Noam Shpancer Der gute Psychologe

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Inhaltsangabe zu „Der gute Psychologe“ von Noam Shpancer

Klein, aber fein …
Geschenkausgabe im kleinen Format, bedrucktes Ganzleinen mit Lesebändchen.
Er ist Psychologe, sein Spezialgebiet die Angst. Am Tag praktiziert er, am Abend erklärt er Studenten, was eine gute Therapie ausmacht. Als er wenig begeistert eine Nachtclubtänzerin mit Auftrittsphobie als Klientin annimmt, ahnt er nicht, wie sehr deren Probleme und Geheimnisse auf sein eigenes Leben abstrahlen werden. Denn plötzlich ist er gezwungen, sich mit seinen unausgesprochenen Ängsten und einer wehmütigen Liebe auseinanderzusetzen. In scharfsinnigen Dialogen führt der Psychologe durch den Dschungel menschlicher Emotionen, in dem er sich selbst zu verlieren droht. Dieser wunderbar menschliche Roman ist literarische Lebenshilfe und Liebesgeschichte zugleich.

Ein faszinierender Roman für Psychologieinteressierte.

— BluevanMeer

Über Praxis und Theorie von Psychologie und Psychologen.

— Alira

Ich fand es super! Für Psychologieinteressierte definitiv lesenswert!

— BeeLu

Der gute Psychologe lässt mich vollkommen emotionslos zurück. Schade, ich hatte mir mehr erhofft.

— Marina_Nordbreze

hervorragend

— MaraWinter

Nette Lektüre und gut verpackte Psychologie....

— kofler_sonja

Shpancer verpackt psychologische Theorie, Herzschmerz und eine unbestreitbare, gewisse Grundspannung in eine kurze,unterhaltsame Geschichte.

— Kleinstadtkatze

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  • kleine Psychologie-Vorlesung

    Der gute Psychologe

    Maerchenbuch

    06. December 2016 um 15:24

    In Noam Shpancers Debütroman begleiten wir einen Psychologen, der sich auf die Behandlung von Angststörungen spezialisiert hat, in drei verschiedenen Lebensbereichen. Der Protagonist bleibt stets namenlos und wird vom Erzähler bloß als „Der Psychologe“ bezeichnet. Zum einen bekommen wir Einblicke in den Praxisalltag des Therapeuten und in die wöchentlichen Sitzungen mit seiner „16 Uhr-Klientin“ Tiffany. Die junge Nachtclubtänzerin leidet unter Panikattacken und Angststörungen und möchte unter allen Umständen das Sorgerecht für ihre kleine Tochter zurückerobern. Schritt für Schritt begleitet der Psychologe die junge Frau auf ihrem Weg ins unabhängige Leben und als Leser erfährt man einiges über die Vorgehensweise während der Therapie. Zum anderen erleben wir den Psychologen bei seiner Arbeit als Dozent an der Universität und sind stille Beobachter in seiner Abendvorlesung. Mit seinen ungleichen Studenten bespricht er anhand von vielen Fallbeispielen, die Grundfunktionen der Psychotherapie und gibt Einblicke in therapeutische und psychologische Strukturen und Denkweisen. Er bedient sich vieler passender Metaphern um komplexe Zusammenhänge zu erklären und neben Fachwissen, kann der Leser auch lehrreiche Denkanstöße für sein eigenes Leben mitnehmen. Besonders interessant fand ich allerdings den dritten Erzählstrang, denn er bringt uns das Privatleben des namenlosen Psychologen näher, das durch eine unerfüllte Liebe und die stille Sehnsucht nach einer eigenen Familie geprägt ist. Wir lesen über seine Beziehung zu Nina, seine Kollegin und ehemalige Geliebte, mit der ihn weit mehr verbindet als eine bloße Freundschaft. Der Leser kann miterleben, wie die Therapiestunden mit Tiffany das Denken und Fühlen des Psychologen beeinflussen und wie die Grenze zwischen Privatleben und Professionalität auf gefährliche Art verschwimmen kann. Auch der Psychologe ist nicht gefeit vor Ängsten und wird durch Tiffanys Geschichte an seine eigenen schwierigen Lebensumstände erinnert. Diese Tatsache lässt den Psychologen sehr sympathisch und menschlich erscheinen. Kapitelweise wechselt der Autor zwischen den drei Wirkungskreisen und erschafft so eine fesselnde Dynamik. Obwohl „Der gute Psychologe“ für mich eher ein Sachbuch in Romanform oder einen literarischen Ratgeber darstellt, konnte Noam Shpancer einen schönen Spannungsbogen erzeugen und meine Neugierde stets aufrechterhalten. Da der Autor selbst als Professor für klinische Psychologie an einer amerikanische Universität lehrt, beschreibt er sehr authentisch und seine Erklärungen und Erläuterungen sind glaubhaft und nachvollziehbar. Seine Sprache ist anspruchsvoll aber dennoch verständlich und die Diskussionen mit seinen Studenten sind erfrischend und sehr aufschlussreich. Wer Psychotherapie ablehnt, wird vermutlich keine Freude mit dieser Lektüre haben, denn die eigentliche Handlung ist ruhig und unspektakulär. Wer allerdings Einblicke in psychologische Denkweisen erhalten möchte und neue Blickwinkel aufgezeigt bekommen möchte, der kann getrost zu diesem Buch greifen und obendrein noch einiges lernen.

