Norbert Leithold Herrliche Zeiten

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Inhaltsangabe zu „Herrliche Zeiten“ von Norbert Leithold

Die dramatische Geschichte einer Berliner Unternehmerfamilie in den Wirren des 20. Jahrhunderts Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs: Der Berliner Fabrikant Hermann Kypscholl wähnt sich auf der Seite der Gewinner, seiner Familie fehlt es an nichts, und bei Feiern mit illustren Gästen in der Wannsee-Villa fließt Sekt in Strömen. Tochter Anna steht vor einer Karriere als Rassenforscherin; Sohn Otto, der eigentlich Maler werden will, wird von seinem Vater in die Wehrmacht gezwungen und 'sichert' in Europa Kunstwerke für Nazigrößen. Doch nach 1945 ist nichts mehr, wie es war: Anna wird vermisst, Otto sitzt im Kriegsverbrechergefängnis, und die Teilung Deutschlands schlägt eine Schneise in die Familie. erst in den 1960er Jahren finden Annas Tochter und Ottos Sohn zusammen, aber beide leiden unter den Wunden, die der Krieg gerissen hat. Herrliche Zeiten ist ein monumentaler Roman über Anpassung, Widerstand und Deformierungen an Leib und Seele. In epischer Sprache und mit psychologischer Tiefenschärfe zeichnet Norbert Leithold Aufstieg und Fall einer großbürgerlichen Familie über drei Generationen hinweg und entwirft ein lebendiges Panorama vom 'Dritten Reich' bis in die 1968er in West und Ost.

Fulminante Familiengeschichte

— Hollysmum
Hollysmum

Opportunismus ist das wichtigste Thema im vierten Roman von Norbert Leithold. Leider ist „Herrliche Zeiten“ völlig überfrachtet.

— shitesite
shitesite

Zuerst musste ich mich sehr lange an den eigenwilligen Schreibstil gewöhnen, dann habe ich das Buch sehr genossen!

— angi_stumpf
angi_stumpf

Überzeugend, packend, gut geschrieben.

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

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  • Fulminante Familiengeschichte

    Herrliche Zeiten
    Hollysmum

    Hollysmum

    19. July 2017 um 22:48

    Dieser Epos erzählt uns von der Familie Kypscholl die im aufstrebenden Nazi-Deutschland versucht etwas vom großen Kuchen abzubekommen. Vater Hermann Kypscholl leitet eine Rasierapparat-Firma die aber neuerdings auch Wehrmacht Uniformen produziert. Mutter Elisabeth ist eher der Musik zugetan,genauso wie Sohn Otto. Für den ist ebenso die Malerei ein großer Traum,doch der Vater will nichts davon wissen. Tochter Anna studiert die Rassenkunde und will herausfinden wie sich die "Zucht" des arischen Volkes voran bringen lässt.Im Zuge des Krieges erleben alle Mitglieder der Familie schlimme Dinge mit denen sie Mal mehr,Mal weniger umzugehen wissen. Es war wahnsinnig schwer für mich den Einstieg zu finden. Ein Buch ohne wörtliche Rede ist im Normalfall nicht mein bevorzugtes. Doch in diesem Fall interessiert mich die Entwicklung der Familie Kypscholl. Von der tugendhaften und Rechtschreibung Anna,dem Rebell Otto,der ewigen Dame Elisabeth und nicht zuletzt Hermann. Es hat sich gelohnt durchzuhalten. Die Charaktere sind äußerst kraftvoll und ausdrucksstark. Oft habe ich den Kopf geschüttelt wegen als des Starrsins, dem Hass und der Ignoranz. Lesenswert,aber nur mit Ruhe und Konzentration!

