Nino Haratischwili Das achte Leben (Für Brilka)

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Inhaltsangabe zu „Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili

Georgien, 1900: Mit der Geburt Stasias, Tochter eines angesehenen Schokoladenfabrikanten, beginnt dieses berauschende Opus über sechs Generationen. Stasia wächst in der wohlhabenden Oberschicht auf und heiratet jung den Weißgardisten Simon Jaschi, der am Vorabend der Oktoberrevolution nach Petrograd versetzt wird, weit weg von seiner Frau. Als Stalin an die Macht kommt, sucht Stasia mit ihren beiden Kindern Kitty und Kostja in Tbilissi Schutz bei ihrer Schwester Christine, die bekannt ist für ihre atemberaubende Schönheit. Doch als der Geheimdienstler Lawrenti Beria auf sie aufmerksam wird, hat das fatale Folgen.
Deutschland, 2006: Nach dem Fall der Mauer und der Auflösung der UdSSR herrscht in Georgien Bürgerkrieg. Niza, Stasias hochintelligente Urenkelin, hat mit ihrer Familie gebrochen und ist nach Berlin ausgewandert. Als ihre zwölfjährige Nichte Brilka nach einer Reise in den Westen nicht mehr nach Tbilissi zurückkehren möchte, spürt Niza sie auf.
Ihr wird sie die ganze Geschichte erzählen: von Stasia, die still den Zeiten trotzt, von Christine, die für ihre Schönheit einen hohen Preis zahlt, von Kitty, der alles genommen wird und die doch in London eine Stimme findet, von Kostja, der den Verlockungen der Macht verfällt und die Geschicke seiner Familie lenkt, von Kostjas rebellischer Tochter Elene und deren Töchtern Daria und Niza und von der Heißen Schokolade nach der Geheimrezeptur des Schokoladenfabrikanten, die für sechs Generationen Rettung und Unglück zugleich bereithält.

Das achte Leben (Für Brilka) ist ein epochales Werk der auf Deutsch schreibenden, aus Georgien stammenden Autorin Nino Haratischwili. Ein Epos mit klassischer Wucht und großer Welthaltigkeit, ein mitreißender Familienroman, der mit hoher Emotionalität über die Spanne des 20. Jahrhunderts bildhaft und eindringlich, dabei zärtlich und fantasievoll acht außergewöhnliche Schicksale in die georgisch-russischen Kriegs- und Revolutionswirren einbindet.

Wundervoll!

— Ant

Mitreißende Geschichte einer (unglücklichen) Familie im Georgien des 20. Jahrhunderts. Fast 1300 Seiten, die sich wirklich lohnen.

— Snordbruch

Mein Lieblingsbuch aus 2015. Wunderbar geschrieben und schrecklich schön. Ein Muss für alle Fans der schönen deutschen Sprache.

— Buchling82

Das 20. Jahrhundert aus der Sicht einer georgischen Familie. Sehr lesenswert, aber man sollte sich Zeit dafür nehmen.

— TanyBee

Ein Jahrhundert, acht Leben, unzählige Schicksale: Ein imposanter georgischer Familienroman, der einen mitreißt und nicht mehr loslässt.

— leselea

Unglaublich eindringlich, phänomenal, erschütternd, detailliert, mitreißend, aufreibend und in aller erster Linie eins: Echt.

— Tasmetu

Einfach nur WOW! Ich würde am liebsten sofort wieder von vorne anfangen. Ein beeindruckendes Werk und jetzt schon Weltliteratur.

— Lilkakalilka

Ein Epos von Tolstoischem Ausmaße. Keine Sekunde langweilig. Beste Unterhaltung der Extraklasse.

— JulesBarrois

Eine faszinierend erzählte Familiengeschichte, die für mich zur Weltliteratur zählt.

— Mitsou

Interessante, unverbrauchte Themen und authentische Schreibweise. An manchen Stellen zieht es sich ein wenig.

— letusreadsomebooks

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  • Das 20. Jahrhundert aus georgischer Sicht

    Das achte Leben (Für Brilka)

    TanyBee

    26. June 2017 um 12:18

    „Das achte Leben (für Brilka)“ erzählt die Familiengeschichte der Jaschis über mehrere Generationen. Der Leser begleitet die Familie vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis ins Jahr 2007. Die Familie kommt aus Georgien, dies ist der Hauptschauplatz. Alles beginnt mit Stasia, oder eigentlich mit ihrem Vater. Er betreibt sehr erfolgreich eine Schokoladenfabrik und hat ein Geheimrezept für eine heiße Schokolade, die süchtig macht, so gut ist sie. Doch er hat das Gefühl, dass sie verflucht ist, dass jeder, der davon trinkt, dafür wird büßen müssen. Und so macht er das Rezept nicht öffentlich, es wird jedoch innerhalb der Familie weiter gereicht. Aber es braucht gar keinen Fluch, um der Familie Leid zuzufügen, denn im 20. Jahrhundert kommt die Bevölkerung in Georgien eigentlich kaum zur Ruhe vor lauter Kriegen, Unruhen, Regierungswechseln, Aufständen. Das Schicksal der Familie ist sehr eng mit der Geschichte des Landes verwoben. Ich muss gestehen, dass ich mir vor allem am Anfang sehr schwer getan habe damit, denn in georgischer/russischer/sowjetischer Geschichte kenne ich mich nicht gut aus. Ich habe aber durchgehalten und als ich einmal drin war in der Familiengeschichte, konnte mich nichts mehr vom weiterlesen abhalten. Ich habe öfter Zusammenhänge im Internet nachgeschlagen und konnte so vielleicht noch die eine oder andere Bildungslücke schließen. Einige Personen werden im Buch nicht beim richtigen Namen genannt, was mich zuerst verwirrt hat, aber auch hier kann Google weiterhelfen. Gerade wenige Wochen vor der Lektüre dieses Romans habe ich eine Lebensgeschichte im 20. Jahrhundert aus britischer Sicht gelesen und es war nun sehr interessant, diese beiden so unmittelbar vergleichen zu können. Dabei geht es nicht nur um die Politik, sondern auch darum, welchen Einfluss sie auf die Bevölkerung hatte, auf ihren Alltag, auf ihre Liebesbeziehungen.Das Buch ist sehr umfangreich, 1280 Seiten. Das hat mich etwas abgeschreckt, wenn es mir nicht so nachdrücklich empfohlen worden wäre, hätte ich es wohl nicht zur Hand genommen. Man sollte das Buch dann lesen, wenn man sich wirklich darauf einlassen kann, wenn man Zeit dafür hat, dann kann es seine volle Wirkung entfalten. Und hat man all die Seiten dann geschafft, dann ist es, als hätte man sie alle persönlich gekannt, Stasia, Christine, Kostja, Kitty, Elene, Daria, Niza und natürlich Brilka, mit Ihnen gelacht und geweint. Nur schade, dass man nicht von der heißen Schokolade probieren kann. Aber das ist vielleicht besser so. Ich reihe mich also in die begeisterten Stimmen ein und empfehle dieses Buch sehr gerne weiter.

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  • Buchverlosung zu "Das Leben fällt, wohin es will" von Petra Hülsmann