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  • Roman und Psychotherapiesitzung in Einem

    Der gute Psychologe

    Sabine-S

    29. October 2015 um 19:12

    Wer mit Psychologie (bzw. Philosophie) nichts am Hut hat, wird sich meiner Meinung nach mit dem Buch nur schwer anfreunden können, und es ist auch keine leichte Lektüre. Die sehr unterschiedlich ausfallenden Rezensionen erkläre ich mir auch dahingehend, dass viele einen Roman erwarten, der es aber eigentlich gar nicht ist. Der Inhalt ist komplex und es bietet sich an, das Buch immer wieder kurz zur Seite zu legen, um über die Zwischentöne darin nachzudenken. Viele Zeilen habe ich mehrmals gelesen und mir sogar markiert. Der Inhalt ist in drei Themen aufgeteilt, zwischen denen der Autor hin und her switcht: der Psychologe als Privatmensch, als Universitätsprofessor und als Psychotherapeut in seiner Praxis. Und letztendlich wird klar, dass auch ein Psychologe nur ein Mensch mit Schwächen ist. Das Werk ist nicht unbedingt als spannend zu bezeichnen, sondern als interessant und vielschichtig. Mir hat es unwahrscheinlich gut gefallen, und ich finde es teilweise erhellender als manch psychologisches Fachbuch.

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  • Theorie und Praxis eines Therapeuten

    Der gute Psychologe

    Alira

    19. August 2015 um 11:40

    "Der gute Psychologe" hat sich auf Angstpatienten spezialisiert, weil diese zur Sorte der angenehmen Klienten gehören. Er ist überzeugter Vertreter der Verhaltenstherapie und steht dem “alten Wiener” in vielem kritisch gegenüber: “Die Tatsache, dass die meisten Gefängnisinsassen Kriminelle sind, heißt nicht, dass die meisten Kriminellen im Gefängnis sitzen. Auch hier kam der alte Wiener ins Straucheln, als er sich bemühte, angelernte Schrullen aufzuzeigen, und es verpasste, die angeborenen Neigungen des Gehirns zu identifizieren; er bastelte an der Software und vergaß die Hardware.” Womit er ebenfalls sicherlich Recht hat: “Es nützt uns, wenn wir das einengende viktorianische Erbe des großen Wieners von uns abschütteln.” Der “launische” Schlawi(e)ner hätte allerdings wahrscheinlich die Verhaltenstherapie dahingehend kritisiert, dass die vergammelten Leichen im Keller der Angstpatienten dann eben immer wieder woanders auferstehen. “Der gute Psychologe“ ist es ein humorvolles Buch, das wieder einmal beweist, dass auch die “guten” Psychologen einen an der Klatsche haben (in diesem Fall ist es eine geheime Vaterschaft). Ein Buch über Theorie und Praxis von Psychologie und Psychologen.

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  • Wenn der emotionslose Psychologe zum Termin bittet ...

    Der gute Psychologe

    Marina_Nordbreze

    31. July 2015 um 19:30

    Die Brigitte sagt zu diesem Buch: "Interessieren Sie sich für Psychologie? Wenn ja: Lesen Sie diesen Roman." und vielleicht hätte mich dieser Satz warnen sollen, aber ich habe ihn erst gelesen, als das Buch schon vor mir lag. Der Satz steht nämlich im Buch. Ausgefuchst.  Der Psychologe, dessen Namen wir nicht erfahren, was mir gut gefallen hat, hat also eine Praxis für Angststörungen. Er hält außerdem am College einen Abendkurs, um den Studenten den Weg aus der Theorie in die Praxis zu zeigen. Und dann hat er noch eine Geliebte, oder eher eine ehemalige Geliebte, Nina, mit der er ein Kind hat, welches er aber so gut wie nie sieht, weil Nina das Kind als gemeinsames Kind ihres Mannes ausgibt. Ach, ja. Und die Nachtclubtänzerin, die als neue Klientin beim guten Psychologen eine Therapie beginnt. Soweit die Ausgangslage. Anfangs fand ich es ganz  nett, dass jeder dieser Punkte ein eigenes Kapitel bekommen hat und die Kapitel sich immer in der gleichen Reihenfolge abgewechselt haben. Das hat mich sehr an In Treatment erinnert, die Serie war schließlich auch der Auslöser, warum ich dieses Buch lesen wollte. Nur hat mich die Geschichte komplett kalt gelassen. Die Therapie der Nachtclubtänzerin war belanglos, von anderen Therapiestunden bekommt der Leser nichts mit, die Vorlesung war belanglos und der einzige für mich interessante Punkt, nämlich das Verhältnis des Therapeuten zu Nina wurde relativ kurz abgehandelt und danach vernachlässigt.  Ich hatte zwischenzeitlich öfter überlegt, ob ich das Buch abbrechen soll, weil ich einfach keinen Zugang dazu gefunden habe, aber ich bin ganz schlecht im Abbrechen von Büchern, deswegen hab ich mich durch die letzte Hälfte des Buches gequält und das Gähnen ignoriert.  Vielleicht ist das Buch wirklich interessant, wenn man sich für Psychologie interessiert bzw. wenn man ein Grundverständnis für Psychologie und psychologische Behandlungen hat. Vielleicht ist es genau das richtige Buch für Psychologie-Studenten. Mich lässt das Buch komplett emotionslos zurück. Ich könnte noch sagen, dass mir das Cover gefällt, das wars dann aber schon. 

