Norbert Scheuer Überm Rauschen

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Inhaltsangabe zu „Überm Rauschen“ von Norbert Scheuer

»Scheuer ist ein stiller, ein großer Erzähler.« Martin Lüdke im ›Focus‹ Einst gingen die Brüder und der Vater gemeinsam fischen, das Rauschen des Wehrs hinter der Gaststätte in der Eifel, in der sie aufwuchsen, belebte ihre Kindheit mit Phantasien. Der Vater aber, der immer auf der Suche nach einem mythischen Urfisch war, ist lange tot. Hermann, der ältere Bruder, musste in die Klinik. Der jüngere Bruder ist zurückgekehrt und lässt das Leben der Familie und sein eigenes Revue passieren. Norbert Scheuers Roman erschafft mit seiner genauen und poetischen Sprache eine ganze Welt – voller Trauer und Schönheit. • Shortlist des Deutschen Buchpreises 2009

Die Landschaft und die Menschen in meiner Heimat, der Nordeifel, über die Norbert Scheuer schreibt, erscheinen mir sehr vertraut.

— Charly117

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Ein packender, dramatischer und zugleich erschütternder Roman! Nur das Ende fand ich ein wenig "enttäuschend".. Ansonsten sehr zu empfehlen!

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  • Norbert Scheuer | ÜBERM RAUSCHEN

    Überm Rauschen

    Bookster_HRO

    26. September 2017 um 15:58

    INHALT: Der Mittvierziger Leopold kehrt nach Jahren in seinen Heimatort in der Eifel zurück, ein verschlafenes Nest mit einem Gasthaus, das Leopolds Familie seit Generationen betreibt und das bei Anglern sehr beliebt war. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Sein älterer Bruder Hermann hat sich vor ein paar Tagen in seinem Zimmer eingeschlossen, öffnet die Tür nicht mehr und redet mit niemandem. Offenbar hat er den Verstand verloren. Auch auf Leopolds Bitten ist kein Laut aus dem Zimmer zu vernehmen. Dabei waren die beiden Brüder als Kinder unzertrennlich. Leopold nimmt sich Hermanns Angelausrüstung und geht an den Fluss. Das Fischen war für seinen Bruder und seinen Vater mehr als nur ein Hobby. Es war eine feste Konstante in ihrer beider Leben, eine Aufgabe, der sie all ihr Herzblut widmeten. Ihr Vater war besessen davon, den sagenumwobenen Ichtys zu fangen, den Großen Fisch, den noch nie jemand zu Gesicht bekommen hatte, und der für ihn den Inbegriff der Weisheit darstellte. Bei seinen Ausflügen den Fluss entlang kommen in Leopold nach und nach all die Erinnerungen an längst vergangene Zeiten hoch, und mit jedem Fisch am Haken werden es mehr. Es ist, als würde er Erinnerungen angeln, die im Fluss der Zeit verborgen waren. Es gab gute Tage, an die er gern zurückdenkt, aber auch solche, wegen denen er einst, um sie zu vergessen, seine Heimat verließ… FORM: Norbert Scheuer (*1951) erzählt seine Geschichte in schnörkelloser, klarer Sprache, die sich sehr leicht lesen lässt. Ganz wie es zu einem Angler passt, verzichtet er auf stilistische Spielereien und versteckt seine Metaphern nicht in kleinen Details, sondern wirft sie dem Großen und Ganzen als Mantel über. Der Fluss als vergehende Zeit; die Fische als Erinnerungen, die es zu fangen gilt; der Ichtys, der seinen Fänger zur Erkenntnis führen könnte, den aber (natürlich) noch keiner am Haken hatte … kurz: Das Angeln als Lebensphilosophie – das ist Scheuers großes Thema, verpackt in unscheinbare Prosa. FAZIT: Ich habe das Büchlein sehr genossen, weil es zum Nachdenken anregt über das eigene Leben und die unwiederbringlichen Zeiten. Allerdings fehlt mir für die volle Punktzahl das gewisse Etwas. Die Geschichte ist zu sauber, keine Ecken oder Kanten. Übrig bleiben sehr gute vier Sterne plus eine Leseempfehlungen für Angler mit einem Hang zum Melancholischen. *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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  • Eifeler Melancholie...

