Noëmi Lerch Die Pürin

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Inhaltsangabe zu „Die Pürin“ von Noëmi Lerch

Die Geschichte über eine Pürin und ihre Gehilfin. Die Gehilfin notiert sich alles, was sie nicht vergessen will: von den Kühen, den Hühnern, der Arbeit im Kreislauf der vier Jahreszeiten. Die Pürin merkt an, ergänzt, fragt nach, schliesst den Reissverschluss ihrer Jacke bis unters Kinn. Lässt die Gehilfin machen. Man sieht, wie die Pürin geht. Wie sie kommt, weiss man nicht. Sie ist dann einfach wieder da. Die Gehilfin kehrt jeden Abend zurück in die alte Villa ihrer Grosseltern. Längst wohnt dort niemand mehr, aber auf dem Tisch stehen noch immer die beiden Tassen. Die Gehilfin versucht sich zu erinnern, oder zu vergessen. Wer war der andere, der mit ihr aus diesen Tassen getrunken hat? Und wo ist er jetzt?

Ein Büchlein, das viel Freude schenkt, und auf seine eigene Art zum Nachdenken anregt.

— NiWa

Ruhige Erzählung.

— Sommerregen

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  • Alpenphilosophie

    Die Pürin

    NiWa

    26. January 2017 um 08:44

    Die Pürin ist Bauer und keine Bäuerin, weil sie nicht die Frau des Bauers ist. So kam sie zu ihrer Bezeichnung und zeigt ihrer Gehilfin, wie es sich als Pürin in den schweizerischen Alpen lebt.Dieses Buch ist sehr philosophisch geschrieben, es behandelt das Leben, die Alpen, die Tiere und wie sich die Gehilfin der Pürin durch die Jahreszeiten schlägt.Die Protagonistin zeichnet ihre Zeit bei der Pürin auf, wie sie ihr im Stall, auf der Wiese und an manchen Abend zur Seite steht. Doch meistens zieht sie sich in die Villa ihrer Großeltern zurück, wo sie an jenen Menschen denkt, von dem die zweite Tasse am Tisch stammt.Die Geschichte ist sehr nebulös geschrieben und ich bin mir sicher, dass ich vieles davon nicht verstanden habe. Gestört hat mich die Großmutter, die einen festen Platz darin hat, aber ich konnte hier weder den tieferen Sinn erspüren noch die Figur in die Handlung einordnen. Denn die Großmutter ist gestorben und trotzdem da. Sie ist nicht da, wie es ein wohlwollender Geist oder eine schützende Figur sein würde, sondern sie ist richtig in der Geschichte anwesend, obwohl sie längst verstorben ist.Besonders gut haben mir all die kleinen Szenen gefallen, die die harte Arbeit und die Ruhe der Alpen und der Landwirtschaft spüren lassen. Das ist greifbare Philosophie, die einen mitten in der Seele trifft:„Jetzt scheint mir, nur der Mensch könne so blöd sein, aus Stolz den schweren Weg zu gehen, während Tiere stets den einfachsten wählen und noch lieber die Abkürzung.“ (S. 52 - 53)Ich habe diese Erzählung als beruhigend empfunden, denn sie holt einem aus dem hektischen Alltag, rein in den harten Trott der Realität, so wie sie Wirklichkeit ist. Denn was könnte realer sein, als die Arbeit mit Tieren in der freien Natur und worin liegt im „normalen“ Leben die Wichtigkeit?Gleichzeitig thematisiert die Autorin aber auch, dass dieses Leben nicht besonders lockt, dass sich junge Menschen nach der weiten Welt sehnen und ihre eigenen Erfahrungen machen müssen, um vielleicht später wieder in die Realität der Alpen zurückzukehren.Mir hat diese philosophische Erzählung aus den Alpen sehr gut gefallen. Ich mochte besonders die Sequenzen im Stall, wenn mit den Tieren geredet wurde und die Protagonistin den Kälbern Geschichten erzählt hat.Natürlich muss man in der richtigen Stimmung sein, um auf philosophischen Weg die Alpen zu besteigen, aber ich denke, dass dieses Büchlein viel Freude schenkt und auf seine eigene Art zum Nachdenken anregt.