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  • Eine Stripteasetänzerin mit einer Panikstörung

    Der gute Psychologe

    schokoloko29

    01. December 2014 um 21:47

    Inhalt des Buches: Der gute Psychologe behandelt eine Stripteasetänzerin mit Lampenfieber (bis Panik). Durch sie wird der Leser in die Welt der Psychologie (Theorie und Praxis) eingeführt.  Eigene Meinung: Mir hat das Buch sehr gefallen. Es wird sehr schön das einsame Leben des Psychologen porträtiert. Auch die Therapie der Angstpatienten wird sehr gut und sehr unspektakulär dem Leser beschrieben. Fazit: Wer sich für  Psychologie und den Schriftsteller Yalom mag, soll dieses Buch lesen!!

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  • Ein Roman voller Metaphern...

    Der gute Psychologe

    WildRose

    01. July 2014 um 10:00

    "Der gute Psychologe" war mein erster Roman von Noam Shpancer. Insgesamt handelt es sich um ein solides, recht düsteres Buch über einen erfolgreichen Psychotherapeuten, welcher Menschen mit Angststörungen behandelt, jedoch sein eigenes Privatleben nicht wirklich im Griff hat. Seine Lebensweise wirkt recht eintönig, er hat keine richtige Familie, konzentriert sich ganz aufs Therapieren und Unterrichten von Studenten an der Uni. In dem Buch geht es um eine besondere Klientin, eine Nachtclub-Tänzerin, die aufgrund von Angstzuständen dieser Beschäftigung nicht mehr nachkommen kann. Obwohl die Sitzungen mit ihr auf den Leser interessant wirken, erwartete ich mir doch, ein bisschen mehr über diese Frau zu erfahren. So erzählt sie in einer Sitzung von einem traumatischen Erlebnis aus ihrer Kindheit, doch darauf wird eben nur kurz eingegangen, obwohl man erwartet, dass dies noch genauer thematisiert wird. Die Klientin bleibt ein bisschen farblos für den Leser, sie ist zwar wichtig, aber eigentlich geht es vor allem um den Therapeuten, weniger um diese Klientin. Der Buch ist kurzweilig, aber voller Methaphern. Diese sind teilweise nicht schlecht, mal amüsant, mal nachdenklich, doch für einen so kurzen Roman war es mir ein bisschen zu viel, der Autor erweckte dadurch den Eindruck, sein gesamtes psychologisches Wissen dem Leser quasi an den Kopf knallen zu wollen. Etwas unrealistisch und hölzern wirken auch die Dialoge, beispielsweise die zwischen dem Psychologen und den Studenten bzw. der Klientin. Hier hat der Autor sich ein bisschen übernommen. In der Realität würden diese Gespräche ganz anders ablaufen, in dem Buch aber stellt der Psychologe teilweise wirklich merkwürdige, verwirrende Fragen, und früher oder später hat dann sein Gegenüber einen Geistesblitz und spricht genau das aus, was der Psychologe hören will. Das ist etwas befremdlich. Nichtsdestotrotz ein netter, nachdenklicher Roman.

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  • Psychologie Fachwissen + Roman = perfekte Unterhaltung!

    Der gute Psychologe

    Geri

    08. May 2014 um 22:04

    Bei diesem Buch ist der Titel wahrlich Programm, denn diesem Psychologe entgeht wirklich nichts. Er ist ein Fachmann auf seinem Gebiet, therapiert tagsüber Angstpatienten und lehrt abends an der Uni, um sein Wissen weiterzugeben.  Auf manche mag er arrogant wirken, ich hingegen bin absolut beeindruckt und finde ihn einfach nur faszinierend. Er dominiert die komplette Handlung des Buches, alle anderen sind Nebenfiguren und doch kennt man nicht mal seinen Namen. Von Anfang bis Ende wird er mit "Der Psychologe" benannt, was ich noch in keinem Buch bisher so erlebt habe und spannend finde, diese Vorgehensweise zu hinterfragen.  Ich habe es mir so erklärt, dass er auf den Leser genauso unnahbar wirken soll, wie auf seine Patienten - auch wenn der Leser letztlich doch viel mehr erfährt als alle anderen innerhalb der Geschichte, bleibt ein Rest von Abstand erhalten und man lernt den Psychologen nie ganz kennen.  Interessant finde ich dabei, dass auch ein weiterer Charakter der Geschichte nicht namentlich genannt wird, der keine wesentliche Rolle in der Geschichte spielt, aber dadurch doch wieder hervorgehoben wird, weil er diese Gemeinsamkeit mit dem Protagonisten hat. Inhaltlich geht es um zwei Hauptthemen, die meist im Wechsel erzählt werden: Einerseits therapiert der Psychologe eine Nachtclubtänzerin, die eine Angst vor dem Auftreten im Club entwickelt hat und andererseits bringt er den Studenten an der Uni die Psychologie nahe.  Für beide Erzählstränge muss man ein gewisses Interesse an der Psychologie mitbringen, sonst wird einen das Buch eher langweilen. Es ist sehr detailliert im Fachlichen, was mir sehr gut gefallen hat und vermutlich dem Beruf des Autors (Therapeut und Professor für Klinische Psychologie) zu verdanken ist.  Der Protagonist macht eine enorme Entwicklung innerhalb der Geschichte durch, was mich immer besonders freut! Zu Anfang wirkt er müde und eingefahren, aber je mehr die Handlung fortschreitet, desto mehr öffnet er sich für seine Umwelt und zeigt dem Leser, dass er auch nur ein Mensch ist.  Es ist mein zweites Buch von Noam Shpanzer und nun kann ich behaupten, dass er auf der Liste meiner Lieblingsautoren ganz weit oben steht! Die Psychologie in Romanform zu packen, ist für mich die perfekte Kombination für eine gelungene Unterhaltung und ich würde mich sehr freuen, wenn er noch viele Bücher dieser Art schreibt! Fazit: Für Psychologie-Interessierte uneingeschränkt empfehlenswert und garantiert ein Highlight am Bücherhimmel!

