Norbert Scheuer

 4.3 Sterne bei 135 Bewertungen
Autor von Winterbienen, Überm Rauschen und weiteren Büchern.
Autorenbild von Norbert Scheuer (©Elvira Scheuer)

Lebenslauf von Norbert Scheuer

Preisgekrönt und ungeschönt: Karl Norbert Scheuer wird 1951 in Prüm, in der Westeifel, geboren. Er macht nach seinem Schulabschluss eine Ausbildung zum Elektriker und absolviert nebenbei die Abendrealschule. Im Anschluss studiert er Physikalische Technik an der Märkischen Fachhochschule und schließt diese mit einer Diplomarbeit ab. Im darauffolgenden Philosophiestudium erlangt er mit einer Arbeit über Kant den Magistergrad an der Universität Düsseldorf.

Bis 2017 war Scheuer als Systemprogrammierer bei der Deutschen Telekom tätig, heute ist er freischaffender Schriftsteller. Sein erstes Buch veröffentlich Scheuer 1994 mit der Erzählsammlung »Der Hahnenkönig«. Größeren Erfolg hat er beispielsweise mit seinem Roman »Überm Rauschen«, mit dem er bereits 2009 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises steht. Für »Die Sprache der Vögel« wird Scheuer zudem für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 nominiert. 2019 steht mit »Winterbienen« erneut ein Roman Scheuers auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Seine Bücher verhandeln häufig ernste Themen wie den Kriegseinsatz eines Bundeswehrsanitäters oder Erfahrungen eines Imkers im Zweiten Weltkrieg.

Die Werke Scheuers sind in verschiedene Sprachen übersetzt worden, darunter Türkisch und Arabisch. Der Schriftsteller wird mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2010 mit dem Düsseldorfer Literaturpreis. 2014 übernimmt Scheuer zudem eine Dozentur an der Universität Bonn. Der Autor lebt heute in Keldenich in der Eifel.

Neue Bücher

Flußabwärts

Neu erschienen am 09.03.2020 als Taschenbuch bei C.H.Beck.

Kall, Eifel

Neu erschienen am 09.03.2020 als Taschenbuch bei C.H.Beck.

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Cover des Buches Winterbienen9783406739637

Winterbienen

 (64)
Erschienen am 26.11.2019
Cover des Buches Überm Rauschen9783423140089

Überm Rauschen

 (30)
Erschienen am 01.07.2011
Cover des Buches Peehs Liebe9783423144278

Peehs Liebe

 (11)
Erschienen am 21.08.2015
Cover des Buches Die Sprache der Vögel9783596036806

Die Sprache der Vögel

 (9)
Erschienen am 27.10.2016
Cover des Buches Kall, Eifel9783423139380

Kall, Eifel

 (6)
Erschienen am 01.11.2010
Cover des Buches Flußabwärts9783406622564

Flußabwärts

 (6)
Erschienen am 26.07.2011
Cover des Buches Am Grund des Universums9783406711794

Am Grund des Universums

 (4)
Erschienen am 29.08.2017
Cover des Buches Der Steinesammler9783596036790

Der Steinesammler

 (3)
Erschienen am 27.10.2016

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Neue Rezensionen zu Norbert Scheuer

Neu

Rezension zu "Winterbienen" von Norbert Scheuer

Es summt dahin
buchstabensammlerinvor 17 Tagen

Titel: Winterbienen
 Autor: Norbert Scheuer

Verlag: C.H. Beck
Buch: Hardcover mit Schutzumschlag
Erschienen: 18.07.2019
Seiten: 319 mit 13 Zeichnungen
ISBN : 978-3-406-73963-7
Preis: 22,00 €

 

 

 

