Der gute Psychologe

von Noam Shpancer 
3,8 Sterne bei79 Bewertungen
Der gute Psychologe
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Positiv (53):
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Über Praxis und Theorie von Psychologie und Psychologen.

Kritisch (10):
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Inhaltsangabe zu "Der gute Psychologe"

Klein, aber fein …
Geschenkausgabe im kleinen Format, bedrucktes Ganzleinen mit Lesebändchen.
Er ist Psychologe, sein Spezialgebiet die Angst. Am Tag praktiziert er, am Abend erklärt er Studenten, was eine gute Therapie ausmacht. Als er wenig begeistert eine Nachtclubtänzerin mit Auftrittsphobie als Klientin annimmt, ahnt er nicht, wie sehr deren Probleme und Geheimnisse auf sein eigenes Leben abstrahlen werden. Denn plötzlich ist er gezwungen, sich mit seinen unausgesprochenen Ängsten und einer wehmütigen Liebe auseinanderzusetzen. In scharfsinnigen Dialogen führt der Psychologe durch den Dschungel menschlicher Emotionen, in dem er sich selbst zu verlieren droht. Dieser wunderbar menschliche Roman ist literarische Lebenshilfe und Liebesgeschichte zugleich.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442747917
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:09.06.2014

Rezensionen und Bewertungen

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    Maerchenbuchs avatar
    Maerchenbuchvor 2 Jahren
    kleine Psychologie-Vorlesung

    In Noam Shpancers Debütroman begleiten wir einen Psychologen, der sich auf die Behandlung von Angststörungen spezialisiert hat, in drei verschiedenen Lebensbereichen. Der Protagonist bleibt stets namenlos und wird vom Erzähler bloß als „Der Psychologe“ bezeichnet.

    Zum einen bekommen wir Einblicke in den Praxisalltag des Therapeuten und in die wöchentlichen Sitzungen mit seiner „16 Uhr-Klientin“ Tiffany. Die junge Nachtclubtänzerin leidet unter Panikattacken und Angststörungen und möchte unter allen Umständen das Sorgerecht für ihre kleine Tochter zurückerobern. Schritt für Schritt begleitet der Psychologe die junge Frau auf ihrem Weg ins unabhängige Leben und als Leser erfährt man einiges über die Vorgehensweise während der Therapie.

    Zum anderen erleben wir den Psychologen bei seiner Arbeit als Dozent an der Universität und sind stille Beobachter in seiner Abendvorlesung. Mit seinen ungleichen Studenten bespricht er anhand von vielen Fallbeispielen, die Grundfunktionen der Psychotherapie und gibt Einblicke in therapeutische und psychologische Strukturen und Denkweisen. Er bedient sich vieler passender Metaphern um komplexe Zusammenhänge zu erklären und neben Fachwissen, kann der Leser auch lehrreiche Denkanstöße für sein eigenes Leben mitnehmen.

    Besonders interessant fand ich allerdings den dritten Erzählstrang, denn er bringt uns das Privatleben des namenlosen Psychologen näher, das durch eine unerfüllte Liebe und die stille Sehnsucht nach einer eigenen Familie geprägt ist. Wir lesen über seine Beziehung zu Nina, seine Kollegin und ehemalige Geliebte, mit der ihn weit mehr verbindet als eine bloße Freundschaft. Der Leser kann miterleben, wie die Therapiestunden mit Tiffany das Denken und Fühlen des Psychologen beeinflussen und wie die Grenze zwischen Privatleben und Professionalität auf gefährliche Art verschwimmen kann. Auch der Psychologe ist nicht gefeit vor Ängsten und wird durch Tiffanys Geschichte an seine eigenen schwierigen Lebensumstände erinnert. Diese Tatsache lässt den Psychologen sehr sympathisch und menschlich erscheinen.

    Kapitelweise wechselt der Autor zwischen den drei Wirkungskreisen und erschafft so eine fesselnde Dynamik. Obwohl „Der gute Psychologe“ für mich eher ein Sachbuch in Romanform oder einen literarischen Ratgeber darstellt, konnte Noam Shpancer einen schönen Spannungsbogen erzeugen und meine Neugierde stets aufrechterhalten. Da der Autor selbst als Professor für klinische Psychologie an einer amerikanische Universität lehrt, beschreibt er sehr authentisch und seine Erklärungen und Erläuterungen sind glaubhaft und nachvollziehbar. Seine Sprache ist anspruchsvoll aber dennoch verständlich und die Diskussionen mit seinen Studenten sind erfrischend und sehr aufschlussreich.

