Norbert Gstrein Die Winter im Süden

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Inhaltsangabe zu „Die Winter im Süden“ von Norbert Gstrein

»Ein grandioses Buch.« Thomas David in der ›NZZ‹ Ein Vater und seine Tochter. Er hat sie nach dem Krieg als Kind in Wien verlassen und ist nach Argentinien gegangen. Sie hat jahrelang Abbitte dafür geleistet, dass er im Krieg auf der falschen Seite stand. Jetzt, fast ein halbes Jahrhundert später, kommen beide in ihre jugoslawische Heimat zurück und finden dort ihre Vergangenheit wieder – und die eines ganzen Landes. Ein großer europäischer Roman.»Es ist die Intensität der Figuren und Szenen, der Milieus und Orte, die Gstreins Roman die Glanzlichter aufsetzt, und dies umso mehr, als sie in betörend weit ausschwingenden, sinnlichen Satzperioden daherkommt.« Andreas Breitenstein in der ›NZZ‹

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  • Rezension zu "Die Winter im Süden" von Norbert Gstrein

    Die Winter im Süden

    Ruth_liest

    13. November 2011 um 22:02

    In seinem Roman "Die Winter im Süden" zeichnet Norbert Gstrein literarisch die Spuren nationalsozialistischer Verbindungen zwischen Kroatien und Argentinien auf. Ein österreichischer Polizist außer Dienst sucht neue Hoffnung in Argentinien. Er findet eine Anstellung als Sicherheitsbeamter bei einem Herrn mit zweifelhafter Vergangenheit und junger Familie. Der alte Mann ist gebürtiger Kroate und hat das Ende des 2. Weltkrieges genutzt, um zu verschwinden. Seine Flucht vor der neuen Gesellschaftsordnung in Yugoslawien nach 1945 ist auch eine Flucht vor seiner ersten Frau und seiner Tochter. Die Wirren des Balkankrieges führen ihn zurück in die alte Heimat. Gemeinsam mit den Kämpfern von einst will er sich in den Balkankrieg einmischen. Sein Vermögen reicht aber nicht, um in Zagreb ernst genug genommen zu werden. So sucht er per Anzeige nach seiner Tochter und gleichzeitig hintertreibt er jede Begenung mit ihr. Seine Tochter lebt seit dem Ende des 2.Weltkrieges in Wien. Sie steckt Mitten in einer Ehe- und Lebenskrise, die sie ausgerechnet in ihrer Geburtsstadt Zagreb zu Beginn des Bürgerkrieges verbringt. Das ihr Vater lebt, ist ein Schock für Sie. Und natürlich versucht sie, ihn zu treffen. Alle Romanfiguren wirken seltsam losgelöst und einsam. Einzig der alte Kämpfer scheint einen Sinn im Leben zu entdecken, wobei er sinnlos mit den Menschen in seiner Umgebung spielt. Er hat nichts von seiner Boshaftigkeit, seinem Rassismus als faschistischer Krieger verloren. Geradezu hilflos stehen ihm die anderen Figuren im Roman entgegen. Besser gesagt, sie stehen ihm nicht entgegen, sie entziehen sich ihm. Ein treffendes Bild für die Mehrheit der demokratischen Gefüge von heute. Hanser Verlag 2008

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  • Rezension zu "Die Winter im Süden" von Norbert Gstrein