„Bienen sind, wenn sie ausschwärmen, nicht aggressiv, sie wollen nur zu ihrer Königin und haben nichts anderes im Sinn, als sie zu beschützen, denn ohne sie ist ein Volk völlig hilflos und stirbt. Ich hatte der Kleinen vorsorglich Lockenwickler mit Königinnen am Kleid befestigt.“
Dieser Satz hat mich auf Seite 30 direkt getroffen und ich bin absolut beeindruckt von diesem Buch, über Egidius Arimond, der 1944 in der Eifel sich mit Frauengeschichten begnügt, manchmal ein Bett im Gasthaus nutzt, nicht immer allein, der nicht mehr als Lateinlehrer arbeitet, an Epilepsie leidet und der vor allem in dieser Zeit, als alle Männer im Krieg sind und die Flieger den Himmel über dem Eifeldorf verdunkeln, Juden in seinen umgebauten Bienenstöcken über die Grenze nach Belgien bringt. In einem Pferdewagen, mit seinen Bienenvölkern, um Geld für seine Medikamente zu bekommen.
 Dieses Buch ist für mich eines der besten in 2019, ein Buch voller Intensität, so voller enormer Dichte und vor allem ist es ein Buch, was aufgrund seiner Vielfalt der Themen auf keiner Seite abflacht, ganz im Gegenteil, ich hätte weitere 315 Seiten lesen mögen. Bienen, Flugzeuge, Liebschaften, Krankheit, der Krieg, Flüchtlingshilfe, und und und... viel mehr geht nicht in einem Roman, der auch noch mit Zeichnungen des Sohnes vom Autor ergänzt wird, Zeichnungen von Flugzeugen, die über Kall in der der Eifel den Himmel zu dieser Zeit verdunkelten. 

Die Bienen, die den wunderbaren Titel hergeben, sind das Volk, das sich umeinander kümmert, geordneten Strukturen folgt und jeder für die anderen dar ist. Auf der anderen Seite lesen wir in den Tagebucheinträgen, denn diese  schreibt Egidius, den Wunsch eines Mannes nach Liebe, einem normalen Leben, nach Aufgaben und der Hoffnung, dass alles einmal gut sein wird. Es geht um den Krieg, um einen Mann, der für diesen als Epileptiker unbrauchbar ist und da sein Bruder ein hochdotierter Flieger ist, in Ruhe gelassen wird. Doch seine Frauengeschichten machen ihm einen Strich durch die Rechnung und er wird von der Frau eines Gestapooffiziers denunziert und somit verraten. 

Nichts ist und wird gut, denn der Krieg, und wir lesen in diesem Buch die Niederschriften eines Mannes zwischen Winter 44 und Sommer 45, der obwohl es ein Roman ist, eine reale Vorlage hat, denn der Autor berichtet am Ende über Unterlagen, die er erhalten hat und Grundlage dieses ganz besonderen Buches sind. Da hatte ich dann zum Schluß noch mehr als Gänsehaut, ein tiefer Druck auf meinem Herzen, dass diese Geschichte wahr ist, war.
Norbert Scheuer erzählt unaufgeregt und ruhig, manchmal fast langsam, aber genau das ist das Summen der Worte, die durch das Buch gleiten, genau wie die Bienen in ihren Bienenstöcken, sie aber geordnet und gleichmäßig einem Rhythmus folgen, im Gegensatz zu den Menschen im Kriegsjahr 44/45.

 

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W

Rezension zu "Winterbienen" von Norbert Scheuer

Ein Leben im Jahresverlauf mit den Bienen
Waschbaerinvor 19 Tagen

Das Buch "Winterbienen". von Norbert Scheuer kommt völlig schnörkellos daher. Geschrieben in Form eines Tagebuches erleben wir den Alltag von Egidius Arimond, der nahe der belgischen Grenze lebte. Früher war er einmal Lehrer. Doch seiner Epilepsie wegen wurde er vom Nazi-Staat ausgemuster. Als "Unwertes Leben" bezeichnet er sich selbst in seinen Eintragungen. Dabei hat er noch viel Glück gehabt. Vielleicht hatte man ihn vergessen abzuholen und in ein Lager zu bringen, in das andere Menschen mit seiner Erkrankung verbracht wurden. 

Der Schreibstil von Norbert Scheuer ist gleichförmig - so wie der Alltag des Protagonisten. Keine großen Höhen, nichts Aufregendes. Alles geht seinen gleichmäßigen Gang. Die Tage verbringt Egidius in der Bücherei, forscht in alten Büchern über seinen Vorfahre, den Mönch Ambrosius Arimond, der im Jahre 1489 das einbalsamierte Herz von Cusanus über die Alpen nach Bernkastel-Kues zurückbringen soll. So hatte er es dem Sterbenden versprochen. 

Kleine Anmerkung von mir: In Bernkastel-Kues gibt es eine Ausstellung zu Cusanus, die ich vor 2 oder 3 Jahren einmal besuchte. Sehenswert.