    Flußabwärts

    parden

    EIFELER MELANCHOLIE... Leos Eltern haben eine Wirtschaft in Kall in der Eifel betrieben, die sich nicht rechnete. Um die Schulden zu bezahlen, arbeitet die Mutter jetzt in einer Kantine am Ort und kellnert im Gasthaus, das ihnen einmal gehörte. Der Vater ist auf Montage. Leo hat die Schule verlassen und arbeitet als Hilfsarbeiter im Zementwerk, er hat ein Verhältnis mit Ingrid, die verheiratet ist und ihn hinter den Müllcontainern liebt. Leo ist ständig müde. Er sieht Lia, die früher in der Wirtschaft der Mutter half. Lia, die er liebt, die mit einem Verkäufer wegging und sich ein Kind machen ließ. Er sieht, wie sie mit der kleinen Clara zurückkommt und Hilbert heiratet, wie diese Ehe scheitert und Lia andere Männer hat, Clara eines Tages etwas zustößt und Lias Hut im Fluss treibt, neben dem die Jungs Fußball spielen. Ein Roman über ganz normale Leute in der Provinz, er spielt in Kall, einem kleinen Ort in der Eifel. Im Mittelpunkt der heranwachsende Leo, der die Schule geschmissen hat und nun im Zementwerk arbeitet und sein Abitur im Abendgymnasium nachholt; seine Mutter Sanny, die sich mit einer stressigen Familie und Gelegenheitsjobs durchschlagen muss; und Lia, Mutter mit Kind und wechselnden Partnern - alle drei voller Lebenssehnsucht und doch ständig mit Hindernissen konfrontiert, die nicht einfach zu bewältigen sind. Scheiternde Liebe, Unglück, Tod - kann man da das Leben lieb behalten? "Ich dachte an Alfons, daß er jetzt in seinem Flugzeug saß und die Welt für ihn gar nicht existierte, es waren nur blinkende Lichter in einer Leere, in der man sich lange aufhalten konnte, eine Leere ohne etwas, das Schmerz zufügt, alles war weit entfernt und viel zu klein und bedeutungslos, um wahrgenommen zu werden. Ich beneidete meinen Bruder darum, so weit weg zu sein." (S. 53) In Rückblenden und in kurzen Kapiteln wird die Geschichte dieser Menschen erzählt, wobei Landschafts- Orts- und Raumbeschreibungen, Wetter- und Lichtverhältnisse die Atmosphäre unglaublich verdichten. Nobert Scheuer ist ein Autor großer Gefühle, aber er rückt dem Leser nicht aufdringlich auf den Pelz. Er erzählt knapp, lakonisch, ohne Pathos, was die emotionale Wirkung noch verstärkt. Er ist ein melancholischer, aber kein sentimentaler Erzähler. Und er hat den wunderbaren Blick für Details, der einen guten Romancier auszeichnet. Nach 'Peehs Liebe', das mich vor einiger Zeit so begeistert hat, konnte mich auch dieser Roman von Norber Scheuer überzeugen. Ich bin mir sicher: es wird nicht mein letztes Buch dieses Autors gewesen sein! © Parden

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  • Rezension zu "Überm Rauschen" von Norbert Scheuer