    Das Leben fällt, wohin es will

    m_exclamationpoint

    Mit diesem Buch wird dir sommerlich ums Herz!  Lerne in Petra Hülsmanns neuem Roman Marie und Christine kennen. Zwei Schwestern die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die eine eine aufopfernde Mutter und Ehefrau und die andere ein wilder Freigeist. Erst als Christine erkrankt, ist Marie gezwungen ihre Freiheit aufzugeben und schon wird aus zwei verschiedenen Leben, ein ganz großes Chaos!Finde in "Das Leben fällt, wohin es will"  heraus, ob Marie die Verantwortung, die auf sie zukommt tragen kann und dabei vielleicht noch Platz für die ganz große Liebe findet… Mehr zum BuchWenn dir das Wasser bis zum Hals steht, solltest du besser nicht den Kopf hängen lassen. Party, Spaß und Freiheit – das ist für Marie das Allerwichtigste, und sie liebt ihr sorgenfreies Dasein. Das ändert sich jedoch schlagartig, als ihre Schwester Christine schwer erkrankt und sie darum bittet, sich während der Behandlung um ihre Kinder zu kümmern. Und nicht nur das – Marie soll auch noch Christines Posten in der familieneigenen Werft für Segelboote übernehmen. Darauf hat Marie ja mal so überhaupt keinen Bock, und auf ihren neuen "Chef", den oberspießigen Daniel, erst recht nicht. Während sie von einem Chaos ins nächste stolpert, wird ihr jedoch klar, dass es Dinge im Leben gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Und dass manches einen ausgerechnet dann erwischt, wenn man es am wenigsten erwartet - zum Beispiel die Liebe ...>> Hier geht es direkt zur Leseprobe für den ersten EindruckMehr zur AutorinPetra Hülsmann wurde 1976 geboren und wuchs in einem kleinen niedersächsischen Ort auf. Ihr Studium der Germanistik und Kulturwissenschaften in Bremen beendete sie nicht, machte stattdessen eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und arbeitet dann zehn Jahre als Sekretärin in einer Patent- und Rechtsanwaltskanzlei. Derzeit lebt sie als Autorin mit ihrem Mann in Hamburg. Gemeinsam mit Bastei Lübbe vergeben wir 30 Exemplare von "Das Leben fällt, wohin es will". Was du tun musst, um dabei zu sein? Bewirb dich bis einschließlich 05.06. über den blauen "Jetzt bewerben"-Button und löse folgende Aufgabe: Teile mit uns deinen ganz persönlichen Petra Hülsmann-Sommermoment! Verwende die Elemente des Buchcovers um deinen Sommermoment perfekt zu machen, wie zum Beispiel einen Sommerhut oder eine Blume und halte das ganze auf einem Foto fest! Lade das Foto entweder direkt hier hoch oder poste es unter dem Hashtag #daslebenfälltwohineswill bei Facebook, Twitter oder Instagram und poste den Link in deinem Bewerbungsbeitrag! Wer kein Foto machen kann, kann uns auch verraten, wie der perfekte Sommermoment mit Petra Hülsmann aussehen würde!Ich bin schon sehr gespannt auf eure Antworten und drücke euch allen ganz fest die Daumen! Wenn du mehr über die Autorin und ihre Bücher erfahren willst, dann schau auf unserer Aktionsseite vorbei und nimm an der Fragerunde mit Petra Hülsmann teil! Mitmachen lohnt sich!Bitte beachte vor deiner Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen!

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    • 298
  • Georgischer Teppich

    Das achte Leben (Für Brilka)

    leselea

    18. April 2017 um 20:13

    Ein Jahrhundert, acht Leben, unzählige Schicksale; Revolutionen, Weltkriege, Bürgerkriege; Liebe, Hass, Verzweiflung, Lebensfreude. Knappe 1300 Seiten, eng bedruckt, dünn wie Bibelblättchen, kastenförmig, über 1 kg schwer. Das alles ist Nino Haratischwilis Romas Das achte Leben (für Brilka) – ein großes und schweres Epos, inhaltlich wie formal. Es ist ein monumentales Werk, das das Leben der fiktiven Familie Jaschi festhält: Es erzählt von Stasia, der Tochter eines georgischen Schokoladenfabrikanten und ihrer Schwester, der schönen Christine. Von Stasias Kindern Kostja (der an die Sowjetunion glaubt) und Kitty (die das Glück in der Musik sucht). Von Elene, Kostjas Augenstern, die eines Tages einen schweren Fehler begeht. Von Elenes Töchtern Daria und Niza, die manches trennt und einiges vereint. Und zuletzt von Brilka, Darias Tochter, die den Fluch der Familie (der viel oder auch gar nichts mit Schokolade zu tun hat) brechen kann, die Niza in die Rolle der Erzählerin drängt und die zeigt, wie alles mit allem zusammenhängt, warum es so kam, wie es kam und wie das 20. Jahrhundert die Jaschis zu dem machte, was sie sind… Ich werden mit Stasia anfangen, um zu dir zu gelangen, Brilka. (S. 31) Es gibt Bücher, zu denen möchte man so vieles sagen, und findet einfach nicht die richtigen Worte. Das achte Leben (für Brilka) ist definitiv so ein Roman! Ein georgischer Familienroman möchte man ihn nennen – doch steckt doch in dem Buch so viel mehr als die Geschichte einer Familie. Ein Buch über das Leben in Osteuropa des 20. Jahrhunderts – doch klingt dies zu sehr nach Fakten und Historiendrama. Ein Buch, das einen mitreißt, einen wütend macht, traurig macht, schmunzeln lässt, alle Emotionen aus einem rausholt – doch rückt dies den Roman zu sehr in die Ecke von Kitsch, Schwulst und Pathos. Am Ende bleibt mir nichts anderes übrig als Das achte Leben (für Brilka) so zu beschreiben wie ich es empfinde, auch wenn diese Empfindung subjektiv ist und kaum auf objektiven Kriterien beruht: Nino Haratischwilis Buch ist ein großer und großartiger Roman, der einen unterhält und belehrt, der mit facettenreichen Figuren aufwartet, die einem nahegehen und der eine Geschichte erzählt, der die damalige Realität abzeichnet, ohne sie zu überzeichnen. Die Geschichten überlappen sich, gehen ineinander über, verwachsen – ich versuche, dieses Wollknäuel auseinanderzuziehen, weil man ja die Dinge nacheinander erzählen muss, weil die Gleichzeitigkeit der Welt nicht in Worte zu fassen ist. (S. 521) Dies alles geschieht in acht sogenannten „Büchern“, die jeweils ein Mitglied der Familie Jaschi besonders in den Fokus des Lesers rücken. Doch die einzelnen Schicksale stehen nicht einzeln für sich, sondern sind aufs engste mit denen der anderen Familienmitglieder, aber auch weiterer Personen – fiktiv und historisch – und letztlich, das muss betont werden, auch mit dem Schicksal des Landes Georgien verbunden. Nino Haratischwili webt hier verschiedene Fäden zusammen, greift beim Erzählen vor und zurück, betont immer wieder, wie alles zusammenhängt, und kann ihrem Anspruch am Ende tatsächlich gerecht werden: Das achte Leben (für Brilka) ist hervorragend strukturiert, ohne zu konstruiert zu wirken, geplant, ohne dass die Mühen der Umsetzung dieses Plans sichtbar werden, kalkuliert, aber mit Herz und Seele. Vielleicht hab ich auch genau an dem Tag begriffen, dass in meine kurze, banale Lebensgeschichte so viele andere Geschichten bereits eingeschrieben waren und ihren Platz hatten neben meinen eigenen Gedanken und Erinnerungen, die ich sammelte und an denen ich wuchs. (S. 964) Ich kann meine Begeisterung für diesen Roman nicht unterdrücken. Dennoch möchte ich nicht verschweigen, dass es trotz des berechtigen Lobs auch ein paar wenige Punkte gibt, die ich eher kritisch beurteile: Die Sprache, wenn auch perfekt passend zum Inhalt, war mir manchmal zu beladen, zu „schwer“, zu bedeutungsschwanger, sodass sie für mich an einigen Stellen nur haarscharf an übertriebenem Pathos vorbeiging. Auch fiel das Einbinden der geschichtlichen Fakten nicht immer so geschmeidig aus, wie ich mir das von einem Talent wie Haratischwili gewünscht hätte: Zu sehr versteift sie sich manchmal an das bloße Aufzählen von Ereignisse, statt diese dichter mit der Erzählung zu verknüpfen. Zuletzt hat sich mir die Legende von der magischen Schokolade in ihrer Notwendigkeit nicht erschlossen: Sie wäre meiner Meinung nach entbehrlich gewesen, hätte man den Verlauf der Geschichte auch ohne sie sehr gut motivieren können. Nichtsdestotrotz sehe ich bei meiner Bewertung und meiner Leseempfehlung großzügig über diese Punkte hinweg. Zu sehr beeindruckt, zu sehr mitgerissen und in sich hineingezogen hat mich dieses 1300-Seiten-Buch, bei dem tatsächlich – was sehr selten vorkommt – wirklich keine Seite zu viel geschrieben wurde. Wer Lust auf eine Lektüre hat, die einen von vorne bis hinten begeistert und wer bereit ist, sich wie im Rausch in die Geschichte der Familie Jaschi stürzen, dem sei Das achte Leben (für Brilka) wärmstens empfohlen. Allen anderen aber auch! Und wenn du nicht weißt, wer du bist, such dir aus allen Möglichkeiten deines Ichs die Unmöglichste aus und werde es... (S. 1069)

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    • 5
  • Gewaltiges Familienepos

    Das achte Leben (Für Brilka)

    Thea_Lehmann

    07. February 2017 um 11:40

    Das achte Leben beschreibt acht Generationen einer georgischen Familie, speziell die Leben der Frauen. Grundsätzlich ist das Buch mit seinen über 1000 Seiten schon ein hartes Stück Arbeit, ich hätte mir gewünscht, dass der Verlag da zwei Bücher draus macht, denn man bekommt Muskelkater vom Halten. Aber: Die Autorin beschreibt wunderbar, wie sich das Leben der einzelnen Frauen über die Jahrzehnte verändert, wie die politischen Umstände, der Krieg, der Kommunismus, die Annäherung der beiden Blöcke nach dem Kalten Krieg das Leben beeinflussen. Mir haben am besten die drei ersten Generationen gefallen, die Geschichte mit der Zauberschokolade und den Träumen vom Ballet. Die Autorin versteht es, alle diese Generationen nicht nur durch die Familienbande, sondern auch durch die Umstände an die aktuelle Politik und in die Weltgeschichte zu verweben, ohne dass das aufgesetzt klingt. Ich habe großen Respekt davor, dass sie es geschafft hat, diese riesige Fülle von Fakten in eine spannend zu lesende, aufschlußreiche und politisch interessante Geschichte zu packen.

