Vor dem Fall

von Noah Hawley 
4,1 Sterne bei30 Bewertungen
Vor dem Fall
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DieBuchkolumnistins avatar

Spannender Gesellschaftsroman über die Bedeutung der Medien, eine Welt voller Macht und Manipulation!

FrolleinJotts avatar

Spannung mit Tiefgang, interessant und kurzweilig zu lesen!

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Inhaltsangabe zu "Vor dem Fall"

An einem nebligen Abend startet ein Privatjet zu einem Flug nach New York. Wenige Minuten später stürzt er in den Atlantik. Nur der Maler Scott Burroughs und der vierjährige JJ überleben inmitten der brennenden Trümmer. Und Scott gelingt das Unmögliche: Er schafft es, den Jungen an das weit entfernte Ufer zu retten. Während die Suchtrupps fieberhaft nach den Leichen und der Blackbox fahnden, greifen immer abstrusere Verschwörungstheorien um sich. Scott versucht verzweifelt, sich den Medien zu entziehen – und gerät dabei in eine Welt der Intrigen und Manipulationen, in der niemand vor dem brutalen Fall ins Nichts geschützt ist.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442487493
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:Goldmann
Erscheinungsdatum:21.05.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 12.09.2016 bei Der Hörverlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor einem Jahr
    Wie eine Zwiebel häutet sich der Fall

    »Als er so im Nordatlantik treibt, erkennt Scott, dass ihm nie klarer war, wer er ist und was sein Ziel ist. Es liegt auf der Hand. Er wurde in diese Welt gesetzt, um diesen Ozean zu besiegen und diesen kleinen Jungen zu retten.«

    Der Privatjet des Medienmoguls David Bateman startet mit elf Fluggästen und stürzt nach fünfzehn Minuten beim Flug von Martha’s Vineyard nach New York ins Meer. Der Maler Scott Burroughs überlebt, kämpft sich durch die Fluten, er ist sportlich fit. Dann hört er ein Kind schreien, JJ, den 4-jährigen Sohn der Batemans. Er schafft es, mit fast unmenschlicher Kraft, sich und den Jungen zu retten. Gibt es weitere Überlebende? Was ist passiert? Warum stürzt ein technisch einwandfreies Flugzeug bei gutem Wetter unter der Führung von erfahrenen Piloten ab? Wurde manipuliert, wenn ja, von einem Insassen oder von außen, lag vielleicht doch ein technischer Fehler vor oder war es menschliches Versagen?

    Scott Burroughs, der Maler, der in seinem Leben nichts auf die Reihe bekam, wird berühmt, er wird als Held gefeiert. Leyla Leslie Mueller, eine Milliardärin und Kunstliebhaberin steht in Dauerschleife von Langeweile, interessiert sich für ihn und versteckt Burroughs in Ihrer Villa vor der Presse. Aber wer ist dieser unbekannte Künstler, der Katastrophen malt, bei denen Massen sterben, wie z.B. einen Flugzeugabsturz. Was ist seine Intension? Hat er das Unglück inszeniert, überlebt, um berühmt zu werden? Überhaupt, wie kam der arme Schlucker an Bord, hatte er ein Verhältnis mit Batemans Frau?

    »CNN, ABC, CBS, sie verkauften die Nachrichten wie Lebensmittel im Supermarkt: für jeden etwas. Aber die Menschen wollten nicht nur Informationen. Sie wollten auch wissen, was sie bedeuteten. Sie wollten Perspektiven. Sie wollten etwas haben, worauf sie reagieren konnten. Ich stimme zu, ich stimme nicht zu ... Seine Idee war es, die Nachrichtensendungen in einen Club der Gleichgesinnten zu verwandeln ...«.

    Und Bateman selbst? Hatte man es auf den Medienmann abgesehen, wollte man ihn mundtot machen? Denn warum waren er und seine Familie stets von einer Schar Securityleuten umgeben? Und der Chef der Security-Gruppe, Batemans Bodyguard, mit an Bord, wurde er vielleicht für einen Mord bezahlt? Lebt er noch? An Bord waren auch Ben und Sarah Kipling. Der Finanzmanager könnte sich als Betrüger entpuppen, insolvent, die Börsenaufsicht war ihm bereits auf der Spur. Wollten Hintermänner die Spuren verwischen, um ihn umzubringen? Nicht zu vergessen, das Personal an Bord, was haben diese drei Personen zu verbergen? Warum wurde der Copilot kurz vor dem Abflug gewechselt? Ermittler Gus Franklin und das FBI haben genug zu tun, um Licht in die Sache zu bringen.

    »Der David Bateman, den ich kannte« sagte er, »mein Boss und mein Freund, könnte durch ein technisches Versagen oder einen Pilotenfehler nicht umgebracht werden. Er war ein Racheengel, ein amerikanischer Held. Und ich für meinen Teil bin davon überzeugt, dass wir es hier mit nichts Geringerem zu tun haben, als mit einem Terrorakt, verübt wenn nicht durch Ausländer, so doch durch Elemente der linken Medien. Ein Flugzeug stürzt nicht einfach ab, Leute. Dies war Sabotage.«

    Bill Cunningham, Chef-Sprecher bei Batemans Nachrichtensender ALC, der bei Bateman auf der Abschussliste stand, sieht seine Zeit gekommen. Er agiert ganz im Sinn der Yellow Press: Laut sein, aufbauschen, beschuldigen, lügen. Hauptsache, die Quoten stimmen.

