Nora Bossong

 3.5 Sterne bei 62 Bewertungen
Autorin von Schutzzone, Gesellschaft mit beschränkter Haftung und weiteren Büchern.
Autorenbild von Nora Bossong (© Kerstin Fischer )

Lebenslauf von Nora Bossong

Große Literatur für Jedermann: Nora Bossong wird 1982 in Bremen geboren. Sie studiert Literaturwissenschaft am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Zudem absolviert sie ein Studium der Kulturwissenschaft, Philosophie und Komparatistik an der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Potsdam und der Universität La Sapienza in Rom. Heute lebt Nora Bossong in Berlin.

Die Autorin verfasst Lyrik und Prosa, welche in Zeitschriften und Anthologien publiziert werden. Im Jahr 2006 erscheint ihr Debütroman »Gegend«. Bossong wird mit verschiedenen Preisen für ihre literarischen Werke ausgezeichnet. Sie erhält unter anderem den Peter-Huchel-Preis 2012 und den Wolfgang-Weyrauch-Preis im Jahr 2007. Mit ihrem Roman »Schutzzone« schafft sie es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2019.

Neue Bücher

Schutzzone

 (26)
Erscheint am 18.01.2021 als Taschenbuch bei Suhrkamp.

Schutzzone

 (1)
Erscheint am 18.01.2021 als Hörbuch bei Der Audio Verlag.

Alle Bücher von Nora Bossong

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Cover des Buches Schutzzone (ISBN: 9783518471142)

Schutzzone

 (26)
Erscheint am 18.01.2021
Cover des Buches Gesellschaft mit beschränkter Haftung (ISBN: 9783446239753)

Gesellschaft mit beschränkter Haftung

 (14)
Erschienen am 27.08.2012
Cover des Buches Rotlicht (ISBN: 9783446254572)

Rotlicht

 (8)
Erschienen am 20.02.2017
Cover des Buches 36,9° (ISBN: 9783423145732)

36,9°

 (7)
Erschienen am 07.07.2017
Cover des Buches Webers Protokoll (ISBN: 9783442741816)

Webers Protokoll

 (2)
Erschienen am 09.05.2011
Cover des Buches Neubuch (ISBN: 9783935269377)

Neubuch

 (1)
Erschienen am 07.10.2008
Cover des Buches Sommer vor den Mauern (ISBN: 9783446236295)

Sommer vor den Mauern

 (1)
Erschienen am 07.03.2011
Cover des Buches Reglose Jagd (ISBN: 9783866744325)

Reglose Jagd

 (1)
Erschienen am 01.06.2014

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Neue Rezensionen zu Nora Bossong

Neu

Rezension zu "Schutzzone" von Nora Bossong

„In der Welt verloren gegangen.“ (S. 27)
leseleavor 8 Monaten

Das trifft nicht nur auf die Protagonistin von Nora Bossongs Roman Schutzzone zu, sondern leider – so muss man nach der Lektüre der knapp 330 Seiten feststellen – auf das gesamte Buch. Was sollte mir hier eigentlich erzählt werden?

Aber von Beginn an: Die Hauptfigur Mira arbeitet in Genf für das Büro der Vereinten Nationen. Sie ist für die Verhandlungen im Zypernkonflikt zuständig, die Leute sagen ihr nach, dass sie Menschen zum Reden bringen kann. Durch Rückblenden erfahren wir, dass Mira ihre Karriere in der UN in New York begonnen hat und sie zuletzt in Burundi aktiv war, wo sie für die Aufarbeitung des Völkermordes und die Bildung einer Wahrheitskommission verantwortlich war. In Genf trifft sie Milan wieder, einen Bekannten aus Kindheitstagen, mit dem sie eine Affäre beginnt, die, wie sie von Anfang an weiß, nicht gut enden kann. So weit der Plot, so gut. Nora Bossong gliedert ihren Text in Blöcke, die unter den essentiellen Begriffen „Frieden“, „Wahrheit“, „Gerechtigkeit“, „Versöhnung“ und „Übergang“ zusammengefasst werden – Begriffe, die auch in Miras Arbeit eine zentrale Bedeutung spielen und gleichzeitig der Ausgangspunk für neue Konflikte sind, ohne dass die alten gelöst wurden.