    Die Winter im Süden

    Wolkenatlas

    01. September 2008 um 11:56

    Annähern und Entfernen- über die Wunden des Krieges Norbert Gstreins in "Die Winter im Süden" durch ihr Leben irrende Menschen sind Suchende, sind Menschen, die versuchen, ihre Verluste durch verschiedene Variationen des "Sich-Entfernens" zu kompensieren. Menschen, die sich ihre Wunden schon vor langer Zeit zugezogen haben, Wunden, die erst nach vielen Jahren aufbrechen und bluten, Wunden, die als Ursprung Krieg und Entwurzelung haben. Menschen, die versuchen, den Sinn zu finden, den Sinn, der sich durch eine zeitversetzte Wiederholung (oder einer Variation einer Wiederholung) nicht erklären oder gar verarbeiten lässt. Da ist Marija, die, obschon als kleines Mädchen vor gut fünfundvierzig Jahren mit ihrer Mutter dem Nachkriegsjugoslawien nach Österreich entflohen, nach vielen Jahren Ehe mit einem in Wien allseits bekannten "Kolumnenschreiber" nach Kroatien flieht. Eine Flucht (aus ihrer Ehe? Aus ihrem Leben? Aus Wien?) in ein Kroatien, in dem sich gerade die ersten Anzeichen des Krieges zeigen. In Zagreb erhält sie nach einer verwirrenden Zeit (in der auch eine Affaire mit einem viel jüngeren Soldaten fällt) einen Zeitungsausschnitt mit einer Annonce mit folgendem Text: "Marija, dein Vater sucht dich". Eine Nachricht vom Vater, der vor fünfundvierzig Jahren verschollen ist, nie, wie versprochen, nach Österreich nachgekommen ist, um mit seiner kleinen Familie vereint zu sein. Die Möglichkeit, dass ihr Vater doch am Leben ist, stellt Marijas bisheriges Leben auf den Kopf, der Vater, der durch seinen vermeintlichen Tod im Krieg immer präsent in Marijas Lebens war, wird durch seine plötzliche Auferstehung zu einer noch weniger greifbaren und entfernten Figur für sie. Wir haben den Ex-Polizisten Ludwig (und geschiedener Vater einer Tochter), der den Verlust seiner Geliebten (und Polizeipartnerin) Nina nicht verarbeiten kann, der sich die (zumindest Teil-) Schuld an ihrem Tod im Einsatz gibt. Der nach Argentinien geht, um dort seine Trauer zu überwinden, der dort die junge Ehefrau des Alten trifft, die ihm den Weg zum Angestellten ihres Mannes ebnet und auch seine Geliebte wird. Als Angestellter (Chauffeur, Leibwächter usw.) lernt Ludwig den äußerst unangenehmen "Alten" kennen, der während dem Krieg bei der Ustascha war (Kriegsverbrechen lässt der Roman vermuten, aber doch offen- ist vieles doch nur Wunschtraum des Alten?), der jetzt nur mehr den Kampf für Kroatien im Sinn hat, der versucht, in Argentinien Gelder für den Kroatischen Kampf" zu finden, unter anderem mit dubiosen Gesellen, wie den scheinheiligen und unsauberen, auch aus Kroatien stammenden Pfarrer Don Filip (der vor fünfundvierzig Jahren der Fluchtkumpane des Alten war), bis ihn der Alte auffordert, mit ihm nach Kroatien zu gehen. Ludwig, der im Auftrag des Alten dessen Tochter Marija ausfindig macht. Zagreb, am Vorabend des Krieges, ist die Schnittstelle der Lebenslinien, die Norbert Gstrein in seinem neuen Roman literarisch eindrucksvoll inszeniert hat. Virtuos führt Norbert Gstrein seine Figuren parallel, entwickelt sie und bereitet den gespannten Leser auf die Möglichkeiten vor, die das Finale in Zagreb bietet. Beeindruckend ist, dass der 1963 geborene Autor nicht den Weg des geringen Widerstands geht, sondern eine originelle und unerwartete Schlusswendung vorsieht. Ein, ich möchte fast sagen, winterlich herber Roman, eine wunderbar poetische Prosa, die teilweise nicht leicht zu lesen ist, da die Sätze zum Großteil (teilweise auch sehr) lang und verschachtelt sind. Man ist gezwungen, langsam und bedächtig zu lesen (diesen Roman muss man sich erschließen, unter anderem auch durch das Wiederlesen von Sätzen und/oder Passagen), um die literarische Schönheit dieser Prosa in vollen Zügen dankbar genießen zu können. Ein äußerst subtiler Genuss, der in gewisser Weise (man möge mir den profanen Vergleich nachsehen) dem langsamen Entfalten des vollen Nachgeschmacks eines ausgezeichneten Rotweins entspricht.

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  • Rezension zu "Die Winter im Süden" von Norbert Gstrein

    Die Winter im Süden

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    24. August 2008 um 23:21