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  • Unglaublich eindringlich, phänomenal, erschütternd, detailliert, mitreißend und ECHT

    Das achte Leben (Für Brilka)

    Tasmetu

    20. December 2016 um 09:06

    Diese Rezension ist eine Kopie des Originals auf tasmetu.deIch lasse das Buch sinken und bin erst einmal eine ganze Weile sprachlos. Eine Ewigkeit habe ich an diesem Monster von Buch gelesen, fast 1300 Seiten Geschichte habe ich mir Zeile für Zeile erlesen, bin immer tiefer abgetaucht in eine Geschichte, in die man gleich zu Beginn verschwindet, wenn man sich denn darauf einlässt.Es war kein einfaches Buch. Nein, sicherlich nicht. "Das Achte Leben (für Brilka)" verlangt einem viel ab. Konzentration, Zeit, Ausdauer, die Fähigkeit auch mal zwischen den Zeilen zu lesen und verdammt viel Herzschmerz. Aber es gibt einem auch viel. Es gibt einem eine Geschichte, die ein ganzes Jahrhundert portraitiert und das mit so viel Liebe und Hingabe, dass man eine Gänsehaut bekommt. Es gibt einem nicht nur bloße Unterhaltung, sondern auch so lebensechte Charaktere, dass man sie im Garten Karten spielen sehen kann. Es gibt einem solch einen Umfang und fulminante Zusammenhänge von so vielen Menschen und Ereignissen, ohne jemals unsinnig oder zu viel oder zu ausschweifend zu sein - ja, trotz seiner Länge.Natürlich zieht es sich hier und da, aber nicht weil es zäh oder langweilig wäre, sondern weil einen die schiere Menge an Seiten erdrückt und man sich in der Mitte so fühlt, als würde man einfach nicht voran kommen und sich dem Ende niemals nähern. Trotz des Frustes war aber trotzdem jeder Satz wertvoll und eine Bereicherung für die Geschichte. Sicherlich hätte man hier und da etwas kürzen können, aber das Buch war trotzdem grandios, so wie es war. In all seinen 1280 bibeldünnen Seiten.Haratischwili schafft es, uns die Lebensgeschichte dieser georgischen Familie in all seinem Glück und Unglück zu schildern, es mit der Welt und der Umwelt und den innersten und tiefsten Emotionen in Einklang und Verbindung zu bringen. Man lernt diese Charaktere besser kennen als die Menschen, mit denen man tagtäglich im wahren Leben spricht. Man erkennt, wie das Weltgeschehen das eigene Leben beeinflusst und wie viel ausschlaggebender persönliche Entscheidungen, Worte, Gefühle sind. Man lernt, welch ein Segen und welch ein Fluch eine Familie sein kann, wie individuell jeder Mensch ist und wie wir uns doch immer wieder in Gemeinsamkeiten kreuzen.Es erzählt von unterdrückten Frauen, von starken Frauen, von eisernen und weichen Männern, von Flüchtlingen und Heimatverbundenen, von Bereuenden und Vergessenen, von Geistern und Lebenden, von Vergangenheit und Zukunft, von Zusammenhang und freiem Fall, von Hass und von Liebe.Ich habe in diesem Buch so viel gelernt. Nicht nur über Menschen, diese Familie und die geheime Schokolade, die Unglück bringen soll, sondern vor allem auch wahnsinnig viel über den zweiten Weltkrieg und v.a. die georgische Geschichte. Obwohl ich in 8 Jahren Geschichtsunterricht so viel über den 2.WK gehört habe, wusste ich nicht was am 9. April in Georgien geschah, nein, ich wusste eigentlich absolut gar nichts über dieses Land. Die Autorin schafft es, uns dieses vergessene Land näher zu bringen und es in jeder Weltkarte von nun an hervorstechen zu lassen. Ich glaube ich habe dank diesem Buch mehr über die vergangenen hundert Jahre gelernt und verstanden als in meiner gesamten Schulzeit.Das Buch ist so exotisch wie vertraut, so lehrreich wie unterhaltsam, so ruhig wie wild. Es ist unglaublich eindringlich, phänomenal, erschütternd, detailliert, mitreißend, aufreibend und in aller erster Linie eins: Echt.Eine große Buchempfehlung von mir.Ein Buch über das Leben in all seinen Facetten, in all seiner Vergangenheit und Zukunft, in all seiner Komplexität und Einzigartigkeit.Ein Buch über Georgien, den Krieg, eine heiße Schokolade und eine Familie, die so normal wie besonders ist.

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    • 3
  • Der Fluch der Schokolade

    Das achte Leben (Für Brilka)

    Marapaya

    14. August 2016 um 19:20

    Vier ganze Wochen bin ich durch ein ganzes Jahrhundert Georgiens gereist, immer in Begleitung eines Heißhungers auf Schokolade und einer latenten Angst vor der nächsten Seite. Dies wird keine Rezension, denn dafür hätte ich zu viel zu sagen und wüsste es viel zu wenig auszudrücken. Das achte Leben reiht sich ein in meine Bücherregalebene, in der sich Krieg und Frieden und Anna Karenina tummeln. Nino Haratischwili kann sich mit Tolstoi messen und hat das Potenzial mein neues Lieblingsbuch zu werden. In ihrem ganz eigenen modernen Erzählstil (im Vergleich zum angeführten Tolstoi vor allem) lässt sie mich Leserin teilhaben an einer Familiensaga, die voller Schmerz und Unglück in allen Generationen sich über hundert Jahre Erzählzeit erstreckt und in der mir die Figuren so ans Herz wachsen, dass ich gefühlt ein stiller Teil ihrer Familie werde, den Schmerz und die Hoffnung mit ihnen teile, enttäuscht werde, lautlos weine (in der Bahn), hysterisch schluchze (allein zu hause), ohnmächtig daneben stehe, wütend beobachte und hilflos der Handlung folge ohne eingreifen zu können. Während bei Tolstoi die Kleider bauschen und die Männer in schicken Uniformen in den strengen gesellschaftlichen Zwängen ihr Glück oder Unglück finden, schreibt Haratischwili die Geschichte im 20. Jahrhundert weiter und widmet sich dem schwierigen Thema zweier Länder, in denen der Kommunismus die Macht an sich reißt und das Motto der sozialen Gleichheit ins Absurde führt. Der große Bruder Russland bestimmt über die Geschicke Georgiens und diese Zeitgeschichte beeinflusst die Familiengeschichte in großem Maße. Vielleicht ist der Vergleich mit Tolstoi unangemessen, klischeehaft und zu einseitig gesehen – es ist natürlich allein mein subjektiver literarischer Blick. Dennoch bin ich dankbar für diesen fortführenden Blick auf die russische Kultur, Geschichte, Lebensweise ins 20. Jahrhundert und die Erweiterung meines Horizontes: Georgien ist mir dem Namen nach bekannt und damit hat sich mein Wissen auch bereits erschöpft. Wirklich beeindruckend aber sind die beiden Familien, die im Fokus der Handlung stehen. Die Wiederholung ihrer Taten und Fehler, die Sprachlosigkeit miteinander an entscheidenden Stellen im Leben, in der Geschichte, lassen mir die Luft wegbleiben. Ich erahne, wie wenig und gleichzeitig wie viel wir eigentlich selbst unser Leben und unsere Liebe bestimmen und dass ein Happy End nur was für Märchen und Hollywoodtheater ist.

