NoViolet Bulawayo

 3.5 Sterne bei 16 Bewertungen

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NoViolet BulawayoWir brauchen neue Namen
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Wir brauchen neue Namen
Wir brauchen neue Namen
 (13)
Erschienen am 08.02.2016
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Erschienen am 01.08.2014

Neue Rezensionen zu NoViolet Bulawayo

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Rezension zu "Wir brauchen neue Namen" von NoViolet Bulawayo

Tolles Buch!
sofievor einem Jahr

„Wo der alte Präsident die Wahlen gefälscht und die Menschen gefoltert und umgebracht und ganz viele ins Gefängnis gesteckt hat und so weiter, da, wo sie an Cholera sterben – ach, Gott, ja, wir kennen euer Land; es war in den Nachrichten.“ [S. 162]


Leider liest man viel zu selten Bücher aus Afrika. „Wir brauchen neue Namen“ von NoViolet Bulawayo spielt in einem nicht näher bezeichneten afrikanischen Land. Die Protagonistin ist im Teenageralter und lebt in einem Flüchtlingsdorf. Sie und ihre Eltern sind aus ihrem Haus vertrieben worden, nun geht sie nicht mehr in die Schule und sucht stattdessen mit ihren Freunden nach Essen. Im zweiten Teil des Romans lebt sie dann in Amerika. Dieser Teil hat mir besonders gefallen, weil einem als westlichen Leser der Spiegel vorgehalten wird. Man hat keine Ahnung von diesen Ländern, sieht immer nur die schlimmen Nachrichten und auch die will man eigentlich gar nicht hören.

Auch sprachlich fand ich den Roman sehr gut. Insgesamt eine Empfehlung von mir und 5 Sterne!

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Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Wir brauchen neue Namen" von NoViolet Bulawayo

Neue Namen
Buecherschmausvor 3 Jahren


NoViolet Bulawayo ist eine jener in jüngster Zeit häufiger zu hörenden Stimmen junger, zumeist weiblicher aus Afrika stammender Autoren, die meist nach einer Ausbildung im Westen dort geblieben sind, in den USA oder Großbritannien und nun mit einer Mischung aus Sehnsucht, Nostalgie und Heimweh, aber auch kritschem Abstand und gnadenloser analytischer Schärfe auf ihr Heimatland zurück blicken. 
Simbawe ist das Land, in dem die zu Beginn 10jährige Darling aufwächst. Es wird erst ziemlich spät im Roman auch benannt, das "geliebte Zim". Sein Schicksal gleicht auf fatale Weise dem unzähliger anderer afrikanischer Nationen: Ausbeutung und Unterdrückung durch die Kolonialmächte, nach der Unabhängigkeit die Hoffnung auf Freiheit und Aufschwung, eine kurze Phase der Hoffnung, dann der Aufstieg von unterschiedlichen Despoten, die, machtlüstern und meist unfähig, ein System der Korruption und Vetternwirtschaft aufbauten, das selbst die rohstoffreichsten und hoffnungsvollsten Staaten in meist noch größeres Elend, in Hunger und Armut großer Teile der Bevölkerung führten - vergessen und missachtet von den eigenen Eliten.
Auch Simbawes Schicksal sieht nicht anders aus. 
Nach einem aussichtsreichen Start in die Unabhängigkeit 1980 verkam es unter dem diktatorischen Präsident Robert Mugabe immer mehr und belegt seit Jahren die untersten Ränge der Entwicklungsberichte. Für oppositionelle Bestrebungen ist schon lange kein Platz. Ab 2005 wurden unter dem Vorwand der Beseitigung von illegalen Bauten und der Hygiene in der Operation "Müllentsorgung" unzählige Häuser von staatlicher Seite dem Boden gleichgemacht, bevorzugt in Gebieten mit traditionell hoher oppositioneller Aktivität.
Auch das Haus von Darlings Familie fällt dieser Säuberung zum Opfer. Der Vater sucht darauf sein Glück in Südafrika, lässt dann aber nie wieder von sich hören. Die Mutter zieht mit Darling in den Slum "Paradies". Das die Verhältnisse dort alles andere als paradiesisch sind, versteht sich von selbst. 
Trotzdem erlebt Darling mit ihrer Clique auch glückliche Momente, zum Beispiel wenn sie in den besseren Stadtvierteln Guaven stehlen oder wenn sie "Jagt Bin Laden" spielen. Die Autorin erzählt aus der Perspektive ihrer kleinen Heldin und so wird der Leser mit vielen Grausamkeiten auf besondere Weise konfrontiert. Beispielsweise wenn die elfjährige Chipo, die vom eigenen Großvater vergewaltigt und danach schwanger, von ihren Kameraden mit einem rostigen Kleiderbügel "operiert" werden soll. Dazu brauchen die Kinder "Neue Namen", sie werden zu Dr. Ross und Jeanie Boulet, frei nach Emercency Room. Der Eingriff wird zum Glück verhindert, zeigt aber, wie allein gelassen, voller falscher Träume von Amerika, aber auch voll des Tatendrangs, der Hoffnung und der Sehnsüchte die Kinder leben. 
Bulawayo schafft dafür eine kraftvolle, überzeugende Sprache, reich auch an eigenwilligen, treffenden Sprachneuschöpfungen, die uns die kleinen Protagonisten sehr nah bringen.

