Norbert Frei Hitlers Eliten nach 1945

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Inhaltsangabe zu „Hitlers Eliten nach 1945“ von Norbert Frei

»Eine teilweise atemberaubende Untersuchung.« Frankfurter Rundschau Wie viel personelle Kontinuität gab es nach 1945 in dem neu zu organisierenden deutschen Staat? Fast alle Juristen, Ärzte, Unternehmer, Journalisten und Offiziere, die dem NS-Regime in wichtigen Positionen gedient hatten, konnten in der Bundesrepublik ihre Karrieren fortsetzen. Die Biografien von Hermann Josef Abs, Hans Filbinger, Reinhard Gehlen, Hans Globke, Werner Höfer, Erich Manstein, Josef Neckermann und vielen anderen verdeutlichen, in welchem Maße die entstehende Demokratie von Männern mit Vergangenheit geprägt wurde. Ein spannendes Lehrstück politischen Verhaltens zwischen Strafe und Reintegration, Kontrolle und Unterwanderung, Reform und Restauration.

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  • NS-Karieren nach dem 2. Weltkrieg

    Hitlers Eliten nach 1945
    Gwhynwhyfar

    Gwhynwhyfar

    Klappentext: «Als Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Albträumen erwachte, die ihm die nationalsozialistische Terrordiktatur bereitet hatte, war das Land ein einziger Trümmerhaufen. Doch auf dessen westlichem Teil blühte bald schon die Demokratie der Bundesrepublik Deutschland. Die Welt war des Lobes voll. Auf die Wiedergeburt der Demokratie folgte das Wirtschaftswachstum, Adenauer verankerte das Land fest in der westlich-demokratischen Werte- und Verteidigungsgemeinschaft und alle waren glücklich. Was aber war aus den ganzen Nazis geworden, die vor 1945 die deutsche Kulturnation in die tiefste Barbarei gestürzt hatten? Alle tot? Oder aus lauter Scham in der Versenkung "verschwunden"? Keineswegs. Viele setzten ihre unter und mit dem Nationalsozialismus begonnene Karriere nach dem Krieg im Dienste der Demokratie fast bruchlos (und nur zu oft ganz ohne Scham) fort. Widerwärtig! In fünf sehr aufschlussreichen Einzeluntersuchungen über Nachkriegskarrieren von Medizinern, Unternehmern, Offizieren, Juristen und Journalisten sowie einer Bilanz des Herausgebers geht der Band der Frage nach, was aus der Elite des "Führers" nach 1945 geworden ist. Eine alles in allem sehr ernüchternde Bilanz, die man heute nur deshalb mit nur mäßigem Grausen lesen kann, weil die verstrichene Zeit dafür gesorgt hat, dass wir diese teils erbärmlichen Gestalten, von denen hier berichtet wird, am Ende doch noch losgeworden sind. Soweit sich dies beurteilen lässt, beruhen die aufschlussreichen Beiträge allesamt auf sorgfältigen Recherchen, sind dabei aber wohltuend ungeschwätzig. Was allerdings leider ausgeblendet bleibt, ist die Frage, was eigentlich aus den Eliten in der anderen Hälfte Deutschlands (oder auch in Österreich) nach dem Krieg geworden ist. Eine sicherlich nicht minder interessante Frage! Further research is necessary. --Andreas Vierecke» Uns wurde damals im Geschichtsunterricht erzählt, nach dem Krieg gab es die Nürnberger Prozesse, in denen alle wichtigen NS-Verbrecher verurteilt wurden, manche zu Tode. Ein paar der alten Schergen konnten frühzeitig entkommen. Auf Grund von Mangel an Personal wurden wenige Harmlose in alte Posten versetzt. Ich habe rückblickend das Gefühl, dass unsere jungen Geschichtslehrer diese Lüge selbst glaubten. Was uns nicht erzählt wurde, kann man diesem Buch gut nachvollziehen: Die meisten, die zu 10-20 Jahren Haft verurteilt waren, wurden ziemlich schnell begnadigt, sie saßen meist nur 6 Monate bis 2 Jahre ab. Und danach erhielten viele wieder aufstrebende Jobs. Angeblich brauchte man die Eliten, weil so viele Männer im Krieg gefallen waren. Aber das ist eine Farce. Es stecken ganz andere Dinge dahinter, nämlich auch die Männer, die nie zur Rechenschaft gezogen wurden. Warum hat denn Hitlers Gebilde so gut funktioniert? Weil viele der Eliten und hohe Beamte konform mit dem System gingen. Im Spanischen übersetzt heißt Beamter «functionario», ein passender Begriff. Hitler