Norbert Scheuer

 4,2 Sterne bei 157 Bewertungen
Autor von Winterbienen, Überm Rauschen und weiteren Büchern.
Autorenbild von Norbert Scheuer (©Elvira Scheuer)

Lebenslauf von Norbert Scheuer

Preisgekrönt und ungeschönt: Karl Norbert Scheuer wird 1951 in Prüm, in der Westeifel, geboren. Er macht nach seinem Schulabschluss eine Ausbildung zum Elektriker und absolviert nebenbei die Abendrealschule. Im Anschluss studiert er Physikalische Technik an der Märkischen Fachhochschule und schließt diese mit einer Diplomarbeit ab. Im darauffolgenden Philosophiestudium erlangt er mit einer Arbeit über Kant den Magistergrad an der Universität Düsseldorf.

Bis 2017 war Scheuer als Systemprogrammierer bei der Deutschen Telekom tätig, heute ist er freischaffender Schriftsteller. Sein erstes Buch veröffentlich Scheuer 1994 mit der Erzählsammlung »Der Hahnenkönig«. Größeren Erfolg hat er beispielsweise mit seinem Roman »Überm Rauschen«, mit dem er bereits 2009 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises steht. Für »Die Sprache der Vögel« wird Scheuer zudem für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 nominiert. 2019 steht mit »Winterbienen« erneut ein Roman Scheuers auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Seine Bücher verhandeln häufig ernste Themen wie den Kriegseinsatz eines Bundeswehrsanitäters oder Erfahrungen eines Imkers im Zweiten Weltkrieg.

Die Werke Scheuers sind in verschiedene Sprachen übersetzt worden, darunter Türkisch und Arabisch. Der Schriftsteller wird mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2010 mit dem Düsseldorfer Literaturpreis. 2014 übernimmt Scheuer zudem eine Dozentur an der Universität Bonn. Der Autor lebt heute in Keldenich in der Eifel.

Alle Bücher von Norbert Scheuer

Cover des Buches Winterbienen (ISBN: 9783406739637)

Winterbienen

 (84)
Erschienen am 26.11.2019
Cover des Buches Überm Rauschen (ISBN: 9783423140089)

Überm Rauschen

 (30)
Erschienen am 01.07.2011
Cover des Buches Peehs Liebe (ISBN: 9783423144278)

Peehs Liebe

 (11)
Erschienen am 21.08.2015
Cover des Buches Die Sprache der Vögel (ISBN: 9783596036806)

Die Sprache der Vögel

 (10)
Erschienen am 27.10.2016
Cover des Buches Kall, Eifel (ISBN: 9783423139380)

Kall, Eifel

 (6)
Erschienen am 01.11.2010
Cover des Buches Flußabwärts (ISBN: 9783406622564)

Flußabwärts

 (6)
Erschienen am 26.07.2011
Cover des Buches Am Grund des Universums (ISBN: 9783406711794)

Am Grund des Universums

 (3)
Erschienen am 29.08.2017
Cover des Buches Der Steinesammler (ISBN: 9783596036790)

Der Steinesammler

 (3)
Erschienen am 27.10.2016

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Norbert Scheuer

Cover des Buches Winterbienen (ISBN: 9783406739637)ysmns avatar

Rezension zu "Winterbienen" von Norbert Scheuer

Absolut lesenswert!
ysmnvor 3 Monaten

Natur und Krieg. Bienen und Menschen. Leben und Tod.

All dies verwebt Norbert Scheuer auf großartige und einfühlsame Weise in seinem Roman „Winterbienen“. Er erzählt in Tagebuchform über das Leben des Imkers Egidius Arimond in der Eifel, der während des Zweiten Weltkriegs Juden in seinen Bienenstöcken bis zur belgischen Grenze schmuggelt. Das Fortschreiten des Krieges, die Frauengeschichten des Protagonisten und seine Epilepsie, die immer schlimmer wird, weil er sich keine Medikamente mehr besorgen kann und schließlich die zunehmend gefährlicher werdenden Fahrten mit den Flüchtlingen führen dazu, dass die Situation beklemmender und bedrückender wird.

