Nojoud Ali

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Ich, Nojoud, zehn Jahre, geschieden

Ich, Nojoud, zehn Jahre, geschieden

 (49)
Erschienen am 01.09.2010

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Rezension zu "Ich, Nojoud, zehn Jahre, geschieden" von Nojoud Ali

7 quotes why: Ich, Nojoud, zehn Jahre, geschieden von Nojoud Ali
Krimifee86vor 10 Monaten

Vorwort: Ich schreibe Rezensionen, weil es mir Spaß macht, mich auch im Nachhinein noch einmal mit einem Buch zu beschäftigen und zu reflektieren. Allerdings merke ich immer mehr, dass mir das nicht mehr so gelingt, deshalb versuche ich jetzt erst einmal was Neues: Ich möchte meine favorsierten Zitate aus dem Buch aufschreiben. So lese ich aufmerksamer und genauer und ich bin gespannt, wie das mein Lesevergnügen beeinflussen wird.

1. Immer wieder war ich drauf und dran mir den niqab herunterzureißen, durch den ich kaum Luft bekam. Ich fühlte mich klein, zu klein für all das. Für diesen niqab, für diese lange Reise, weit entfernt von meinen Eltern, für dieses neue Leben an der Seite eines Mannes, der mich anwiderte und den ich nicht kannte. [Seite 60]

2. Mein Leben nahm auf allmählich eine neue Wendung in dieser Welt der Großen, in der Träume keinen Platz mehr haben, in der alle Gesichter erstarrt sind und kein Mensch sich um mich schert. [Seite 64]

3. Nicht nur hatte das Monster mir weh getan, sondern nun verteidigte meine Familie, meine eigene Familie ihn auch noch. Und zwar nur wegen der ... der ... Weswegen noch mal? Wegen der Ehre. Was sollte das eigentlich heißen, dieses Wort, das sie andauernd gebrauchten? [Seite 96]

4. Ich versuche, tapfer zu lächeln. Doch innerlich bin ich wie gelähmt. Ich kann mich kaum bewegen, mir ist, als seien meine Füße an den Boden genagelt. Da steht eine große Frage vor mir, die mir Angst macht. Wie geht das überhaupt, Scheidung, was heißt das eigentlich? [Seite 111]

5. Für mich ist es alles andere als einfach, solchen Gesprächen zu folgen. Worte, Worte, nichts als Worte. Erst leise Worte, dann harte und immer härtere, wie Steine, die man an eine Mauer wirft, so dass sie zerspringen. [Seite 119]

6. Verglichen mit den Träumen, die man hat, kommt einem die Wirklichkeit manchmal sehr grausam vor. Aber sie kann auch schöne Überraschungen bereithalten. [Seite 130]

7. Begeistert und mutig wie schon lange nicht mehr, strecke ich die Hand in die Luft, sehr hoch, damit alle mich sehen können. Komisch, diesmal habe ich mir vorher gar nicht überlegt, ob ich mich melden soll oder nicht. Ich habe mich nicht gefragt, was Aba darüber denkt oder was die Leute hinter meinem Rücken tuscheln mögen. Ich, Nojoud, zehn Jahre alt, ich habe mich entschieden, auf eine Frage zu antworten. Und diese Entscheidung hängt von niemand anderem ab. [Seite 172]

Fazit: Vorweg: Wenn ich einem Buch drei Punkte gebe, dann ist das absolut in Ordnung. Alles da drüber bedeutet, dass es unglaublich gut war, alles da drunter, dass es eben schlecht war. Nojouds Geschichte hat mich sehr berührt. Insbesondere, weil sie in dieser kindlichen Sprache geschrieben ist. Man fühlt sich selbst wie das junge Mädchen, das nicht glauben kann, was um einen herum passiert. Man ist wütend auf die Männer, die Nojoud und all den anderen Mädchen ein schreckliches Schicksal aufbürden. Und man ist böse auf die Welt, die das zulässt. Gleichzeitig muss ich ehrlich sagen, dass ich bei solchen Büchern auch immer wieder Dankbarkeit empfinde, dafür so anders aufgewachsen zu sein. Und dass es mir hilft, zu realisieren, wie unbedeutend die Dinge doch oftmals sind, die mich in meinem Alltag so bewegen.

