Norbert Krüger Die Einsamkeit des Künstlers: 16 Kurzgeschichten

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Inhaltsangabe zu „Die Einsamkeit des Künstlers: 16 Kurzgeschichten“ von Norbert Krüger

16 Kurzgeschichten aus den Jahren 2000 bis 2015. Sie erzählen vom Verlassenwerden und Finden. Vom Tod des Partners und der Trauer der Zurückgebliebenen. Von den Schwierigkeiten, einen gemeinsamen Alltag zu gestalten. Zuweilen surreal, oft augenzwinkernd beleuchtem sie die Versuche der Protagonisten, sich ihrer Einsamkeit innerhalb und außerhalb von Beziehungen zu stellen.
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    Die Einsamkeit des Künstlers: 16 Kurzgeschichten

    Leevke

    13. August 2016 um 17:12

    Die Kurzgeschichtensammlung „Einsamkeit des Künstlers“ von Norbert Krüger beinhaltet sehr unterschiedliche Geschichten – und das macht den Reiz dieser Lektüre aus. Manche von ihnen beschreiben skurrile, unkonventionelle oder auch bekannte Versuche und Ideen, auf die Menschen kommen können, um aus ihrer Einsamkeit herauszufinden oder sie nicht mehr zu merken. Es gibt aber auch Geschichten, die erzählen, was passiert, wenn Beziehungen nicht gelingen, weil sie vorzeitig und plötzlich durch einen Unfall enden, oder weil Sprachlosigkeit beide aus ihrer Beziehung heraus treibt, oder auch, weil seelische und körperliche Verletzungen, Traumata der Kindheit  in die Gegenwart wirken und Beziehungen stören. Einige möchte ich exemplarisch hervorheben. Die erste Geschichte („Unerwartete Begegnung“) und die letzte („Der gefallene Baum“) bilden den Rahmen/die Klammer  dieser Sammlung durch ihr gemeinsames Thema: Beziehung zu sich selber. In der abschließenden Geschichte („Der gefallene Baum“) führt eine Traumreise den Protagonisten zu seinem persönlichen Trauma zurück. Dies ermöglicht es ihm, mit sich selbst und seiner Geschichte ins Reine zu kommen und seinen „Lebens-Schatz“ zu finden. Am Beginn dieser Klammer steht die Geschichte „Unerwartete Begegnung“ , in der ein Erwachsener sich den Fragen seines Kind-Ichs stellt und so überprüft, was aus den Träumen und Ideen der Kindheit geworden ist. Am Ende sagt er zu seinem Kind-Ich und damit zu sich selbst als Erwachsenen: „Freue Dich über jeden Fehler, den du machen wirst. Du lernst durch deine Fehler.“ Mit dieser Lebenseinstellung versöhnt er sich mit sich selbst und kommt mit sich ins Reine. Diesen Satz verstehe ich aber auch gleichzeitig als Motto dieser Sammlung, denn ein Aspekt dieser Geschichten sind eben auch die Fehler, die Menschen machen können auf ihrem Weg zu glücklichen Beziehungen. Und dann kann es ein Trost und entlastend sein, zu akzeptieren, dass Fehler zum Leben dazu gehören. Entlastend kann es ebenso sein, wenn es gelingt, auch mal die Perspektive zu wechseln. So ein Perspektivwechsel wird in der zweiten Geschichte anschaulich erzählt. Katzenliebhaber haben sicherlich ihren Spaß an der zweiten Geschichte, zumal Katzen bisweilen ja durchaus wirken, als machten sie sich so ihre eigenen Gedanken über unser Menschen-Verhalten.  In der Geschichte „Mein Zweibeiner ist rollig“ wird aus der Sicht einer Katze das Paarungsverhalten von uns Menschen belustigt und befremdet betrachtet und kommentiert: die Katze hat so ihre ganz eigenen Vorstellungen einer passenden Partnerin für ihren Zweibeiner und auch eigene Möglichkeiten dies deutlich zu machen. Wie einfach ist es doch in der Katzenwelt.   