Bevor die Geschichte jedoch an Rasanz zunimmt, gelingt es Scheuer, über den Krieg, der „doch immerzu anwesend [ist]; ein schrecklicher Dämon, der seit Menschengedenken existiert, versteckt in einem Winkel lauert und jederzeit unerwartet hervorkommen kann, um blindwütig die Natur und ihre Kreaturen zu schänden”, eindrücklich zu erzählen. Denn er stellt ihn dem Leben der Bienen und ihrem Rhythmus gegenüber, verbindet beides sprachlich miteinander und schafft so einen Kontrast, aber auch ein Nebeneinander.
Einerseits sind die Bienen untrennbar mit den Schrecken des Krieges verbunden und beschützen nicht nur die Flüchtlinge in den Bienenkästen, indem sie sich wie eine Traube um die Menschen legen, sondern auch die Notizen Egidius’ und eine Notration seines Medikaments, die in den Kästen der Bienen sicher aufgehoben sind. Auf einer metaphorischen Ebene lassen sich außerdem die abstürzenden Flugzeuge, die an der Front gefallenen Soldaten, von denen lediglich die Särge den Weg zurück in die Eifel finden, mit einer Krankheit vergleichen, die die Bienen ihres Orientierungssinns beraubt. Sie finden nicht mehr in den Stock zurück und sterben. Ein anderes Bild sind die Menschen im Bunker, die sich wie ein Bienenschwarm zusammenfinden: „Im hintersten Winkel des großen Bunkers in der Bahnhofstraße hängt der ganze Ort gleichsam wie eine zitternde Menschentraube zusammen.”
Andererseits aber, stehen die Bienen in ihrem Verhalten für all das, was der Krieg nicht ist. Sie arbeiten zusammen, sorgen besonders im Winter füreinander und verteilen “Wärme im Staat”, damit die Larven nicht erfrieren, während der Krieg Hass und Kälte im von menschlicher Hand geführten Staat verteilt. Der ewige Rhythmus der Bienen stellt sich dem Hass, dem Töten und der Zerstörung gegenüber. Sie bleiben vom Krieg unberührt: „Der Lärm der Angriffe scheint den Bienen nichts auszumachen; sie leben in einer anderen, wie es scheint, friedlichen Welt, sie interessiert der Krieg nicht.” Erst als Soldaten auf die Bienenstöcke schießen und diese mutwillig zerstören, hält der Krieg der Menschen selbst in der Bienenwelt Einzug.

Scheuers Roman ist wie der Tanz der Bienen, wie ihr „Sprachballett”. Er wird den Schrecken des Kriegs gerecht und schafft es gleichzeitig, dass diese nicht die Überhand gewinnen. Er bahnt sich erzählerisch einen Weg durch das Jahr 1944, indem er die Innenansichten des Protagonisten, historische Fragmente, Naturbeschreibungen der Eifellandschaft und den Rhythmus und das Leben der Bienen zu einem Gesamtbild verknüpft. Nicht zuletzt hat Scheuer Egidius Arimond mit diesem Roman ein ihm würdiges Denkmal gesetzt.

Ein absolut lesenswertes Buch!

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Cover des Buches Winterbienen (ISBN: 9783406739637)Norbert_Hs avatar

Rezension zu "Winterbienen" von Norbert Scheuer

Leises, wortgewaltiges Meisterwerk
Norbert_Hvor 5 Monaten

Zur Geschichte:

Es geht um Egidius Arimond, ein Schullehrer in den Jahren 1944/45. Mitten in den Wirren des 2. Weltkrieges in Kall; ein kleiner beschaulicher Ort irgendwo in der Eifel. Hier wohnt Egidius und darf aufgrund seiner Epilepsie nicht mehr unterrichten. Mit seiner Krankheit taugt er nicht einmal für den Kriegsdienst, wie sein Bruder Alfons, der ein erfolgreicher Kampfpilot ist und so widmen er sich eben seinen Bienen, die er von seinem Vater nach dessen Tod übernommen hat. Egidius schmuggelt aber auch Flüchtlinge mit Hilfe seiner Bienenkästen über die Grenze und findet auch an den Frauen im Dorf gefallen, deren Ehemänner in den Krieg ziehen mussten. Ein gefährliches Unterfangen, da er sich eines Tages auch noch mit Charlotte, der Ehefrau des NSDAP-Kreisleiters einlässt. 

Norbert Scheuer gelingt hier ein großartiger Roman, der mit ganz leisen Tönen auskommt und als Tagebuch geschrieben ist. 

Ich habe die Lizenzausgabe der Büchergilde Gutenberg und der Einband ist aus feinem Leinen gearbeitet. Lesekultur pur. Der honigfarbene Schutzumschlag ist einfach aber ansprechend gestaltet. 

Da der Roman als Tagebuch und dazu in der „Ich-Form“ geschrieben ist, habe ich schon nach wenigen Seiten das Gefühl, dass ich selbst der Verfasser bin. Einfühlsam, wortgewaltig und mit Liebe zum Detail beschreibt er den täglichen Ablauf unseres Protagonisten ohne jemals langweilig oder langatmig zu wirken. 