Kurzmeinung: Die Geschichte von Nojoud stimmt unglaublich nachdenklich, insbesondere weil die Geschichte so authentisch geschrieben ist.

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Rezension zu "Ich, Nojoud, zehn Jahre, geschieden" von Nojoud Ali

Ein wichtiges Buch...
pardenvor 3 Jahren

EIN WICHTIGES BUCH...

Als ich zehn Jahre alt war - was habe ich da gemacht? Ich war gerade mit meinen Eltern und meinem Bruder in ein neues Haus gezogen, ich ging in die vierte Klasse der Grundschule, hatte Musikunterricht, war im Sportverein und spielte mit meinen Freundinnen, fuhr Rollschuhe, baute Baumhäuser, ging im Sommer schwimmen und liebte die Ferien auf dem Bauernhof meiner Großeltern.

Nojouds Kindheit sieht anders aus. Als Kind einfacher Eltern in Jemen, die meist keine Arbeit und nur sehr wenig Geld haben, lebt sie inmitten von zahlreichen Geschwistern.  Es gibt kaum Spielsachen, manchmal so wenig zu essen, dass es kaum für alle reicht, Fernsehgeräte oder Radios sind nur vom Hörensagen bekannt. Und doch ist Noujoud eine ganz normale Zehnjährige mit ganz normalen Vorlieben, Träumen und einem großen Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Familie. Doch dann verwandelt sich ihr Leben in einen Albtraum.

Nojoud wird gezwungen, die Schule im zweiten Schuljahr abzubrechen, kurz bevor ihr Vater sie einem dreimal so alten Mann zur Ehefrau gibt. In einem abgelegenen Dorf fern ihrer Familie ist sie seinem Willen und dem ihrer Schwiegermutter schutzlos ausgeliefert. Geschlagen, gedemütigt - und vergewaltigt.


Trotzdem würde ich mir so sehr wünschen, dass mich jemand an der Hand nimmt, mich mitfühlend ansieht. Dass man mir zuhört, nur das eine Mal! Aber es ist, als sei ich unsichtbar. Keiner sieht mich. Ich bin zu klein für sie. Ich reiche ihnen gerade bis zur Hüfte. Ich bin erst zehn Jahre alt, vielleicht noch nicht mal, wer weiß?


Was bleibt Nojoud? Weglaufen ist sinnlos - so abgelegen, wie das Dorf ist, würde man sie rasch wieder einfangen, sie käme nie bis zum Haus ihrer Eltern. Und selbst wenn: schließlich war es ihr Vater, der sie diesem Mann zur Frau gegeben hat. Sicher würde er sie schnellstmöglich wieder zu diesem zurückschicken. Sich umbringen, weil sie es nicht mehr aushält? Nojoud beschließt in ihrer Verzweiflung einen besonderen Weg. Während eines Besuches bei ihren Eltern rennt sie weg, fährt erstmals allein mit einem Bus, schließlich sogar mit einem Taxi, denn plötzlich hat sie ein Ziel: das Gericht.


Ich bin ein Mädchen vom Land, das in der Hauptstadt lebt. Ich habe mich immer den Befehlen der Männer aus der Familie gebeugt. Seit jeher habe ich gelernt, zu allem 'Ja' zu sagen. Heute habe ich beschlossen, 'nein' zu sagen.


Bei Gericht begegnet Nojoud schließlich der Anwältin Chadha Nasser. Und das Mädchen kann hier nicht nur endich ihre Geschichte erzählen, sondern erfährt tatsächlich Hilfe. Was niemand zu hoffen gewagt hat: Sie erwirkt nach Wochen des Bangens die Scheidung ihrer Zwangsehe und darf endlich das Haus ihres Ehemanns verlassen. Über die Landesgrenzen hinaus wurde ihr Schicksal bekannt, und so wurde durch den Mut der Zehnjährigen vieles in Bewegung gebracht.