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  • Viel Recherche, wenig Plausibilität

    Herrliche Zeiten
    shitesite

    shitesite

    19. July 2015 um 23:10

    Norbert Leithold, der sich nach seinem letzten Roman Viertes Deutschland (1992) auf historische Recherchen und Sachbücher verlegt hatte, besticht auch hier mit einem Werk von enormer Recherchetiefe. Es gibt Witze, Stars und Sternchen sowie Produkte aus der jeweiligen Zeit, der Autor beweist ein gutes Gespür für die Sprache der NS- und DDR-Ideologien, ihre verführerische Kraft, ihre perfiden Argumentationsweisen. Er wählt zudem eine recht distanzierte Erzählweise („Da kommt der Historiker durch“, sagt er), die Herrliche Zeiten gut zu Gesicht steht. Aber er schafft es nicht, dieses Buch echt wirken zu lassen. Die Handlung wirkt – vor allem wegen der vielen arg unglaubwürdigen Schicksalswendungen und Begegnungen – wenig plausibel, überfrachtet und reißbrettartig. Immer will er den maximalen Effekt, und daran leidet dieser Roman, der die Geschichte einer Berliner Familie von 1939 bis 1967 erzählt, enorm. http://www.shitesite.de/2015/07/01/durchgelesen-norbert-leithold-herrliche-zeiten/

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  • Das Durchhalten hat sich gelohnt...

    Herrliche Zeiten
    angi_stumpf

    angi_stumpf

    17. June 2014 um 14:01

    Die Geschichte: Zunächst lernen wir die Familie Kypscholl kennen und einige Personen aus dem Bekanntenkreis. Der 2. Weltkrieg steht vor der Tür und Hermann Kypscholl unterstützt die Pläne und ist bereit, seinen Beitrag zu leisten – und damit nebenbei gut zu verdienen. Auch die Tochter Anna findet ihren Platz und setzt sich begeistert für die Errichtung von sog. “Lebensbornheimen” ein, in denen die arische Rasse herangezüchtet werden soll. Nur Otto, der seinen Vater Hermann leidenschaftlich hasst, will lieber Maler werden und landet schließlich gezwungenermaßen in der Wehrmacht. Doch dort macht er dank seines Kunstverstandes überraschend schnell Karriere und lernt sogar sein Idol Göring persönlich kennen. Wir begleiten zunächst Anna und Otto auf ihrem Weg, erleben mit ihnen diverse Höhen und Tiefen im Krieg, persönliche Schicksalsschläge und die Bedeutung wahrer Freundschaften oder Gefälligkeiten, die lebensrettend sein können. Später dreht sich die Geschichte dann eher um deren Kinder: Regina ist die Tochter von Anna, Otto hat einen Sohn namens Karl, der ihn ebenso leidenschaftlich hasst wie Otto einst seinen eigenen Vater – so schließt sich der Kreis, aber das ist nur ein kleine Parallele von vielen, die Eindruck hinterlassen. Meine Meinung: Der Schreibstil hat mir zunächst einiges an Konzentration und Durchhaltevermögen abverlangt, erst ab der Hälfte des Buches hatte ich mich daran gewöhnt und konnte das Gelesene richtig genießen. Es gibt in diesen Sätzen keine hervorgehobene wörtliche Rede, alles wirkt irgendwie gleichförmig ohne besondere Höhen oder Tiefen. Dramatische Szenen, wie ein tödlicher Autounfall, folgen ansatzlos auf Banalitäten, man wird nicht vorgewarnt – wie im richtigen Leben. “Als Oberscharführer Otto Kypscholl im Frühjahr 45 in die elterliche Villa am Wannsee zurückkehrt, fragt er als Erstes seine Mutter, Mein Gott, Junge, da bist du, nach Elias Finkel, dann nach dem Totenhochtreiber.” Zitat Seite 203 Die Geschichte ist temporeich, die Schauplätze wechseln manchmal fast ansatzlos und auch größere Zeitsprünge erfolgen ohne Ankündigung. Die Sprache ist deutlich und den jeweiligen Charakteren angepasst, zuweilen sehr direkt und manchmal etwas vulgär, aber immer passend. Unter den Protagonisten gibt es nicht viele, die man wirklich uneingeschränkt sympathisch finden kann. Alle Figuren haben ihre Ecken und Kanten, handeln oft egoistisch und manche sind wohl auch als ernsthaft psychisch gestört zu bezeichnen. Ihre Gefühlswelt wird nicht bewusst beleuchtet, es sind eher ihre Taten, die sie lebendig erscheinen lassen. Norbert Leithold hat für dieses Buch intensiv recherchiert und vermittelt dem Leser in unterhaltsamer Form auch einiges an geschichtlichem Wissen, das sehr interessant und teils erschreckend ist. Er zeichnet ein lebendiges und realistisches Bild einer Familiengeschichte, die fesselnd und vielschichtig ist. Nachdem ich mich an den Schreibstil gewöhnt hatte, hat mich das Buch richtig in seinen Bann gezogen. Speziell die zweite Hälfte hat mir gefallen. Es war schön zu lesen, wie sich die Lebenswege verschiedener Personen immer wieder kreuzen, wie alte Beziehungen sich auf die Zukunft auswirken. Am Ende erwartet den Leser ein sehr temporeiches Finale, das mir persönlich leider etwas zu abrupt endete. Ich hätte mir noch einen kurzen Epilog gewünscht, um zu erfahren, was aus den Protagonisten wurde. Fazit: Trotz des gewöhnungsbedürftigen Schreibstils ist das Buch fesselnd, facettenreich und interessant. Es überzeugt durch ungewöhnliche Charaktere und eine grandiose, klug durchdachte Story. Wertung: 3,5 von 5 Sternen