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  • Nett und kurzweilig. Für Interessierte ein amüsanter Schmöker.

    Der gute Psychologe

    Kleinstadtkatze

    19. March 2014 um 22:34

    Nach meinen zwei sehr umfangreichen Prüfungen wollte ich mir die "schöne" Seite meines Studium anschauen, nämlich die praktische Anwendung der ganzen Theorien, Grundsätze, etc. Und wie lässt sich das besser verbinden, als etwas darüber zu lesen, was nicht der langen, drückenden Pflichtlektüre des Studiums entspricht. Ich bin gut unterhalten worden, habe sehr viele Sachen gelesen, die ich so bzw ausführlicher schon kannte und habe die schöne Verpackung, nämlich die Geschichte um den Psychologen und seine Klienten, genossen. Im Grunde wird schon auf dem Cover das Klischee des Psychiaters bzw. des Psychologen überhaupt bedient.. nämlich das Sofa, wo man sich hinsetzt (noch besser hinlegt) und von seinen Problemen erzählen sollte. Okay, für Laien und Interessierte ganz ansprechend, jedoch lehnt der gute Psychologe im Buch an sich die Haltung des Psychoanalytikers Sigmund Freud, der ja das Couch-Hinleg-und-Erzähl-Klischee ja erst geprägt hat, ab. Aber das sind so kleine Ungereimtheiten, die man als Streber so mitbekommt. Die Geschichte bzw die Handlung an sich ist schon einfacher. Der Psychologe (anders wird der Hauptprotagonist ja auch nicht bezeichnet) behandelt Patienten mit Angststörungen, nachdem ihm die Persönlichkeitsstörungen (insb. Borderliner, nächstes Klischee!) zu langatmig waren. Für mich ist er so die Reinkarnation, die Ausgeburt eines Rationalisten, so ruhig und bedacht. Doch zeigt sich eben nach der Begegnung mit der Stripperin Tiffany, deren Angst darin besteht, dass sie eben Angst vor der Bühne hat, dass auch der coolste und gelassenste Psychologe durchaus zu Emotionen befähigt ist. Dazu kommt noch die Geschichte mit Nina, einer vergangenen Liebschaft... und so verpackt Noam Shpancer psychologische Theorie, Herzschmerz und eine unbestreitbare, gewisse Grundspannung in eine kurzweilige, jedoch ganz unterhaltsame Geschichte. Für Psychologen/psychologische Laien und Studenten ist diese Lektüre sicherlich weitaus interessanter, als für den Durchschnittsleser, dennoch wohnt ihr auch eine Moral bzw These inne, die sicherlich auch Nicht-Psychologen zum Nachdenken bringt.

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  • Der von sich eingenommene Psychologe

    Der gute Psychologe

    Tales

    04. October 2013 um 11:26

    Gleich vorweg: Fachlich gibt es an diesem Roman wenig auszusetzen. Es werden die gängigsten psychologischen Theorien gut und beispielhaft beschrieben. Weshalb mich der Roman trotzdem nicht für sich einnehmen konnte: Leider war mir der Protagonist nicht sonderlich symphatisch. Offenbar ist der Autor kein Befürworter Freud'scher Thesen. Auch das ist für mich in Ordnung, denn auch ich kann mich mit dem Großteil der psychoanalytischen Theorien Freuds nicht identifizieren. Jedoch wird hier eine Meinung auf derart abgehobene und überhebliche Art vermittelt, dass ich mich phasenweise richtiggehend geärgert habe über die Anmaßungen, die sich der Autor hier herausnimmt. Inhaltlich gibt der Roman auch wenig her. Im Grunde passiert nichts. Noam Shpancer hat mit "Der gute Psychologe" seine Theorien und Erfahrungen in das durchsichtige Mäntelchen eines Romans gepackt. Wenig Spannung, wenig Tiefgang. Schade.

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  • Lesemarathon vom 3. bis 6. Oktober 2013 - wer macht mit?

