichen Ereignisse ertragbarer macht. Haratischwili nimmt sich viel Zeit, um die Geschichte der verschiedenen Personen zu erklären und miteinander zu verbinden. Und ganz nebenbei wird auch die Weltgeschichte abgehandelt von zwei Weltkriegen über die Sowjetzeit und den Zusammenbruch des Systems.

Ein echter Wälzer, der durchaus seine Längen hat, aber dadurch fasziniert, dass begreifbar wird, wie große geschichtliche Ereignisse eine Familie beeinflussen. 



Cover des Buches Das mangelnde Licht (ISBN: 9783548066707)
L

Rezension zu "Das mangelnde Licht" von Nino Haratischwili

Grandios
Lotti3005vor 4 Monaten

Dies könnte tatsächliche die kürzeste Rezension aller Zeiten werden : Ein Meisterwerk - unglaublich schmerzhaft, tiefgründig und wortgewaltig. Haratischwili schreibt wie eine Sturmflut der man sich nicht entreißen kann, ihr Stil ist gewältig und episch, aber auch subtil und ungemein berührend. 

Wir erhalten eine Einführung in die Georgischen Kriege in Hoffnung auf die lang ersehnte Unabhängkeit, deren Ausmaß und das schreckliche Chaos eines jungen georgischen Staates.. Zwischen den feuchten Wänden der Tbilisser Altstadt  Ende der 1980er-Jahre verfolgen wir das  Leben von vier Mädchen zusammen und erleben die erste große Liebe, die aufbrandende Gewalt in den Straßen, Stromausfälle, das ins Land gespülte Heroin und die Gespaltenheit einer jungen Demokratie im Bürgerkrieg. Die historischen Information und Geschehnisse "erleben" wir als Leser durch die Protagonistinnen, wir tauchen ein in die Tbilisser Welt der Achzigerjahre ohne reine Fakten mit erhobenem Zeigefinger präsentiert zu bekommen. Dies ist für mich ein historischer Roman erster Klasse !

Unglaublich berührend ist das damalige Geschehen in Georgien im Hinblick auf die Situation der Ukraine heute. Geschichte wiederholt sich tatsächlich immer und immer wieder. 

Großartig gezeichnete Charaktere, berührende Schicksale und tiefe Momente der Freundschaft machen diesen Epos für mich zu einem Meisterwerk und großen Jahreshighlight.

Gespräche aus der Community

Deutscher Buchpreis

Wir freuen uns sehr, den Deutschen Buchpreis 2018 bei LovelyBooks begleiten zu dürfen! Nachdem wir die Leseproben der zwanzig Longlist-Titel diskutiert haben, stellen wir euch nun die sechs Titel der Shortlist vor.

Heute möchte wir euch in unserer Buchverlosung
Nino Haratischwili mit ihrem nominierten Titel "Die Katze und der General" vorstellen. Mit etwas Glück könnt ihr eines von zwei Exemplaren von "Die Katze und der General" gewinnen!

Verratet uns heute am 22.09.2018 über den blauen "Jetzt bewerben"-Button, warum ihr gerne das neue Buch von Nino Haratischwili lesen möchtet und landet somit automatisch im Lostopf für unsere Verlosung.

Unter allen Usern, die an mindestens 3 Aktionen zu den Shortlist-Autoren teilnehmen, verlosen wir außerdem ein signiertes Exemplar des Deutschen Buchpreis-Gewinners!

Mehr zum Buch
Alexander Orlow, ein russischer Oligarch und von allen »Der General« genannt, hat ein neues Leben in Berlin begonnen. Doch die Erinnerungen an seinen Einsatz im Ersten Tschetschenienkrieg lassen ihn nicht los. Die dunkelste ist jene an die grausamste aller Nächte, nach der von der jungen Tschetschenin Nura nichts blieb als eine große ungesühnte Schuld. Der Zeitpunkt der Abrechnung ist gekommen.
Nino Haratischwili spürt in ihrem neuen Roman den Abgründen nach, die sich zwischen den Trümmern des zerfallenden Sowjetreichs aufgetan haben. »Die Katze und der General« ist ein spannungsgeladener, psychologisch tiefenscharfer Schuld-und-Sühne-Roman über den Krieg in den Ländern und in den Köpfen, über die Sehnsucht nach Frieden und Erlösung. Wie in einem Zauberwürfel drehen sich die Schicksale der Figuren ineinander, um eine verborgene Achse aus Liebe und Schuld. Sie alle sind Teil eines tödlichen Spiels, in dem sie mit der Wucht einer klassischen Tragödie aufeinanderprallen.



81 BeiträgeVerlosung beendet
-nicole-s avatar
Letzter Beitrag von  -nicole-vor 6 Jahren
Nun habe ich das Buch gelesen - die atmosphärisch dichte Geschichte hat mir sehr gut gefallen! Die Aution hat die anfangs scheinbar so losen Fäden gekonnt miteinander verknüpft. :) Meine Rezension gibt es auf meinem Blog und natürlich hier bei Lovelybooks: https://www.lovelybooks.de/autor/Nino-Haratischwili/Die-Katze-und-der-General-1563443246-w/rezension/1816806215/ Liebe Grüße Nicole

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