Inhalt:
Ein ebenso geheimnisvoller wie gerissener Verbrecher treibt sein Unwesen: Dr. Mabuse, der sowohl in Verbrecherkreisen als auch in der feinen Gesellschaft über beste Verbindungen verfügt. Er ist ein hochintelligentes kriminelles Genie, ein Meister der Verkleidung und macht sich psychoanalytische Kenntnisse und hypnotische Fähigkeiten zunutze. Staatsanwalt Wenk setzt alles daran Dr. Mabuse dingfest zu machen, aber das gestaltet sich schwierig, denn Dr. Mabuse scheint ihm immer einen Schritt voraus zu sein…
„Es gibt Menschen, die sind zum Spielen geboren, und wenn sie nur eine Karte in die Hand nehmen, ist es ein Ass.“ (S. 24/25)
Meine Meinung:
Die Stummfilmadaption hat mir sehr gefallen und deshalb war ich sehr gespannt darauf die Buchvorlage kennenzulernen.
Die Grundidee ist vielversprechend und einfallsreich. Obwohl das Buch bereits 1920 erschienen ist wird einem ein Verbrechergenie präsentiert, das einem James-Bond-Bösewicht alle Ehre macht. Der größenwahnsinnige, gefährliche und gerissene Dr. Mabuse herrscht nicht nur über ein weitverzweigtes Verbrechernetzwerk, sondern ist auch sehr geschickte darin andere Menschen zu manipulieren, u. a. durch seine ans Fantastische grenzenden hypnotischen Fähigkeiten. Die Sache mit der Hypnose ist sehr ausgewöhnlich und kreativ. Damit hebt sich das Buch von vielen anderen ab, v. a. von den Büchern aus der damaligen Zeit.
Ganz besonders gefallen hat mir die Szene mit der Verfolgungsjagd in der Dr. Mabuse über den Bodensee entkommt. Seine Verfolger müssen zu ihrem grenzenlosen Erstaunen feststellen, dass das Auto von Dr. Mabuse sich per Knopfdruck in ein Motorboot verwandelt. Das fand ich sehr überraschend und es hat mich sehr an das Auto-U-Boot aus dem erst Jahrzehnte später erschienenen Film „James Bond 007: Der Spion, der mich liebte" erinnert.
Der Showdown am Ende des Buches ist spannend und es hat mich mit Blick auf das Erscheinungsjahr des Buches positiv überrascht, dass Dr. Mabuse letztlich durch eine tatkräftige und mutige Frau besiegt wird. Zudem gibt es ein schönes Happy End, das einem das Buch mit einem guten Gefühl beenden lässt.
Trotz der geschilderten Stärken konnte das Buch meine Erwartungen, aber insgesamt dennoch nicht so ganz erfüllen.
Warum konnte ich dem Buch schweren Herzens nur 3 Bewertungssterne geben?
Die Protagonisten sind relativ blass geblieben und haben charakterliche Tiefe vermissen lassen. Obwohl man den Staatsanwalt Wenk fast das ganze Buch über bei seiner Jagd auf Dr. Mabuse begleitet bestand zu ihm eine relativ große Distanz. Aus anderen Büchern bin ich es gewohnt, dass ich mich den Protagosten deutlich stärker verbunden fühlen und mehr Anteil an ihrem Leben nehme. Das liegt daran, dass man meiner Meinung nach zu wenig Einblick in Wenks Gedanken und Gefühle erhält. Die Liebe zwischen Wenk und der Gräfin Told war kaum spürbar und kam für mein Empfinden zu plötzlich.
Über Dr. Mabuse erfährt man überraschend wenig. Informationen über den Aufbau und die Organisation seines kriminellen Netzwerkes sind nur sehr vereinzelt eingestreut und fallen sehr oberflächlich aus. Zudem erfährt man fast gar nichts über Dr. Mabuse selbst. Man weiß eigentlich nur, dass er Psychoanalytiker ist. Es wird mit keinem Wort erwähnt wie es ihm gelungen ist zu einer derart einflussreichen, mächtigen und gefährlichen Unterweltgröße zu werden.
Ich konnte nicht verhindern automatisch Vergleiche mit der Stummfilmadaption anzustellen und diese hat mich in einigen Punkten mehr überzeugen können als das Buch. Die Handlungsschauplätze werden im Film viel atmosphärisch dargestellt. Der Film lässt die geheimen Spielsalons und das Deutschland zu Zeiten der Weimarer Republik lebendig werden während die Handlungsschauplätze im Buch leider nicht besonders eindrücklich beschrieben werden. Außerdem ist Dr. Mabuse im Film eine sehr viel faszinierendere, mysteriösere und geheimnisvollere Person und seine kriminellen Machenschaften sind umfangreicher (zusätzlich noch Spionage und Manipulation von Börsenkursen) und spektakulärer als im Buch.
Das Erzähltempo ist im Buch langsamer als im Film. Das zeigt sich schon gleich am Anfang: Während der Film direkt mit der actionreichen Zug-Szene startet dauert es im Buch einige Zeit ehe das Geschehen beginnt Fahrt aufnehmen.
Überraschender Weise habe ich mich zudem beim Schauen des Films den Haupt- und Nebencharakteren näher gefühlt als beim Lesen des Buches.
Fazit:
Ich bin Norbert Jacques dankbar, dass er mit diesem Buch die Vorlage für den berühmten Stummfilm geliefert hat. Leider konnte mich das Buch aber nicht so begeistert wie die Stummfilmadaption.
Anders als erhofft taucht man durch das Buch (das ja auch bloß ca. 200 Seiten hat) nicht tiefer in die Geschichte ein als durch den Film und es ist auch keinesfalls so, dass das Buch voller Details steckt, die der Film weggelassen hat. Einzig das „Auto-U-Boot“ habe ich im Film vermisst, aber ansonsten haben die Filmemacher ihre Arbeit ausgezeichnet gemacht und dem Buch alle Ehre gemacht.
Ich finde leider, dass das Buch insgesamt viel Potenzial verschenkt hat und unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Daher werde ich das Buch wahrscheinlich kein zweites Mal lesen. Da schaue ich mir dann doch lieber nochmal den tollen Stummfilm an!











