Nora Bartels

Lebenslauf

Nora Bartels studierte Japanologie und Sinologie in Berlin und promovierte in Heidelberg, mit Forschungsaufenthalt an der Universität Osaka. Heute arbeitet sie als Referentin für Bildungsarbeit an der Mori-Ôgai-Gedenkstätte in Berlin und als freischaffende Übersetzerin. Sie übertrug u. a. Hideo Yokoyama ins Deutsche.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Nora Bartels

Cover des Buches Die Aosawa-Morde (ISBN: 9783038820321)
P

Rezension zu "Die Aosawa-Morde" von Riku Onda

porte-bonheur
Warum ist die Welt immer so laut? Gibt es absolute Stille?

Es gilt einen besonderen Tag zu feiern: drei Familienmitglieder unterschiedlicher Generationen haben Geburtstag. Alle aus der Familie sind deshalb im Haus der Aosawas, das im übrigen eine bekannte Klinik ist, zusammen mit vielen Nachbarn und Freunden versammelt, um das große Fest zu feiern. Ein Bote überbringt dabei einen besonderen Gruß eines Freundes, einen wertvollen Sake und verlockende Softdrinks für die Kinder. Die Familie ist erfreut und stößt an auf einen herausragenden Tag. Nur wenig später liegen alle, die Getränke zu sich genommen haben, auf dem Boden und winden sich vor Krämpfen. Es dauert nicht lange und 17 Beteiligte sind tot, vergiftet wie sich später herausstellt, durch Zyanid, das in die Getränke eingebracht worden war. Die Polizei nimmt die Ermittlungen auf und hofft, dass sie zumindest von der einzig Überlebenden, der 12-jährigen Hisako Hinweise erhält. Doch welche Hilfe soll das Mädchen schon geben können, wo es doch blind ist? Da finden sich bei einem Selbstmörder nicht nur Abschiedsbrief, in welchem er sich der Tat bezichtigt, sondern auch entsprechende Beweise. Die Tat scheint aufgeklärt, doch die Beteiligten kommen nicht zur Ruhe. Das zur Tat ebenfalls kleine Mädchen Makiko, das kurz zuvor ebenfalls im Haus der Aosawas war, schreibt über diesen Tag und die Feier sogar ein Buch, zu dem sie alle relevanten Zeitzeugen ausgiebig befragt und auf den Seiten geheimnisvolle Hinweise gibt, die aber nur der eigentliche Täter erkennen kann.

Puh, was für ein Buch! Ein Kriminalroman? Wenn ja, dann eher Roman als Krimi und jeder, der einen "typischen" Krimi erwartet, wird hier zutiefst enttäuscht werden. Ich war es am Ende jedenfalls! Gar nicht mal so sehr wegen des nicht typischen Krimi-Geschehens, sondern der mich nur wenig überzeugenden Perspektivwechsel wegen, wozu auch die einförmige Sprache gehört. Das Buch wurde mir von einer Buchhändlerin empfohlen, die davon ganz begeistert erzählte. Und wirklich, wie man den Rezensionen entnehmen kann, stößt das Werk auf ganz unterschiedliche Bewertungen. Damit wäre es dann aber doch zumindest gute Literatur, denn eine solche soll doch anregen, zum Disput und damit zum eigenen Denken und zur eigenen Meinung und das bewirkt dieses Buch auf jeden Fall. Am Ende muss sich der Leser auch seine ganz eigene Meinung über den eigentlichen Ausgang machen. Was sieht er denn jetzt als Fakt an. "Was sind denn Tatsachen, wenn man es genau nimmt."(S. 270) Und: "Wahrheit ist nichts anderes als die Sichtweise auf einen Gegenstand aus einer bestimmten Perspektive."(S. 64) Wer sich also gerne einmal in seinen Krimi-Leserwartungen kreativ stören lassen will, ist mit diesem Buch besetns bedient.