    Der kleine JJ. ist nun der Erbe eines Millionenimperiums. Seine Tante und einzige Verwandte ist testamentarisch als Erziehungsberechtigte eingesetzt und muss für JJ. einen Teil des Vermögens verwalten, der sich auf mehrere Millionen und diverse Immobilien und KFZ’s beläuft. Sie ist für JJ. verantwortlich. Wo soll er aufwachsen, welche Schulen soll er besuchen? Muss sie ihr einfaches Leben aufgeben und mit ihrem Mann in eins der Häuser der Batemans ziehen, sich verändern, um dem Jungen einen angemessenen, gewohnten Lebensstil zu bieten? Ihr geldgieriger Ehemann, ein Loser, ist ganz versessen auf die Millionen, rechnet rauf und runter. Doch er hat nichts zu sagen, oder doch? Hatte er etwas mit dem Absturz zu tun?

    Noah Hawleys legt Spuren, wir springen in der Rückblende von Person zu Person, zwischendurch in das Jetzt. Wird sich JJ. erinnern können, wird er wieder sprechen, hat Scott Burroughs wahrlich für die Minuten vor dem Unfall das Gedächtnis verloren? Gekonnt nimmt Hawleys die Yellow Press auseinander, zeigt am Beispiel Cunningham die Gewissenlosigkeit und die Tricks. Detektive werden von ihm engagiert, Telefone abgehört, das Innerste von Menschen durch den Dreck gezogen, alles Namen der Einschaltquoten.


    Die Figuren sind glaubhaft, entsprechen keinem Klischee. Der Hauptprotagonist Burroughs, ein namenloser Maler, bekommt nun plötzlich als Held Aufmerksamkeit für seine Bilder. Eine gelangweilte Millionärin, die Künstler »macht«, ist an ihm interessiert, er könnte ihrem inhaltlosen Leben eine Weile Farbe geben. Berühmt wird man nicht durch Können, sondern durch einflussreiche Menschen. Und dann folgt gleich Misstrauen und Neid. Ein Mann der Katastrophen malt, wird Held in einer Katastrophe. Das kann ja nur eines bedeuten … Und auf der anderen Seite J.J., der kleine Junge, der Eltern und Schwester verloren hat, verstummt ist. Mit Burroughs, seinem Retter, redet er. Er wird zu seiner recht unbekannten Tante gesteckt, die mit einem Säufer zusammenwohnt, der seine Chance auf Erfolg über das Erbe wittert. Das soll nun seine Familie sein?
    Mich hat das Buch begeistert, denn es nicht einfach ein Thriller. Angelegt ist der Roman als sogenanntes Zwiebelbuch. Intensive Charakterbeschreibungen und Lebensgeschichten zu allen Beteiligten, fein verteilt, lassen den Leser im Ungewissen. Die Protagonisten werden aufgebaut und Sympathien reißen ein, bauen auf. Stück für Stück kommen Schicksale ans Licht, der Leser bleibt im Ungewissen. Fast jeder hat etwas zu verbergen, bzw. eine verdächtige Vergangenheit oder möglicherweise Kontakte ins Dunkle, die angedeutet werden, theoretisch möglich wären … Was war vor dem Fall? Hier führt der Autor den Leser hinters Licht, in seinen eigenen Vorurteilen. Kleine Informationen, die des Lesers Fantasie laufen lassen, man fühlt sich ertappt, die Klischee-Falle schnappt zu, erwischt.

    Hawley, Jahrgang 1967, ist derzeit ein großer Stern der Roman- und Drehbuchwelt in den USA. Niemand hatte daran geglaubt, den Film »Fargo« der Coen-Brüder, in eine Serie umzuschreiben, zumindest nicht zu einer erfolgreichen. Hawley hat es geschafft. Neben der dritten Staffel dreht er derzeit ein »X-Men-Spin-off« und schreibt an dem Drehbuch für »Vor dem Fall«.

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    happytannys avatar
    happytannyvor 2 Jahren
    ...ist nicht mein Fall.

    Ich musste mich durch dieses Buch quälen... Und habe es dann irgendwann ganz in der Ecke liegen lassen. ..
    Am Anfang fand ich es noch sehr spannend aber ziemlich schnell war dann gar keine Spannung mehr da und die Geschichte dümpelte lediglich vor sich hin. All diese Rückblicke und die vielen Personen haben mich mehr verwirrt als alles andere!
    Wenn man sich für so ein Thema interessiert, ist das Buch wohl durchaus lesenswert aber zur spannend-fesselnden Unterhaltung ist es nicht empfehlenswert.

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    jaylinns avatar
    jaylinnvor 2 Jahren
    Absolute Leseempfehlung

    Diese Rezension erscheint auch auf meinem Blog www.zeilenliebe.wordpress.com.