    Überm Rauschen

    WinfriedStanzick

    25. November 2011 um 07:54

    So wie in seinen letzten Büchern geht es im neuen Roman von Norbert Scheuer wieder um wichtige Lebensthemen, um gelungenes und nicht gelungenes Leben. Und es geht wieder im die Eifel und im den 10 000-Einwohnerort Kall, den Heimatort Scheuers und auch des Protagonisten. Scheuer hat seit seinem Debüt als Schriftsteller 1994 immer wieder jenen Ort und seine Menschen beschrieben, jenen Ort seiner Kindheit, in den er immer wieder zurückkehrt. So wie auch Leo Arimond, der uns in „Überm Rauschen“ seine Geschichte erzählt. Er hat in Düsseldorf studiert und lebt in Hamburg –das sind zunächst die dürren Informationen über ihn - kommt nach langer Zeit in seinen Heimatort zurück. Verwandte und Familienangehörige haben ihn alarmiert. Sein Bruder Hermann hat seit Tagen sein Zimmer nicht verlassen. Er zeige alle Anzeichen eines psychiatrisch relevanten Verhaltens. Das gehe seit längerer Zeit schon so; nun wüsste man sich keinen Rat mehr. Doch auch Leo kann Hermann nicht zum Verlassen des Zimmers bewegen und sucht beim Fischen im nahe gelegenen Fluss nach seinen Erinnerungen und nach sich selbst. Früher ging Leo zusammen mit seinem Stiefvater und Hermann fast jeden Tag an den Fluss. „Damals verlor ich den Köder allerdings absichtlich, denn Angeln und er Fluss bedeuteten mir nichts. Für Herrmann hingegen war es alles.“ Für Herrmann und den Stiefvater drehte sich das ganze Leben um das Fliegenfischen, das kunstvolle Herstellen der selbstgebundenen Köderfliegen und die Gespräche über den größten Fisch. Sie drehten sich um den „Ichtys“, ein sagenumwobenes Tier, „größer als ein ausgewachsener Mann“. Auch die Gespräche der oft betrunkenen Gäste abends in der familieneigenen Gaststätte wurden von diesem Fabelwesen dominiert und hat die vielen Angler, die damals noch kamen, dort übernachteten während ihres oft mehrtätigen Angelurlaubs, fasziniert und angespornt. Der Vater behauptet, er habe er den Ichtys am „Rauschen“, dem Wehr gesehen. Diesem Rauschen hatten die beiden Brüder als Kinder gelauscht, an diesem Rauschen sollte später Hermanns holländische Geliebte tot aufgefunden werden, der Beginn seiner seelischen Krankheit. Leo geht fischen und erinnert sich. Er denkt nach über den Ichtys, jenes uralte Symbol der Christen für Jesus, den Christus. Und jene sehnsuchtsvolle Suche nach der Wahrheit, die die drei Männer damals verbunden hat. Nichts hat er verlernt, genießt es jetzt geradezu, das Fliegenfischen. Und er denkt an des Vaters Erzählungen, wo er berichtet hatte von Paul Maclean, von dem er nach dem Krieg das Fliegenfischen erlernt habe. Nicht nur wegen dieser Erwähnung war der Rezensent über weite Teile des Buches erinnert an das Buch von Pauls Bruder Norman Maclean „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ und an den entsprechenden Film. Auch „Überm Rauschen“ ist ein am Fliegenfischen festgemachter philosophischer Roman über das Leben, das Gelingen und das Scheitern, die Liebe und den Hass, das Glück und die Krankheit, das Alleinsein und den Tod. Scheuer erzählt die tragische und traurige Geschichte der Familie Leos und lobt die Kraft der Erinnerung: „Erinnerungen und Träume treiben vorbei, es gibt keinen Unterschied zwischen unseren Vorstellungen und der Wirklichkeit, alles sinkt irgendwann auf den Grund des Flusses, in stiller Erinnerung „Überm Rauschen“ ist ein großes Werk, obwohl es nur etwa 140 Seiten Text umfasst, wenn man die zahlreichen Zeichnungen und Beschreibungen von in der Eifel vorkommenden Fischen abzieht. Es ist ein Buch voller Poesie, eine mitleidlose Schilderung eines Familiendramas mit vielen an ihrer Seele verletzten Menschen, und eine wunderbare Anleitung zum Angeln, Gleichzeitig ist das Buch eine Studie mit großen psychoanalytischem Tiefgang und eine hoffnungsvolle Einladung zu mehr Lebensfreude. Zwar scheitern die Menschen in diesem Buch immer wieder, auch Leo, doch er gibt nicht auf, er wartet, im Fluss stehend, auf Erinnerungen. Leo und mit ihm sein Alter Ego Norbert Scheuer ist davon überzeugt, dass im Symbol des Rauschens, in der wehmütigen Kraft des Erzählens das Glück gegenwärtig ist. Im gelebten Augenblick sozusagen. Und obwohl Leo sich an viele traurige Begebenheiten erinnert, zieht er den Leser mit in einem Sog von gefühltem Glück. Norbert Scheuer hat das so ausgedrückt: „Ich denke mir, dass die Leute hoffnungslos sind, aber die entscheidende Frage ist: Was versteht man unter Hoffnung, was versteht man unter Glück? Gibt es eigentlich so etwas wie das vollkommene Glück ? Eigentlich kommt es nur darauf an, irgendwie mit dem Leben fertig zu werden. Man muss mit den Gegebenheiten, in denen man lebt, einfach irgendwie zurechtkommen.“ Und er beschreibt, wie das seine Personen versuchen, mit großer erzählerischer Kunst, mit einer einfachen Sprache voller Anspruch, mit schlichten Worten mit enormer Bedeutungstiefe. Da geht es um das Verhältnis zu Vater und Mutter, Geschwisterverhältnisse, enttäuschte Liebe und immer wieder um den Hunger nach Liebe und Anerkennung. Und die Suche nach der Wahrheit. Man könnte Scheuers Anspruch minimalistisch nennen, und tatsächlich würden sich die meisten Menschen damit nicht zufrieden geben. Wer dieses wunderbare kleine Buch gelesen hat, spürt, dass in dem Wunsch und Anspruch „mit den Gegebenheiten des Lebens“ zurechtzukommen, ein authentischer Lebenssinn verborgen liegt, ob man mit dem Symbol des „Ichtys“ nun etwas anfangen kann oder nicht. Mich hat die Lektüre fasziniert, lange nicht losgelassen, auch wenn ich vom Fischen keinen blassen Schimmer habe. Eines der besten Bücher dieses Herbstes, das den Preis , für den es nominiert war, verdient hätte.