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    • 3
  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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    • 2951
  • Brilka

    Das achte Leben (Für Brilka)

    walli

    11. April 2016 um 11:53

    eins der besten Bücher, die ich je gelesen habe. 100 Jahre Geschichte in Russland in Georgien als Kulisse für eine fundamentale Familiensaga. Viele lose Fäden verwoben in einen riesigen Teppich.

  • Das achte Leben (Für Brilka)

    Das achte Leben (Für Brilka)

    *Arienette*

    Inhalt: Georgien, 1900: Mit der Geburt Stasias, Tochter eines angesehenen Schokoladenfabrikanten, beginnt dieses berauschende Opus über sechs Generationen. Stasia wächst in der wohlhabenden Oberschicht auf und heiratet jung den Weißgardisten Simon Jaschi, der am Vorabend der Oktoberrevolution nach Petrograd versetzt wird, weit weg von seiner Frau. Als Stalin an die Macht kommt, sucht Stasia mit ihren beiden Kindern Kitty und Kostja in Tbilissi Schutz bei ihrer Schwester Christine, die bekannt ist für ihre atemraubende Schönheit. Doch als der Geheimdienstler Lawrenti Beria auf sie aufmerksam wird, hat das fatale Folgen ... Deutschland, 2005: Nach dem Fall der Mauer und der Auflösung der UdSSR herrscht in Georgien Bürgerkrieg. Niza, Stasias hochintelligente Urenkelin, hat mit ihrer Familie gebrochen und ist nach Berlin ausgewandert. Als ihre zwölfjährige Nichte Brilka nach einer Reise in den Westen nicht mehr nach Tbilissi zurückkehren möchte, spürt Niza sie auf. Ihr wird sie die ganze Geschichte erzählen: von Stasia, die still den Zeiten trotzt, von Christine, die für ihre Schönheit einen hohen Preis zahlt, von Kitty, der alles genommen wird und die doch in London eine Stimme findet, von Kostja, der den Verlockungen der Macht verfällt und die Geschicke seiner Familie lenkt, von Kostjas rebellischer Tochter Elene und ihren Töchtern Daria und Niza und von der Heißen Schokolade nach der Geheimrezeptur des Schokoladenfabrikanten, die für sechs Generationen Rettung und Unglück zugleich bereithält. "Das achte Leben (Für Brilka)" ist ein epochales Werk der auf Deutsch schreibenden, aus Georgien stammenden Autorin Nino Haratischwili. Ein Epos mit klassischer Wucht und großer Welthaltigkeit, ein mitreißender Familienroman, der mit hoher Emotionalität über die Spanne des 20. Jahrhunderts bildhaft und eindringlich, dabei zärtlich und fantasievoll acht außergewöhnliche Schicksale in die georgisch-russischen Kriegs- und Revolutionswirren einbindet. (Quelle: Verlagsseite) Die Autorin: Nino Haratischwili, geboren 1983 in Tbilissi, ist preisgekrönte Theaterautorin und -regisseurin (mit bislang 17 Uraufführungen, u.a. am Thalia-Theater). 2010 wurde ihr der Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis verliehen. Ihr Romandebüt Juja (2010) war auf der Longlist des Deutschen Buchpreises sowie auf der Shortlist des ZDF-aspekte-Literaturpreises und gewann 2011 den Debütpreis des Buddenbrookhauses Lübeck. Im selben Jahr wurde sie für ihren zweiten Roman Mein sanfter Zwilling (2011) mit dem Preis der Hotlist der unabhängigen Verlage ausgezeichnet. Zuletzt erschien ihr Einakter "Die zweite Frau" in der Anthologie Techno der Jaguare – Neue Erzählerinnen aus Georgien (FVA 2013). Für ihren neuen Roman Das achte Leben (Für Brilka)erhielt sie ein Grenzgänger-Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung für Recherchen in Russland und Georgien. Die Autorin lebt in Hamburg. (Quelle: Verlagsseite) Meine Meinung: Erzählt wird die Familienchronik einer georgischen Familie über einige Generationen,sowie georgische Geschichte,beginnend Anfang 20.Jahrhundert, endend 2006. Aufgeteilt ist das Buch in acht Abschnitte (Buch 1, Buch 2..) und jeder Abschnitt widmet sich einem Familienmitglied. 2006: Das jüngste Familienmitglied Brilka kehrt nicht mit ihrer Tanzgruppe nach Tiflis zurück, sondern setzt sich in Amsterdam ab. Ihre Tante Niza, die in Berlin lebt, soll sie aufspüren. Nachdem Niza sie gefunden hat, erzählt sie Brilka ihre Familiengeschichte, beginnend im Jahre 1900, der Geburt der Ururgroßmutter Stasia. Die Schicksale der Einzelnen werden durch die geschichtlichen Ereignisse beeinflusst und die Autorin schafft es, jedes Familienmitglied glaubwürdig und lebendig zu beschreiben - sei es Stasia, deren Traum eigentlich Tänzerin war; Christine, deren Gesicht durch ein Säureattentat entstellt wird; Kostja, der zum Familientyrannen wird oder Kitty, die nach einem traumatischen Erlebnis ins Exil geht, um dort eine erfolgreiche Sängerin zu werden. Das Geheimrezept der Familie für heiße Schokolade, das von Generation zu Generation an die Frauen der Familie weitervererbt wird, sollte man vielleicht auch erwähnen. Der Roman ist ein vielschichtiger, lebendiger und opulenter Roman, der seinen Spannungsbogen über 1279 Seiten hält, dabei historische Fakten vermittelt und eine schicksalsreiche Familiengeschichte erzählt. Selten hat man ein Buch in Händen, das einen so "gefangen nimmt" und man sich ein Zeitfenster sucht, um weiterlesen zu können. Und man könnte immer weiter darüber berichten, aber besser ist: selber lesen! Für die Recherche hat Nino Haratischwili ihre Theaterarbeit zurückgestellt, hat in Archiven gestöbert und ist nach Russland und Georgien gefahren, um dort mit Zeitzeugen zu sprechen. Eine Passage aus dem Buch spiegelt den Romanaufbau gut wieder: " Ein Teppich ist eine Geschichte. In ihr verbergen sich wiederum unzählige andere Geschichten. (....)Das sind alles einzelne Fäden. Der einzelne Faden ist wiederum auch eine einzelne Geschichte.(....) Du bist ein Faden, ich bin ein Faden, zusammen ergeben wir eine kleine Verzierung, mit vielen anderen Fäden zusammen ergeben wir ein Muster. Die Fäden sind alle verschieden, (...) Die Muster sind einzeln schwer zugänglich, aber wenn man sie im Zusammenhang betrachtet, dann erschließen sich viele fantastische Dinge." Zitat s. 30

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    • 3
  • Der verführerische Geschmack heißer Schokolade

    Das achte Leben (Für Brilka)

