Nora Krug

 4,5 Sterne bei 55 Bewertungen
Autor*in von Heimat und Im Krieg.

Lebenslauf

Nora Krug, geboren 1977 in Karlsruhe, studierte Bühnenbild, Dokumentarfilm und Illustration in Liverpool, Berlin und New York. Ihre Zeichnungen und Bildergeschichten erscheinen regelmäßig in großen Tageszeitungen und Magazinen (u.a. »The New York Times«, »The Guardian«, »Le Monde diplomatique«). Sie ist Fulbright-Stipendiatin und erhielt zahlreiche Preise und Förderungen, u.a. der John Simon Guggenheim Memorial Foundation, der Pollock-Krasner Foundation und der Maurice Sendak Foundation, außerdem verlieh ihr das Victoria and Albert Museum in London den Titel »Illustrator of the Year«. Ihr Debüt »Heimat. Ein deutsches Familienalbum« feierte als internationales Buchereignis einzigartige Erfolge, in den USA wurde es mit dem National Book Critics Award ausgezeichnet und in Deutschland 2022 zur Schullektüre ernannt. Krug ist Professorin für Illustration an der »Parsons School of Design« in New York und lebt in Brooklyn.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Nora Krug

Cover des Buches Heimat (ISBN: 9783328107071)

Heimat

(46)
Erschienen am 28.09.2020
Cover des Buches Über Tyrannei Illustrierte Ausgabe (ISBN: 9783406796210)

Über Tyrannei Illustrierte Ausgabe

(4)
Erschienen am 03.07.2024
Cover des Buches Im Krieg (ISBN: 9783328603252)

Im Krieg

(2)
Erschienen am 14.02.2024

Neue Rezensionen zu Nora Krug

Cover des Buches Über Tyrannei Illustrierte Ausgabe (ISBN: 9783406796210)
schillerbuchs avatar

Rezension zu "Über Tyrannei Illustrierte Ausgabe" von Timothy Snyder

schillerbuch
Ein Begleiter in herausfordernden Zeiten!

Wir leben in herausfordernden Zeiten! Wer hätte erwartet, dass sich in Deutschland wieder eine rechte Partei wie die AFD so hoher Zustimmungswerte erfreuen könnte? Und dann der Blick in die USA, in wie kurzer Zeit sich eine scheinbar stabile Demokratie zertrümmern – das lässt sicher nicht nur mir einen Schauer über den Rücken laufen.

Der amerikanische Professor für Osteuropäische Geschichte an der Yale University Timothy Snyder hat bereits 2017 ein Buch geschrieben, in dem er 20 Lektionen zusammengestellt hat, wie man Widerstand leisten kann gegen diese Entwicklung. Das Buch erschien 2021 in einer von Nora Krug illustrierten Ausgabe und ist inzwischen auch als Paperback lieferbar.

„Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam“, „Frage nach und überprüfe“, „Sei so mutig wie möglich“ – das sind nur 3 der Lektionen daran merkt man schon, dass das sehr konkrete Aufforderungen sind. Alle Lektionen werden unterfüttert mit Beispielen aus der Geschichte, denn, so schreibt Snyder in seinem Prolog, „Geschichte wiederholt sich nicht, aber wir können aus ihr lernen.“ Nora Krug, deren eindrucksvolle Graphic Novel „Heimat“ manche:r vielleicht kennt, hat die Lektionen einfühlsam und ausdrucksstark illustriert.

Mich hat „Über Tyrannei“ vor allem deshalb beeindruckt, weil Snyder seine Botschaften darin unglaublich kompakt und dicht vermittelt. Auf den ersten Blick glaubte ich, das wird schnell gelesen sein – aber weit gefehlt! So leicht sich das Buch auch lesen lässt, musste ich mir doch auch immer wieder Zeit nehmen, das Gelesene sacken zu lassen und zu verarbeiten. So habe ich meist nicht mehr als zwei oder drei Kapitel hintereinander gelesen und immer wieder auch mal zurückgeblättert. Das Buch ist in gewisser Weise sehr amerikanisch, Snyder schrieb es unter dem Eindruck der ersten Wahl von Donald Trump zum Präsidenten. Aber gerade weil er ein exzellenter Kenner der europäischen Geschichte ist, zieht er immer wieder Parallelen dahin und schreibt, dass der einzige Vorteil der Amerikaner der ist, dass daraus, wie die Demokratie in Europa Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus weichen musste, lernen zu können. Heute sehen wir, dass die Amerikaner nicht genug aus unserer Geschichte gelernt haben, aber wir können es tun! Indem wir dieses Buch lesen und uns sensibilisieren für die scheinbar kleinen, unauffälligen Veränderungen, die irgendwann nur noch schwer rückgängig zu machen sind.