    Wer Psychotherapie ablehnt, wird vermutlich keine Freude mit dieser Lektüre haben, denn die eigentliche Handlung ist ruhig und unspektakulär. Wer allerdings Einblicke in psychologische Denkweisen erhalten möchte und neue Blickwinkel aufgezeigt bekommen möchte, der kann getrost zu diesem Buch greifen und obendrein noch einiges lernen.

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    S
    Sabine-Svor 3 Jahren
    Roman und Psychotherapiesitzung in Einem

    Wer mit Psychologie (bzw. Philosophie) nichts am Hut hat, wird sich meiner Meinung nach mit dem Buch nur schwer anfreunden können, und es ist auch keine leichte Lektüre. Die sehr unterschiedlich ausfallenden Rezensionen erkläre ich mir auch dahingehend, dass viele einen Roman erwarten, der es aber eigentlich gar nicht ist. Der Inhalt ist komplex und es bietet sich an, das Buch immer wieder kurz zur Seite zu legen, um über die Zwischentöne darin nachzudenken. Viele Zeilen habe ich mehrmals gelesen und mir sogar markiert.
    Der Inhalt ist in drei Themen aufgeteilt, zwischen denen der Autor hin und her switcht: der Psychologe als Privatmensch, als Universitätsprofessor und als Psychotherapeut in seiner Praxis.
    Und letztendlich wird klar, dass auch ein Psychologe nur ein Mensch mit Schwächen ist.
    Das Werk ist nicht unbedingt als spannend zu bezeichnen, sondern als interessant und vielschichtig. Mir hat es unwahrscheinlich gut gefallen, und ich finde es teilweise erhellender als manch psychologisches Fachbuch.

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    Aliras avatar
    Aliravor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Über Praxis und Theorie von Psychologie und Psychologen.
    Theorie und Praxis eines Therapeuten

    "Der gute Psychologe" hat sich auf Angstpatienten spezialisiert, weil diese zur Sorte der angenehmen Klienten gehören. Er ist überzeugter Vertreter der Verhaltenstherapie und steht dem “alten Wiener” in vielem kritisch gegenüber:

    “Die Tatsache, dass die meisten Gefängnisinsassen Kriminelle sind, heißt nicht, dass die meisten Kriminellen im Gefängnis sitzen. Auch hier kam der alte Wiener ins Straucheln, als er sich bemühte, angelernte Schrullen aufzuzeigen, und es verpasste, die angeborenen Neigungen des Gehirns zu identifizieren; er bastelte an der Software und vergaß die Hardware.”

    Womit er ebenfalls sicherlich Recht hat: “Es nützt uns, wenn wir das einengende viktorianische Erbe des großen Wieners von uns abschütteln.”

    Der “launische” Schlawi(e)ner hätte allerdings wahrscheinlich die  Verhaltenstherapie dahingehend kritisiert, dass die vergammelten Leichen im Keller der Angstpatienten dann eben immer wieder woanders auferstehen.

    “Der gute Psychologe“ ist es ein humorvolles Buch, das wieder einmal beweist, dass auch die “guten” Psychologen einen an der Klatsche haben (in diesem Fall ist es eine geheime Vaterschaft). Ein Buch über Theorie und Praxis von Psychologie und Psychologen.



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    Marina_Nordbrezes avatar
    Marina_Nordbrezevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Der gute Psychologe lässt mich vollkommen emotionslos zurück. Schade, ich hatte mir mehr erhofft.
    Wenn der emotionslose Psychologe zum Termin bittet ...