Aus einer beobachtenden, schmunzelnden Distanz heraus scheinen die Lösungsversuche der Protagonisten in den leicht zu lesenden Geschichten „Lonely Wolf“ und „Annäherung …“ geschrieben zu sein. Der eine „leiht“ sich das Kind einer Freundin aus, um Mütter mit Kindern kennenzulernen, weil von ihnen kein Kinderwunsch und damit Verbindlichkeit „droht“ und der andere nutzt sein Wissen über neurobiologische, chemische Reaktionen bei Frauen, um sein Flirtjunkie -Bedürfnis zu stillen. Leicht zu lesen sind aber auch die Geschichten, die gut ausgehen, in denen die Protagonisten selber oder mit Hilfe eine  Lösung finden, bspw. aus ihrer Beziehungs-Einsamkeit herauszukommen, wie in der Geschichte „Altherrensommer“. Da wird Karl eines Tages von seinem Nachbarn mit der Frage konfrontiert: Welche Hobbys hattest Du vor deiner Ehe?“ und auch  noch mit Eintrittskarten zum Spiel seiner früheren Lieblings-Fußballmannschaft. So findet Karl nach und nach aus dem gleichförmigen, sprachlosen Zusammenleben mit seiner Frau zu seinen aufgegebenen Hobbys  und seiner verlorenen Lebendigkeit zurück. Aber das bleibt nicht folgenlos. Eine Lösung finden auch die Protagonisten der Geschichten „Wenn es Nacht wird“ und „Novemberregen“. („Gott sei Dank“ möchte man fast sagen.) Aber in beiden Geschichten müssen sie dafür bis an den Rand ihres Lebens gehen, um dort  einen Weg, eine Aufgabe zu finden, die zu ihrem Wendepunkt wird.   In den Krimi-artig geschrieben Geschichten „Claudia“ und „Wie damals“ verzweifeln die Protagonisten an dem Druck ihrer  immer wieder erlebten Minderwertigkeit, ob interpretiert oder von den Eltern immer wieder vermittelt. Sie verschaffen sich Entlastung von diesem Druck durch den  alles beendenden Mord. Allerdings passiert in der Geschichte „Claudia“ nach dem Mord noch etwas völlig Unerwartetes, was die Geschichte für mich zu einer besonderen macht   In der titelgebenden Geschichte „Die Einsamkeit des Künstlers“ treibt der international bekannte Cellist Wolfgang seine gefühlte Einsamkeit auf die Spitze. Trotz einer Vielzahl wechselnder Beziehungen - neben seiner Ehe und Familie - empfindet sich dieser Cellist als einsam. Jeder Seitensprung auf seinen Konzertreisen ist für ihn ein „Aufatmen in der klaustrophobischen Einsamkeit des ständig reisenden Künstlers“. Er kokettiert mit der Einsamkeit, für ihn ist sie also ein Spiel  und gleichzeitig der „Türöffner“ und die Rechtfertigung für seine Seitensprünge.   Mein Resümee: Beim Lesen der Geschichten sind Bilder in mir entstanden. Mit und in diesen Bildern konnte ich abtauchen in die eigene Welt der jeweiligen Geschichte. Und sie haben mich gefühlsmäßig angesprochen – mal mehr und mal weniger – aber dadurch konnte ich die Geschichten miterleben und mich bspw. mit Karl freuen, wie er aufblüht und seine Lebensfreude wiederentdeckt („Altherrensommer“), ich konnte mit Klaus Unger um seine verunglückte Frau trauern, befürchtete das Schlimmste und war erleichtert, als das nicht eintrat („Novemberregen“). Ein bisschen belächelt habe ich die eher hilflos anmutenden Versuche, Beziehungen auszuweichen („Lonely wolf“; „Annäherung…“). Ich finde, es lohnt sich, diese Geschichten zu lesen – nicht nur einmal.

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