    Allgemeines:

    Vor dem Fall ist im September 2016 als gebundenes Buch mit 448 Seiten bei Goldmann erschienen. Autor Noah Hawley ist einigen Serienliebhabern unter euch vielleicht durch die Serie Bones – Die Knochenjägerin ein Begriff. Für diese Serie (und auch noch für einige andere) schrieb er nämlich das Drehbuch.

    Auf dem Cover des Buches ist ein einzelner, ausgestreckter und dunkel wirkender Engelsflügel abgebildet. In Verbindung mit dem Titel hat mich diese Gestaltung sofort neugierig auf den Inhalt des Buches gemacht.

    Inhalt:

    „An einem nebligen Abend startet ein Privatjet zu einem Flug nach New York. Wenige Minuten später stürzt er in den Atlantik. Nur der Maler Scott Burroughs und der vierjährige JJ überleben inmitten der brennenden Trümmer. Und Scott gelingt das Unmögliche: Er schafft es, den Jungen an das weit entfernte Ufer zu retten. Während die Suchtrupps fieberhaft nach den Leichen und der Blackbox fahnden, greifen immer abstrusere Verschwörungstheorien um sich. Scott versucht verzweifelt, sich den Medien zu entziehen – und gerät dabei in eine Welt der Intrigen und Manipulationen, in der niemand vor dem brutalen Fall ins Nichts geschützt ist.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

    Meine Meinung:

    Vor dem Fall ist ein faszinierendes Buch, das mich in meinen hohen Erwartungen nicht enttäuscht hat.

    Hawley hat mit dem Mittel des beschriebenen Flugzeugabsturzes eine hochaktuelle Thematik in den Fokus seiner Geschichte gestellt: die Omnipräsenz und Macht der Medien. Es ist nahezu erschreckend, welche Ausmaße die Medienpräsenz in Vor dem Fall einnimmt und welche ominösen Theorien nach der Katastrophe aufgestellt werden. Nur, weil jemand etwas Heldenhaftes getan hat und sich damit nicht rühmen möchte. Es einfach des Lebens wegen getan hat, ohne Hintergedanken. Scheinbar ist so etwas (laut den von Hawley beschriebenen Ereignissen) ein seltener und verdächtiger Umstand. Geld, Korruption und Macht spielen in Vor dem Fall eine große Rolle und verzerren die wahren Geschehnisse.

    Hawley gelingt es, eine Spannung aufzubauen, die ihresgleichen sucht. Schon nach den ersten Seiten hat er mich völlig gefesselt und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen.  Er entwirft in seinem als Roman betitelten Thriller ein Bild der heutigen Gesellschaft, das mit Sicherheit an vielen Stellen übertragbar ist, zum Nachdenken anregt und den Leser schlichtweg berührt. Opfer einer Katastrophe werden behandelt, als wenn sie selbst schuldig sind, werden beinahe Opfer einer Hexenjagd. Nur, weil sie überlebt haben. Protagonist Scott Burroughs, der Held der Geschichte, eignet sich perfekt als Fraß für die Medien. Da möchte ich aber nicht zu viel verraten. Einfach genial, wie Hawley seinen Protagonisten entworfen hat. Durch die Konzeption des Buches erfahren wir aber nicht nur über Scott vieles. Auch alle anderen Charaktere, die sich im Flugzeug befunden haben, spielen eine Rolle. Unterbrochen wird das jeweils durch eine Art Bildbetrachtung, aus der man zu Beginn nicht ganz so schlau wird. Geschickt und spannend gemacht. Zum Glück wirkt dieser Aufbau nicht konstruiert, schürt die Spannung eher noch.

    Fazit:

    Absolute Leseempfehlung. Wer Lust auf einen spannenden Roman mit Thrillerelementen hat, der ist hier richtig aufgehoben.

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    anushkas avatar
    anushkavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein tolles Buch darüber, was die Medien mit den Opfern einer Katastrophe machen. Spannend noch dazu. Hat mich voll mitgerissen!
    Ein tolles Buch über den Umgang der Medien mit Katastrophenopfern

    Der Maler Scott Burroughs erwischt in letzter Sekunde den Privatjet, auf den er von einer jungen, wohlhabenden Mutter eingeladen wurde. Nur Minuten später findet er sich im Atlantik wieder. Ein Kinderweinen reißt ihn aus seiner Panik und mit dem 4-jährigen Sohn JJ des Medienmoguls David Bateman schwimmt er ans Land. Und während die beiden sich von ihrem Martyrium erholen, warten sie verzweifelt auf Neuigkeiten über die anderen Passagiere. Währenddessen kommt bereits die Medienmaschinerie ins Rollen und den Betroffenen und Hinterbliebenen wird auf erschreckende Weise bewusst gemacht: Der Absturz war erst der Anfang.