    Daniliesing

    Hallo ihr Lieben! das LovelyBooks-Team ist derzeit in begeisterter Lesestimmung und da dachten wir uns, dass der Feiertag in der kommenden Woche (3.10., Tag der deutschen Einheit) doch die perfekte Gelegenheit für einen großen Lesemarathon bietet. Vom 03.10. bis zum 06.10.2013 wollen wir so viele Bücher verschlingen, wie wir nur können. Seid ihr dabei? Natürlich wird es auch wieder Fragen und kleine Aufgaben geben, die zwischendurch für eine zusätzliche Auflockerung sorgen. Ansonsten darf hier fleißig über gerade Gelesenes und Bücher generell geplaudert werden. Ich übernehme dabei natürlich keine Verantwortung für eventuell wachsende Wunschzettel und platzende Bücherregale ;-) Also, stellt schon mal das passende Buchfutter und natürlich den Naschkram bereit, denn in der nächsten Woche wird hier "Buchsport" gemacht! Was ist ein Lesemarathon? Beim Lesemarathon versuchen wir eine bestimmte Zeit lang so viel wie möglich zu lesen, ohne dabei den Spaß zu verlieren. Jeder kann in seinem eigenen Tempo und mit dem Buch/den Büchern seiner Wahl teilnehmen. Dazwischen treffen wir uns hier und tauschen uns über Bücher aus, quatschen einfach ein bisschen und, weil wir neugierig sind, was ihr so lest, wird es auch einige Aufgaben geben, die ihr lösen könnt. Wir starten am Donnerstag, dem 03.10. um 0 Uhr und lesen bis zum Sonntag ebenfalls 0 Uhr. Dabei sind Pausen natürlich strengstens erlaubt ;) Es muss also keinesfalls durchgelesen werden. Auch wer nur an einem bestimmten Tag mitmachen kann oder nur ein paar Stunden, der ist hier herzlich willkommen. Denn vor allem geht es doch um den Spaß am gemeinsamen Lesen! Natürlich könnt ihr auch über Twitter (Hashtag #lblm) oder auf euren Blogs eure Lesefortschritte und Aufgaben posten. Und damit uns das Warten auf den Startschuss nicht so lang wird, können wir die Zeit gleich nutzen und schon ein wenig planen. Also: Wisst ihr schon, was ihr lesen werdet? Habt ihr euch ein Leseziel für den aktuellen Marathon gesetzt, z.B. eine Seitenzahl oder eine bestimmte Anzahl von Büchern, die ihr schaffen möchtet? Warum nehmt ihr teil und wart ihr früher schon mal dabei? :) Wer Lust hast, kann ja auch mal seine Bücherregale fotografieren und hier in einem Beitrag anhängen. Ich gucke mir immer sehr gern Bücherregale von anderen an! Dann können wir einen Blick auf die Auswahl werfen. PS: Unter allen Teilnehmern werden wir auch wieder eine kleine Überraschung verlosen :-) **************************************************** 1. Phase: Vorbereitung / Aufwärmung Zur Vorbereitung auf den großen Lesemarathon müssen wir uns natürlich erstmal aufwärmen. Hierfür werde ich vorab ca. alle 2 Tage bereits kleine Fragen oder Aufgaben stellen, die ich hier liste. Wer Lust hat, kann sie einfach beantworten. Welches Buch liest du gerade und wie gefällt es dir? Würdest du noch mehr von diesem Autor lesen? Auf welches Buch seid ihr schon länger neugierig - vielleicht steht es sogar schon im Regal - aber ihr habt es noch immer nicht gelesen? Wieso eigentlich nicht? Welches Buch hat euch so sehr berührt oder begeistert, dass ihr es am liebsten ganz vielen Menschen schenken oder weiterempfehlen möchtet? Was macht dieses Buch für euch besonders? Gibt es einen Autor, von dem ihr euch unbedingt mal wieder ein neues Buch wünschen würdet? Wenn ja, welcher Autor ist es und in welchem Genre sollte er schreiben? 2. Phase: Lesemarathon Es geht los, die heiße Phase beginnt. Seid ihr auch alle gut vorbereitet? Einige haben ja ganz fleißig beim Warm-Up mitgemacht, sodass Ermüdungserscheinungen nicht so schnell auftreten sollten! Auch jetzt wollen wir natürlich nicht nur lesen, sondern auch die ein oder andere Aufgabe erfüllen und Fragen beantworten: Mit welchem Buch startet ihr in den Lesemarathon und wie lange wollt ihr jetzt erstmal lesen? Was braucht ihr - neben dem Lesestoff - noch unbedingt für einen gelungenen Lesemarathon? Gebt einem Teilnehmer hier beim Lesemarathon einen Buchtipp aus seinem SuB (Stapel ungelesener Bücher). Dazu am besten einfach in der Bibliothek nach den ungelesenen Büchern schauen. Natürlich dürft ihr auch mehreren Teilnehmern Tipps geben und es dürfen auch Bücher sein, die ihr selbst noch gern lesen möchtet. Mit welchem Satz beginnt euer aktuelles Buch? Ändert sich eure Lesestimmung eigentlich mit den unterschiedlichen Jahreszeiten oder könnt ihr immer alles lesen? Welche sind eure persönlichen Top-Empfehlungen für Frühling, Sommer, Herbst und / oder Winter? Wie sehr achtet ihr auf Buchcover? Verleitet euch ein schönes Cover dazu, ein Buch eher zur Hand zu nehmen und näher anzuschauen? Welche Cover findet ihr aktuell besonders gelungen? Wie merkt ihr euch, auf welcher Seite ihr in eurem Buch gerade wart? Nehmt ihr ein Lesezeichen oder irgendetwas, was ihr gerade zur Hand habt? Macht ihr Eselsohren oder legt das Buch umgekehrt offen hin? Habt ihr hier schon bei einer oder mehreren Leserunden mitgemacht? Wenn ja, welche hat euch davon am besten gefallen und wieso? Wenn nicht, wieso? :-) Schreibt ihr euch Lieblingszitate aus Büchern raus oder markiert ihr sie? Verratet doch ein Zitat, das euch besonders gut gefällt! Welches Buch, an das ihr hohe Erwartungen hattet, hat euch dann enttäuscht und wieso? Wenn ihr euch für 3 Bücher entscheiden müsstet, die die einzigen wären, die ihr für den Rest eures Lebens besitzen dürftet, welche wären das? Wie oder durch wen seid ihr zum Lesen gekommen? Was fasziniert euch an Büchern? Was können nur sie im Vergleich zu zum Beispiel zu Musik, Filmen, etc.? In welchem Land könntet ihr ideale Leseferien verbringen? Lest ihr gern anderen Menschen vor oder lasst ihr euch gern vorlesen?