Tatsächlich finden sich zu diesem Spannungsverhältnis viele gute Sätze in Schutzzone. Die Rolle der UN wird durchaus kritisch hinterfragt, gleichzeitig wird deutlich, dass es keine Alternative zu ihr gibt. Spannend ist auch Bossongs Fokus auf die Entwicklung der Mitarbeiter: Jeder ist im Grunde seines Herzens ein Idealist und Weltverbesserer und muss sich mit seiner Funktion als kleines Rädchen im großen Getriebe der Welt zurechtfinden. Über die Jahre führt dies zu zweifelhaften Charakterzügen wie rigorose Selbstüberschätzung, depressive Resignation oder menschenfeindliche Gleichgültigkeit. Sicherlich überspitzt, doch Bossong trifft damit einen wahren Kern und weiß mit ihren bissigen Kommentaren durchaus zu unterhalten.

Man könnte also sagen, Schutzzone hat alles, was ein vielversprechender Roman braucht: eine politische Thematik, an der große moralische und ethische Fragen verhandelt werden können, einen scharfen Blick auf Figuren und das Umfeld, in dem sie agieren und eine elaborierte Sprache. Doch gerade letztere ist – und ich kann selber nicht glauben, dass ich das schreibe – die große Krux des Romans! Hier ist leider alles zu sperrig, zu assoziativ und zu entrückt; die Dialoge zu bedeutungsschwanger, die Gedankenströme der Protagonistin zu pseudophilosophisch. Das ganze inhaltliche Potential geht in einem einzigen Wortschwall unter, sodass man den Kern der Geschichte nicht erfassen kann.

Im deutschen Feuilleton wird eine solche Schreibweise ja häufig als kunstvoll und virtuos empfunden, hinter schwammigen Andeutungen lauert dann die ganz große Wahrheit, die nur für Eingeweihte zu entdecken ist. Vermutlich gehören die Jurymitglieder des Deutschen Buchpreises zu diesem illustren Kreis und konnte den Roman daher guten Gewissens 2019 auf die Longlist setzen. Der gemeine Leser bleibt hier leider außen vor und kann nichts anderes tun, als sich diesen Roman zu quälen, der von Seite zu Seite zäher und wirrer ist und mit einer enorm unmotivierten und störenden Liebesgeschichte (die ich hier dezidiert noch negativ hervorheben muss) aufwartet. Da können alle noch so interessanten Gedanken über Verantwortung und Wahrheitsfindung den Gesamteindruck nicht mehr retten. 2 Sterne und keine Leseempfehlung!

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Rezension zu "Schutzzone" von Nora Bossong

Ein Buch das Ambivalenz versprüht.
Tausendléxivor 9 Monaten

Die UN > United Nations < ist ein Zusammenschluss fast aller Länder der Erde. Die Mitgliedsstaaten verpflichten sich für den Frieden zu sorgen und bei Krisen, gemeinsam Lösungen zu finden.

Mira, die Ich – Erzählerin ist Mitarbeiterin der UN und bereist die Krisengebiete der Erde. Mal wohnt sie in schicken Hotels, mal in Stacheldraht umzäunten Camps. Sie trägt die Fakten des Grauens zusammen. Die Fakten über das Morden. Die Geschichten werden in Statistiken verarbeitet. Ein Job der niemals endet.


Die Welt stirbt, und wir bleiben zurück, Sie und ich und die Vereinten Nationen, der kalte Stein im Universum, und einige lachen darüber.< 

Seite 113


Eines Tages trifft Mira, Milan wieder. Bei Milans Familie lebte Mira einige Zeit in ihrer Kindheit, als ihre Eltern sich getrennt hatten. Sie kommen sich nun näher……………………………………..