    Die Brigitte sagt zu diesem Buch: "Interessieren Sie sich für Psychologie? Wenn ja: Lesen Sie diesen Roman." und vielleicht hätte mich dieser Satz warnen sollen, aber ich habe ihn erst gelesen, als das Buch schon vor mir lag. Der Satz steht nämlich im Buch. Ausgefuchst. 
    Der Psychologe, dessen Namen wir nicht erfahren, was mir gut gefallen hat, hat also eine Praxis für Angststörungen. Er hält außerdem am College einen Abendkurs, um den Studenten den Weg aus der Theorie in die Praxis zu zeigen. Und dann hat er noch eine Geliebte, oder eher eine ehemalige Geliebte, Nina, mit der er ein Kind hat, welches er aber so gut wie nie sieht, weil Nina das Kind als gemeinsames Kind ihres Mannes ausgibt. Ach, ja. Und die Nachtclubtänzerin, die als neue Klientin beim guten Psychologen eine Therapie beginnt.
    Soweit die Ausgangslage. Anfangs fand ich es ganz  nett, dass jeder dieser Punkte ein eigenes Kapitel bekommen hat und die Kapitel sich immer in der gleichen Reihenfolge abgewechselt haben. Das hat mich sehr an In Treatment erinnert, die Serie war schließlich auch der Auslöser, warum ich dieses Buch lesen wollte. Nur hat mich die Geschichte komplett kalt gelassen. Die Therapie der Nachtclubtänzerin war belanglos, von anderen Therapiestunden bekommt der Leser nichts mit, die Vorlesung war belanglos und der einzige für mich interessante Punkt, nämlich das Verhältnis des Therapeuten zu Nina wurde relativ kurz abgehandelt und danach vernachlässigt. 
    Ich hatte zwischenzeitlich öfter überlegt, ob ich das Buch abbrechen soll, weil ich einfach keinen Zugang dazu gefunden habe, aber ich bin ganz schlecht im Abbrechen von Büchern, deswegen hab ich mich durch die letzte Hälfte des Buches gequält und das Gähnen ignoriert. 
    Vielleicht ist das Buch wirklich interessant, wenn man sich für Psychologie interessiert bzw. wenn man ein Grundverständnis für Psychologie und psychologische Behandlungen hat. Vielleicht ist es genau das richtige Buch für Psychologie-Studenten. Mich lässt das Buch komplett emotionslos zurück. Ich könnte noch sagen, dass mir das Cover gefällt, das wars dann aber schon. 

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    schokoloko29s avatar
    schokoloko29vor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch, welches unterhält und gute Hintergrundinformationen über Ängste und deren Behandlung bietet.
    Eine Stripteasetänzerin mit einer Panikstörung

    Inhalt des Buches:
    Der gute Psychologe behandelt eine Stripteasetänzerin mit Lampenfieber (bis Panik). Durch sie wird der Leser in die Welt der Psychologie (Theorie und Praxis) eingeführt. 

    Eigene Meinung:
    Mir hat das Buch sehr gefallen. Es wird sehr schön das einsame Leben des Psychologen porträtiert. Auch die Therapie der Angstpatienten wird sehr gut und sehr unspektakulär dem Leser beschrieben.

    Fazit:
    Wer sich für  Psychologie und den Schriftsteller Yalom mag, soll dieses Buch lesen!!

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    WildRoses avatar
    WildRosevor 4 Jahren
    Ein Roman voller Metaphern...

    "Der gute Psychologe" war mein erster Roman von Noam Shpancer. Insgesamt handelt es sich um ein solides, recht düsteres Buch über einen erfolgreichen Psychotherapeuten, welcher Menschen mit Angststörungen behandelt, jedoch sein eigenes Privatleben nicht wirklich im Griff hat. Seine Lebensweise wirkt recht eintönig, er hat keine richtige Familie, konzentriert sich ganz aufs Therapieren und Unterrichten von Studenten an der Uni.
    In dem Buch geht es um eine besondere Klientin, eine Nachtclub-Tänzerin, die aufgrund von Angstzuständen dieser Beschäftigung nicht mehr nachkommen kann. Obwohl die Sitzungen mit ihr auf den Leser interessant wirken, erwartete ich mir doch, ein bisschen mehr über diese Frau zu erfahren. So erzählt sie in einer Sitzung von einem traumatischen Erlebnis aus ihrer Kindheit, doch darauf wird eben nur kurz eingegangen, obwohl man erwartet, dass dies noch genauer thematisiert wird. Die Klientin bleibt ein bisschen farblos für den Leser, sie ist zwar wichtig, aber eigentlich geht es vor allem um den Therapeuten, weniger um diese Klientin.
    Der Buch ist kurzweilig, aber voller Methaphern. Diese sind teilweise nicht schlecht, mal amüsant, mal nachdenklich, doch für einen so kurzen Roman war es mir ein bisschen zu viel, der Autor erweckte dadurch den Eindruck, sein gesamtes psychologisches Wissen dem Leser quasi an den Kopf knallen zu wollen.
    Etwas unrealistisch und hölzern wirken auch die Dialoge, beispielsweise die zwischen dem Psychologen und den Studenten bzw. der Klientin. Hier hat der Autor sich ein bisschen übernommen. In der Realität würden diese Gespräche ganz anders ablaufen, in dem Buch aber stellt der Psychologe teilweise wirklich merkwürdige, verwirrende Fragen, und früher oder später hat dann sein Gegenüber einen Geistesblitz und spricht genau das aus, was der Psychologe hören will. Das ist etwas befremdlich.
    Nichtsdestotrotz ein netter, nachdenklicher Roman.

