Lebensnebel
Dieses Buch empfinde ich als wahnsinnig mutig! Jedes Buch über eine psychische Erkrankung, jeder Gang an die Öffentlichkeit zeugt von einer Menge Mut und wirkt der elendigen Stigmatisierung psychischer Erkrankungen entgegen. Sitzt man doch oft dem Irrglauben auf, dass psychische Erkrankungen Therapeuten und Ärzte nicht ereilen können, da sie ja "vom Fach" sind, belehrt einen dieser ehrliche Erfahrungsbericht eines besseren.
Der erste Abschnitt beschreibt in für Laien verständlicher Sprache Fachliches zum Thema Depressionen. Es ist sehr wichtig, dem Leser, der gegebenenfalls mit diesem Thema noch nicht viele Berührungspunkte hatte, einen verständlichen und wissenschaftlich korrekten Umriss über diese Erkrankung zu geben und das ist der Autorin sehr gut gelungen.
Nora-Marie Ellermeyer steht mitten im Leben mit ihrer Familie und ihrem Beruf als Psychotherapeutin, in dem sie tagtäglich Menschen mit psychischen Erkrankungen behandelt. Im zweiten Teil ihres Buches widmet sie sich ihrer persönlichen Geschichte und erzählt mit einfühlsamer und eindringlicher Sprache, wie diese Erkrankung ihr Leben auf den Kopf gestellt hat, wie es ist, als Psychotherapeutin plötzlich in der Lage der Patientin zu geraten und sein ganzes Leben neu überdenken zu müssen. Ehrlich und ungeschönt schreibt sie von ihren depressiven Episoden, der Achterbahn ihrer eigenen Therapie und dem, was eine schwere Depressionen sowohl privat als auch beruflich für Konsequenzen hat.
Das Besondere an diesem Buch ist die Sicht einer Betroffenen, die gleichzeitig auch Psychotherapeutin, also §vom Fach" ist, wo es doch gerade für helfende Menschen noch ein Tabu ist, selbst zu erkranken und Hilfe zu brauchen. Ein Buch, welches aufklärt, entstigmatisiert und gleichzeitig ein Hoffnungsgeber für Betroffene und Angehörige ist, den Alltag mit dieser Erkrankung mit Respekt, Mut und viel Verständnis zu begehen und die gemachten Erfahrungen stärkend für sich nutzen zu können.
Unbedingt lesen!


