Schönes neues Geld

von Norbert Häring 
5,0 Sterne bei1 Bewertungen
Schönes neues Geld
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Bisher das wichtigste Buch 2018.

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Inhaltsangabe zu "Schönes neues Geld"

Norbert Häring: Wir bezahlen mit der Freiheit
In unserer Bezahlwelt tobt ein Krieg gegen das Bargeld. Es geht um kommerzielle Interessen und um die technologiegetriebenen Geschäftsmodelle von Mastercard, Microsoft, Apple und Co. Und es geht um die Freiheit des Individuums.
Der Wirtschaftsexperte Norbert Häring belegt, wie eine Allianz aus großen Technologie- und Finanzkonzernen, reichen Stiftungen, Regierungen und Organisationen an einem umfassenden System der digitalen finanziellen Überwachung und Kontrolle baut: Wir sind auf dem Weg in ein (vertragsungebundenes) Pay-as-you-go-System, das mittels Gesichtserkennung und Fingerabdrücken aktives Bezahlen überflüssig macht und einer globalen Weltwährung den Weg bahnt. Wer das Buch von Häring liest, weiß, warum das keine Verheißung ist.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783593509143
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:Campus
Erscheinungsdatum:01.08.2018

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    Christian_Mayers avatar
    Christian_Mayervor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Bisher das wichtigste Buch 2018.
    Tiefgehende Recherche über die wahren Absichten der Bargeldabschaffung

    Der Klimawandel ist in vielen Köpfen der Menschen bereits angekommen. Viel weniger ist den Menschen bekannt, dass auch ein anderer ebenso vom Menschen initiierter globaler Wandel stattfindet. Einer, der von interessierten Gruppen bewusst herbeigeführt wird und denen an der totalen Überwachung der Menschheit liegt. Das mag sich anhören wie eine düsterer und platter Dreigroschen-Roman, ist in Wahrheit aber mehr Realität als uns bewusst ist.

     

    Der Wirtschaftsjournalist Norbert Häring – der u.a. für das Handelsblatt schreibt – nimmt den Leser in seinem Buch „Schöne neue Welt“ mit in eine Schattenwelt, man möchte schon fast sagen eine Parallelwelt, in der einflussreiche Unternehmen, Stiftungen und Regierungen nach eigenem Gutdünken walten. Ihr Ziel: Die Abschaffung des Bargeldes.

     

    Das finden viele Menschen auf den ersten Blick nicht schlimm. Alles wird immer digitaler, alles verändert sich und der technische Fortschritt macht selbstverständlich auch hier nicht halt. Außerdem „wissen“ wir doch aus den Medien, dass das Bargeld nicht nur verhältnismäßig teuer ist, sondern auch, dass jene Initiatoren, die sich für die Etablierung des bargeldlosen Bezahlens einsetzen, sich auch für die Bekämpfung der Armut und die Emanzipation von Frauen in Ländern der Dritten Welt stark machen – so beispielsweise die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates. Zu zeigen, dass dieses bekannte Bild einer Überprüfung mit der Realität nicht standhält, ist einer von Härings Verdiensten.

     

    Häring untersucht all jene Akteure wie MasterCard, Visa, Amazon, die Besser-als-Bargeld-Allianz, BIZ, CPMI, AFI, CGAP und viele mehr, die alle daran arbeiten, das Bargeld in Misskredit zu bringen. Je tiefer der Autor mit Hilfe zahlreicher Belege in die Thematik einsteigt, desto unwohler wird es dem Leser. Denn mehr und mehr kristallisiert sich heraus, dass die aktuelle Entwicklung hin zu einer bargeldlosen Gesellschaft keine Entwicklung ist, an deren Ende eine freiere, reichere, demokratischere oder selbstbestimmte Gesellschaft steht. Im Gegenteil. Häring offenbart, dass heute wahrlich ein „Krieg gegen das Bargeld“ geführt wird. Ein Krieg, bei dem gekaufte Studien noch das kleinste Übel sind. Vielmehr geht es um außerparlamentarische Strukturen der Hochfinanz, die in Zusammenarbeit mit Unternehmen aus dem Silicon Valley und der US-Regierung an einer totalen Kontrolle aller Menschen arbeiten.

     

    Pervers wird es dort wo der Autor illustriert, wie arme Länder unter Androhung finanzieller Nachteile dazu gezwungen werden, ihr Land bargeldlos zu machen. Pervers ist es auch, wie medial immer wieder propagiert wird, durch die Abschaffung des Bargelds ließen sich nebst der Terrorbekämpfung auch die Schattenwirtschaft sowie die Armut in diesen Ländern bekämpfen. Häring zeigt, auf welchen wackeligen, ja teilweise sogar bewusst gelogenen „Tatsachen“ und „Beweisen“ diese Aussagen fußen. Das wirklich Tragische hierbei ist, dass unsere Parlamente teilweise komplett übergangen werden und dort, wo sie involviert sind, dermaßen unter Druck gesetzt werden, dass ihnen nichts anderes übrig bleibt, als die anvisierten Pläne dieser privatwirtschaftlichen Vereinigungen zu ratifizieren.