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    Geris avatar
    Gerivor 4 Jahren
    Psychologie Fachwissen + Roman = perfekte Unterhaltung!

    Bei diesem Buch ist der Titel wahrlich Programm, denn diesem Psychologe entgeht wirklich nichts. Er ist ein Fachmann auf seinem Gebiet, therapiert tagsüber Angstpatienten und lehrt abends an der Uni, um sein Wissen weiterzugeben. 

    Auf manche mag er arrogant wirken, ich hingegen bin absolut beeindruckt und finde ihn einfach nur faszinierend. Er dominiert die komplette Handlung des Buches, alle anderen sind Nebenfiguren und doch kennt man nicht mal seinen Namen. Von Anfang bis Ende wird er mit "Der Psychologe" benannt, was ich noch in keinem Buch bisher so erlebt habe und spannend finde, diese Vorgehensweise zu hinterfragen. 
    Ich habe es mir so erklärt, dass er auf den Leser genauso unnahbar wirken soll, wie auf seine Patienten - auch wenn der Leser letztlich doch viel mehr erfährt als alle anderen innerhalb der Geschichte, bleibt ein Rest von Abstand erhalten und man lernt den Psychologen nie ganz kennen. 
    Interessant finde ich dabei, dass auch ein weiterer Charakter der Geschichte nicht namentlich genannt wird, der keine wesentliche Rolle in der Geschichte spielt, aber dadurch doch wieder hervorgehoben wird, weil er diese Gemeinsamkeit mit dem Protagonisten hat.

    Inhaltlich geht es um zwei Hauptthemen, die meist im Wechsel erzählt werden: Einerseits therapiert der Psychologe eine Nachtclubtänzerin, die eine Angst vor dem Auftreten im Club entwickelt hat und andererseits bringt er den Studenten an der Uni die Psychologie nahe. 
    Für beide Erzählstränge muss man ein gewisses Interesse an der Psychologie mitbringen, sonst wird einen das Buch eher langweilen. Es ist sehr detailliert im Fachlichen, was mir sehr gut gefallen hat und vermutlich dem Beruf des Autors (Therapeut und Professor für Klinische Psychologie) zu verdanken ist. 

    Der Protagonist macht eine enorme Entwicklung innerhalb der Geschichte durch, was mich immer besonders freut! Zu Anfang wirkt er müde und eingefahren, aber je mehr die Handlung fortschreitet, desto mehr öffnet er sich für seine Umwelt und zeigt dem Leser, dass er auch nur ein Mensch ist. 

    Es ist mein zweites Buch von Noam Shpanzer und nun kann ich behaupten, dass er auf der Liste meiner Lieblingsautoren ganz weit oben steht! Die Psychologie in Romanform zu packen, ist für mich die perfekte Kombination für eine gelungene Unterhaltung und ich würde mich sehr freuen, wenn er noch viele Bücher dieser Art schreibt!

    Fazit:
    Für Psychologie-Interessierte uneingeschränkt empfehlenswert und garantiert ein Highlight am Bücherhimmel!

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    Kleinstadtkatzes avatar
    Kleinstadtkatzevor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Shpancer verpackt psychologische Theorie, Herzschmerz und eine unbestreitbare, gewisse Grundspannung in eine kurze,unterhaltsame Geschichte.
    Nett und kurzweilig. Für Interessierte ein amüsanter Schmöker.

    Nach meinen zwei sehr umfangreichen Prüfungen wollte ich mir die "schöne" Seite meines Studium anschauen, nämlich die praktische Anwendung der ganzen Theorien, Grundsätze, etc. Und wie lässt sich das besser verbinden, als etwas darüber zu lesen, was nicht der langen, drückenden Pflichtlektüre des Studiums entspricht.
    Ich bin gut unterhalten worden, habe sehr viele Sachen gelesen, die ich so bzw ausführlicher schon kannte und habe die schöne Verpackung, nämlich die Geschichte um den Psychologen und seine Klienten, genossen.
    Im Grunde wird schon auf dem Cover das Klischee des Psychiaters bzw. des Psychologen überhaupt bedient.. nämlich das Sofa, wo man sich hinsetzt (noch besser hinlegt) und von seinen Problemen erzählen sollte. Okay, für Laien und Interessierte ganz ansprechend, jedoch lehnt der gute Psychologe im Buch an sich die Haltung des Psychoanalytikers Sigmund Freud, der ja das Couch-Hinleg-und-Erzähl-Klischee ja erst geprägt hat, ab. Aber das sind so kleine Ungereimtheiten, die man als Streber so mitbekommt.