„Verteidige Institutionen“, „Sei freundlich zu unserer Sprache“ und „Achte auf gefährliche Wörter“ – das sind Lektionen, die sich mir unter anderem besonders eingeprägt haben. „Setze ein Zeichen“ – das ist die 8. Lektion und wer dieses Buch liest, der wird ermuntert, zu überlegen, wie Zeichen im ganz persönlichen Umfeld gesetzt werden können. Dieses Buch zu lesen, es weiter zu geben und darüber zu sprechen, schon das kann ein solches Zeichen sein.

Auf jeden Fall ist es ein Buch, das immer wieder in die Hand genommen werden will und zu einem wichtigen, anregenden Begleiter in diesen unruhigen Zeiten werden kann!

Cover des Buches Im Krieg (ISBN: 9783328603252)
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Rezension zu "Im Krieg" von Nora Krug

RenaM
Nora Krug – Im Krieg

Die Autorin und vor allem Illustratorin dieses Buches ist eine vielfach preisgekrönte Deutsche mit Wohnsitz in New York. Am ersten Tag des Angriffs Russlands auf die Ukraine hat sie Kontakt aufgenommen zu zwei ihr bisher unbekannten Personen, einer Journalistin in Kiew und einem Künstler in Russland.

Beide haben ihr über 52 Wochen, während des ersten Jahres der Kriegshandlungen, ihre Gefühle, ihre Eindrücke, ihre Sorgen und kleinen Freuden geschildert. Entstanden ist ein einerseits sehr bedrückendes und berührendes Buch, andererseits stellt man sich bei und nach der Lektüre auch noch immer viele Fragen.

Die beiden Menschen, die sich Nora Krug derart öffneten und sehr persönliche Dinge von sich erzählten, werden zu ihrem Schutz nur als K. und D. bezeichnet und alles, was sie identifizieren könnte, wird verschwiegen.

K. ist Journalistin mit zwei Kindern, die sie nach Dänemark zu ihrer Mutter bringen kann. Was zur Folge hat, dass sie in den folgenden Monaten ständig zwischen dem friedlichen Zufluchtsort und dem kriegsgebeutelten Heimatland hin und her reist, hin und her gerissen ist. Ihr Mann darf nur unter Auflagen die Ukraine verlassen. K. berichtet als Reporterin von der Front im Osten, im Donbass, sie wird persönlich betroffen, als Freunde von ihr Soldat werden, an der Front sterben.

D. ist Künstler, er hat ebenfalls zwei Kinder. Er ist ein sehr sensibler Mann, völlig erschüttert von der Tatsache, dass sein Russland ein anderes Land überfällt. Doch er traut sich nicht, seine Meinung öffentlich zu machen, hat Angst vor Repression, vor der Einberufung. Ständig reist er aus Russland aus, dann wieder ein, mal nach Riga, mal nach Frankreich, mal in die Türkei. Er hat wenige Menschen, mit denen er sich ehrlich austauschen kann. Seine Situation macht ihm schwer zu schaffen.

So berührend und erschütternd die Schilderungen der Journalistin K. sind, so wenig hat mich, ehrlich gesagt, das Selbstmitleid des Künstlers D. beeindruckt, auch wenn man sehr wohl Verständnis hat für die Hilflosigkeit derjenigen, die nichts gegen ihr Regime tun können. Jedoch, gerade im Vergleich mit den wirklichen Schrecken, den tatsächlichen Gefahren und vor allem der Tragik der Ukrainerin, wirkt das permanente Lamento des Russen unangebracht, unbegründet, ja unberechtigt.