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  • Immer den Kopf oben halten

    Herrliche Zeiten
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    16. April 2014 um 14:34

    Immer den Kopf oben halten „Herr-liche“ Zeiten, so müsste zunächst der Titel dieses Familienromans umschrieben werden. Denn zu „Herren“ werden sie langsam, die Krypscholls Ende der Dreißiger, Anfang der 40er Jahre im dritten Reich. Auch wenn der Sohn der Familie, Otto, zunächst aus der Art zu schlagen droht. Künstler will er werden, mit dem jüdische n Professor Fink steht er in engem Verhältnis, weglaufen will er von seinem übermächtig scheinenden, strikten und strengen Vater, der ihn „zu den Soldaten“ steckt. Da ist Anna, die Tochter des Hauses, schon ein anderes Kaliber 8und verbelibt dennoch seltsam blutleer im Roman). Die „Reinheit der Rasse“, die „Zucht edler Menschen“, das ist ohne innere Widersprüche ihr Steckenpferd. Und beide werden ihren Weg gehen, werden in den Tagen und Wirren des Krieges Formen der „Erfüllung“ und der persönliche Macht finden. Anna mit ihrem Siegfried (einen direkteren Namen „mit Bezug“ hätte Leithold gar nicht wählen können) als Leiterin eines „Lebensborns“ und ständig nach jungen Frauen forschen, die als „Gebärmaschinen“ das „Volk auf lange Sicht“ reinigen. Otto mit seinem Kunstsachverstand, der als Gruppenführer in direkte Nähe Görings gerät, diesen (später durchaus nicht ironisch gemeint) als „kleinen dicken Gott“ benennt und der auch dafür sorgt, dass für ihn selbst an geheimem Ort genügend Schätze abfallen für ein sorgenfreies Leben. Bis er eines Tages den verehrten Lehrer Finkel in Paris wiedertrifft und sich innerlich entscheiden werden muss, ob er auch charakterlich, seinem eigenen Vater immer ähnlicher werden will – Mit Folgen späterhin für seine eigene Familie, seinen eigenen Sohn. Einer, der sein Leben mit fast unglaubliche Fälschungen in diesen Zeiten verquickt und sich mehr und mehr darin verlieren wird. Begleitet wird dieser Aufstieg, der über die Kriegszeiten hinaus weit in das „neue Deutschland“ reichen wird, von „Lilli Marleen“. Jenem Lied der engen Freundin der „Dame des Hauses Kypscholl, dem der Patriarch keine Chance auf Gehör gibt, dass aber seinen Weg durch die Zeiten steig „nach oben“ hin machen wird. Bis zur Konfrontation der Lebensstile, der Lebenshaltungen, der Ideologien und der persönlichen Schuld, die Ende der 60er Jahre in der Zeit der Studentenunruhen auch im Hause Kypscholl eskalieren wird. In der Form ist dem Buch nicht einfach zu folgen. Perspektivwechsel, eine längere Zeit unentschiedene, dem Leser nicht wirklich klar werdende innere Haltung Ottos und in Teilen auch eine gewisse Belanglosigkeit der Ereignisse (gerade im Anna herum), die sich sprachlich wenig abheben von den wichtigen Momenten (wenn Freunde sterben….) führen zu einem hier und da zu wenig dynamischem Leseerlebnis. Wobei die Darstellungen der Zeit, der handelnden Personen wie Heidrich und Göring, die verdrehte Ideologie in manchen Köpfen und der „heilige Ernst“ am „deutschen Volk“, die Lust am Fälschen und die Lust an der Kunst, der „Beute- und Raubkunst“ sehr intensiv gelungen nach der Lektüre verbleiben. Ebenso, wie der „gleitende Übergang“ in die Zeit nach dem Krieg, in dem es nicht nur den Kypscholls im Buch scheint´s wunderbar gelungen ist, ihre Pfründe über die Zeit hinweg zu bewahren. Alles in allem ein eher breites denn tiefes Buch, dass dem Leser noch einmal historisch und „von Innen“ her die Zeiten und Zeitenwenden und die (spätere) Kraft zum Ausbrechen aus destruktiven Strukturen vor Augen führt, das aber nicht in allen Teilen gleichermaßen zu überzeugen versteht. 