So z.B.:

„Der Himmel ist grau wie Zement, die Wolken hängen tief, sodass man fürchtet, sich irgendwo weit entfernt am Horizont den Kopf zu stoßen“ (S. 26).

Großartig beschreibt Norbert Scheuer auch wie sich die krankheitsbedingten Anfälle seines Protagonisten ankündigen:

„Gestern hatte ich nach langer Zeit wieder einen epileptischen Anfall; er kündigte sich an wie ein Windhauch, als triebe ich an einem Sommertag auf einem Segelboot langsam aufs Meer hinaus“. (S. 39)

Er beschreibt die für Egidius immer schlechter und schwieriger werdende Situation im Dorf und den damit verbundenen Anfeindungen, parallel dazu das Leben seiner Bienen, so detailliert und kräftig, ja gefühlvoll und das Ganze völlig unaufgeregt und mit einer ganz leisen Stimme, dass es eine wahre Freude ist, es zu lesen. Wir tauchen tief ein in das Leben des Protagonisten und die damalige Situation zusammen mit den damit verbundenen Sorgen und Nöten der Menschen.

Mehr will ich über den Inhalt nicht verraten. 

Die Danksagung zum Schluss ist meines Erachtens wichtig gelesen zu werden. Am Ende lässt mich das Buch nachdenklich, ja sogar ein wenig melancholisch, aber keineswegs traurig zurück. Ich wäre gern länger geblieben. 

Eine ganz klare Leseempfehlung. 


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Cover des Buches Winterbienen (ISBN: 9783406739637)Elenchen_hs avatar

Rezension zu "Winterbienen" von Norbert Scheuer

Tagebuchroman
Elenchen_hvor 6 Monaten

"... und vielleicht besitze ich die Bienen gar nicht, sondern sie besitzen mich; vielleicht sind wir alle, auch die Bienen, Teil eines geheimnisvollen und erbarmungslosen unsterblichen Organismus." - Norbert Scheuer, "Winterbienen"


Egidius Arimond ist Landwirt und Bienenzüchter, in seiner Freizeit übersetzt er die Texte seines Vorfahren des Mönchs Ambrosius und versucht, sein Wissen über die Bienen schriftlich für spätere Generationen festzuhalten. Egidius Arimond ist aber auch Epileptiker. In den Augen der Nazis ist er lebensunwert, dank des hohen Ansehens seines Bruders wurde er jedoch bisher vom Tod verschont. Um an für ihn lebenswichtige Medikamente zu kommen, muss er jedoch ein hohes Risiko eingehen: er schmuggelt jüdische Flüchtlinge über die Grenze


Als Leser*in begleitet man den Protagonisten über etwas mehr als ein Jahr durch sein Leben. Das Leseerlebnis ist sehr, sehr intensiv, da das Buch in Tagebucheinträgen verfasst ist. Egidius Arimond erzählt von seinem Schaffen als Imker, aber auch von seiner tiefen Angst, vor den Augen anderer Menschen einen epileptischen Anfall zu bekommen. Er berichtet von seinen zahllosen Liebschaften mit Frauen, deren Männer sich im Krieg befinden. Hautnah erlebt man mit, wie er seine Konstruktionen baut, um Flüchtige sicher über die Grenze zu bringen, alles mithilfe der Bienen.


Ich bin wirklich zutiefst beeindruckt und bewegt von dem Buch. Es ist in klarer und prägnanter Sprache verfasst, hat in mir aber trotzdem oder gerade deshalb eine Fülle an Emotionen ausgelöst. Ich konnte das Buch zeitweise gar nicht mehr aus der Hand legen, vor allem gegen Ende hin - und nach dem Zuschlagen war ich sehr erschüttert.


Dem Nachwort kann man entnehmen, dass der Autor Norbert Scheuer in "Winterbienen" eine wahre Geschichte erzählt. Einer der Bewohner seines Dorfes brachte ihm eines Tages eine Tasche voller beschriebener Seiten und bat ihn, sich der Geschichte doch anzunehmen. Das hat er getan und zwar auf eine wirklich gute Weise.


Den ein oder anderen Kritikpunkt habe ich zwar (mit den Texten des Mönchs konnte ich beispielsweise nicht viel anfangen), insgesamt ist "Winterbienen" aber so lesenswert! Mir hat es ausgesprochen gut gefallen und ich möchte daher eine Empfehlung aussprechen. Auch deshalb, weil Bienen einfach viel zu unterschätzt werden als Thema eines Romans und die Grauen der Nazizeit nicht oft genug thematisiert werden können. Für mich stand der Roman zurecht 2019 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

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Zusätzliche Informationen

Norbert Scheuer wurde am 16. Dezember 1951 in Prüm (Deutschland) geboren.

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