Jedoch, ganz so ruhig und fromm wie sein Vorfahre, war Egidius Arimond nicht. Er macht eher den Eindruck eines heißblütigen Weiberhelden, auf den die Frauen nur so flogen. Und so manch eine Ehefrau deren Mann an der Front kämpfte, ließ sich von ihm trösten. Dabei machte er auch vor der Ehefrau eines hohen SS-Offiziers nicht halt, was ihn beinahe ins Unglück gestürzt hätte.  

Die andere große Liebe galt seinen Bienen. Auch da ging das Leben seinen steten und gleichmäßigen Gang, den die Natur vorgibt. Winterbienen, Königinnen, Drohnen und Arbeiterinnen - alle wissen wo ihr Platz ist und was von ihnen erwartet wird. Die Natur gibt es vor. 

Nur wenn Egidius in einem der Bücher auf seinem Tisch einen Zettel vorfindet, wird sein Leben abenteuerlich. In getarnten Bienenstöcken transportiert er Juden über die Grenze nach Belgien. Gegen Bezahung versteht sich, denn die Medikamente, die seine Epilepsie unterdrücken, lässt sich der Apotheker am Ort teuer bezahlen.

"Winterbienen" ist ein völlig unaufgeregtes Buch. Selbst wenn Egidius in den präparierten Bienenstöcke Flüchtlinge transportiert ist Gleichmut angesagt. Nichts bringt ihn aus der Ruhe und dem ist auch der Schreibstil angepasst. Nichts Abenteuerliches und keinerlei Spannung - selbst als er aufzufliegen droht. Trotz Krieg, SS im Ort, Flugzeugangriffen und Bombenanwürfen - immerhin schreibt man das Jahr 1944 - ruht Egidius völlig in sich selbst. Faszinierend. Vielleicht ist dieses Buch gerade deshalb so wunderbar zu lesen. 

Ich wollte es nicht mehr aus der Hand legen.

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Rezension zu "Winterbienen" von Norbert Scheuer

Die Welt der Bienen
KatMavor einem Monat

Ein Mann führt Tagebuch. Er berichtet über sein Leben im letzten Jahr des 2. Weltkrieges, welches sich hauptsächlich zwischen der Bibliothek seines kleinen Heimatstädtchens in der Eiffel, dem dortigen Cafe und seinen Bienenstöcken abspielt. Er wirkte auf mich das ganze Buch über unbeteiligt und distanziert. Egal ob er gerade mit einer Frau schläft, seine geliebten Bienen umsorgt, Flüchtlinge rettet oder berichtet, wie er von Polizisten zusammengeschlagen wird, nie wertet er.

Es gibt viele Gegensätze in diesem Buch. Einmal sind das der Hauptprotagonist Egidius, der an Epilepsi leidet, Bienen züchtet, Bücher liebt und über seinen Ahnen Ambrosius forscht. Demgegenüber steht sein Bruder Alfons, der Kriegsheld und furchtlose Kampfpilot. Aber Alfons schickt Medikamente, durch die Egidius überleben kann. 

Weiterhin gibt es den Lärm der Fliegerangriffe, den Egidius kaum noch erträgt, der der Stille in der Natur seines Bienenvolkes gegenüber gestellt wird.

Dann ist da natürlich die Nazirepublik - brutal, ungerecht, eiskalt, verräterisch. In den Gegensatz dazu stellt er den unschuldigen Bienenstaat, wo es geordnet und friedlich zugeht. Die Bienen interessiert der Krieg nicht Allerdings sterben die Bienen eines Volkes, wenn sie genug gearbeitet und nicht mehr gebraucht werden und das lässt der Autor ausgerechnet einen kranken Mann berichten, der im Nazideutschland als nicht lebenswert gilt.

Norbert Scheuer hat einen eindringliche Natur- und Gesellschaftsroman geschrieben, der mir wirklich unter die Haut gegangen ist. Ich habe viel über die Bienen gelernt aber auch die einzelnen Schicksale, die Egidius scheinbar so ungerührt beschreibt, haben mich sehr berührt. Er hilft diesen Menschen nicht, weil er so ein guter, selbstloser Mensch ist, sondern weil er schlicht und einfach das Geld benötigt.

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Zusätzliche Informationen

Norbert Scheuer wurde am 16. Dezember 1951 in Prüm (Deutschland) geboren.

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