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  • Rezension zu "Überm Rauschen" von Norbert Scheuer

    Überm Rauschen

    Gruenente

    09. September 2010 um 16:57

    Buch der Stadt Köln, 2010, Shortlist 2009 Kein Spannungsroman, sondern eine ruhig erzählte Familiengeschichte. Der Ich-Erzähler Leo kehrt in sein Heimatdorf zurück, da sein Bruder sich seltsam benimmt. Die gesamte Familie kommt zu diesem zweck in die alte Gaststätte. Leo verbringt viel Zeit mit angeln und läßt dabei seine Gedanken schweifen. Jedes Kapitel wird mit der Skizze und einem kurzen Text einem Fisch aus dem Fluss im Eifeldorf gewidmet. Ruhig, beschaulich, mit netten Querverweisen zu Norman McLeans "When a River runs through it".

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  • Rezension zu "Überm Rauschen" von Norbert Scheuer

    Überm Rauschen

    Juana

    20. April 2010 um 15:10

    Der Ich-Erzähler ist seit Jahren nicht in der Eifel gewesen. Mit seiner Familie will er nichts mehr zu tun haben. Doch dann kommt ein Hilferuf von Alma, die sich daheim um seinen Bruder Hermann, die Mutter im Altersheim und die geerbte Gaststätte kümmert. Hermann sitze nur noch am Fluss und abends randaliere er betrunken. Wie der Vater sei er hinter dem „alten Fisch“, einer Schimäre, her. Der Vater hatte sich vom Familienzwist oft ans Wasser zurückgezogen und hatte den Jungs alles übers Fliegenfischen beigebracht. Während der Ich-Erzähler später in die Großstadt floh, schien sein Bruder in die Fußstapfen des Vaters zu treten, mehr noch: Niemand wusste mehr über den Fluss, das Angeln und die Fische als Hermann, der die Eifel verließ, einige Jahren auf See arbeitete, den Lieben zu Hause Kassetten besprach und sich immer mehr von Menschen zurückzog. Ein durch schillernde Impressionen bezaubernder Roman, auch und vor allem über die Schönheit der Natur und insbesondere über die Liebe zum Wasser und zu(m) Fischen.

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  • Rezension zu "Überm Rauschen" von Norbert Scheuer

    Überm Rauschen

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    26. December 2009 um 20:39