    Noah Hawley hat mit "Vor dem Fall" ein absolut fesselndes Buch darüber vorgelegt, wie in der heutigen Zeit mit den Opfern einer Katastrophe umgegangen wird. Innerhalb kürzester Zeit entstehen die abstrusesten Theorien zur Absturzursache und um das Interesse der Öffentlichkeit an der Berichterstattung aufrecht zu erhalten, wird sogar Scotts Heldentat in den Schmutz gezogen. Scott selbst war schon immer ein sehr privater Mensch. In den sozialen Medien ist nichts über ihn zu finden, er lebt eher zurückgezogen und auch jetzt meidet er die Medien, was deren Misstrauen nur noch mehr weckt. Angetrieben von einem hetzenden Nachrichtenkommentatoren entsteht eine regelrecht Hexenjagd.
    Ich konnte mich dem Sog dieses Buches kaum entziehen. Bereits der Absturz und die Rettung waren spannend, aber richtig beklemmend wurde dann die Hetzjagd der Medien, allen voran eines einzelnen Kommentatoren, der sich zum Rächer seines Vorgesetzten und Freundes David Bateman ernennt. Doch auch die diversen Ermittlungsbehörden machen Scott das Leben nicht leicht und so wird jede vergangene und jede zukünftige Entscheidung Scotts unter die Lupe genommen und auf die Goldwaage gelegt. Doch in einzelnen rückblickenden Kapiteln werden noch ganz andere Dinge aufgedeckt. Auf einmal wird klar, dass die Beziehung zwischen Bateman und dem Kommentatoren keinesfalls mehr die beste war. Und auch die Mitpassagiere und die Besatzung geraten ins Blickfeld und den Fokus der Spekulationen um die Absturzursache. In recht kurzen Rückblicken gelingt es dem Autor, die Leben der unterschiedlichen Mitreisenden plastisch auferstehen zu lassen und Situationen aus ganz unterschiedlichen Wahrnehmungen zu beleuchten. Dabei kommt jede Person jedoch nur einmal "zu Wort" (außer den Überlebenden), sodass jeder entsprechende Abschnitt auch etwas von einem biographischen Abriss hat. Obwohl man bereits weiß, dass nur Scott und JJ überleben, trifft einen der Tod dieser Menschen nach diesen Abschnitten um so härter.
    Und wie das Flugzeug trudelt auch diese Geschichte unaufhaltsam dem Ende und der Auflösung um die Absturzursache entgegen, welches eine fantastische Verwebung ist zwischen einer Tonaufnahme und einem Fernsehinterview. Fast hat man alles Szenen schon filmgleich vor Augen. Und ich kann mir dieses Buch tatsächlich sehr gut als Verfilmung vorstellen, weil es sich wie eine ebensolche liest. Dabei ist der Schreibstil gehoben, durchaus anspruchsvoll, aber gleichzeitig auch ansprechend und nicht hinderlich bei einer rasanten Lesegeschwindigkeit. Und obwohl die Geschichte nach der Rettung eigentlich eher gemächlich und ruhig, ohne Actionszenen daherkommt, fühlt sich doch im Nachhinein rasant hat.

    Mich hat dieses Buch absolut gepackt und unseren Umgang mit Berichterstattung und Opfern von Katastrophen hinterfragen lassen. "Der Vater des Attentäters" von Noah Hawley hatte mich noch nicht so überzeugt, aber "Vor dem Fall" lässt mich definitiv zu weiteren Büchern des Autors greifen.

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    World_of_tears91s avatar
    World_of_tears91vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Der Anfang wirkt holprig und an den Stil muss man sich gewöhnen, wenn man aber einmal drin ist, dann kann man nicht mehr aufhören
    Rakete mit holprigem Start


    Die Überschrift mag etwas kryptisch klingen, aber ich finde sie fasst doch ganz gut zusammen, was dieses Buch ist. Nach einem zähen Einstieg, bei dem ich nur recht langsam voran gekommen bin, wirft das Buch jede Menge spannende Fragen und Wendungen in den Raum, die einen quasi zum Weiterlesen zwingen.

    Zur Geschichte wurde genug geschrieben, das möchte ich deshalb außen vor lassen. Sagen wir mal so, der Flugzeugabsturz eines Privatjets, vollbesetzt mit reichen Schnöseln und einem Zufallsgast, der mitten über dem Atlantik aus unerklärlichen Ursachen abstürzt - das bildet eine hervorragende Grundlage für die verschiedensten Arten von Geschichten. Daraus könnte man einen Horrorroman machen, einen Verschwörungsthriller, irgendetwas Fantastisches oder aber einen packenden Kriminalroman wie Noah Hawley es macht. Als Thriller würde ich es nämlich nicht bezeichnen, obwohl die Handlung rasant ist. Man merkt der Handlung und ihrem Aufbau sehr deutlich an, dass der Autor auch als Drehbuchschreiber tätig ist, was der Geschichte absolut zu Gute kommt.