hatte den Ärzten Menschenversuche nie befohlen. Sie haben sie einfach gemacht, weil sie durften. Um die «Götter in Weiß und Schwarz» zu verstehen, muss man weiter zurückgreifen. Über Generationen wurde standesgemäß der Beruf weitergegeben in konservativen Strukturen, hart von oben dirigiert, Widerspruch nach oben wurde sanktioniert. Niemand durfte etwas in Frage stellen. Das gleiche galt für das Militär. Nach Ende des Krieges übergaben die Amerikaner den juristischen und medizinischen Fakultäten die Entscheidung, welcher Kollege zur Rechenschaft zu ziehen war. Und in Folge wurde so geurteilt: Was nicht verboten war, kann kein Unrecht gewesen sein, Moral außen vorgelassen. Euthanasie-Ärzte erhielten von der Ärztekammer sofort wieder ihre Zulassung, sie saßen auf ihren Plätzen an den Universitäten, bildeten die nachfolgende Ärzteschaft aus. In den Augen ihrer Kollegen hatten sie nichts Verbotenes gemacht. Experimente mit Behinderten oder deren Tötung waren in ihren Augen keine Menschenversuche. Und wurde wirklich jemand gesucht, so wurde er von Kollegen gedeckt. Eindrücklich schildert Norbert Frei diesen Zusammenhalt und die menschenverachtende Denkweise, die sich so fortsetzen konnte. Das Gleiche gilt für die Juristen, die angeblich nur nach geltendem Gesetz gehandelt hatten. Ein Jurist ist kein Moralist, er legt nur die ihm vorgegebenen Paragraphen aus. Und es gab nun mal das Polengesetz, parallel zum normalen Gesetz. Ein Diebstahl konnte so oder so verurteilt werden. Und klaute ein Pole einen Pullover, um nicht zu erfrieren, konnte man ihn erschießen lassen, auch noch einen Tag vor Kriegsende oder einfach bestrafen. Warum sollte man den Kollegen dafür verurteilen, der den Kopfschuss als Verurteilung wählte? Er wurde gleich wieder zum Richter berufen. Frei zeigt detailliert, wie diese Eliten die NS-Regierung unterstützten, als hochrangige Parteimitglieder und als Mitläufer und wie sie ab 1945 ihre alten Posten behielten, bzw. sich in Nischen weiterentwickelten. Der Euthanasie-Arzt, der es wohl ein wenig zu toll getrieben hatte, konnte man nicht an die UNI zurückholen, ihm aber doch die Zulassung als Arzt lassen, um eine Praxis zu eröffnen. Die Alliierten achteten nach 45 darauf, dass nur jeder 2. Journalist ein ehemaliges Parteimitglied sein durfte, allerdings nicht lange. Und schon bald waren die Zeitungen mit 80 % der alten Schergen besetzt, die vorher NS-Propaganda betrieben hatten. Unternehmer saßen ihre kurzen Strafen ab und erhielten meist nahtlos Führungsposten. Kontakte und Wissen zählten. Übrigens, bekam man keinen Job in Deutschland, dann war auch der Weg in England und USA offen … Die Amerikaner waren schnell dabei wegzusehen, wenn jemand sogenanntes Know How mitbrachte. Gehlen, Geheimdienstchef unter Hitler, machte sich ein halbes Jahr vor Kriegsende mit ein paar Kisten voll Unterlagen aus dem Staub und bot dem Amerikanern später seine Dienste an. Dank seiner Kontakte nach Russland wurde er Leiter der Gehlen-Gruppe, ein Gemisch aus Amerikanern und ehemaligen NS-Geheimdienstlern. Diese braune Truppe wurde später in BND, Bundesnachrichten dienst umgetauft. Gleiches galt für das Militär. Ein Buch das nachhaltig wirkt. Beim Lesen sollte man einen Eimer bereithalten. Ich denke, einiges ist den politisch interessierten Menschen bekannt, aber im Detail und der Masse können die Informationen nur erschüttern. Ein lesenswertes Buch, das ich jedem empfehlen kann.

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  • Rezension zu "Hitlers Eliten nach 1945" von Norbert Frei

    Hitlers Eliten nach 1945
    glowinggloom

    glowinggloom

    18. January 2009 um 17:14

    Das Buch verdeutlicht die personellen Kontinuitäten vom Dritten Reich zur BRD auf den Gebieten der Medizin, Justiz, Militär, Journalistik, sowie der Unternehmerschaft.
    Mir war der immense Umfang, in dem es die alten Nazis schafften, in der BRD, mehr oder weniger unbehelligt, in ihren alten beruflichen Umfeldern weiter zu arbeiten nicht bewußt.