Mira hat ein Wanderleben gewählt und sie widmet sich den Konflikten, der Kindersoldaten, den Vergewaltigungen, der Gewalt, den Lügen und der Angst. Sie ist eine Beobachterin, die für die Vernunft sorgen soll. Doch diese Aufgabe von Mira, der ganzen UN ist mit ambivalenten Gefühlen zu betrachten. Denn auch wenn die UN präsent ist und versucht zu helfen und zu vermitteln, sind ihr die Hände gebunden bei Gewalttaten, Genoziden, einzuschreiten. Und so geht das Morden unvermittelt weiter und sorgt für Statistiken. Eine UN die für Moral steht, ohne wirkliche Wirkung.

Nora Bossong lässt die Ich – Erzählerin in verschiedene Länder und zu unterschiedlichen Zeiten berichten. Die Aufgabe der UN und seinen MitarbeiterInnen wird hier deutlich gemacht. Doch Mira möchte in ihrem privaten Leben wahrgenommen werden. Sie vertritt das Helfen und die Moral und wird immer wieder vor hoffnungslose Situationen gestellt. Ihr Berufsleben spiegelt sich in gewisser Weise in ihren persönlichen Lebensumständen. Ich muss sagen, ich empfand dieses Buch als sehr trockene Kost. Die Aussichtslosigkeit ist in jedem Wort merklich spürbar. Jedoch zugutehalten möchte ich, trotz dieser Sprödheit, ist es ein interessantes Statement für die UN, obschon sie keine wirkliche friedenbringende Handhabe walten lassen kann. Ein Buch das Ambivalenz versprüht.

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Rezension zu "Schutzzone" von Nora Bossong

ein wahnsinnig kluger Roman
herrzettvor einem Jahr

Mira Weidner ist eine junge Frau, die im Auftrag der UN Berichte über Krisenregionen schreibt, ihre Vision vom Frieden hegt und zwischen verfeindeten Staatsministern vermittelt. Nach verschiedenen Aufenthalten in New York und Burundi arbeitet sie nun für die Vereinten Nationen in Genf, der sogenannten neutralen “Hauptstadt des Friedens”, doch selbst hier ist das keine leichte Aufgabe. Schutzzone enthält nun ihre Ansichten, Gedanken und Ausschnitte vom Leben und der Liebe, einen Blick auf ihre Arbeit und die damit verbundene Welt(politik). Doch während Mira beruflich eher erfolgreich ist, so stellt ihr Liebesleben einen großen Konflikt dar. Sie fühlt sich oft einsam und sehnt sich menschlicher Nähe. Als sie dann bei einem Empfang ihren alten Jugendfreund Milan wiedersieht, entwickelt sich zwischen den beiden so ein loses, affärenähnliches Techtelmechtel. Alles gerät mehr und mehr ins Wanken, verliert sich… hm ja. Ich glaube, so kann man diese Geschichte zumindest so grob zusammenfassen. Es ist eher ein Ausschnitt/eine Fragment-Zusammenstellung verschiedener Jahre und Orte, teilweise oberflächlich, distanziert, manchmal rein ‘beruflich’, manchmal aber auch sehr persönlich und wahnsinnig tiefgründig.


“Wir spielen uns klare Grenzen vor. Aber jeder Versuch, ein Land mit exakten Grenzlinien zu zeichnen, hat zu nichts als Absurditäten geführt. Daran sind mehr Menschen gestorben als an Malaria. Und dann versuchen wir es auch noch in unserem Alltag, in unseren Beziehungen und sind überrascht, wenn wir genau daran scheitern …”