Cover des Buches Die Aosawa-Morde (ISBN: 9783855351275)
K

Rezension zu "Die Aosawa-Morde" von Riku Onda

kurti66
Eintönige Sprache, immer die gleichen Metaphern, langweilige Handlung, keine Lösung

Da wurde dieses Werk des Japaners Onda von einigem Kritikern in den Himmel gelobt und gar auf den ersten Platz der Krimi-Bestenliste gehievt: "Meisterwerk aus Japan" , " absolut fesselnd" und "ungewöhnlichster Spannungsroman" sind nur einige der Superlative, mit denen die geneigte Presse hier um sich wirft. Wer diese Lobeshymnen für bare Münze hält und das Buch liest, wird schon bald auf den Boden der nüchternen Fakten zurückgeholt. Onda schwelgt in immer den gleichen Metaphern: es ist ständig heiß und schwül, das Land dämmert unter einer gnadenlos glühenden Sonne. Dies trifft nicht nur auf das Jahr des Giftmodes zu, sondern auf alle Jahre zu, die sich im Nachgang mit diesem Ereignis beschäftigen. Seitenweise werden die Folgen von heißen Sommern beschrieben. Man kommt sich vor wie in den Berichten von 'Greenpeace' über die drohende Wetter-Apokalypse. Mit der Handlung hat das rein gar nichts zu tun. Diese schleppt sich über mehr als 350 Seiten mehr oder weniger dahin, wobei Hinweise und Fakten nur so nebenbei in den Text eingestreut werden.  Viele Einzelkapitel mit kryptischen Überschriften zerhacken das Geschehen und sezieren es in verschiedenen Zeitebenen, wobei unklar bleibt, wer der jeweilige Ich-Erzähler des Kapitels ist. Über das zentrale Ereignis des Romans - den Giftmord an der Familie Aosawa - werden erstaunlich wenige Worte verloren. Wichtiger erscheint dem Autor, den Charakter von Hisako Aosawa - der einzigen Überlebenden der Familie Aosawa - in allen Aspekten zu durchleuchten und das unfassbare Böse sichtbar zu machen. Er scheitert kläglich. Der Handlungsstrom  zerfleddert wie ein Fluss, der in unzähligen Verästelungen dem Meer und seiner Auflösung zustrebt. Das Ende - eine Explosion von unzähligen Metaphern über kalte blaue Räume, rote und weiße Kräuselmyrtenblüten, Meeresrauschen  und kryptische Gedichte - lässt den Leser ratlos und frustriert zurück, denn es gibt keine Lösung. 

Fazit:  Dieser Roman hat keine einzige Facette eines gelungenen Kriminalromans. Als Charakterstudie ist er zu eindimensional und insgesamt unglaubwürdig. Am schlimmsten aber ist der Mangel an kraftvoller Sprache. Der Autor bedient sich aus seinem begrenzten Setzkasten immer wieder der gleichen Elemente.

Ein total misslungenes Buch.              

Cover des Buches Fische, die in Sonnensprenkeln schwimmen (ISBN: 9783855350247)
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Fische, die in Sonnensprenkeln schwimmen" von Riku Onda

Gwhynwhyfar
Nicht das Genre Thriller für mich

Der Anfang «Das hier ist, könnte man sagen, die Geschichte eines Fotos. Natürlich ist es auch die Geschichte um den geheimnisvollen Tod eines Mannes, eine Geschichte über Berge, und nicht zuletzt beschäftigt sie sich auch mit der Trennung eines Paares. Apropos Foto: Neulich hatte ich ein seltsames Erlebnis»


Eine letzte Nacht wollen Aki und Hiro in ihrer gemeinsamen Wohnung in Tokio zusammen sein, reden, über das, was passiert ist, bevor ihre Wege sich endgültig trennen. Nach einer Bergwanderung, bei der ihr Führer auf ungeklärte Weise vom Fels stürzte und ums Leben kam, ist ihre Beziehung zerbrochen. Alles, was ihnen bleibt, ist ihre Erinnerung. Zwei abwechselnde Perspektiven: Beide halten sich gegenseitig des Mordes an dem Wanderführer für schuldig und sind entschlossen, in dieser Nacht die Wahrheit herauszufinden.