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  • Kolumne: Belletristik ist tot, es lebe die Belletristik

    muchobooklove

    Roman-Kolumne August 2013 von Mareike: Genreliteratur, das sind die Hamburger unter den Büchern Liebe Leser, Was ist eigentlich Belletristik Le belle et le triste – das Schöne und das Traurige – hierin liegt der französische Ursprung des Wortes Belletristik, das heute nicht viel mehr als ein Mysterium zu sein scheint. Dabei umfasst es so viele Aspekte, ohne die Literatur gar nicht zu denken wäre. Werte, Emotionen und die Ästhetik der Sprache sind für mich die wichtigsten Parameter dessen. Natürlich kann man auch etwas unprätentiöser an die Sache herangehen und einfach von „Romanen“ im Allgemeinen sprechen, wie auch der Titel der Kategorie hier auf Lovelybooks lautet. Doch dann geraten wir gleich ein bisschen in die Bredouille, denn Krimis sind ja auch Romane sowie Fantasy-Bücher und Chick-Lit ebenfalls. Von Kriminalromanen, Thrillern, Fantasy, Young Adult Fiction, Chick-Lit und Romantasy Naja, das sind ja eigentlich alles eher Genres, werdet ihr jetzt im Stillen und ganz zu Recht denken. Aber was sind denn überhaupt Genres? Der Versuch, Bücher in Kategorien zu pressen einerseits, eine Strategie des Buchmarktes andererseits, so scheint es mir. Denn was ist das Schreiben für ein bestimmtes Genre eigentlich anderes als der Versuch, seine Zielgruppe besonders im Blick zu haben. Mit bösen Zungen gesprochen ist das die Garantie dafür, beim Veröffentlichungsprozess bereits einschätzen zu können, wer das Buch am Ende kaufen wird. Darum wird auch immer schnell ein neues Genre entworfen, wenn gerade eine innovative Art des Schreibens mit Erfolg belohnt wurde. Eine kleine Geschichte: Ich sitze mit zwei Freunden von mir, nennen wir sie Justus und Gabi, an einem sonnigen Tag wie diesem in einer Eisdiele. Justus ist gerade dabei, sich eine Karriere im Verlagswesen aufzubauen, Gabi hat Journalismus studiert und steht kurz vor dem Mutterschutz. Justus erzählt uns von einem neuen Projekt, von dem er gehört hat und das sich im Bereich „Romantasy“ bewegt. Darauf Gabi: „Romantasy, nie gehört“ Justus: „Das ist ein neues Genre, das sich irgendwo zwischen Romantic Fiction und Fantasy bewegt, so Vampire und so“ wir nicken einstimmig, denn nun ist uns allen klar, dass hier die Nachfolgen von Stephenie Meyers „Twilight“-Saga spürbar werden. Wieder einmal wird ein Markt bedient. Man möchte so schnell wie möglich dabei sein, bevor er übersättigt ist und ein neues Genre gefunden werden muss. Ich seh' den Wald vor lauter Bäumen nicht Damit wird nicht nur die gesamte Belletristik oder alle Romane in logische Kategorien unterteilt, sondern diese werden wieder unterteilt, bis die gesamte Kriminalliteratur in Detektivromane à la Sherlock Holmes, Polizeiromane wie Mankels Wallander, Thriller der Dan Browns dieser Erde und Splatter im Stile von Karin Slaughter zerfällt, und die Fantasy-Literatur in High Fantasy à la Tolkien, Romantasy wie "Twilight", Dark Fantasy der Stephen Kings und Konsorten, Dark Romance im Stile von Edgar Allen Poe und historisch anmutende Fantasy, z.B. von George R.R. Martin. Und bei all diesen spezifischen Genres frag' ich mich wieder, wo denn nun die Belletristik abgeblieben ist? Denn wenn ich ehrlich bin, dann möchte ich gar nicht immer Genreliteratur lesen. Manchmal erscheint sie mir zu sehr auf ihr Publikum zugeschrieben. Manchmal sehe ich die Zutatenliste, die Autoren und Verlagen im Kopf herumgeschwirrt haben mag, zu deutlich vor mir. Aha, denke ich, hier ist ein bisschen Detektivroman mit den Zutaten verschrobener Ermittler aus zerrütteten Familienverhältnissen, hochintelligenter Täter, der eigentlich nur mit dem Ermittler spielen will, Frau oder wahlweise Kinder oder beides des Detektivs, die plötzlich in den Fall hineingezogen werden, gemischt worden, das Ganze wurde mit einem Hauch arktischer Kälte und einem leichten Hang zur Alkoholabhängigkeit garniert und schon war der skandinavische Kriminalroman in Anlehnung an Henning Mankell, Jo Nesbø oder Arnaldur Indridason fertig. Ich weiß ja, dass die meisten Schriftsteller mit viel Herzblut an ihr Werk herangehen, aber ich frage mich dennoch, woher dieser Hang zum an Fast-Food erinnerndem Literatur-Rezept kommen mag. Möchte denn niemand heute mehr eigene Gourmet-Kreationen entwerfen? Ist die Angst vor dem Scheitern so groß? Mehr Belletristik braucht das Land Ich sag es ganz offen – Ich mag Fastfood. Ein schöner Burger ab und zu ist ein herrliches Vergnügen, ebenso wie ein Krimi mit den oben von mir erwähnten Zutaten wunderbar sein kann. Aber irgendwie wünsche ich mir trotzdem öfter, mit Gourmet-Kreationen verwöhnt zu werden. Ich möchte Schriftsteller haben, die schreiben, weil sie damit das Schöne und das Traurige ausdrücken wollen, weil sie das Gute und das Böse im Menschen zeigen wollen und zwar ohne sich vorher zu überlegen, ob es dafür ein Publikum geben mag. Autoren, die der Wahrheit auf den Grund gehen mögen und mich damit überraschen, wie zum Beispiel Column McCann dies vor einigen Jahren mit „Der Tänzer“ getan hat oder Romane, die einen mit ernsten Themen zum Lachen bringen können wie Matt Ruff mit „Ich und die anderen“, Bücher, die unvergessen bleiben, weil sie anders sind, so wie auch Aravind Adigas „weißer Tiger“ oder Hermann Kochs „angerichtet“, um mal zwei jüngere Beispiele der Literatur zu nennen. Und wenn ihr es euch doch lieber überlegen und kein Risiko eingehen wollt, so rufe ich euch hiermit zu, liebe Autoren, liebe Verleger: Es gibt uns noch, uns Leser, die gerne einmal bis zum Äußersten getrieben werden möchten, die lachen und weinen wollen, die beim Lesen nicht mit Genrestrategien überrascht werden wollen, sondern mit richtig guten Geschichten, mit richtigen 5 Sterne Menüs, wie sie eben nur die immer weniger zu findende Belletristik für uns bereithält! Ja, das rufe ich laut und hinter vorgehaltener Hand wende ich mich fast gleichzeitig zu euch Lesern da draußen und frage euch leiser: Es gibt uns doch noch, die Belletristik-Leser, oder?