In Jemen gilt die Zwangsverheiratung kleiner Mädchen als unumstößliche Tradition. Ein jemenitisches Sprichwort besagt: 'Heirate ein Mädchen mit neun, und deine Ehe wird glücklich sein.' Nach Nojouds Scheidung haben sich nicht nur andere Mädchen getraut, sich gegen ihre Ehemänner zu erheben, sondern es ist ein Tabuthema ans Licht der Öffentlichkeit gebracht worden, das auch viele andere Länder betrifft: Ägypten, Indien, Iran, Mali, Pakistan... In Jemen wurde inzwischen die Gesetzgebung geändert: das Mindestalter für die Eheschließung wurde auf 17 Jahre angehoben. Auch wenn sich die Tradition sicher nicht von heute auf morgen ändern wird, kann dies für die Mädchen als Zeichen der Hoffnung gesehen werden...


Vor kurzem starb ein neunjähriges jemenetisches Mädchen, das mit einem Saudi verheiratet war, drei Tage nach der Hochzeit. Die Eltern hätten entsetzt sein müssen! Stattdessen haben sie sich eiligst bei dem Ehemann entschuldigt und ihm als Ersatz die siebenjährige Schwester des Mädchens angeboten, so als hätten sie ihm schlecht Ware geliefert.


Dieses Buch erzählt von einer Geschichte, die weltweit für Aufsehen sorgte und Wellen schlug, die bis heute nicht abgeklungen sind. Insofern ist es ein wichtiges Buch. Es ist immer schwer, solche Bücher zu 'bewerten', denn schließlich wird hier ein Schicksal beschrieben. Meist aus der kindlichen Sichtweise Nojouds erzählt, erfährt der Text Ergänzungen durch Delphine Minoui, die als Journalistin als Nah-Ost-Expertin gilt. Sie schlägt den Bogen von der Schilderung des Einzelschicksals hin zu den gesellschaftlich-politischen Auswirkungen von Nojouds Geschichte, wodurch der Leser einen guten Einblick erhält in die Gegebenheiten Jemens. Dies hat das Buch in meinen Augen rund gemacht.

Ein sehr eindrückliches Buch über ein Tabuthema, berührend und informativ zugleich.


© Parden

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Rezension zu "Ich, Nojoud, zehn Jahre, geschieden" von Nojoud Ali

Thema berührend, Schreibstil mittelmäßig
WildRosevor 4 Jahren

Gemeinsam mit der französischen Journalistin Delphine Minou berichtet Nojoud Ali in diesem Buch von ihrer Zwangsheirat mit einem viel älteren Mann, der sie schlug und sexuell missbrauchte. Nojoud ist eine der wenigen, die sich gegen diese Tradition auflehnten. Sie ging mit ihrer Geschichte vor Gericht, ihr Fall erlangte internationale Bekanntheit.
Die Thematik ist wirklich berührend und Nojouds traurige Erfahrungen lassen den Leser so schnell nicht mehr los. Einzig der Schreibstil stört. Es ist ja ohnehin davon auszugehen, dass Nojoud Delphine Minou ihre Geschichte erzählte und die erwachsene Frau sie dann für das Mädchen aufschrieb. Daher hätte Minou auch einen etwas anspruchsvolleren, tiefgründigeren Schreibstil wählen können, um das Buch für erwachsene Leser informativer zu gestalten. So aber wirkt dieses Buch fast schon lieblos dahingeschmiert und wird Nojouds tragischer Geschichte nicht wirklich gerecht. Die Autorin des Buches hat sich anscheinend nur oberflächlich mit dem Jemen beschäftigt.
Doch wer weiß, vielleicht schreibt Nojoud ja eines Tages ganz alleine ihre Geschichte auf - auf dieses Buch wäre ich sehr gespannt.

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