Vielleicht war das gerade die Absicht der Autorin, die dieses Buch so gelungen umgesetzt hat. Jeweils eine Doppelseite gehört einer Woche dieses Jahres, einander gegenübergestellt immer die Eintragungen Ks. und Ds. Einfügt kleine, manchmal sehr detaillierte, manchmal symbolhafte Zeichnungen der Autorin, immer mit Bezug zu dem Erzählten.

Fast am meisten allerdings beeindruckt mich das Vorwort, das Nora Krug ihrem Buch voranstellte. Hier schildert sie die Entstehung des Buchs, erläutert ihre Vorgehensweise und macht deutlich, was sie mit dem Buch erreichen möchte.  „Diejenigen von uns, die weit entfernt vom Kriegsgeschehen leben und es nur von außen betrachten, dürfen sich nicht damit begnügen sich einzugestehen, dass sie nicht wissen, wie sie sich selbst angesichts eines tyrannischen Regimes verhalten würden. Das Eingeständnis unserer eigenen Angst sollte nur den Ausgangspunkt einer eingehenderen, kritischen inneren Auseinandersetzung darstellen.“ (S. 11).  

Nora Krug – Im Krieg
aus dem Englischen von Alexander Weber
Penguin, Februar 2024
Gebundene Ausgabe, 128 Seiten, 28,00 €

Cover des Buches Im Krieg (ISBN: 9783328603252)
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Rezension zu "Im Krieg" von Nora Krug

Elenchen_h
Im Krieg

Kurz nachdem Russland am 24. Februar 2022 einen erneuten, nicht provozierten militärischen Großangriff auf die Ukraine startete, nahm Nora Krug Kontakt zu K., einer Journalistin aus Kyjiw und D., einem Künstler aus St. Petersburg auf. Sie erkundigte sich, wie es ihnen ging - und entwickelte nach deren offenen, verletzlichen Antworten die Idee, ein illustriertes wöchentliches Tagebuch zu gestalten. Die beiden Personen stimmten dem Projekt zu und Nora Krug befragte sie jedes Wochenende zu ihren Gedanken, ihrem Befinden, ihren Alltagserfahrungen im Krieg. Ihre Textnachrichten fasste sie zu einer zusammenhängenden Erzählung zusammen, änderte einige Details, um die Anonymität von K. und D. zu wahren, sprach die Endfassung mit den beiden ab und zeichnete letztlich auf Grundlage einer Mischung aus Recherchen und Fantasie die dazugehörigen Illustrationen. Die Tagebucheinträge wurden großteils wöchentlich zwischen Februar 2022 und Februar 2023 in der Los Angeles Times veröffentlicht.


In "Im Krieg: Zwei illustrierte Tagebücher aus Kiew und St. Petersburg", aus dem Englischen übersetzt von Alexander Weber, versammelt Nora Krug all diese Tagebucheinträge und versieht sie mit einem einordnenden Vorwort. Auf der linken Seite des Buches sind jeweils die Beiträge der Ukrainerin K., auf der rechten Seite die des Russen D. dargestellt, in visuell hervorgehobenen und mit Bildern unterstützten Texten. Nora Krug schafft es, sehr nah an den beiden Erzählenden zu bleiben, sie nimmt selbst keine Bewertung vor, distanziert sich aber durch das Vorwort von einigen von D. getroffenen Aussagen. Entstanden ist ein erschütternder Echtzeitbericht aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven.


Ich finde Nora Krugs neue Graphic Novel sehr lesenswert, da sie eine ganz neue Form der Auseinandersetzung mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine durch bildlich unterstützte persönliche Erzählungen bietet. Allerdings sehe ich die Darstellungsform des direkten Nebeneinanderlegens, des Erzeugens einer Parallelität der Tagebucheinträge durchaus auch kritisch. Ist es in Ordnung, ukrainische direkt neben russische Perspektiven zu platzieren? Ich denke, diese Frage können weder ich, noch Nora Krug aus unserer westeuropäischen Sichtweise abschließend beantworten. Mir persönlich ging "Im Krieg: Zwei illustrierte Tagebücher aus Kiew und St. Petersburg" sehr nahe, es hat mir einen Einblick in den Kriegsalltag und viele neue Denkanstöße gegeben.

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