    Heimreisen haben zwei Seiten. Auf der einen Seite herrscht Freude, bekanntes Land und bekannte Gesichter wieder zu sehen. Andererseits weiß man nie, was einen schließlich erwartet, wenn man vor Ort ist und vielleicht gerade das Bekannte schmerzliche Erinnerungen an vergangene Tage hervorbringt, weil sie mit der Entfernung und der Zeit vergraben worden sind. HEIMREISE Leo Arimond reist für ein paar Tage aus Hamburg in die Eifel. Schlechte Nachrichten haben ihn wieder in die Heimat geführt, nachdem er viele Jahre einen Besuch seiner Familie und die Zugfahrt regelrecht gescheut hat, geradezu kaum einen Kontakt zugelassen hat. Während seine an Demenz erkrankte Mutter im Pflegeheim lebt, hat sich sein Bruder Herrmann in ein Zimmer in der Gaststätte eingeschlossen, die seit vielen Jahren in Familienbesitz ist. Für Leo wird die Reise an den Herkunftsort auch zu einer Reise in die Vergangenheit. Immer wieder reflektiert er seine Erinnerungen an die Kindheit, die kaum wirklich schöne Momente zu bieten hatte. Schon allein die Frage nach dem leiblichen Vater wird zu einem Spiel mit unzähligen Unbekannten, denn Leo und Herrmanns Mutter hielt wenig von Treue und pflegte als Wirtin zu dem einen oder anderen Gast auch schon mal eine sehr intime Bindung, die den Leos Vater an den Rand der Verzweiflung führte. Zudem plagten die Familie stetige Geldsorgen, denn die einstige beliebte Gaststätte bekam immer weniger Zulauf und damit zahlende Gäste, so dass der Vater außerdem im Zementwerk schuften musste, damit die Familie ein geregeltes Einkommen hat, das wiederum vom hohen Alkoholkonsum des Vaters aufgezehrt wird. Schöne Erlebnisse sind nur jene, bei denen Leo und Herrmann mit dem Vater zum Fliegenfischen gehen, sie in der Ruhe der Naturidylle eine spezielle Harmonie erfahren. Doch auch diese erhält dunkle Flecken, denn neben den unsicheren Familienverhältnissen kommt eine Rivalität zwischen Leo und Herrmann hinzu, die beide voneinander entfernen lässt. Sie kämpfen dabei nicht nur um die Gunst des Vaters, sondern auch um die von Alma, der jungen und hübschen Aushilfe, die schließlich die Frau Herrmanns wird, nachdem er von seinen Schiffsreisen zurückkehrt. Jene Erinnerungen steigen erneut in das Bewusstsein Leos, als er seinen Besuch nutzt, am Fluss zu angeln. Es ist seine Art, mit der Vergangenheit und der tragischen Gegenwart fertig zu werden, denn jeder Versuch gemeinsam mit den beiden Schwestern, Herrmann zu überreden, endlich herauszukommen, scheitert. In einem irren Zustand wird er schließlich abgeführt. Denn was hat er mit dem Tod einer jungen Frau zu tun, die jüngst aus dem Eis geholt wurde und mit Herrmann anbändelte? Oder hat ihn die Suche nach dem mystischen Fisch, den bereits sein Vater aufspüren wollte, in einen Zustand der völligen Unzurechnungsfähigkeit gebracht? DUNKLE SEITEN DER IDYLLE Nicht immer herrscht in einem auf den ersten Blick idyllischen Ort auch Harmonie. Was Norbert Scheuer in seinem jüngsten Roman „Überm Rauschen“ an Tragödien und Abgründen eines Familienlebens erzählt, erschreckt ungemein. Da gibt es die Mutter mit ihren unzähligen Liebhabern, den Vater, dem öfters mal im Suff die Hand ausrutscht, da ist auch die einstige Gehilfin, die die Geschichte der Untreue nahezu eins zu eins weiter schreibt. Und da ist der Bruder, zu dem Leo, der Ich-Erzähler, nie eine umfassende und gelebte