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  • Rezension zu "Der gute Psychologe" von Noam Shpancer

    Der gute Psychologe

    nr-verlag

    08. March 2013 um 03:14

    Der Psychologe, und nur so wird er das ganze Buch hindurch genannt, nie erfahren wir seinen Namen, ist genaugenommen Therapeut. Tagsüber behandelt er in seiner Praxis Angstpatienten, Abends gibt er Vorlesungen. Den Beschreibungen der Therapiesitzungen folgen immer wieder die der Seminare. Mit diesem Kunstgriff gelingt es dem Autor, die theoretischen Hintergründe des therapeutischen Vorgehens auf lockere, ganz und gar nicht lehrbuchhafte Art zu erklären. Und er weiß, wovon er schreibt, denn Noam Shpancer ist Professor für klinische Psychologie an der Universität von Ohio. Das Buch gewährt einen gut zu lesenden, interessanten Einblick in das, was sich gewöhnlich hinter verschlossenen Türen in Therapiesitzungen abspielt – oder abspielen könnte, denn manchmal ist der gute Psychologe einfach zu gut. Mit überraschenden Wendungen und kommunikativem Geschick, einem scharfen Blick für Kleinigkeiten sowie manchmal beeindruckenden Attraktionen aus der Trickkiste des erfahrenen Therapeuten gelingt es ihm, seine Klienten – insbesondere eine Nachtclubtänzerin mit Bühnenangst – auf den Weg zur Selbsthilfe zu leiten. Erst gegen Ende des Buches unterlaufen ihm auch gelegentlich Fehler, die ihn aber viel menschlicher erscheinen lassen. Vor allem als deutlich wird, dass der Versuch, die therapeutische Beziehung - diese mit ihren eigenen Regeln sehr künstliche Art des Umgangs miteinander - auf sein karges Privatleben zu übertragen, scheitert. Der Psychologe ist gut darin, anderen Menschen zu helfen, doch für sich selbst fällt ihm dies schwer. Ein lesenswerter Roman für alle, die sich für Psychologie, Kommunikation, durchaus auch Manipulation, und die verwirrenden Hintergründe menschlichen Verhaltens in Beziehungen interessieren.

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  • Rezension zu "Der gute Psychologe" von Noam Shpancer

    Der gute Psychologe

    TA_Wegberg

    11. October 2012 um 11:19

    Mich hat die Lektüre dieses Buches begeistert, aber ich habe mir immer wieder die Frage gestellt, ob es anderen Lesern – die sich weniger stark für Psychologie interessieren – genauso gehen würde. Denn obwohl es durchaus so etwas wie eine Romanhandlung gibt, ist deren Bedeutung nachrangig. Zentral für dieses Buch sind die therapeutischen Ansätze, die verschiedenen psychologischen Grenzfälle, mit denen der eponyme Psychologe in Berührung kommt, und vor allem die guten und tiefen Gedanken, die er in erster Linie bei seinen Seminaren vor Psychologiestudenten äußert. Der Psychologe lebt allein, doch er liebt die verheiratete Nina, mit der er mal eine Affäre hatte. Sie hat ganz gezielt ein Kind von ihm empfangen, weil ihr Mann krank und zeugungsunfähig ist, und seither verbindet sie nur noch eine kollegiale Freundschaft mit dem Psychologen, während er durchaus weitergehende Wünsche hat. Es gibt eine neue Patientin, die den Psychologen stark beschäftigt – eine junge Striptease-Tänzerin, die nach einer Panikattacke nicht mehr auftreten kann. Nach und nach enthüllt sie dem Therapeuten in ihren Sitzungen ihre Vorgeschichte: den Missbrauch durch ihren Vater, die Beziehung zu einem gewalttätigen Mann, der ihr die kleine Tochter vorenthält, und den Druck, den ihr Arbeitgeber auf sie ausübt. Obwohl manches an ihrer Anamnese ein bisschen klischeehaft erscheint, wird sie dennoch komplex und facettenreich geschildert. Außerdem erteilt der Psychologe Unterricht an einer Universität. Gerade im Dialog mit seinen Studenten läuft er zu Höchstform auf, er ist ein Quell der Weisheit und des Wissens, und man folgt seinen Seminaren als Leser meist mit deutlich mehr Engagement als die überwiegend gelangweilten Schüler, denen er gegenübersteht. Durch diese geschickte Komposition des Buches erhält der Leser nicht nur erhellende Einblicke in den Alltag und das Berufsbild eines Therapeuten, sondern nimmt auch teil an vielen philosophischen Diskursen von allgemeingültiger Tiefe und Schönheit. Es gab Passagen, die ich mehrmals gelesen habe, weil sie mich so beeindruckt haben – aber wie schon eingangs erwähnt: Man muss wohl schon in eine bestimmte Zielgruppe gehören, um den größtmöglichen Nutzen aus diesem Roman zu ziehen.