Schutzzone gewährt so einen faszinierenden Blick auf das politische Treiben innerhalb der Vereinten Nationen. Aber nicht nur das, Nora Bossong beschäftigt sich sehr intensiv und klug mit den hochkomplexen Fragen nach Frieden, Schutz, Macht, Wahrheit und Gerechtigkeit. Dafür splittert sie Miras Geschichte und Erlebnisse in mehrere Fragmente, getrennt nach Orten, Jahren und eben auch nach jenen Begrifflichkeiten und Wünschen, wenn nicht sogar Utopien. Mira setzt sich mit der Politik, dem persönlichen Willen und der Hoffnung mit ihrem Einfluss für eine bessere Welt zu sorgen, auseinander und treibt selbst doch eher ziellos durch ihr privates Leben und ihre (Liebes)Beziehungen zu anderen Menschen. Und damit verbunden ist es dann nicht nur ein politischer Konflikt im großen Trubel des menschlichen Willens, der hier thematisiert wird, sondern auch die Frage nach Nähe, Verständnis und Versöhnung.
Auch wenn man dabei Mira, ihrer Geschichte und ihren Gefühlen zu Sarah und Milan seitenweise näher kommt, so bleibt der gewonnene Gesamteindruck doch eher distanziert und kühl. Man sympathisiert mit ihr und kann sie doch nur schwer greifen. Teilweise wird man als Leser von vielen verschiedenen Gedanken und Eindrücken ihrerseits überrollt, manchmal ist dies durch die fragmentarische Aneinanderreihung und den damit verbundenen Zeit- und Ortsprüngen auch so verwirrend, dass man dem Ganzen nur noch sehr schwer folgen kann. Was läuft nun genau mit Milan? Ich denke es war vorbei? Und Sarah? Gab’s da jetzt eine Affäre? Wer sagt nun was? Sind es noch ihre Gedanken oder ist es schon die Antwort? Hmm. Miras Gedanken verschwimmen recht häufig durch lange Aneinanderreihungen mit dem gesprochenen Wort und sind oftmals sehr schwierig nachzuvollziehen oder zu trennen. Manchmal driftet sie vom eigentlichen Thema ab, lässt sich auf umliegende Eindrücke ein, und springt dann bereits im folgenden Abschnitt wieder zurück. Das macht es nicht ganz leicht und bedarf sehr viel Aufmerksamkeit. Es gibt so einen Satz, der für mich irgendwie dieses Buch toll zusammenfasst: “Es gibt Protagonisten, Nebenrollen und die Staffagefiguren, die man nur braucht, um die Leinwand zu füllen, es gibt die Gesichter, Körper, skizzierte Rückenansichten, die nach einer Weile verschwinden, sich einfach auflösen, überstellt werden von ein paar Gebäuden, Lichtflecken, einer Kanone, einem Brunnen, einem Schatten, den irgendetwas außerhalb des Bildrandes wirft, […] und man blickt jemandem ins Gesicht, man fährt ihm über den Rücken, […] fühlt seine Haut, hört seine Stimme […], so dass man meint, sie hätte größere Wirklichkeit als andere Geräusche, aber es liegt allein an der Nähe, durch die alles mehr Raum einzunehmen scheint.”
So! Und gerade das, was sich im Privaten bei der Hauptperson abspielt ist dann übergeordnet für mich auch so ein kleines Gleichnis zur heutigen Erscheinung der Politik und Medienwelt. Vieles wird angerissen, herausgetrennt, viel erwartet, nichts getan, hinterfragt und doch ist es am Ende nicht das, was man sich davon erhofft. Vielleicht denke ich da nun auch schon wieder zu weit, aber das, was sie im Beruf versucht so gezielt und geordnet wie möglich in Erfahrung zu bringen, zu bewegen und abzuarbeiten, scheitert bzw. verliert sich im Privaten.
Bossong widmet diesem dann doch recht vielschichtigen Thema nicht nur auf dieser persönlichen, einen Ebene, sondern durch diese verschiedenen Ortswechsel stellt sie so ein bisschen die Weltpolitik und deren Krisen dar. New York, Genf – als größere Orte der ‘Macht’ und dann gibt’s da eben auch noch das Treiben in Burundi oder in der vermeintlichen Schutzzone auf Zypern. Und damit wirft sie dann so Beispiele in den Raum, die für viele aktuelle und vergangene Krisenherde stehen könnten. So habe ich dann auch ständig an die momentanen Unruhen im Iran gedacht, an Israel oder die eher schwierige Beziehung zu Polen, USA, China oder der Türkei. Und so hat dieser Roman dann auch sehr viel gedankliches Potential in Hinblick auf die Welt, aber auch auf das innerste Verlangen der Menschheit – der Drang nach mehr und dem entgegengesetzten Frieden und der Liebe.

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Nora Bossong wurde am 09. Januar 1982 in Bremen (Deutschland) geboren.

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