Bruderbeziehung aufbauen kann. Überhaupt schrecken sich die Charaktere nahezu gegenseitig ab. Mit ihren Schattenseiten und dunklen Eigenschaften, mit ihrem Desinteresse oder einer Scheu, sich dem anderen zu widmen, vielleicht auch wegen der fehlenden Kraft, weil das eigene Leben nicht früheren Vorstellungen entspricht. Eine gemeinsame Aufarbeitung, um möglicherweise sich anzunähern, gelingt nicht, weder durch die vielen Kassetten, die einst Herrmann seinem Bruder schickte, um ihn von seinen Erlebnissen zu berichten, noch durch die Gespräche am gemeinsamen Tisch, als man versucht, Herrmann aus seinem „Zimmerkäfig“ zu befreien. Gegen diesen Unfrieden und kaltem Gefühl setzt Scheuer eben jene Natur rund um das Gasthaus, mit seiner ländlichen Umgebung, vor allem mit seinem Fluss, der das Leben der Familie schon immer beeinflusst hat. Mit dem gemeinsamen Fischen oder den Tieren, die schließlich den Gästen serviert werden. Wer somit auf den ersten Blick erschreckt wird von dieser Düsternis einer Familienbiografie, die mit Hilfe von Rückblicken erzählt wird, sollte diesem Buch trotzdem eine Chance geben. Denn Scheuer bringt nicht nur die Konflikte und die Erinnerungen des Erzählers auf einem sprachlich höchsten Niveau zur Geltung. Gerade die Naturbeschreibungen sind zauberhaft poetisch und zählen sicherlich zu den besten in der deutschen Gegenwartsliteratur. Sie erinnern genau wie jener Bruder-Vater-Konflikt und jener Fokus auf eine sehr kleine Szenerie sehr stark an den Roman „Im Kielwasser“ des Norwegers Per Petterson, wenngleich Scheuers Roman noch dunkler, noch trauriger und in der Auslotung menschlicher Abgründe noch schmerzlicher ist. Das Buch „Überm Rauschen“ - der Titel bezieht sich auf das besondere Geräusch, das dank eines Wehres die Umgebung charakterisiert - ist nicht nur ein literarisches Erlebnis mit seiner einmaligen Sprache, es bietet zudem zahlreiche lehrreiche Informationen zum Fliegenfischen und zu einzelnen Fischen, deren wichtigste Eigenschaften in nahezu jedem Kapitel mit Text und einem Bild erklärt werden. Die Zeichnungen stammen dabei von Scheuners Sohn Erasmus. Nicht zu vergessen sollte indes, dass dieser Roman trotz seiner Kürze von knapp 170 Seiten trotzdem einen großen Raum entfaltet, der Platz bietet für die zahlreichen Gegensätzlichkeiten. Dazu zählt neben der Gegenüberstellung der Naturidylle und der Familienkonflikte zwischen den Generationen eben auch jener Dualismus zwischen einer eigentlich realen Geschichte, in der zudem mit dem mystischen Fisch, der sich als Relikt der Urzeit im Fluss versteckt halten soll, ein eher Fantasiegeschöpf eingebettet wird. DER AUTOR Norbert Scheuer 1951 in Prüm in der Westeifel geboren, absolvierte nach seiner Schulausbildung eine Lehre zum Elektriker. Nachdem er mit Hilfe der Abendschule sein Abitur nachholte, begann er physikalische Technik und Philosophie zu studieren. Während Scheuer sein erstes Fach mit einem Diplom an der Fachhochschule Iserloh abschloss, erwarb er in seinem zweiten Fach den Magistergrad. 1994 erschein das Debüt des Autors – der Erzählband „Der Hahnenkönig. Neben Erzählungen schreibt Scheuer auch Lyrik und Prosa. Sein jüngster Roman „Überm Rauschen“ nahm einen Platz auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises ein. Scheuer lebt mit seiner Familie in der Eifel und arbeitet als Systemprogrammierer bei der Telekom.