    JulesBarrois

    19. January 2016 um 15:00

    Das achte Leben (Für Brilka) von Nino Haratischwili (Autorin), 1280 Seiten, Frankfurter Verlagsanstalt; Auflage: 6 (1. September 2014), 34 €, ISBN-13: 978-3627002084 Nino Haratischwili erzählt uns die Geschichte eines Jahrhunderts. Eigentlich erzählt sie nicht uns die Geschichte sondern Brilka, ihre Nichte, der zwölfjährigen Tochter ihrer älteren Schwester. Und es ist mehr als eine Geschichte: „... ich habe Angst vor diesen Geschichten. Diesen Geschichten, die ständig parallel verlaufen, chaotisch; die in den Vordergrund treten, sich verstecken und sich gegenseitig ins Wort fallen. Denn sie verknüpfen und durchbrechen sich, sie umgehen, sie überschneiden und bespitzeln sich gegenseitig, sie verraten und führen in die Irre, sie legen Spuren, verwischen sie, und vor allem bergen sie in sich noch Abertausende von anderen Geschichten.“ (Seite 31) Und trotz dieser Angst stürzt die Autorin sich voller Begeisterung in dieses gewaltige Epos. Eine Begeisterung, die man in jeder Zeile wiederfindet. Das Buch ist in Kapiteln unterteilt, die sie Bücher nennt: Stasia – Christine – Kostja – Kitty – Elene – Daria – Niza – Brilka. Niza ist die Ich-Erzählerin und das Buch Brilka hat nur eine leere Seite. Das sind die acht Leben dieser Familien, in denen die dramatischen Verstrickungen und tragischen Schicksalen der Frauen der Familie im Vordergrund stehen. Diese sind meist atemberaubend schön, aber vom Unglück geschlagen und ins Elend gestürzt durch die falschen Männer, denen sie sich ausliefern. Vergewaltigungen, Abtreibungen und Selbstmorde sind im Roman an der Tagesordnung. Eine Familiengeschichte, die von Tbilissi über Moskau und London bis nach Berlin reicht. Von der zaristischen Epoche bis ins Nachwende-Berlin spannt sich der Bogen. Sie bettet die von Tragödien und Triumphen, Liebe und Hass, von Anpassung, Verrat und Widerspruchsgeist überquellende Familiengeschichte der Jaschis ein in die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts. Aber auch ein historischer Roman mit deutlichen politischen Gewicht. Liebesgeschichten, Horror, Anklänge von Satire und eine gehörige Portion Philosophie machen aus diesem Buch ein Lesevergnügen der besonderen Art. Alle die Frauen, bis hin zu Brilka, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zur Welt gekommen ist, scheinen in ihren Genen die grausame Geschichte der Sowjetunion und auch das Erbe ihrer Vorfahren zu tragen. Das familiäre Erbe, die fatalen Wiederholungen, werden durch den "Fluch der Schokolade" verkörpert. Nach dem Rezept des Ururgroßvaters der Erzählerin wird eine verhängnisvolle heiße Schokolade zubereitet, die zwar eine "geistige Ekstase" verheißt, aber jeden, der bisher von ihr zu probieren wagte, schnell ins Unglück gestürzt hat. Der verführerische Geschmack heißer Schokolade treibt die Handlung voran. Gefühlsstark aber unaufgeregt und authentisch mit prächtigen Figuren und Szenen, farbig und packend inszeniert die Autorin menschliche Dramen und den Weg Georgiens durch Revolutionen, Kriege und Stalins Säuberungen. Vor allem fasziniert mich das erzählerische Feuer von Nino Haratischwili. Ein Epos von Tolstoischem Ausmaße. Keine Sekunde langweilig. Beste Unterhaltung der Extraklasse. Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite der Frankfurter Verlagsanstalt http://frankfurter-verlagsanstalt.de/frames/fva_b_frs_buecher_programm.html Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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  • Gewinnt die 15 Lieblingsbücher des LovelyBooks-Teams aus dem Jahr 2015!

    Lua und die Zaubermurmel

    Daniliesing

    10. December 2015 um 10:37

    Die Vorweihnachtszeit ist doch die schönste Zeit im Jahr für tolle Buchempfehlungen, oder? Da es ja schon eine kleine Tradition geworden ist, möchten wir vom LovelyBooks Team euch auch 2015 wieder unsere Lieblingsbücher des Jahres empfehlen und einen von euch sogar mit einem Buchpaket, das alle 15 Bücher enthält, glücklich machen! Bevor es mit den einzelnen Lieblingsbüchern losgeht, möchten wir euch aber ein wunderbares Kinderbuch ans Herz legen, das uns alle bezaubert hat und das Klein und Groß mit seiner berührenden Geschichte in seinen Bann zieht! "Lua und die Zaubermurmel" ist unser gemeinsamer Buchtipp für das Jahr 2015. Unsere Buchempfehlungen: 1. kultfigur empfiehlt: "Unterwerfung" von Michel Houellebecq Ein hochinteressantes Gedankenspiel zum schlummernden Konfliktpotential in unserer Gesellschaft und der Anpassungsfähigkeit des Einzelnen. Zeitlos und aktuell zugleich. Für mich ein geniales Buch, gerade weil es stellenweise auch banale und langweilige Seiten hat - denn so sind wir Menschen nunmal. 2. Daniliesing empfiehlt: "Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel" von Bradley Somer Ein Goldfisch fällt aus dem 27. Stock - vorbei an den vielen Fenstern des Hochhauses und den Geschichten der Menschen dahinter. Gekonnt verknüpft Bradley Somer die einzelnen Schicksale dieser Menschen - mal ganz gewöhnlich, mal total abstrus und verbindet sie zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk, das man in dieser Form bestimmt noch nicht gelesen hat! Genial! 3. TinaLiest empfiehlt: "Im Frühling sterben" von Ralf Rothmann Ralf Rothmann hat mich mit seinem sprachlich sehr beeindruckenden Roman "Im Frühling sterben" aus einer Leseflaute geholt: Ich habe ebenso gebannt wie erschüttert von den Erlebnissen des Protagonisten Walter während der letzen Monate im zweiten Weltkrieg gelesen & auch nach dem Lesen hat mich der Roman nicht so schnell losgelassen. Ein beeindruckendes, leises und sehr starkes Buch! 4. doceten empfiehlt: "Chaos" von David Mitchell In "Chaos" erzählt David Mitchell in neun Geschichten über den freien Willen des Einzelnen in einer deterministisch-chaotischen Welt - nicht das kleinste Thema für einen Debütroman. Nahezu mikroskopisch klein sind jedoch oft die verbindenden Elemente zwischen den Geschichten, bis sie sich in ein großes Ganzes fügen, das wir wohl Leben nennen. Wer die Erzählweise aus dem bekannteren "Cloud Atlas" mag, wird auch von "Chaos" begeistert sein - ich bins! 5. Malista empfiehlt: "Die schönste Art, sein Herz zu verlieren" von Mamen Sánchez Es gibt Bücher, die liest man und am Ende waren sie gut. Und es gibt Bücher wie Mamen Sanchez' "Die schönste Art sein Herz zu verlieren", erschienen im Thiele Verlag, welches einen auf eine Reise mitnimmt, die niemals enden soll! Die Faszination des Buches liegt in den pointierten Beschreibungen der Protagonisten, ihrer Herkunft und ihrer Lebensstile, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Unbedingt lesen! 6. ValerieLiebtLesen empfiehlt: "Das achte Leben (Für Brilka)" von Nino Haratischwili Ich habe das Familienepos dieses Jahr im Sommerurlaub in Portugal gelesen und war vom ersten Moment an gefesselt von dieser spannenden Geschichte rund um acht beeindruckende Frauenfiguren. Die 1200 Seiten habe ich verschlungen und danach war ich fast ein wenig wehmütig, dass die Geschichte "schon" rum war. Grandios! 7. Sophia29 empfiehlt: "Das Geheimnis des weißen Bandes" von Anthony Horowitz In diesem Jahr bin ich auf den Sherlock Holmes-Geschmack gekommen. Deswegen zählt „Das  Geheimnis des weißen Bandes“ von Anthony Horowitz zu meinen absoluten Lesehighlights 2015. Die ersten Seiten dieses Buches haben ausgereicht, um mich voll und ganz in seinen Bann zu ziehen:   London im November 1890 – der unvergleichliche Detektiv Sherlock Holmes und sein alter Freund Dr. Watson setzen alles daran, das Geheimnis um „Das weiße Band“ schnellstmöglich zu lüften, um   weitere Morde zu verhindern. Ich habe die beiden wirklich gerne auf ihrer Verfolgungsjagd begleitet und von Seite zu Seite mehr der Auflösung dieses dubiosen Falls entgegengefiebert. Dieses Buch bietet nicht nur durch und durch sympathische Protagonisten und einen einzigartigen Stil des Autors, sondern garantiert vor allem auch Spannung bis zum Schluss. 8. HannaBuecherwurm empfiehlt: "Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss Lasst euch nicht vom schleppenden Anfang des Buches trügen! Sobald ihr diesen einmal hinter euch habt, wird euch das Buch vollkommen fesseln und bis zur letzten Seite nicht mehr loslassen. Vor allem der originelle Schreibstil macht dieses Buch aus, macht euch darauf gefasst, wiederholt in Lachen ausbrechen zu müssen. Das Buch ist der Auftakt zu einem fantastischen Fantasy-Epos, auf dessen Fortsetzung ich nun richtig gespannt bin! 9. aba empfiehlt: "Die Straße der Geschichtenerzähler" von Kamila Shamsie Gegen Ende des Jahres nur ein Lieblingsbuch zu nennen, fällt einem oft schwer, wenn fast jedes gelesene Buch diese Auszeichnung verdienen könnte. Dieses Mal ist es bei mir nicht so, ich musste keine Sekunde lang überlegen, die Entscheidung stand schon im Frühjahr fest. "Die Straße der Geschichtenerzähler" von Kamila Shamsie ist mein absolutes Lieblingsbuch aus 2015. Für so viel Leidenschaft, so konsequente und menschliche Charaktere, und eine glaubhafte und spannende Entwicklung habe ich dieses Buch sehr geliebt. 10. Kathycaughtfire empfiehlt: "Wer die Nachtigall stört ..." von Harper Lee Eines der Bücher, das man in seinem Leben unbedingt gelesen haben sollte. Es ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur, aber einer, den man schlichtweg lieben muss. Die Geschichte ist wunderschön, die Botschaft nach wie vor eine unglaublich wichtige und Harper Lee eine grandiose Autorin. 11. markusros empfiehlt: "Vom Inder, der auf dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden" von Per J. Andersson Das Buch und speziell der so mutige Pikay haben mir die eigene Lust am Abenteuer und an fernen Ländern nicht nur in den Lesestunden zurückgebracht. Ich bewundere den Mut, sich aus Überzeugung für eine Sache in Situationen zu begeben, ohne vorher alle Eventualitäten intellektuell durchdacht und durchdrungen zu haben. 12. Tree_Trunks empfiehlt: "Altes Land" von Dörte Hansen Für mich ist "Altes Land" von Dörte Hansen eines der besten Bücher 2015 gewesen. Die Geschichte beschreibt die kleinen Wunden, die sich die Generationen einer Familie gegenseitig zufügen können und erzählt von der Bürde der Vergangenheit. Gleichzeitig hat Dörte Hansen einen tollen Humor, der mich wirklich laut zum Lachen gebracht hat und der von einer ungetrübten Menschenkenntnis zeugt. Ein großartiges Buch über menschliche Stärken und Schwächen! 13. Tasmetu empfiehlt: "Ich bin Malala" von Malala Yousafzai Dieses Buch war so viel mehr als das, was ich erwartet habe und ließ mich tief berührt und nachdenklich zurück. Es ist die Geschichte des Swat Lands, es ist die Geschichte der Taliban, des Islams, es ist die Geschichte ihres Dorfes, ihrer Eltern, ihrer Freunde, ihrer Heimat, ihrer Flucht. Sympathisch, aufrüttelnd, aktuell. 14. nordbreze empfiehlt: "Bora" von Ruth Cerha Die Frankfurter Verlagsanstalt sollte dieses Buch nur zusammen mit einem Flugticket nach Kroatien verkaufen. Obwohl ich schon immer eine Wasser-Sehnsucht hatte, war diese noch nie so stark wie beim Lesen von "Bora". Ich möchte auch eine Insel erkunden, klettern, schwimmen, Wein trinken (ich mag gar keinen Wein ..) und Fisch essen. Ruth Cerha beschreibt das Inselleben einfach, alltäglich, aber trotzdem prägnant, so dass man das Gefühl hat, schon einmal dort gewesen zu sein (was ich für mich ausschließen kann. Ich war noch nie in Kroatien). Hinzu kommen mit Mara und Andrej zwei unaufdringliche Protagonisten, deren Liebesgeschichte so dezent aufgestellt ist, eigentlich will ich das gar nicht Liebesgeschichte nennen. Zwischen den beiden herrscht einfach eine große Vertrautheit, die ohne große Worte auskommt. Seid ihr neugierig auf unsere 15 Lieblingsbücher 2015 geworden? Dann habt ihr bis einschließlich 6. Januar Zeit, bei der Verlosung eines tollen Buchpakets mit allen 15 Büchern mitzumachen. Jetzt müsst ihr uns über den "Jetzt bewerben"-Button ganz oben nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Da wir selbst immer so gerne Bücher verschenken, würden wir von euch gern wissen, welche Bücher ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt und wieso ihr euch für genau diese entschieden habt? Welche sind eure Buchgeschenktipps des Jahres? Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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    • 990
  • Bewegende Geschichte mit leichten Längen