    Die Geschichte bzw die Handlung an sich ist schon einfacher. Der Psychologe (anders wird der Hauptprotagonist ja auch nicht bezeichnet) behandelt Patienten mit Angststörungen, nachdem ihm die Persönlichkeitsstörungen (insb. Borderliner, nächstes Klischee!) zu langatmig waren. Für mich ist er so die Reinkarnation, die Ausgeburt eines Rationalisten, so ruhig und bedacht. Doch zeigt sich eben nach der Begegnung mit der Stripperin Tiffany, deren Angst darin besteht, dass sie eben Angst vor der Bühne hat, dass auch der coolste und gelassenste Psychologe durchaus zu Emotionen befähigt ist. Dazu kommt noch die Geschichte mit Nina, einer vergangenen Liebschaft... und so verpackt Noam Shpancer psychologische Theorie, Herzschmerz und eine unbestreitbare, gewisse Grundspannung in eine kurzweilige, jedoch ganz unterhaltsame Geschichte. Für Psychologen/psychologische Laien und Studenten ist diese Lektüre sicherlich weitaus interessanter, als für den Durchschnittsleser, dennoch wohnt ihr auch eine Moral bzw These inne, die sicherlich auch Nicht-Psychologen zum Nachdenken bringt.

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    Taless avatar
    Talesvor 5 Jahren
    Der von sich eingenommene Psychologe

    Gleich vorweg: Fachlich gibt es an diesem Roman wenig auszusetzen. Es werden die gängigsten psychologischen Theorien gut und beispielhaft beschrieben.


    Weshalb mich der Roman trotzdem nicht für sich einnehmen konnte: Leider war mir der Protagonist nicht sonderlich symphatisch. Offenbar ist der Autor kein Befürworter Freud'scher Thesen. Auch das ist für mich in Ordnung, denn auch ich kann mich mit dem Großteil der psychoanalytischen Theorien Freuds nicht identifizieren. Jedoch wird hier eine Meinung auf derart abgehobene und überhebliche Art vermittelt, dass ich mich phasenweise richtiggehend geärgert habe über die Anmaßungen, die sich der Autor hier herausnimmt.


    Inhaltlich gibt der Roman auch wenig her. Im Grunde passiert nichts. Noam Shpancer hat mit "Der gute Psychologe" seine Theorien und Erfahrungen in das durchsichtige Mäntelchen eines Romans gepackt. Wenig Spannung, wenig Tiefgang. Schade.

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    nr-verlags avatar
    nr-verlagvor 6 Jahren
    Rezension zu "Der gute Psychologe" von Noam Shpancer

    Der Psychologe, und nur so wird er das ganze Buch hindurch genannt, nie erfahren wir seinen Namen, ist genaugenommen Therapeut. Tagsüber behandelt er in seiner Praxis Angstpatienten, Abends gibt er Vorlesungen. Den Beschreibungen der Therapiesitzungen folgen immer wieder die der Seminare. Mit diesem Kunstgriff gelingt es dem Autor, die theoretischen Hintergründe des therapeutischen Vorgehens auf lockere, ganz und gar nicht lehrbuchhafte Art zu erklären. Und er weiß, wovon er schreibt, denn Noam Shpancer ist Professor für klinische Psychologie an der Universität von Ohio.
    Das Buch gewährt einen gut zu lesenden, interessanten Einblick in das, was sich gewöhnlich hinter verschlossenen Türen in Therapiesitzungen abspielt – oder abspielen könnte, denn manchmal ist der gute Psychologe einfach zu gut. Mit überraschenden Wendungen und kommunikativem Geschick, einem scharfen Blick für Kleinigkeiten sowie manchmal beeindruckenden Attraktionen aus der Trickkiste des erfahrenen Therapeuten gelingt es ihm, seine Klienten – insbesondere eine Nachtclubtänzerin mit Bühnenangst – auf den Weg zur Selbsthilfe zu leiten. Erst gegen Ende des Buches unterlaufen ihm auch gelegentlich Fehler, die ihn aber viel menschlicher erscheinen lassen. Vor allem als deutlich wird, dass der Versuch, die therapeutische Beziehung - diese mit ihren eigenen Regeln sehr künstliche Art des Umgangs miteinander - auf sein karges Privatleben zu übertragen, scheitert. Der Psychologe ist gut darin, anderen Menschen zu helfen, doch für sich selbst fällt ihm dies schwer.
    Ein lesenswerter Roman für alle, die sich für Psychologie, Kommunikation, durchaus auch Manipulation, und die verwirrenden Hintergründe menschlichen Verhaltens in Beziehungen interessieren.

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