Cover des Buches Der glücklose Therapeut (ISBN: 9783813505078)M
Rezension zu Der glücklose Therapeut von Noam Shpancer

„Der glücklose Therapeut“ – eher der glücklose Leser

von meinelesewelt vor 8 Jahren

Review

M
meineleseweltvor 8 Jahren

Nachdem ich den Klappentext des Buches gelesen habe, hatte ich große Lust dieses Buch zu lesen.

Ich fragte mich, was für eine „therapeutische Todsüde“ das wohl wäre, die der Psychologe David Winter begeht, und wie es dazu gekommen ist. Nachdem ich dieses Buch nun gelesen habe, finde ich den Klappentext noch das Beste an diesem Buch. Der Klappentext passt meiner Meinung nach nicht zum Buch. Ich hatte erwartet, mehr über den Patienten Barry Long zu erfahren und über die psychologische Arbeit des David Winters. Für mich waren die Hauptcharaktere dieses Buches nicht greifbar, farblos und unsympathisch. Dr. Helprin, der Mentor David Winters, war der einzige, der für mich ein wenig mehr Farbe annahm, ein wenig greifbarer wurde, für den ich auch Empathie und Sympathien entwickelte. Die Stellen, an denen Helprin über seine verstorbene Frau spricht, fand ich sehr schön. Auch zu Alex, Davids Frau, von deren Arbeit berichtet wurde, fand ich einen leichten Zugang. Aber leider spielt sie, nachdem sie David verlassen hatte, aktiv keine große Rolle mehr in dieser Geschichte.

Besonders nervig und unsympathisch fand ich die gesamte Grundstimmung Davids. Meiner Meinung nach war er selbst depressiv. Ich hätte mir gewünscht, und so hatte ich es auch irgendwie nach Lesen des Klappentextes erwartet, dass man anfangs einen positiven David Winter bei seiner Arbeit begleiten kann. Ich hoffte, ihn als „guten, professionellen, kompetenten“ Therapeuten kennenzulernen, der erst allmählich die Kontrolle über sein Leben und den Klienten Barry Long verliert.

Aber David Winter kam mir von Anfang an depressiv und auch nicht wirklich kompetent und gar nicht sympathisch vor. Er blieb das gesamte Buch irgendwie farblos, nicht greifbar für mich, obwohl ja doch recht viel von ihm geschrieben wurde.

Über Barry Long und vor allem über die Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Klienten hätte ich auch gerne mehr erfahren. Nachdem Barry Long in eine Klinik eingewiesen wird, bekommt der Leser über die folgenden „überraschenden“ Genesungsfortschritte Barry Longs nicht mehr viele Informationen. Das Ende dieser Beziehung kommt dann eher abrupt und die Erkenntnis was es mit Mimi, der Freundin von Barry Long auf sich hat ebenfalls.

Stattdessen wird der Urlaub, den David Winter ohne seine Frau unternimmt, sehr detailliert beschrieben. Das war zwar angenehm zu lesen, aber meiner Meinung nach, passte er nicht wirklich in die Geschichte. Das Ende des Buches ist offen. Ich weiß nicht, kann es nur ansatzweise erahnen, wie es nun mit David Winter im Privaten weitergeht. Aber ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht. Wie die Ehe seiner Tochter verläuft, das würde mich interessieren.

Mir hat das Lesen diese Buches keine Freude bereitet, ich quälte mich durch die Seiten und fand es nur langweilig. Ich habe es dennoch zu Ende gelesen, da mir die letzten Kapitel immer besser gefielen und ich doch irgendwie wissen wollte wie dieses Buch endet.

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was der Autor mir mit dieser Geschichte sagen möchte. Verschiedene Geschehnisse plätschern einfach nur so dahin, einen Spannungsbogen gibt es auch nicht.

Die Ausdrucksweise des Autors gefällt mir größtenteils nicht. Besonders schlimm ist es mir in der ersten Hälfte des Buches vorgekommen. Es klingt alles steif, altbacken, ja sogar depressiv.

Über dem gesamten Buch schwebt eine schwere Melancholie.

Von den fachlichen Erläuterungen, die anfangs sehr häufig vorkamen, ist mir ehrlich gesagt kaum etwas in Erinnerung geblieben. Obwohl ich mich normalerweise, sehr dafür interessiere. Das lag wohl an der Sprache des Autors, die wie bereits erwähnt nicht meine war. Für mich war es definitiv das erste und das letzte Werk dieses Autors.

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