    Marija, fünfzig und in Wien lebend, hat sich mit ihrem Mann auseinander gelebt und sucht Abstand zu ihm in dem sie den Sommer 91 alleine in Jugoslawien verbringt, dem Land ihrer Kindheit aus dem sie und ihre Mutter nach dem zweiten Weltkrieg geflohen waren. Marija möchte das Land noch einmal sehen, Zagreb wie es mal war bevor es vom nahenden und alles verschlingenden Krieg aufgesogen wird. Ludwig, ein Ex-Polizist den es nach dem Tod seiner Kollegin und Geliebten nach Buenos Aires verschlagen hat, lernt zufällig Claudia kennen und wird von ihrem Mann als Leibwächter angeheuert. Der alte Mann, wie so viele nach dem letztem Weltkrieg ans Ende der Welt emigriert, ist ein schon etwas älterer Zausel der nicht Nazi genannt werden kann aber dennoch die alten Werte zu schätzen weiß. Aufmerksam verfolgt er die Nachrichten aus der alten Heimat und gebärdet sich wie ein kleiner Junge dem es nicht schnell genug gehen kann auch selber in diesem Konflikt einzugreifen. Den alten Kampf gegen den Kommunismus wieder mit seinen alten Waffenbrüdern aufzunehmen und sein Heimatland Jugoslawien doch noch von diesem Partisanen- Unrat zu befreien. Während nun Marija ihr Heil in einer schnellen und haltlosen Liebe zu einem Soldaten sucht erlebt Ludwig Monate der Idylle und Ruhe deren einziger Makel der etwas wunderliche alte Mann ist. Doch als jener alte Mann selber in den Krieg zieht und Ludwig mit sich nimmt kollidieren ihrer beider Leben. Zwei Dinge die beim lesen von Norbert Gstreins Buch [b]Die Winter im Süden[/b] gleich auffallen sind zum einen die Thematik des Krieges in Jugoslawien, jener scheint Gstrein, wie auch schon in [i]Das Handwerk des Tötens[/i], nicht mehr loslassen zu wollen und zum anderen die bedächtige Erzählweise mit der er seine Geschichte darbietet. Er vergeht sich nicht in unnützen Betrachtungen und philosophischen Aphorismen wie andere Autoren aber dennoch hält er den Leser zum langsamen lesen und nachdenken an in dem er zeilenlange Sätze ineinander verschachtelt und mit Komata spickt. Auch findet man in der Charakterisierung von Marijas verschwunden geglaubten Vater Anwandlungen an sein vorhergehendes Buch wieder. Nur durch den indirekten Blickwinkel Ludwigs lernen wir diesen namenlosen alten Mann kennen. Nie tritt er selber als erzählende Figur auf und bleibt dem Leser somit viele Antworten zu seiner Vergangenheit und seiner früheren Familie schuldig. Norbert Gstreins Sprache ist klar, präzise und verständlich. Obwohl auf blumige Bilder verzichtet wird wirken Worte nie steril und behalten ihre Kraft auch wenn man schon 10 Seiten weiter ist. Es sind brechende Charaktere in einer zerstörten Welt die durch das erzählerische Geschick des Schreibers zusammengehalten werden. Schwankend zwischen dem Krieg der mal war und dem Krieg der da noch kommt sind es Sünder auf der Suche nach Absolution die ausziehen um vielleicht nicht Erlösung aber vielleicht doch Antworten zu finden, nur um am Ende doch wieder in das Leben zurückzukehren aus dem sie versucht haben auszubrechen. Ohne Zeigefinger und Moral schreibt Gstrein nicht vom Krieg sondern vom Leben das von ihm verformt und deformiert wird. Und genau so wie jede Zeit ihren eigenen Krieg hat bringt auch jeder Krieg seine eigene Art von Menschen mit sich die vortrefflich gezeichnet in Gstreins Büchern wieder zu finden sind.

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  • Rezension zu "Die Winter im Süden" von Norbert Gstrein

    Die Winter im Süden

    dubh

    08. August 2008 um 08:57

    Norbert Gstrein besticht mal wieder vor allem durch seine Sprache und seinen gekonnten Erzählstil! Die Geschichte umspannt fast fünfzig Jahre europäische Geschichte, vornehmlich auf dem Balkan - und wird anhand zweier Sichtweisen erzählt: Marija, gebürtige Kroatin, aber schon als Kind nach dem II. Weltkrieg nach Österreich gekommen, glaubt ihren Vater seit jenen Jahren für verloren - getötet in den letzten Kriegstagen. Sie bricht im Alter von 50 Jahren noch einmal in ihre alte Heimat auf, vor allem weil sie immer noch auf eine Art Suche ist und auch ein bißchen, weil sie unglücklich über ihren Ehemann ist, der zum Wendehals geworden ist. Der andere Strang erzählt von einem alten Exil-Kroaten, der nach dem II. Weltkrieg über Umwege nach Argentinien gekommen ist und sich dort ein etwas großspuriges Leben zugelegt hat... Er nimmt sich eine Art 'Adjutant', einen ehemaligen österreichischen Polizisten, und plant seine ganz große Rückkehr in seine Heimat - sobald der vielbeschworene Krieg dort ausbricht. Großartig beschreibt Gstrein seine Figuren: Marija, hin und her gerissen zwischen ihrem wohlsituierten Leben in Österreich und dem Aufbruch (ja, vielleicht Ausbruch) in das schon vom nahenden Krieg gebeutelte Land ihrer Herkunft - und auf der anderen Seite der alte Möchtegern-Held, der immer neue Geschichten aus seiner Vergangenheit hervorkramt und noch auf eine ruhmreiche Rückkehr hofft. Aber auch die historischen Gegebenheiten sind spannend: der Alte war Fallschirmjäger im letzten Weltkrieg und flüchtete gegen Ende vor den yugoslawischen Partisanen, man darf also vermuten, dass er mit der Ustaša zumindest sympathisierte. Jahrzehntelang hat er sich anschließend mit Menschen umgeben, die für ein Unabhängigen Staat Kroatien sammeln... Marija hingegen erlebt im Hotel in Zagreb den Kriegsausbruch und die nahenden Kämpfe... Als sich dann auch noch regelmäßige Inserate liest, die aich offenkundig an sie richten und von ihrem für tot gehaltenen Vater stammen, droht sie sich zu verlieren. Die Geschichte ist schlicht und ergreifend brillant erzählt - selbst an den sehr seltenen etwas zäheren Stellen besticht die Sprache Gstreins und man könnte 'nur' deshalb weiterlesen.

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