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  • Rezension zu "Überm Rauschen" von Norbert Scheuer

    Überm Rauschen

    Die Buchprüferin

    26. October 2009 um 15:20

    "Wahrscheinlich", steht unter einer der Zeichnungen im Buch, "ist dies die Versteinerung des ersten fischartigen Wirbetieres (Anatolepsis), das in den seichten Meeren des Kambriums lebte, aus dem sich Millionen Jahre später die ersten Landtiere entwickeln sollten, die mit kräftigen Bauchflossen an Land krochen, Sauerstoff atmeten und deren Nachkommen irgendwann nicht mehr ins Wasser zurückkehrten. Nachkommen, von denen auch wir abstammen könnten. Auch in uns ist vielleicht noch etwas vom Geist dieses Fisches." Das hat mich genauso angesprochen wie das Cover. Ja, auch dem sympathischen Lächeln des Autors wegen hätte ich das Buch gerne so richtig gut gefunden, aber nun fällt mir das doch schwer. Der Ich-Erzähler reist in seinen Heimatort zurück, wo schon länger und jetzt ganz besonders alles im Argen liegt. Sein älterer Bruder Hermann hat sich in ein Zimmer des eigenen Gasthofs eingesperrt und kommt nicht heraus. Seine Frau Alma und die beiden ebenfalls angereisten Schwestern sind ratlos, der Ich-Erzähler nicht weniger. Da hilft nur, sich ab und zu an den Fluss zu verabsentieren, um dort dem nachzugehen, was er noch nie so gut beherrschte wie Hermann und der gemeinsame – wenn auch nicht leibliche – Vater: Angeln. "Vater ging, wann immer Zeit war, mit Hermann und mir zusammen fischen. Hermann war in allem geschickter und klüger als ich. Ich spürte, dass Vater große Stücke auf ihn hielt und ich ihm nicht so viel bedeutete. Mutter machte Vater oft Vorwürfe, dass er sich um nichts im Haus kümmere, nur das Angeln im Kopf habe und dass er uns auch noch den Kopf mit den Fischen verdrehe. Ich verstand nicht, warum Mutter Vater geheiratet hatte, wenn sie ihn nicht liebte." Im Laufe des Buches bekommt man zu spüren, wie der Erzähler sich gefühlt haben muss: bleiern. Steinern. Versteinert. Wie tot. Auch ich habe mich zunehmend eingemauert gefühlt in die enge Welt dieses kleinen Ortes in der Eifel. Feste Abläufe, jede Woche schauen die "Märktler" im Wirtshaus vorbei, wo der immer gleiche Alte am Tresen hockt und seine Zoten erzählt. Hermann bleibt in seinem Zimmer verbarrikadiert, die Schwestern – die in fast unerträglicher Fremdheit meist nur "die ältere Schwester" und "die jüngere Schwester" genannt werden – fragen sich, was zu tun ist, tun aber nichts. Natürlich wurde schon ans Zimmer geklopft. Aber sonst ist tote Hose. Die einzige Entwicklung besteht darin, dass der Alte am Tresen immer noch ein bisschen mehr austickt. Während der Erzähler sich an Fragmente seines damaligen Lebens hier erinnert, versucht er, dem Fluss den Großen Fisch zu entlocken, endlich das Mythentier an die Angel zu kriegen, von dem sein Vater immer träumte. In zwischen die kurzen Kapitel eingeschobenen Textstückchen, zu denen jeweils die Zeichnung eines Köders oder Fisches gehört, erfährt man einiges eben darüber: über Fische und Köder. Insgesamt fand ich tatsächlich das vor, weswegen ich das Buch eigentlich lesen hatte lesen wollen: Wissen über das Angeln. Die Leidenschaft dafür, den Witz und die Kunst daran. Ja, insofern bin ich um einiges schlauer als vorher. Und dennoch: Es ist kein schönes Gefühl. Es ist keine schöne Geschichte. Sie ist nicht aufregend – Fäden, die Spannung versprechen, verlieren sich dann doch im Spannungslosen –, nicht witzig – das Wort ist in dieser literarischen Ecke der Eifel definitiv unbekannt –, und nicht liebenswert. Das Ende ist mit Ausnahme des letzten Satzes absichtsvoll banal gehalten, das Buch hinterlässt – trotz schillerndem Fisch-Wissen und philosophischer Ausflüge – den brackig-schalen Geschmack von stehendem Gewässer. Dass das schon wieder kunstvoll ist, dieser wild rauschende Fluss am Wehr bei gleichzeitigem geistigen Stillstand der Anwohner, ist faszinierend. Aber leider macht es mich auch nicht glücklicher.

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  • Rezension zu "Überm Rauschen" von Norbert Scheuer