In der Mitte des Buches erfolgt ein vielleicht etwas zu harter Bruch. 

Darling reist zu ihrer Tante nach Detroit. 
Dort leidet sie zwar an Heimweh, kämpft mit der Sprache, empfindet
"Englisch ist wie eine riesige Eisentür, zu der man dauernd den Schlüssel verliert", erfährt, dass das Leben in Amerika auch nicht das Paradies ist. Zugleich entfernt sie sich aber auch immer weiter von ihrem "geliebten Zim."

 "Dein Land, Darling? Im Ernst, dein Land, bist du dir sicher?(...)Wieso bist du denn gerade nicht in deinem Land? Warum bist du nach Amerika abgehauen(...) du hast es im Stich gelassen, Darling, meine Liebe, du hast das Haus brennen lassen, und du wagst es, mir mit diesem blöden Akzent, mit dem du nicht mal geboren wurdest, der nicht mal zu dir passt, zu sagen, dass das hier dein Land ist?

wird ihr etwa von ihrer alten Kinderfreundin einmal um die Ohren gehauen. Ein Vorwurf, der Darling, genauso wie wahrscheinlich auch die Autorin und unzählige andere Emigranten wütend macht, und der doch nur ein oft selbst empfundenes schlechtes Gewissen,ein Gefühl des Verrats ausdrückt.
 Auch wenn dieser zweite Teil nicht ganz so intensiv wie der erste ist, kommen darin doch die typischen Probleme von Emigranten überall auf der Welt zum Ausdruck: Die Fremdheit im neuen wie im alten Heimatland, die Balance zwischen Integration und Heimattreue. 
Und nicht zuletzt deshalb ist es ein hochaktuelles Buch, das ganz zurecht auf der Nominierungsliste zum ManBooker-Preis 2013 stand.
In der Mitte des Textes, ihn in die zwei Hälften Afrika/USA teilend, steht ein kurzes Kapitel, in dem diesen Scharen an Flüchtlingen ein poetisches Denkmal gesetzt wird.

"Seht nur, sie gehen in Scharen, die Kinder des Landes, seht nur, sie gehen in Scharen. Die nichts haben, überqueren Grenzen. Die Kraft haben, überqueren Grenzen. Die ehrgeizig sind, überqueren Grenzen. Die Verluste beklagen, überqueren Grenzen. Die Schmerzen haben, überqueren Grenzen. Fahren, laufen, ziehen, gehen, wandern, verschwinden, fliegen, fliehen - überall hin, in nahe und ferne Länder, deren Namen sie nicht aussprechen können. Sie gehen in Scharen. (...)Ihre Mütter und Väter und kinder zurücklassen, ihre Nabelschnüre im Boden, die Knochen ihrer Vorfahren in der erde, alles, was sie ausmacht, sie zu dem macht, wer und was sie sind, weil sie unmöglich bleiben können. Nie wieder werden sie sein wie jetzt, denn an bleibt nicht derselbe, wenn man zurücklässt, wer und was man ist, man bleibt nicht derselbe."

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Corsicanas avatar

Rezension zu "Wir brauchen neue Namen" von NoViolet Bulawayo

Eine Kindheit in Afrika und ein Leben im Exil
Corsicanavor 3 Jahren

Dieses Buch erzählt sehr viel über Afrika. Über das Aufwachsen in einem Slum, in dem die Erwachsenen die Hoffnung aufgegeben haben. Und als doch einmal ein Hoffnungsschimmer erscheint (es gibt Wahlen) wachen die Erwachsenen auf und es scheint sich alles zum Besseren zu wenden. Aber dann endet alles in Gewalt. Und die Erwachsenen versinken wieder in der Schwermut. Und die Kinder? Die versuchen, mit dem klar zukommen, was da ist. Und verstehen vieles nicht richtig. Warum eine 11 jährige plötzlich Schwanger ist, warum das Haus von Weißen zerstört wird, warum der Vater todkrank (AIDS) aus Südafrika zurückkommt. Aber die Kinder spielen - nur mit ihrer Phantasie. Ein Länderspiel zum Beispiel, in dem es die "beliebten" Länder gibt, so wie Amerika und England. Und die "KAKA" Länder, so wie ihr Land.
Dieser erste Teil des Buches ist sehr schön geschrieben, aus der Sicht einer 10jährigen. Subtil wird zusätzlich indirekte Kritik an Entwicklungshilfe, Politik und dem Umgang mit der kolonialen Vergangenheit geübt. 
Im zweiten Teil des Buches ist die 10jährige in die USA gereist. Und das Buch wird mehr analysierend, weniger gefühlvoll - und irgendwie auch weniger literarisch. Die Probleme und die Heimatlosigkeit von Afrikanern, die illegal in den USA leben, werden sehr plastisch dargestellt. Und es wird deutlich, dass Flucht und Exil nicht die optimale Lösung sein können. Andererseits sind dies eher dokumentarische Darstellungen, die das subtile und poetische aus dem ersten Teil des Buches leider vermissen lassen.
Fazit: Als Einblick in das Leben afrikanischer Exilanten sehr gut - literarisch eher wechselhaft gut. Aber sicherlich lesenswert. Ich fand allerdings andere Romane besser (wie z.B. "Diese Dinge geschehen nicht einfach so").

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