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  • Rezension zu "Der gute Psychologe" von Noam Shpancer

    Der gute Psychologe

    hexhex

    12. September 2012 um 11:36

    Den guten Psychologen lernt man als Privatmensch, als Professor an der Uni und als Therapeut in seiner eigenen Praxis kennen. Die Handlungsstränge wechseln sich ab und so wird das Buch nicht langweilig. Nur lesen, wenn man Interesse an der Psychologie hat!

  • Rezension zu "Der gute Psychologe" von Noam Shpancer

    Der gute Psychologe

    Alienor

    12. March 2012 um 22:51

    Wollten Sie schon immer einmal auf unterhaltsame Weise Näheres über die Psychologie als Wissenschaft und die Arbeitsgrundlagen eines guten Therapeuten erfahren? Dann liegen Sie mit Noam Shpancers informativem Roman goldrichtig. Wenn nicht, sollte man lieber die Finger davon lassen. Ich gehöre glücklicherweise zu ersteren Menschen. Der Protagonist, ein namenloser Psychologe, ist auf Angsterkrankungen spezialisiert und behandelt in schöner Regelmäßigkeit jeden Tag bis 15 Uhr seine Klienten. Dabei lässt er höchstens deren Geschenke in sein Privatleben eindringen, beispielsweise das blaue Handtuch einer Patientin mit Waschzwang, die beim Anblick einer steigenden Luftblase in der Flasche mit Handseife sofort eine neue kaufen gehen musste. Das Privatleben ist eigentlich schon länger aus den Fugen geraten. Sein Herz gehört Kollegin Nina und ihrer gemeinsamen Tochter Billie, die von seiner Vaterschaft nichts wissen soll: Nina möchte ihrem todkranken Mann weiterhin eine heile Familienidylle bieten. Eine neue Patientin bringt schließlich, zunächst nur in kleinen Dingen, Bewegung in den routinierten Alltag des Psychologen: Die junge Stripperin mit Auftrittsangst schafft es einfach nicht, vor 16 Uhr in seiner Praxis zu erscheinen. Ihre Geschichte geht dem Psychologen näher, als ihm lieb ist. Plötzlich empfindet er das Bedürfnis, seine eigene Tochter kennenzulernen, mit Nina am Telefon über mehr als nur ihre neuesten Fälle zu plaudern, und er überzeugt sich im Stripclub höchstpersönlich von den Fortschritten seiner Patientin. Auch die privaten Angelegenheiten seiner Studenten, denen er allabendlich von den Eigenschaften eines guten, objektiven Therapeuten predigt, lassen ihn nicht mehr kalt. Seine Diskussionen mit den unterschiedlichsten Charakteren machen Spaß: Da sind der extrem gläubige Nathan, der einfache und herzliche Eric mit seinem gesunden Menschenverstand oder die Perfektionistin Jennifer, die sich mit ihren eigenen Gefühlen schwertut. Shpancers Ausführungen über Psychologie werden von zahlreichen lebensnahen Vergleichen und Beispielen begleitet, die auf verständliche Art Einblicke in die Arbeit eines Praktikers gewähren. Leider geraten die Vorträge, die der Psychologe seinen Studenten hält, so interessant diese auch sind, manchmal ein wenig zu sehr auf die belehrende Schiene: Es ist ziemlich schnell offensichtlich, dass der Autor selbst Psychologe ist und hier seine eigenen Ansichten zum Fachgebiet in einem Roman verpackt hat. Dabei scheint er als einziger die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, geht aus allen Diskussionen als weiser Sieger hervor und weiß, zumindest in der Theorie, alleine um das Patentrezept eines „guten“ Psychologen. Das war das Einzige, was mich manchmal wirklich gestört hat. Auch der Stil ist sicherlich nicht nach jedermanns Geschmack, denn er wirkt aufgrund der Perspektive aus der dritten Person und des fehlenden Namens seltsam distanziert. Sehr gut gefallen hat mir wiederum der Einfallsreichtum des Autors: Die vielen skurrilen Patienten mit all ihren Macken, die kleinen Lebensweisheiten und schönen Zitate, die man dem Buch entnehmen kann, weisen weit über ein Sachbuch hinaus. Auf jeden Fall keine gewöhnliche Lektüre, sondern ein kleines Juwel für alle Interessierten.

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