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  • Leise Töne...

    Die Pürin

    Sommerregen

    10. December 2016 um 15:40

    "Am Anfang hatte ich den alten Schimmel, dann eine Kuh, dann zwei. Die Hühner sind dazu gekommen, und noch eine Kuh. Und so ging es weiter. (...) Heute habe ich vierzehn Kühe, vierzehn Rinder, siebenundvierzig Hühner und den alten Schimmel dazu." (S.47)Eines Tages, als sie ihre Großeltern in deren Villa mit Namen Laudinella besucht, begegnet die bis zuletzt namenlose Erzählerin der Pürin. Diese hat vor Jahren, gegen einigen Widerstand, als Frau selbst mit dem Bewirtschaften eines eigenen Bauerhofes begonnen. Da sie immer älter, die Arbeit jedoch keineswegs weniger wird, fragt sie, ob die Frau nicht ihre Gehilfen werden möchte.So notiert die Gehilfin die Erlebnisse der beiden - alles, was sie nicht vergessen möchte. Eine arbeitsame Zeit beginnt für sie, die aber, trotz aller Anstrengung, wohltuend ist. In Gedanken schweift sie gelegentlich zu diesem Mann ab. Demjenigen Mann, dessen Tasse zusammen mit der ihren noch einsam und verlassen auf dem Tisch in der alten Villa steht. Jeden Abend kehrt die Gehilfin in das verlassene Anwesen und nimmt die gesamte Atmosphäre in sich auf. Und auch, wenn dort niemand mehr wohnt und ihre Großmutter längst schon verstorben ist, begegnet sie ihr dort von Zeit zu Zeit, unterhält sich mit ihr oder lässt sich ein Getränk zur Stärkung von ihr zubereiten.Nicht nur mit ihrer Großmutter spricht die Gehilfin, sondern auch mit Gegenständen wie dem Traktor oder mit Tieren."Ich frage mich, ob die Tänze des Falken einen praktischen Sinn haben. Ich frage den Falken. Er sagt, hungrig sei er nur im Winter." (S.63)Als Leser begleitet man die anpackende, rätselhafte und entschlossene Pürin sowie die manchmal zweifelnde, unsichere und vergessen wollende Gehilfin über ein ganzes Jahr hinweg. Deswegen ist dieses 80 Seiten umfassende Werk in die vier Jahreszeiten gegliedert. Vom Winter ausgehend, bekommt man die Veränderungen ganz sachte aufgezeigt und bemerkt, wie sich alles im ewigen Kreislauf befindet.Die Erzählerin hängt ihren Gedanken häufig nach, sodass man immer wieder den Zusammenhang suchen muss, ihn nach kurzer Zeit des Überlegens jedoch findet.Zunächst war ich von den Gesprächen mit Verstorbenen, Tieren und Gegenständen nicht sonderlich angetan, nach einer Weile fügten sich diese Fragmente des Be- und Ergreifens der Umwelt jedoch zusammen und wurden stimmiger. Betrachtet man solche Szenen also als Suche, Zweifel, Unsicherheit oder Ähnliches, dann lernt man die Gehilfin deutlich besser kennen.Sehr überraschend ist, wie gut die beiden Frauen, obwohl sie so unterschiedlich sind, harmonieren. In diesem Buch wird der Fokus auf das Wesentliche gelegt, sodass der Leser sich vieles vorstellen kann. Da kein Gespräch mit Anführungszeichen gekennzeichnet wird und die Sprache nüchtern belibt, hat man bei der Lektüre das Gefühl, in einer Seifenblase zu sitzten und, abgekapselt von allem anderen, nur der Pürin und ihrer Gehilfin bei ihrem Leben zuzuschauen."Die Pürin" zeichnet sich weniger durch eine mitreißend-aufregende Geschichte, als durch eine ruhige Erzählung aus. Dieses Buch arbeitet sehr viel mit Atmosphäre und leisen Tönen, mit Kargheit statt großen Ausschmückungen. Zu erst musste ich mich an diese Art und Weise gewöhnen, nach einer Weile jedoch habe ich sie genossen.

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