Nora Wagener E.Galaxien

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Inhaltsangabe zu „E.Galaxien“ von Nora Wagener

Nach dem Tod seiner Eltern kehrt Erwin in seine Heimatstadt zurück, um sich um den Verkauf des Elternhauses zu kümmern. Er stattet dem Mittelpunkt seiner Jugend – dem Shoppingcenter Galaxy – einen Besuch ab. In seinen Hallen bleibt er hängen, gießt die Palmen, freundet sich mit der Putzfrau an und ist ein bisschen glücklich. Edgar weiß wenig über sich selbst, außer, dass er in Ruhe gelassen werden will. Er wurde verlassen, hat gekündigt und alles verschenkt. Er zieht in eine neue Wohnung, in der er ungestört vor sich hin vegetieren will. Doch dann taucht Susi auf. Sie kommt direkt aus seinen Kindertagen und reißt die Wunden seines Lebens und die Fenster zur Welt auf. Eleonores Galaxie ist eine Konditorei. Seit sie ihr Studium abgebrochen hat, arbeitet sie dort und trägt Bestellungen und ihre Traurigkeit umher – eine kleine Gestalt, ein Winzling in ihrer Handtasche. Überraschend begegnet sie Daniel wieder, ihrer ersten Liebe. Nora Wagener beschreibt lakonisch und klug die Welten dreier Menschen, die fest entschlossen sind, vor ihrem Leben zu fliehen – und dabei grandios scheitern.

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  • Kunst kommt von Müssen - Wieso Wagener nicht überzeugen kann

    E.Galaxien

    ltrtrpunktde

    02. February 2016 um 16:11

    Die Luxemburger Jungautorin Nora Wagener hat in Hildesheim Kreatives Schreiben studiert – und mit Mitte Zwanzig bereits doppelt so viele Literaturförderpreise wie Buchveröffentlichungen vorzuweisen. Das weckt Erwartungen. Mit ihrem zweiten Werk, dem auf Deutsch erschienenen Erzählband „E. Galaxien“, unternimmt sie den Versuch, in inneren Monologen die Engen der seelischen Mikrogalaxien dreier gebrochener Außenseiterexistenzen zu erkunden – deren Vornamen allesamt, warum auch immer, mit dem Buchstaben „E“ beginnen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Diese Exploration glückt Wagener höchstens ansatzweise. Sehr viel unterirdischer als ihr Buch nimmt sich allerdings die hierzu erschienene Kritik im Luxemburger Wort aus, in der der Autorin zwar irgendwie so etwas wie „Meisterlichkeit“ unterstellt wird, der Laudator selbst aber substantiell nicht weit über die Inhaltsangabe des Klappentextes hinausgelangt. Hat die Luxemburger Literaturszene Kritiken dieses Schlages eigentlich verdient? Die erste der drei in „E. Galaxien“ versammelten Erzählungen jedenfalls darf vom Leser getrost übersprungen werden – derart harmlos und zopfig präsentieren sich hier die Innenleben von Hauptfigur Erwin und einem Shopping-Center namens „Galaxy“, das jener sich zu einer zweiten Heimat auserkoren haben will. Auch die an sich nicht reizlose Psychologie der Protagonistin im dritten Prosastück „Eleonores Fuchsbau“ krankt deutlich an der pseudopoetischen Larmoyanz einer liebesenttäuschten Femme fragile, gegen die die Charakterisierung des männlichen Gegenparts viel zu blass ausfällt. Am kühnsten nimmt sich mit „Edgar adieu“ die Rollenprosa der mittleren Erzählung aus. Deren Held hat mit Anfang Dreißig sämtliche Beziehungen zur Außenwelt jäh abgebrochen und ist mit seinen Ersparnissen an unbekannten Ort verzogen. In seiner winzigen Wohnung starrt er die meiste Zeit aus dem Fenster und widmet sich zunehmend der Wahnidee, von Susi, einer alten Freundin aus Kindertagen, verfolgt zu werden. Eines Tages steht diese – halluzinatorisches Vexierbild aus Liebesobjekt, großer Schwester und Vergewaltigerin – dann tatsächlich vor der Tür. Als großer Stolperstein von Edgars Psychotrip erweist sich nun nicht etwa dessen inhaltliche Denkstörung, sondern leider Wageners Erzählstil. Mit diesem scheitert die Autorin einigermaßen spektakulär daran, den Fieberwahn lesbar zu machen, indem sie ihn mit der gediegenen Syntax einer biederen Hochsprache einzufangen versucht. Nicht einmal die hitzige Klimax des doch einigermaßen gekonnt verrätselten Plots korrespondiert mit einer sprachlichen Verschärfung der Wahndynamik – Wageners Duktus verliert bis zum Ende nicht an Gestelztheit. De facto fällt Edgars Persönlichkeit zwar zusehends den Gehirnzuständen von Ich-Dissoziation und Paranoia anheim, verbleibt aber sprachlich immer im formalen Gehege des traditionellen Inneren Monologs und seiner Schulgrammatik. Sentenzen wie „Du weißt nicht genau, wer du bist, aber ein bisschen weißt du, wer du nicht bist, und so einer bist du nicht: kein Abenteuer, kein Auswanderer, dafür fehlt dir einfach der Mumm“ geben sich nach außen viel zu folgerichtig für so viel behaupteten inneren Abgrund. Ob die etlichen schiefen Bilder und Stilfehler („Auf der Straße springe ich wie eine Flipperkugel zwischen Imbissen und Restaurants herum“; „deine Lippen stießen zu wie Boxhandschuhe“) nun jeweils Absicht sind oder nicht, ist dabei natürlich umso schwerer zu durchschauen. „Kunst kommt nicht von können, sondern vom Müssen“, hat der große Komponist (und Autodidakt!) Arnold Schönberg in ironischer Verdrehung der Killer-Phrase einer borniert-kleinbürgerlichen (und später nationalsozialistischen) Kunstkritik geschrieben. Nun, am ambitionierten Schaffensdrang des Schreiben-Müssens kann bei Nora Wagener kein Zweifel bestehen. Handwerklich aber dürfte ihr – Hildesheim hin oder her – noch ein längerer Leidensweg bevorstehen. Denn wenn „E. Galaxien“ eines demonstrieren mag, dann nämlich, wie wenig die in Schreibschulen gelehrten Poetiken mitunter dazu hinreichen, über das bloße künstlerische Müssen hinaus in die höheren Sphären literarischen Gelingens vorzustoßen. erweiterte Fassung veröffentlicht auf: www.ltrtr.de

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