«Sie muss gestehen. Ich muss sie heute Abend dazu bringen.»


«Ich bin nahe dran, überzeugt zu werden. So sehr, dass ich fast den Moment sehen kann, in dem er ihn getötet hat.»


Sie sitzen in der fast leeren Wohnung zusammen, essen, trinken, reden, kreisen im Gespräch um sich herum, denken nach, erinnern sich. Jedes Wort, jede Reaktion, jede Bewegung und Geste wird vom anderen genau beobachtet und analysiert – sie lauern auf verräterische Reaktionen. Wie verändert sich die Sicht der Fische im Teich, wenn das Sonnenlicht einen anderen Einfall hat? «Ich frage mich, ob sich die Fische so fühlen, wenn sie an die Oberfläche schauen.» Und wie verändern sich die Anschauungsweisen der Menschen während eines Gesprächs? Die Nacht ist lang. Es sei an dieser Stelle nicht zu viel verraten … In welcher Beziehung standen die beiden, die miteinander ein eng verflochtenes Leben verbrachten? Und war der Bergführer einfach nur ihr Scout? Familiengeschichten, Blutsverwandtschaft, Identität und emotionale Zugehörigkeit – das Psychogramm zwei junger Menschen. Ein Drama. Wendungen an gut gesetzte Punkte, die immer wieder dem Leser neuen Einblick gewähren. Der Roman ist auch unter dem Genre Psychothriller geführt – dem würde ich widersprechen. Es liegt zwar ein durchgehender Thrill zugrunde, aber das ist auch schon alles, was an Kriminalliteratur erinnert.


Auf der einen Seite ein Buch, das fesselt, auf der anderen Seite hat es mich nicht abholen können, ein wenig zu melodramatisch. Mir fehlte ein wenig Volumen, Philosophie, was auch immer – eben mehr, über das man nachdenken kann. Die Perspektive hat mich nicht überzeugt. Jeder sitzt dort für sich, redet, denkt. Wir als Leser beobachten das, niemand versucht uns zu überzeugen. Zwei, die sicher sind, der andere habe getötet; zwei, die wissen, dass sie selbst unschuldig sind. Welchen Wert hat das für einen Leser? Wenn die Charaktere mit dem Leser gespielt hätten, wäre mehr Spannung aufgekommen. So habe ich die Geschichte heruntergelesen, man ist schnell durch. Ein Kammerspiel. Die beiden Protagonisten stellen sich gegenseitig Fragen, stellen sich selbst Fragen, erinnern sich. Und so blättern sie Stück für Stück ihr Leben bis in die frühe Kindheit auf, stoßen auf Ungereimtheiten. Wie eine Zwiebel häutet die Onda Riku die Lebenswege und das macht sie gut. Realitäten für sich selbst erschaffen, an sie glauben, welche, die man wunderbar einreißen kann, wenn man sie nicht mehr benötigt … meine Interpretation zum Thema. Das Leben ist eine Bühne und wir sind die Schauspieler, die sich ihr Stück selbst schreiben. Der Roman ist für mich gut zu lesen – aber dass ich in Entzückung ausbreche, dafür reicht es nicht.



Onda Riku wurde 1964 in der Präfektur Miyagi geboren. 1992 erschien ihr Debütwerk Rokubanme no Sayoko, das in Japan als TV-Serie verfilmt wurde. In ihrem Heimatland hat sie zahlreiche Literaturpreise gewonnen, darunter den Yoshikawa Eiji Prize for New Writers, den Yamamoto Shûgorô Prize sowie den Naoki Prize. Auf Deutsch erschien bisher ihr Kriminalroman „Die Aosawa-Morde“ (2022), der sowohl auf der „Krimibestenliste des Jahres 2022“ als auch beim Deutschen Krimipreis (in der Kategorie „International“) den ersten Platz erreichte.

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