    Ich will auch gar nicht so viel schreiben, denn hier lauert hinter jeder Ecke ein Spoiler, wenn ich nicht vorsichtig bin. Deshalb mal noch ein paar Worte zum Einstieg. Den fand ich ziemlich zäh. Man lernt erst mal ganz grob den Protagonisten kennen und auch ein paar Hintergründe zu den Personen im Flugzeug. Klar, das ist die Grundlage für einen Roman, der einen dann auch mal "persönlich" packt, denn man entwickelt ja doch seine Meinung zu den verschiedenen Personen. Ich fand auch nicht, dass der Einstieg langweilig war, aber er ist eben doch überhaupt nicht zu vergleichen mit dem, was einem dann im Rest vom Buch erwartet. Daher mein Rat: durch den Einstieg gemütlich lesen, dann wird man mit einem echten Pageturner belohnt.

    Den angepriesenen Vergleich mit dem "Distelfink" kann ich leider nicht bewerten, da ich das Buch nicht gelesen habe. Für mich als Leserin von harten und temporeichen Thrillern habe ich das Buch nach der Lektüre aber sehr glücklich zugeklappt, auch wenn es langsamer und bedächtiger vorgeht, wie ich das manchmal gewöhnt bin. "Vor dem Fall" ist ein sehr packender Roman, von dessen zähen Einstieg man sich auf keinen Fall abschrecken lassen sollte.

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    Michelangelos avatar
    Michelangelovor 2 Jahren
    Vor dem Fall

    Klappentext:
    „An einem nebligen Abend startet ein Privatjet zu einem Flug nach New York. Wenige Minuten später stürzt er in den Atlantik. Nur der Maler Scott Burroughs und der vierjährige JJ überleben inmitten der brennenden Trümmer. Und Scott gelingt das Unmögliche: Er schafft es, den Jungen an das weit entfernte Ufer zu retten. Während die Suchtrupps fieberhaft nach den Leichen und der Blackbox fahnden, greifen immer abstrusere Verschwörungstheorien um sich. Scott versucht verzweifelt, sich den Medien zu entziehen – und gerät dabei in eine Welt der Intrigen und Manipulationen, in der niemand vor dem brutalen Fall ins Nichts geschützt ist.“

    Der Maler Scott Burroughs ist nur durch eine Gefälligkeit an Bord der Unglücksmaschine,
    er verpasst fast den Abflug, da sein Taxi nicht kommt….ein Wink des Schicksals?
    Wir bekommen einen kurzen Einblick in die unmittelbare Zeit vor dem Unglück, die Personen,
    die in der Maschine sind, werden kurz vorgestellt.
    Nach der herausragenden Leistung von Scott, der in einer unmenschlichen Leistung sich und den kleinen JJ gerettet hat, ist er zunächst der große Held.
    Die Suche nach dem Wrack und de Leichen beginnt, Ermittlungen über die Unglücksursache beginnen und auch die Medien steigen groß ein. Zwangsläufig tauchen nun auch Fragen auf, was Scott an Bord der Maschine zu suchen hatte.
    Es wird in den Leben aller vom Unglück Betroffenen rumgestochert und es tauchen schwarze Flecke bei jedem von ihnen auf,da niemand ein ganz normales, ruhigesLeben geführt hat.
    Wir bekommen einen tollen Einblick in die einzelnen Biographien, da jeder Person ein Kapitel gewidmet ist.
    Scotts Geschichte bildet den Rahmen um alles. Erschreckend ist dabei, wie es ein Medienmann es schaffen kann, einen unbescholtenen Mann zunächst zum Helden zu glorifizieren, um ihn im Anschluß dann bis hin zum Terroristen zu verunglimpfen.

    Dieses Buch hat mich fasziniert. Es war spannend, gut und leicht zu lesen.
    Die Personen waren sehr bildhaft dargestellt. Der Spannungsbogen umfasste das Buch bis zum Ende und ich wäre nie darauf gekommen, wieso das Flugzeug nun wirklich abgestürzt ist.
    Die Ursache war eine Überraschung, aber die Geschichte ist rund und hat mich zufriedengestellt.
    Ein wirklich empfehlenswertes Buch, das von mir 4 Sterne erhält.

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    allegras avatar
    allegravor 2 Jahren
    Zwischen Heldentum und Generalverdacht

    Der „Fall“ ist in diesem Roman von Noah Hawley ein Fall im wörtlichen Sinne, nämlich ein Flugzeugabsturz einer Privatmaschine.

    Eine kleine, illustre Gesellschaft von einem Medienmogul, einem Milliardär, der sein Vermögen durch Geldwaschfinanzdienstleistungen verdient hat, deren Frauen mit Kindern und Scott Borroughs, einem ziemlich mittellosen und erfolglosen Maler. Scott und JJ, der vierjährige Sohn des Medienmilliardärs überleben als einzige den Absturz. Durch eine schier unmenschliche Leistung gelingt es Scott mit dem kleinen JJ auf dem Rücken an Land zu schwimmen.

