Die Straße zum 10. Juli

von Nona Fernández 
4,0 Sterne bei2 Bewertungen
Die Straße zum 10. Juli
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Eine äusserst beeindruckende Lektüre, die mich durch ihre Andersartigkeit gefesselt hat.

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Inhaltsangabe zu "Die Straße zum 10. Juli"

Immer wieder zieht es Greta in die »Straße zum 10. Juli« in Santiago de Chile. Es ist die berühmte Straße der Ersatzteilverkäufer. Hier sucht Greta die nötigen Teile, um den Schulbus, in dem ihre einzige Tochter tödlich verunglückte, wieder zusammenzusetzen. Die Suche führt sie zurück in ihre eigene Vergangenheit und in das verlassene Haus ihrer Jugendliebe Juan, das als einziges Gebäude der Gegend trotzig den Abrissplänen einer Baufirma widersteht. Doch Juan ist verschwunden, so wie damals die Freunde der kommunistischen Jugendbewegung zu Zeiten der Militärdiktatur, so wie die Kinder der Colonia Dignidad. Doch irgendwo in einem Loch im Boden werden sie alle gefangen gehalten, all die Verschwundenen. Irgendwo unter der Erde Chiles brodelt es gewaltig.

Nona Fernández’ Roman mahnt das Schweigen über die nahe Vergangenheit an. Die Verbrechen unter der Militärdiktatur, die weder vor Jugendlichen noch Kindern haltmachten und sogar dankbar an flüchtige Sexualstraftäter outgesourct wurden. (Die Auseinandersetzung mit der Rolle der deutschen Außenpolitik bei der Entstehung der Colonia Dignidad findet gerade ganz aktuell statt.) Alles ist miteinander verwoben, es gibt kein Einzelschicksal, das sich von der kollektiven Geschichte befreien könnte.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783902711199
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:336 Seiten
Verlag:Septime Verlag
Erscheinungsdatum:01.02.2017

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    Jaris avatar
    Jarivor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Eine äusserst beeindruckende Lektüre, die mich durch ihre Andersartigkeit gefesselt hat.
    Nona Fernández - Die Strasse zum 10. Juli

    Dieses Buch erhielt ich im Zuge meiner neuen Mitgliedschaft im "Anderen Literaturclub", ohne diesen wäre ich wohl nie auf dieses Werk aufmerksam gemacht worden. Da wäre mir tatsächlich etwas entgangen.

    "Die Strasse zum 10. Juli" ist anders und speziell. Südamerikanische Autoren tröpfeln immer wieder auf unseren Buchmarkt, aber eben - sie tröpfeln. Man kennt einige grosse Namen (Marquez, Llosa, Borges). Deshalb habe ich mich für den "Anderen Literaturclub" angemeldet und es definitiv nicht bereut!

    Fernández bedient sich eines angenehmen Erzähltempos, das nichts übereilt. Dabei klingt ihre Sprache in der Übersetzung von Anna Gentz angenehm nach. Obwohl die Autorin keine leichten Schicksale erzählt, kommt an keiner Stelle klebriges Selbstmitleid zum Zuge. Die Figuren verhalten sich entsprechend ihren Charakterzügen und Erfahrungen.

    Die Geschichte ist in unterschiedlichen Stilen geschrieben, als Leser muss man sich an einigen Stellen neu orientieren. Dies ist ein interessanter Schachzug Fernández' - der Stil passt sich der Handlung an, ist wandelbar und erneuert sich. Zu Beginn erzählt Juan, dann Greta, um dann zu einem E-Mail-Roman zu werden und schlussendlich bekommen wir noch eine Prise Magischen Realismus.

    Auch die Erinnerungen aus der Jugendzeit Juans und Gretas tauchen immer wieder auf, sie verbinden diese zwei Menschen quer durch alle Jahre hindurch, bilden den Grundstock für dieses Buch. Auch hier erzählt Fernández fast gefühllos, aber welche Gefühle sind schon angebracht, wenn man von solchen Ereignissen erzählt? Ihr Erzählfluss trägt uns weiter, wieder in die Gegenwart, um später noch einmal zurückzukehren.

    Es war eine äusserst beeindruckende Lektüre, die mich durch ihre Andersartigkeit gefesselt hat. Bekannte Motive werden aufgegriffen, aber zumindest für unsere Verhältnisse anders dargestellt. Gretas Suche nach den Einzelteilen des Busses zum Beispiel, als ob sie die Teile ihrer Tochter zusammensuchen würde.

    Zum Ende hin klären sich auch beim Leser die Zusammenhänge, auch wenn mir persönlich diese unterirdische Welt (noch) nicht ganz klar ist. Hier bietet sich viel Potential zum Interpretieren und Nachdenken bzw. -forschen.

    Wer gerne mal literarisch experimentiert und sich vor dem Blick über den Tellerrand nicht fürchtet, dem lege ich Nona Fernández ans Herz. Mich auf jeden Fall hat sie mit "Die Strasse zum 10. Juli" tief bewegt.

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    Tupenis avatar
    Tupenivor einem Jahr

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