    Das achte Leben (Für Brilka)

    letusreadsomebooks

    12. November 2015 um 12:21

    Mit der Geburt Stasia Jaschis im Jahr 1900 beginnt diese Familiensaga. Sie wächst als Tochter eines wohlhabenden und angesehenen Schokoladenfabrikanten in der georgischen Oberschicht auf. Später heiratet sie den Weißgardisten Simon, der am Vorabend der Oktoberrevolution nach Petrogad versetzt wird und damit weit von seiner Frau entfernt lebt. Nachdem Stalin an die Macht kommt, sucht Stasia mit ihren Kindern Schutz bei ihrer Schwester Christine in Tiblissi.Christine ist bekannt für ihre Schönheit und zieht den Geheimdienstler Lawrentia Beria an, mit fatalen Folgen… Der Roman Das achte Leben (Für Brilka) ist in acht Teile geteilt, in der über die verschiedenen Generationen der Familie Jaschi berichtet wird. Erzählt wird das Ganze aus der Sicht Nizas, der Urenkelin Stasias. Historisch beginnt das Werk in der zaristischen Epoche und endet im Berlin der Nachwendezeit. Die Schicksale der Familienmitglieder sind eng mit geschichtlichen Begebenheiten verwoben. Im Mittelpunkt stehen aber vor allem die politischen Entwicklungen in der ehemaligen Sowjetunion. Ungeschönt begleitet der Leser die Familie Jaschi durch eine von Kriegen geprägte Epoche. Ich fand die Geschichten der verschieden Personen mal mehr und mal weniger spannend, was vor allem daran lag, dass ich ungefähr ab der Hälfte des Buches immer wieder das Gefühl bekam, das sich bestimmte Muster wiederholten, was für mich teilweise zu längen in der Handlung führte. Durch die vielen Schicksalsschläge war es leider sehr vorhersehbar, wie die verschiedenen Episoden weitergehen und enden. Größtenteils sind sie von Liebe, Hass und Verrat geprägt. Trotzdem bin ich der Familie Jaschi sehr gerne durch ein ganzes Jahrhundert und über fast 1300 Seiten gefolgt. Die Figuren sind unterschiedlich und lebendig gestaltet, ich konnte mit ihnen mitlachen, mitfühlen und (häufig) auch mitweinen. Besonders gelungen ist für mich die Geschichte von Kitty, der sehr berührend ist und sich teilweise deutlich von denen ihrer Verwandten unterscheidet. Mit ihrem Stil schafft es Nino Haratischwili, den Leser in ihren Bann zu schlagen. Sie schreibt unaufgeregt und wirkt dabei authentisch. Die Figuren erwachen zum Leben und ich wollte wissen, wie die Geschichte der Familie ausgeht. Den Roman Das achte Leben (Für Brilka) habe ich gerne gelesen. Es hat mir gut gefallen, einen historischen Roman über das 19. Jahrhundert zu lesen, der fast ausschließlich in der Sowjetunion spielt und über das Land Georgien und seine Geschichte wusste ich vorher so gut wie nichts. Die Geschichte der Familie Jaschi wird von Nino Haratischwili spannend erzählt und durch die verschiedenen Teile erhält man als Leser immer wieder eine neue Perspektive auf die Familie. Leider gab es für mich ab der Hälfte des Buches immer wieder leichte Längen, bei denen sich die Schicksalsschläge wiederholten und es für mich zu vorhersehbar wurde. Dennoch ist der Roman absolut empfehlenswert. Der Stil der Autorin und die Charaktere mit ihren bewegenden Geschichten sind es definitiv wert, gelesen zu werden.

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  • Georgische Familienverhältnisse

    Das achte Leben (Für Brilka)