    Der Roman handelt vor allem von der Aufklärung der Absturzursache, in dem die Vorgeschichte aller beim Absturz beteiligter Figuren beleuchtet. Der Autor legt zahlreiche denkbare Fährten aus und zeigt anhand von Scott, der zwischen Heldenverehrung und möglicher Täterschaft die Folgen des Einflusses der Medien nach dieser Katastrophe über sich ergehen lassen muss. Das Buch setzt sich recht kritisch mit der Sensationsgeilheit der Medien auseinander und wer News ab und zu auf amerikanischen Sendern verfolgt, kann sich in etwa denken, welcher Sender gemeint. Dieser Aspekt fand ich gerade vor dem aktuellen politischen Hintergrund des Wahlkampfendspurts der amerikanischen Wahlen sehr interessant. Wo ist die Grenze zwischen der Wahrheit im Sinne der Wirklichkeit oder Wahrhaftigkeit und der „Reality“ im Sinne einer Herrn Trump?

    Mein Leseerlebnis bei diesem Buch war etwas durchzogen. In der ersten Hälfte tat ich mich bisweilen recht schwer, wieder zum Buch zu greifen, weil es mich einfach zu wenig gepackt hat. Ich fand zwar die Sprache sehr angenehm, immer gut abgestimmt auf die jeweilige Perspektive bzw. Figur, um die es gerade ging. Auch konnte ich von einigen Figuren eine wirklich gute Vorstellung gewinnen. Dennoch fand ich es insgesamt recht langatmig. In der zweiten Hälfte ging es mir dann wesentlich besser. Die Handlung fokussiert zunehmend auf der Aufklärung der Absturzursache und weniger in der Vergangenheit der Figuren und ich konnte gut mitleiden mit dem kleinen JJ. Teilweise erscheinen einem gewisse Figuren etwas eindimensional, aber leider musste ich schon vermehrt erleben, dass es auch in meinem Umfeld tatsächlich Menschen gibt, die rücksichtslos egoistisch  und schlicht und ergreifend nicht gut sind. Von daher würde ich das sogar als realistisch und für den Roman als positiv einschätzen.

    Für mich handelt es sich bei diesem vorliegenden Buch nicht um einen Thriller, sondern um einen Roman, der auf den Einfluss der Medien nach Katastrophen sensibilisieren kann.

    Ich würde gerne 3,5 Sterne vergeben, da das nicht geht vergebe ich 4 Sterne und eine Empfehlung für Leser, die nicht zwingend atemberaubende Spannung erwarten.

     

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    Patnos avatar
    Patnovor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine berührende Geschichte, die realitätsnah wirkt. Spannend erzählt. Lesenswert.
    Zur falschen Zeit am falschen Ort

    Nur sehr selten inspiriert mich eine Werbeanzeige. Doch die Vorstellung des neuen Romans "Vor dem Fall" von Noah Hawley weckte sofort mein Leseinteresse.
    Das Buch ist im September 2016 bei Goldmann erschienen.

    Noah Hawley ist auch als Drehbuchschreiber und Produzent bekannt, z.B. durch die TV-Serie "Bones-Die Knochenjägerin".

    Manchmal begegnen uns Menschen, die unser Schicksal prägen!

    Scott Burroughs ist ein mehr oder weniger erfolgloser Maler und lebt auf Martha's Vineyard. Dort lernt er auch Maggie kennen. Sie ist es, die Scott an diesem verhängnisvollen Tag anbietet, mit ihrer Familie im Privatjet nach New York zu fliegen. In letzter Minute kommt Scott am Flughafen an und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Achtzehn Minuten nach dem Take-off stürzt der Jet ab und Scott kommt plötzlich mitten im Ozean zu sich, umgeben von Wrackteilen. Zunächst scheint es keine Überlebenden zu geben, doch dann hört er Maggie's kleinen Sohn JJ.
    Scott kämpft gegen die Wellen und rettet sich schließlich mit dem kleinen Jungen ans Ufer. Nun beginnt Scott's eigentliches Trauma. Die Medien stürzen sich auf ihn und er wird von den einen als Held gefeiert und von anderen als Märtyrer verurteilt. Für Scott ist es wie ein böser Traum, ausgesetzt der Sensationslust, und wilder Verschwörungstheorien, die ihn an seine Belastungsgrenze bringen.

    Wer jetzt auf ein rasantes Thrillerabenteuer rund um einen mysteriösen Flugzeugabsturz spekuliert, den muss ich leider enttäuschen. Dieser Roman ist facettenreicher, fast schon in Richtung Tragödie einzuordnen. Es geht um Geldgier, Macht, Intrigen, aber auch um Liebe und Verrat.
    Noah Hawley hat eine sehr lebendige und bildhafte Art zu schreiben. Seine Charaktere wirken so authentisch, dass man meint, die Geschichte beruhe auf Tatsachen.
    Dabei hat mir besonders die Inszenierung des Scott Burroughs gefallen. Seine Gefühle und Gedanken, die Art, wie er sich mit seinen Mitmenschen auseinandersetzt, hat mich wirklich berührt und beeindruckt. Diesem Mann würde ich gern einmal begegnen.
    In Rückblenden wird das Leben der einzelnen Akteure näher beleuchtet. Die Beschreibungen sind sehr detailliert und als Leser rätselt man, wer wohl als Auslöser für den Flugzeugabsturz infrage kommt. Allerdings muss ich gestehen, dass mir die Ausführungen gelegentlich etwas zu sehr von der eigentlichen Handlung abdrifteten und deren Relevanz nicht immer ganz nachvollziehbar war. Bei amerikanischen Autoren wünsche ich es mir oft etwas komprimierter, so auch hier.
    Trotzdem schmälert dies meinen äußerst positiven Gesamteindruck nur unwesentlich.