     

    Machen wir uns klar: Die Abschaffung des Bargeldes gleicht einer Abschaffung der Privatsphäre, gleicht einer Dezimierung unserer Freiheit. Denn die Digitalisierung unserer Bezahlungen geht Hand in Hand mit der biometrischen Erfassung seiner Verwender und Häring verwendet unzählige Beispiele die offenbaren, dass unsere Daten eben nicht sicher sind und es nur noch ein kleiner Schritt ist, bis jede Transaktion, jede Bezahlung die wir tätigen, zu einem kompletten Protokoll unserer Lebens wird und unsere Versicherung auf einmal der Meinung sein könnte, sie müsse unsere Beiträge erhöhen, weil wir uns nicht mehr absolut gesund verhalten. Eine Dystopie? Mitnichten. In China herrscht längst ein System, bei dem eine intelligente Software, gepaart mich Hochleistungscomputern, die Menschen auf den Straßen scannt. Wer bei Rot über die Ampel geht oder sich sonst nicht systemkonform verhält, der bekommt Minuspunkte auf seinem staatlichen Sozialkonto. Wer zu viele Negativpunkte gesammelt hat, der bekommt keine günstigen Kredite mehr oder hat es schwerer, ein neues Auto oder einen passenden Kindergartenplatz zu finden.

     

    Die Unternehmen aus dem Silicon Valley lechzen förmlich nach persönlichen Daten. Daher waren und sind sie auch bereit, Milliarden von Dollar in anderen Ländern zu investieren, um die dortigen Regierungen bei der Installation entsprechender Überwachungssoftware zu „unterstützen“. Allen voran Indien, Kenia und Pakistan und mehr und mehr auch in den westlichen Industrieländern. Das scheint weit weg zu sein. Doch hat Häring auch Beispiele aus unseren Breitengraden zur Hand. So werden längst Taxifahrer genötigt, Verträge mit Kartenfirmen abzuschließen und auch Karten zu akzeptieren. Oder Händlern wird es mitunter verboten, Zusatzgebühren für Kartenzahlungen zu verlangen. Bargeldbenutzer müssen sich mehr und mehr schikanieren lassen und werden zusehends als potenzielle Verbrecher beäugt. Dass neben der Erfassung personenbezogener Daten auch längst die Möglichkeit besteht, mit entsprechender technischer Ausrüstung Personen überall zu identifizieren, zeigt Häring unter anderem am Beispiel der Amazon-Software „Rekognition“, die von Fernsehsendern wie auch der New York Times dazu genutzt wurde, „um im Mai 2018 automatisch alle Teilnehmer der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle zu identifizieren“ (S. 144f.). Solche Fälle sind weltweit keine Seltenheit. Von wegen Datenschutz!

     

    Hätte sich diese Entwicklung hin zu einer bargeldlosen Gesellschaft frei – also gewissermaßen von selbst – entwickelt, indem sich die meisten Menschen bewusst für eine Etablierung dieser Technologien entschieden haben, wäre das vielleicht weniger schlimm. Das Dramatische ist aber die Vehemenz der Konzerne, die im Schattendasein nicht nur den gemeinen Bürger, sondern ganze Staaten manipulieren und regelrecht erpressen. Unsere Politiker schneiden bei all dem nicht gut ab. Entweder sie wissen nicht, was hier gespielt wird: Dann sind sie als Politiker ungeeignet. Oder aber sie wissen es, können oder wollen aber nichts daran ändern: Dann gilt dasselbe. Auch in Deutschland schwimmen die CDU und die SPD schön im Strom dieser Entwicklung mit und treiben diese mit Eifer vor. Da passt natürlich ins Bild, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel meinte, unser Datenschutz sei nicht mehr zeitgemäß. Da mag man den Menschen eine gewisse Politikverdrossenheit nicht verübeln. Denn es sind nicht die Interessen des einfachen Bürgers, die hier Unterstützung finden.

     

    Der viel zu schwache Kampf gegen die mutwillige Abschaffung unseres Bargeldes kostet uns unsere Privatsphäre und unsere Freiheit. Wie beim Klimawandel glauben die meisten immer noch, es werde schon nicht so schlimm werden oder noch ewig dauern, bis die Folgen heftig zu spüren sind. Sind sie aber einmal da, ist die Situation unumkehrbar. Noch hätten wir die Möglichkeit gegenzusteuern. Doch noch scheint ein wirkliches Bewusstsein über aktuelle Entwicklungen zu fehlen. Und dieses braucht es für Häring. Denn nur wenn genügend Menschen um die aktuelle Entwicklung wissen und Druck ausüben auf die Politik, können Gegenmaßnahmen greifen. Denn was gegenwärtig auf uns zurollt, ist durchaus gewaltig. Sollte Amazon weiter daran arbeiten, mehr und mehr Dienstleistungen einer Bank anzubieten – bis hin zu einer privaten Geldschöpfung (Amazon-Dollar) für die eigene Plattform – nur ohne die scharfen Regulierungen, denen Banken unterliegen, werden die etablierten Geldhäuser auf Dauer den Konkurrenzkampf verlieren.

     

    Aldous Huxleys Buch „Schöne neue Welt“ von 1932, dessen Titel für Härings Werk Pate stand, zeichnet das Bild einer durch und durch kontrollierten Gesellschaft. Viele kennen das Werk von Huxley zumindest vom Hören-Sagen. Sie wissen, dass das irgendwie ein wichtiges Buch ist, ohne sich aber mit der Materie wirklich beschäftigt zu haben. Dabei zeigen Huxleys Fiktionen gekonnt, welche Mechanismen wirken, um Menschen zu steuern. Bleibt zu hoffen, dass unsere Kinder in 85 Jahren nicht sagen werden. Damals – 2018 – gab es schon ein Buch von Norbert Häring, das unsere Eltern eigentlich auf die Gefahren hätten aufmerksam machen müssen. Aber die haben es damals entweder nicht gelesen oder waren mit anderen Dingen beschäftigt.

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