    rallus

    12. August 2015 um 12:46

    Brilka bricht aus. Die zwölfjährige aus Georgien, die mit einer Tanztruppe in Amsterdam zu Besuch ist, setzt sich in einen Zug nach Wien. Warum sie das tut und warum dies der Einstieg zu einer faszinierenden georgischen Familiengeschichte ist, erfahren wir auf den nächsten 1270 Seiten. In dieser Geschichte von acht Leben und 100 Jahren, ist ein Anfang so gut wie jeder andere. Brilka ist aber der Auslöser, dass diese Geschichte überhaupt geschrieben wird und so fängt das Buch am Ende an, um die Wurzeln und den Anfang dieser wunderlichen und außergewöhnlichen Familie zu erzählen. Erzählt wird diese Geschichte FÜR Brilka von ihrer Tante Niza aus Berlin. Und es ist nicht nur eine Familiengeschichte, sondern eine Reise durch die Geschichte Georgiens. Alles in der Welt wird durch die Geschichte gerechtfertigt. Tschechow Die Geschichte, die Niza erzählt, muss sie sich von den noch Lebenden holen, es wird für sie auch eine persönliche und sehr intime Reise in ihre eigenen Gefühle, vor denen sie von Georgien nach Berlin geflüchtet ist. "Brilka, manchmal habe ich das Gefühl, dass mir beim Erzählen die Luft wegbleibt, dann muss ich innehalten, ans Fenster treten und tief Luft holen. Es ist nicht wegen der richtigen Worte, die man nicht findet, nicht wegen der strafenden Götter, Richter und allgegenwärtigen Chöre. Auch nicht wegen der Geschichten, die alle erzählt werden wollen; es ist vielmehr wegen der Leerstellen. Die Geschichten überlappen sich, gehen ineinander über, verwachsen - ich versuche, diese Wollknäuel auseinanderzuziehen, weil man ja die Dinge nacheinander erzählen muss, weil die Gleichzeitigkeit der Welt nicht in Worte zu fassen ist." Die erste Station ist Stasia, Anfang des 20.Jahrhunderts, die viel erduldet und sehen muss wie ihre wunderschöne Schwester Christine in die Fänge der Macht kommt. Die Macht, die ihr Leben grundlegend verändern und noch Jahrzehnte später die Familie in Pro und Contra Russland spalten wird. Die Zusammenkunft mit dem großen, kleinen Mann (Josef Stalin), geboren in Georgien, ist eine der Schlüsselszenen der Familie: "[Sie wurde Zeuge], wie der Mann mit dem Kneifer anfing, ihre Schwester zu mustern, als sei sie eine Beute, die man unbdingt erlegen musste, seine Blicke immer unverfrorener und angriffslustiger wurden, er auf die wohlgeformten Lippen, auf die kleinen Brüste und auf die schmalen Handsichel starrte, wie er angeheitert anfing, einen zehnminütigen Toast auf die georgischen Schönheiten zu halten, und dabei keine Sekunde lang die Augen von Christine ließ. Und wie ihr Mann zufrieden nickend danebensaß, versöhnlich lächelnd, und wie sein Kinn dabei ein wenig zitterte. Spätestens da wußte Stasia, dass die Haut der Welt rissig werden würde. Sie wusste dass die Erde sich übergeben und die Ruinen sichtbar werden würden, dass ein abgrundtiefer Spalt durch all die Jahrhunderte gehen, sich in der Erde öffnen und einen blutigen Abgrund freigeben würde." Die Macht streift die Familie und erleichtert vieles in ihrem Leben, verhindert aber nicht, dass die Wirren des Krieges Stasias Sohn Kostja in die umkämpften Gebiete nach Leningrad bringt, wo er die Liebe seines Lebens kennenlernt, die im ausgehungerten Leningrad eine folgenschwere Entscheidung trifft, als sie ein kleines blindes Mädchen trifft: "Das Mädchen konzentrierte sich, rieb die Hände aneinander, blies ihren Atem in die Fäuste hinein und setzte an. Ida stand an die Wand gelehnt und hörte ihr wie verzaubert zu. Sie folgte dem Spiel des Mädchens, die ihr mit jeder Note den Krieg aus den Armen, aus dem Körper, aus dem Kopf trieb und sie in eine Andere Welt versetzte. Eine Welt, in der es erleuchtete Cafés und strahlende Boulevards gab, auf denen wohlgenährte Menschen flanierten." Kostjas Schwester Kitty gelingt die Flucht nach England, wo sie zu einer erfolgreichen Sängerin wird, deren Album 'Home' Brilka so sehr liebt: "Ich erinnere mich so genau, Brilka, als wir beide zusammen mit dem Wagen Griechenland durchquerten, haben wir über das erste Lied dieses Album gesprochen, das den Albumnamen trägt, und ich erinnere mich, wie Du gesagt hast, dass es in diesem Lied nicht etwa um einen Ort oder ein Land geht, sondern um einen Zustand. Du hast gmeint, es sei ein Lied über die Kindheit, und mich damals gefragt, wo man die Kindheit denn aufbewahre, und ich weiß noch, dass ich die geantwortet habe, man halte sie zwischen den eigenen Rippen versteckt, in den kleinen Leberflecken und Muttermalen, im Haaransatz, oberhalb des Herzens, in den Ohren oder im Lachen." Nur im Ansatz kann der Rezensent die Geschichten streifen, die hier erzählt werden. Nino Haratischwili ist ein geschichten- und geschichtstrunkener Roman gelungen, der mit der fein versponnenen, lebendigen, ja fast schwingenden Sprache sehr genau und detailliert die Geschichte des 20.Jahrunderts mit der Geschichte der Familie verbindet. Dabei führt sie uns auch detailgetreu in die Ereignisse des kleinen Landes am Kaukasus und des großen Bruders Russland ein, so entsteht ein wirklich sehr genaues Bild des letzten Jahrhunderts - und einer Familie, die inmitten dieser Schicksalsschläge ihre Haltung und Kraft bewahren muss. Gerade diese Kombination von Einzelschicksalen und Weltpolitik verbindet die Autorin so gelassen und beseelt, so worttrunken und zielsicher, dass nicht nur die Charaktere, alle bis in die Nebenfiguren ungemein bildlich vor dem geistigen Auge aufkommen, auch die Vergangenheit wird so nicht zu einem trockenen trostlosen Zahlenplatz. Über Georgien sagt man, dass gerade die Sprache, die die Georgier verbindet, eine der komplexesten Sprachen der Erde, ein Schmelztiegel von arabischen, russischen und europäischen Elementen ist. Die Autorin hat in ihrem Buch, dass sie auf Deutsch geschrieben hat, auch einen ganz eigenen melodischen, zärtlich melancholischen Rhythmus, der einen beim Lesen immer nach vorne schiebt, so dass die Seiten wie im Fluge vorüber fliegen.. Nino Haratischwili ist ein lebendiges, wuchtiges aber auch feinsinniges, liebevolles Familienepos gelungen, das seinesgleichen in der neueren Literatur sucht und bis zur letzten Seite die Emotionalität und Spannung hoch hält. Ein besonderes Buch, das glücklicherweise 1270 Seiten hat.  

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  • Acht Leben – acht Schicksale

    Das achte Leben (Für Brilka)

    Herbstrose

    Das Familienepos beginnt im Jahre 1900 in Georgien mit der Geburt von Stasia, der Tochter eines wohlhabenden Schokoladenfabrikanten. Sie heiratet 17jährig den Oberleutnant Simon Jaschi, der schon bald wegen der Oktoberrevolution nach St. Petersburg versetzt wird. Als die Lage dort zu gefährlich wird, geht Stasia zurück in ihre Heimat und zieht mit ihren beiden Kindern Kostja und Kitty zu ihrer Schwester Christine, die mit dem vermögenden Ramas Iosebidese verheiratet ist. Bei einer Silvesterparty in dessen Haus lernt Stasia die außergewöhnliche Sopio Eristawi kennen und gleichzeitig wird ein einflussreicher Mann des Geheimdienstes auf die besondere Schönheit von Christine aufmerksam. Eine Tragödie bahnt sich an … Im Jahr 2005 lebt Niza Jaschi, Stasias Urenkelin, in Berlin. Sie ist nach dem Mauerfall und dem Zusammenbruch der Sowjetunion dem Bürgerkrieg in Georgien entflohen. Als  ihre 12jährige Nichte Brilka sich nach einem Auftritt im Westen von ihrer Tanzgruppe absetzt, muss Niza sie zurück nach Tbilissi bringen. Ihr erzählt sie nun die Geschichte der Familie, für sie schreibt sie alles auf: Die Geschichte von Stasia und Christine, von Stasias Sohn Kostja, von dessen Aufstieg bis in die höchsten Kreise und anschließendem tiefem Fall, von Stasias Tochter Kitty, die ihre Liebe zu einem Mann teuer bezahlen muss und die später eine gefeierte Musikerin in London wird, von Kostjas aufsässiger Tochter Elene, die sich allen Regeln widersetzt, und von deren Töchtern Daria, der Mutter von Brilka, und von Niza, der Erzählerin selbst … Ein wahrhaft „gewichtiges“ Werk von 1280 Seiten, das uns die Autorin Nino Haratischwili hier präsentiert. Das achte Leben (für Brilka) umfasst über einhundert Jahre Zeitgeschichte der Sowjetunion und seiner Territorien sowie parallel dazu eingebunden die Geschichte der georgischen Familie Jaschi. Kriege, Aufstände, Revolutionen, Regimewechsel und Enteignung gehen einher mit privaten Katastrophen und Schicksalsschlägen der Familie und der mit ihr befreundeten und eng verbundenen Familie Eristawi. Manch einer muss dabei sein Leben lassen und manche suchen ihr Heil in der Flucht in den kapitalistischen Westen. Eine tragende Rolle im Geschehen spielt auch das Rezept für „heiße Schokolade“. Es wurde einst vom Urahn der Sippe entwickelt und sollte zum Wohlstand der Familie beitragen. Man sagt, wer davon probiert verfällt zunächst in begeistertes Entzücken, um bald darauf von einem todbringenden Unheil ereilt zu werden. Ein aufwühlender Familienroman voller Emotionen und ungewöhnlicher Schicksale, sensibel und einfühlsam erzählt. Hoffnungslose, selbstquälerische Liebe und Eifersucht sind ebenso Themen wie der Missbrauch von Frauen mit den damit verbundenen schrecklichen Folgen. Die Heimat der Familie ist Tbilissi in Georgien, wo auch 1983 die Autorin geboren wurde. So verwundert es nicht, dass die Beschreibung der Stadt und des Landes besonders eindringlich und bildhaft ausfällt. Probleme beim Lesen kann es allenfalls mit den Namen der vielen agierenden Personen geben, die oftmals auch abwechselnd mit ihren Kosenamen benannt werden, so dass man hier leicht den Überblick verlieren kann. Bekannte Persönlichkeiten der russischen und georgischen Geschichte werden zwar nicht namentlich genannt, sind aber dennoch leicht zu erkennen. Einige Längen in der Erzählung sowie das Gewicht des Buches trüben gelegentlich den Lesespaß. Fazit: Ein interessantes Familienepos, bei dem man ganz nebenbei auch sehr viel über die Geschichte des 20. Jahrhunderts erfährt.