    "Vor dem Fall" ist ein fesselnder Roman, der sehr realitätsnah wirkt und aufzeigt, wie schutzlos der Mensch einer Manipulation von außen ausgesetzt sein kann. Berührend und lesenswert!

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    kubines avatar
    kubinevor 2 Jahren
    Potenzial vorhanden, aber nicht genutzt

    Ein Privatjet stürzt auf dem Weg von Martha's Vineyard nach New York ins Meer. An Bord befinden sich David Bateman, Medienmogul, mit Familie, Ben Kipling, Investmentbanker, der sich bei seinen Geschäften am Rande der Legalität bewegt, mit Frau und der erfolglose Maler Scott Burroughs. Er überlebt den Absturz und rettet auch den kleinen JJ, Batemans Sohn, indem er die ganze Nacht 15 Meilen durch den Atlantik schwimmt, bis er Land erreicht. Für die Amerikaner ist er ein Held. Aber schnell werden Verschwörungstheorien laut. War der Absturz wirklich nur ein Unfall? Oder ein Terroranschlag? Welche Rolle spielt der mittellose Maler dabei, dessen neueste Werke allesamt Katastrophenbilder sind?

    Noah Hawley ist Drehbuchautor und Produzent, unter anderen der erfolgreichen Serie „Bones“. Seit ein paar Jahren veröffentlicht er auch Bücher. „Vor dem Fall“ ist sein neuestes, auf dem deutschen Buchmarkt erhältliches Werk.

    Die besten Geschichten schreibt das Leben, das weiß auch der Autor. So ist es nicht verwunderlich, dass er Nachrichten, die in den letzten Jahren Schlagzeilen machten, literarisch verwertete. Allerdings ist es hier ein Zu Viel. Der Leser will zwar unterhalten werden, und falsche Fährten gehören dazu, aber nur, wenn diese auch überzeugend gelegt sind. Das ist hier leider nicht der Fall.

    Nach dem Absturz gehen die Ermittlungen in sämtliche Richtungen. Jeder der erwachsenen Passagiere und Crewmitglieder hatte Probleme und Geheimnisse. FBI, Verkehrssicherheitsbehörden, Luftfahrtaufsicht und die Börsenaufsicht haben jeder ihre eigene Theorie und wollen diese bestätigt wissen. Der einzige, der nicht ganz reinpasst, ist Scott Burroughs. Doch bevor die Black Box nicht gefunden ist, ist er für die Behörden lediglich ein Zeuge. Einzig die Presse, allen voran Bill Cunningham, Anchormann des Senders von David Batemann, schießt sich auf ihn ein. Dazu ist ihm jedes Mittel recht und um sein Ziel zu erreichen setzt er auch illegale Aktionen, die ihn vor dem Absturz fast seien Job gekostet haben, skrupellos ein und webt daraus eine Geschichte, die von der Wahrheit weit entfernt ist. Der Autor leistet hier gute Arbeit und macht deutlich, wie die Presse die öffentliche Meinung beeinflussen kann.

    Das hätte schon alleine für einen interessanten Roman gesorgt, aber leider belässt der Autor es nicht bei diesem Erzählstrang. Durch die auktoriale Erzählperspektive und die Menge an handelnden, teilweise stereotypischen Figuren bleibt das ganze eher blass. Zumal falsche Fährten nicht wirklich zu Ende ausgeführt sind. Die Erzählstruktur ist zwar interessant – im Laufe der Geschichte werden die Lebensgeschichten aller an Bord befindlichen Personen beleuchtet, Scotts Katastrophenbilder beschrieben und Scotts Leben nach dem Absturz sowie die Ermittlungen zum Absturz abwechselnd beleuchtet, aber meist nicht konsequent zu Ende geführt bzw. zu schnell abgehandelt. Sympathien oder Antipathien für auch nur einen der Protagonisten konnte ich nicht aufbauen. Dazu kommt noch, dass der Roman sich stellenweise wirklich zog. Zwar wollte man schon wissen, was nun wirklich passierte, aber hatte trotzdem das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Eine straffere Handlung und die Fokussierung auf einen Erzählstrang hätte dem Buch sicher besser getan. So war es einfach nur zu viel – zu viel an Ideen, die verarbeitet werden sollten, zu viel an Personen, zu viel von allen. Nur am Ende, nach dem letzten Abschnitt, bleibt man irgendwie unbefriedigt zurück. Zwar ist die Ursache für den Absturz durchaus plausibel, aber Scotts Zukunft wird nicht mal angedeutet. Und das, obwohl der Autor sich Mühe gab, 400 Seiten lang Scotts Leben nicht nur zu beschreiben, sondern auch den Grundstein für sein neues Leben zu legen.