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  • Bisher mein Buch des Jahres

    Herrliche Zeiten
    Matzbach

    Matzbach

    13. April 2014 um 12:19

    Obwohl ich noch auf weitere gute Literatur hoffe, "Herrliche Zeiten" von Norbert Leithold hat gute Chancen auf mein persönliches Buch des Jahres 2014. Am Beispiel der Familie Krypscholl erzählt die Zeitläufte zwischen 1939 und 1967. Hermann Krypscholl ist ein Begünstigter der Arisierung, seine beiden Kinder Anna und Otto, die eigentlichen Hauptfiguren des Romans, machen auf unterschiedliche Art Karriere im Dritten Reich. Anna wird für das "Ahnenerbe" tätig, die Organisation, die die Aufzüchtung der nordischen Rasse gewährleisten soll. Dabei verstrickt sie sich aber auch zwangsläufig in die Kehrseite des Programms, die Euthanasie. Später wird sie gar Assistentin eines Mediziners, der in Buchenwald Menschenversuche durchführt. Das Kriegsende verschlägt die nach einer Vergewaltigung traumatisierte Anna in ein mecklenburgisches Dorf, wo sie unerkannt weiterlebt. Ihr Bruder Otto, der eigentlich ein Künstler werden möchte, wird von seinem dominanten Vater in die Wehrmacht gesteckt, in der er dann den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs miterlebt. Eher zufällig gerät er in eine von Göring eingesetzte Kommission, die den Auftrag hat, Beutekunst zu sammeln. Dass Otto dabei immer auch etwas für sich abzweigt, ermöglicht ihm nach dem Krieg den Einstieg in den Kunsthandel. Als Vater versagt er dann bei der Erziehung seines Sohnes Karl ebenso wie Hermann bei ihm, allerdings scheint Karl die Emanzipation vom Übervater zu gelingen, wenn auch um einen hohen Preis. Parallel dazu entwickelt sich Regina, Annas Tochter, in der DDR von einer gezwungenen Informantin zur selbstbewussten, sich dem System widersetzenden jungen Frau. Neben diesen Hauptsträngen entwickelt Leithold bis in die Nebenfiguren hinein ein bewundernswertes Panoptikum der Geschichte im genannten Zeitrahmen. Die Sprache ist bisweilen derb und stakkatohaft, gegen Ende wechseln die Perspektiven manchmal gar mitten im Kapitel, aber das tut dem Lesegenuss keinen Abbruch.  

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