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    • 4
  • Ein wahrlich großes Buch

    Das achte Leben (Für Brilka)

    loewe

    Als ich dieses Buch zum ersten mal in meiner Lieblingsbuchhandlung entdeckt habe, habe ich mich sofort verliebt. Ich kann gar nicht so genau sagen warum oder weshalb. Vielleicht war es das schöne und aussergewöhnliche Cover? Auf alle Fälle hat dies meinen Blick gleich magisch angezogen. Dann habe ich mir in Ruhe den Klappentext durchgelesen und dachte das wir beide zusammenpassen könnten. Als ich es dann aufgeschlagen habe war mir klar, ich muss es haben. Dieses Buch ist von ausserordentlicher Qualität. Das Papier ist angenehm griffig und verströmt einen guten Geruch. Ich finde es gibt nichts schlimmeres als schlecht riechende Bücher und von diesen gibt es in letzter Zeit leider immer wieder welche. Die Verarbeitung an sich ist wunderbar, was sich bei 1280 Seiten bemerkbar macht, hier wird auch nach mehrfachem Lesen und blättern keine Seite gelockert sein. Das Lesebändchen ist ein weiteres Plus welches mir gut gefällt. Ein weiters Highlight für mich ist der verlängerte Schutzumschlag, das Papier ist hier länger gehalten und noch mal gefaltet, so dass es die Seiten im geschlossenen Zustand schützt. ( Man kann es auf dem Bild oben recht gut erkennen finde ich.) Aber ein Buch soll ja nicht nur durch seine Haptik glänzen  der geschriebene Inhalt sollte ja auch verzaubern…und das gelingt hier auf ganzer Bandbreite! Mein Leseeindruck Gleich mit den ersten Seiten der Familiensaga war mir klar, hier wartet ganz Großes auf mich. Ich möchte das Buch für mich in die Riege der weltbekannten Familien Epen aufnehmen. Es wird seinen Platz in meinem Regal neben “Vom Winde verweht”, “Doktor Schiwago” und den “Säulen der Erde” finden. Ich könnte mir vorstellen, das es sich in diesem Regal sehr wohl fühlen wird  Allerdings habe ich genauso schnell festgestellt, das dieses Buch die ganze Aufmerksamkeit des Lesers fordert. Ich für mich konnte und wollte nicht nur mal kurz reinlesen, das Buch hat mir sehr schnell klargemacht das es seine Lesezeit einfordert. So habe ich mich entschieden es immer dann zu Hand zu nehmen, wenn ich wusste dass ich es einige Stunden am Stück geniessen konnte. Der eine oder andere Leser wird vielleicht jeden Tag einige Seiten lesen und das Buch dann beiseite legen, mir war es diesmal nicht möglich. Klar hätte ich gerne jeden Tag meine Zeit mit dem Buch verbracht und ich bin mir auch sicher das mein “Zweitlesen” im Urlaub stattfinden wird. Das stelle ich mir traumhaft vor. Für mich war aber jetzt wichtig dem Buch den Nötigen Raum zu geben und somit die nötige Zeit für uns beide. Jedes freie Wochenende haben wir gemeinsam verbracht und ich habe jede Zeile, jede Minute unserer Zweisamkeit geliebt. Wir dürfen ungefähr einhundert Jahre eine  georgische Familiengeschichte verfolgen, von 1900 bis 2006. Den Anfang macht der Schokoladenfabrikant mit seinen vier Töchtern im Kaiserreich. Zu erwähnen sei an dieser Stelle das jeder der Charaktere wunderbar ausgearbeitet wurde. Jede  Figur besitzt Tiefe und Aussagekraft. Auch wenn man als Leser vielleicht nicht jeden Charakter gleich gern hat, so schleichen sie sich dennoch alle irgendwie ganz dicht an einen ran. Auch das Land Georgien, über das ich bis dato eigentlich herzlich wenig wusste, wird einem mit diesem Buch ein ganzes Stück näher gebracht. Ich für mich hatte das Gefühl das die geschichtlichen Daten, die gekonnt im Roman eingewoben wurden, jeweils gründlich recherchiert waren. Eigentlich ist das Buch in acht Bücher unterteilt. In jedem Buch bekommen wir ein Familienmitglied im spezieller vorgestellt. Stasia die im Jahr 1900 geboren wird, darf den Anfang machen, danach folgt ihr Schwester Christine. Weiter geht es mit ihrem Sohn Kostja und dann mit ihrer Tochter Kitty. Kostjas Tochter Elene folgt, dann geht es mit deren Tochter Daria weiter (sie ist die Schwester der Erzählerin Niza). Niza selbst ist natürlich auch ein Buch gewidmet. Den Abschluss macht Brilka, für sie hat Niza die ganze Geschichte aufgeschrieben. Elenes Geschichte nimmt 309 Seiten in Anspruch und für Daria braucht die Autorin ganze 317 Seiten. In jedem einzelnen Buch spielen aber auch immer alle anderen Familienangehörigen eine Rolle. Dicht ist ihr Leben mit der ganzen Familie verknüpft.Verwoben wie ein Teppich… Auszug Seite 227 “Geschichten wiederholen sich manchmal, Brilka, und überschneiden sich, auch dem Leben geht manchmal die Fantasie aus, das kann man ihm nicht vorwerfen, was meinst du? So muss ich von zwei weiteren gleichzeitigen Verknüpfungen in unserem Teppich berichten.” Mit jedem einzelnen Familienmitglied bangt man über viele Seiten mit, man wird quasi selbst mit in den Teppich eingewoben, kann es gar nicht erwartet wie es weitergeht, möchte doch so gerne eingreifen und helfen und weiss, daß man als Leser keine Macht dazu hat.  Im Laufe des Buches kommen einem die Protagonisten immer Näher, man dringt immer tiefer in die Familie ein. Ich habe es zutiefst bedauert das es irgendwann zu Ende war. Ich hätte mir vielleicht einen Familienstammbaum, oder ein Familienregister am Anfang oder am Ende des Buches gewünscht. Wen das interessiert, der sollte sich mal auf der Verlagswebseite umsehen, dort kann man ihn runterladen.   Ich habe in diesem Buch sehr viele Stellen markiert, sie haben alle eine ganz Besondere Bedeutung für mich, eine spezielle  Ausstrahlung. Lange habe ich überlegt, welche ich hier gerne noch einfügen möchte und nun ist meine Wahl auf diese Passage gefallen. Auszug Seite 633 “Keine Tränen (>Nein, nein, wir haben nicht geweint! Was hätten uns die Tränen in diesem Augenblick gebracht? Erleichterung? Tränen sind nur Lückenfüller, Stellvertreter. Wenn man aber den Menschen, um den man die Tränen vergießen will, vor sich stehen hat, dann weint man nicht, dann nutzt man die Zeit, die man hat, die Tränen können schließlich warten und jederzeit nachgeweint werden<).” Wie gesagt, für mich ist dieses Buch etwas ganz besonderes und ich denke es ist jeden Euro wert. Dieses Buch ist ein Buch überGenerationen  und für Generationen. In einem schönen Buchregal aufbewahrt ist es ein wahrer Buchschatz für die ganze Familie. Ich möchte eigentlich 10 Sterne vergeben, aber unser Wertungssystem gibt leider nur 5 her

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