    Mag sein, dass ich mit den falschen Erwartungen an das Buch herangegangen bin, aber so richtig begeistern konnte es mich nicht. Es gibt gute Ansätze, und einige Sachen regen zum Nachdenken an, aber ob das Buch lesenswert ist, sollte jeder für sich entscheiden.

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    M
    michael_lehmann-papevor 2 Jahren
    Absturz mit vielen offenen Fragen



    Scott Burroughs hat sein Leben „neu erfunden“. Vor zwei Jahren, als er 46 Jahre alt war.

    Bis dahin ein Maler mit Talent, vielleicht, der nicht wirklich bemerkenswertes für die Kunstinteressierten der Welt zustande gebracht hatte.
    Doch seit diesem Zeitpunkt hat er nicht nur sein Übergewicht in den Griff bekommen und sein tägliches Schwimmtraining aus Jugendzeiten wiederaufgenommen, sondern auch Inspiration erlebt. Der er zwei Jahre lang nachgegangen ist. Und nun stehen entscheidende Termine in New York mit einer Galeristin an, nun könnte es was werden.

    Da nimmt er gerne die Einladung an, statt mit der Fähre mit einem Privatjet nach New York einzufliegen. Und wird 18 Minuten später froh sein, dass er so gut in Form ist. Was das Schwimmen angeht. Der Jet stürzt ab und Scott schwimmt stundenlang durch den Atlantik zur Küste. Auf dem Rücken den vierjährigen JJ, außer ihm der einzige Überlebende.

    Ein Unglück, wie es selten passiert, aber passieren kann. Oder gar kein Unglück?

    Diese, entscheidende, Frage wird lange im Roman offenbleiben. Denn in aller Ruhe geht Hawley abwechselnd den verschiedenen Personen, die an Bord waren, nach. Entwirft kleine Portraits (im Übrigen von fast jedem, der im Roman vorkommt, sei es der Leiter der Rettungsmission, sei es ein Freund Scotts, sei es eine Kunstmäzänin in New York). Und bei einigen der an Bord befindlichen Männern stimmt so einiges nicht im Vorfeld des Absturzes.

    Bateman, Leiter eines Nachrichtensenders, der durch einen seiner selbstverliebten, investigativen Journalisten massiv Ärger auf sich zukommen sieht. Kipling, der jeden Dollar sauber bekommt, für den Geld nur ein Instrument ist, dessen Quellen ihm in seiner „Geld-Verwertungsfirma“ völlig egal ist. Aber nun in das Fadenkreuz der Finanzbehörden geraten ist. Und schlimmer, in den geschärften Blick mindestens eines der „Investoren“.

    „Wichtig ist das Geld. Wenn sie ins Gefängnis gehen müssen, gehen sie ins Gefängnis. Und wenn sie das Bedürfnis verspüren, sich aufzuhängen….vielleicht ist das auch keine schlechte Idee“.

    Oder hat einer der Piloten oder die Flugbegleiterin noch irgendwelche Rechnungen offen?

    Und wenn dann noch die Worte des Fahrers des Tanklastwagens am Flughafen im Raume schwingen, „ich würde damit nicht fliegen wollen“, dann deutet sich in der ersten Hälfte des Romans an, dass hier andere Hintergründe als ein simples, technisches Versagen Ursache des Absturzes sein könnten. Wofür auch Erinnerungsfetzen in Scotts Kopf sprechen würden. Die aber zusammenhanglos und eher assoziativ in seinem Gedächtnis aufblitzen.

    Während er zugleich versucht, seine Ambitionen als Maler nicht aus dem Kopf zu verlieren.

    Direkt und klar erzählt Hawley, ohne viel Federlesen und dabei sehr ausführlich vor allem über sein „Personal“. Das hat eine gewisse Breite, die hier und da in Länge ausartet. Seiten, die man geneigt ist, zu überblättern, um beim roten Faden der durchaus spannend gestalteten Geschichte des Absturzes selbst zu bleiben und nicht eine der Ehefrauen eines der Männer an Bord beim Shoppen zu begleiten.

    Dennoch, Kleinigkeiten könnten wichtig sein, was einerseits die Aufklärung des Absturzes angeht, was aber andererseits auch die moderne Medien- und Finanzwelt angeht.

    Denn auch den Medienrummel um Scott als „Helden“, zunächst und die verschiedenen Hintergründe der Geschäfte mancher Passagiere stellt Hawley überaus spannend und unterhaltsam dar. Bis hin dazu, dass der Leser selbst misstrauisch wird im Blick auf diesen Scott und seine Motive. Und gegenüber den Mitteln, mit denen einer der Journalisten im Buch arbeitet. Was ein Vorgang ist, der im 24 Stunden Nachrichten- und Informationszyklus der Gegenwart den Leser deutlich daran erinnert, wie wenig Fakten eigentlich noch zählen und Vermutungen zu Wahrheiten werden können.

    Unterhaltsam erzählt mit einer intelligent konstruierten Geschichte bildet „Vor dem Fall“ solide und gute Unterhaltung, trotz mancher Längen und teils zu vieler Perspektiven.

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