    Überm Rauschen

    HeikeG

    06. October 2009 um 15:42

    Erinnerungen - ein Universum an Geschichten . "Alles ist Täuschung, nichts ist wahr. Fische verhalten sich dieser Wahrheit entsprechend, sie wollen getäuscht werden durch etwas, das sie über alles begehren, seien es bunt schillernde Facettenflügel, die Hechel, ein silberner Blinker, die Illusion eines auf dem Wasser treibenden, verführerischen Insekts, das Glück. Aber vielleicht täuscht der Fisch auch uns." Norbert Scheuers kleiner, großer Roman erzählt in ruhigem Ton von der Kunst des Fischens, die in Wirklichkeit nichts anderes ist als die Kunst des Täuschens, die sich eins zu eins auf das Leben übertragen lässt. Im Leben und in der Liebe jedoch komme es darauf an, "dieses nach festen Regeln zu machen, sodass jeder eine faire Chance habe, die Täuschung zu erkennen." . An diese Worte erinnert sich der 45-jährige Ich-Erzähler Leo Arimond beim Fischen im Fluss in seiner Heimat, der Elftausend-Seelen-Gemeinde Kall in der Eifel. Aus Hamburg ist er angereist, um nach dem zwei Jahre älteren Bruder Hermann zu sehen, der sich in seinem Zimmer eingeschlossen hat und weigert, wieder herauszukommen. Es scheint, dass er dem Wahnsinn verfallen ist. Der Vater ist längst gestorben, die demente Mutter lebt in einem Heim und die ehemalige Angestellte und Lebensgefährtin Hermanns - Alma - hat den mehr schlecht als recht laufenden Gasthof der Familie übernommen. "Ich wusste nicht, was ich eigentlich hier sollte, ich würde meinem Bruder doch nicht helfen können - zu lange haben wir in unterschiedlichen Welten gelebt." . Derweil verband die beiden Jungen in ihrer Kindheit eine tiefe Nähe und eine gemeinsam zu überwindende Angst durch die vielen Geräusche der Betrunkenen aus dem Provinzgasthof. Hinzu kam die nicht empfangene Liebe ihrer zynischen und verbitterten Mutter und einem Stiefvater, der wiederum seine ihm fehlende Liebe aus Verzweiflung im Alkohol zu ertränken versuchte. "Nur das Rauschen des Wehrs, das sich hinter der Gaststätte befand, beruhigte uns. Abend lagen wir im Bett, glaubten, dieses Rauschen übertöne alles, und wir trieben wie leblos, mit ausgebreiteten Armen, langsam auf das rauschende Wehr zu, nur ein unendlicher Sternenhimmel über uns." . Doch plötzlich findet sich Leo beim Angeln wieder, das er als Kind - im Gegensatz zu seinem Stiefvater und seinem Bruder - nicht mochte. "Ich (...) rieche wie früher in der Kindheit das Wasser, Dinge, die der Fluss mit sich trägt, als wäre er eine alte Jacke, deren Taschen vollgestopft sind." Das erste Mal denkt er wirklich über seine Familie nach, erinnert sich an seine Kindheit und Jugend, "unser ganzes Leben ist eine mehr oder weniger von uns selbst erfundene Geschichte, ein Sammelsurium aus Worten und Stimmen, dem Gerede Betrunkener an der Theke unserer Gaststätte." Der Fluss Urft wird für ihn zu einem großen aufgewühlten Strom von Erinnerungen, einer Matrize, auf der sich alles unentzifferbar einritzt, zu einem Seismografen, der jeden Hauch und jedes Flüstern gespeichert hat und in einen großen See verlorener Zeit mündet. "Erinnerungen und Träume treiben vorbei, es gibt keinen Unterschied zwischen unseren Vorstellungen und der Wirklichkeit, alles sinkt irgendwann auf den Grund des Flusses, in stille Erinnerung, ins Alleinsein." . Norbert Scheuers Text mäandert mit ruhigem Blick, durchsetzt mit einer zeitweise großen Melancholie durch diese Erinnerungen. Er erzählt von desillusionierten Biografien, die zumeist mit großen Träumen und Hoffnungen begannen, jedoch vielfach einen schicksalhaften Niedergang erlitten. Sein Buch generiert keine heile Welt, sondern "man findet genau dieselben Brüche und genau das, was einem im realen Leben begegnet. Und wenn man das dann plötzlich in der Literatur liest, dann kann das so etwas wie eine Enttäuschung bei einem hervorrufen. Vielleicht erkennt man dann auch plötzlich seine eigenen Defizite hinsichtlich des Lebens.", erklärt der Autor in einem Interview. Und weiter: "Ich denke mir, (…) dass die Leute hoffnungslos sind. Aber die entscheidende Frage ist: Was versteht man unter Hoffnung? Was versteht man unter Glück? Und gibt es überhaupt so etwas wie das vollkommene Glück? Eigentlich kommt es nur darauf an, mit dem Leben fertig zu werden. Man muss mit den Gegebenheiten in denen man lebt, einfach irgendwie zurechtkommen." . Dieses Zurechtkommen und das kleine, große Glück, beschreibt Norbert Scheuer faszinierend. Auf den engen Raum seiner Heimat fixiert, unspektakulär, leise und unaufdringlich, bar jeglicher Ironie, aber auch ohne Pathos, entfaltet der Autor ein außergewöhnlich erzählerisches Talent. In reizvollen Landschaftsbildern und Schilderungen der stillen Naturschönheiten der Eifel, durchzogen von teils bedrückenden Kindheitserlebnissen, die er vor dem Auge des Lesers nahezu körperlich spürbar entstehen lässt, gelingen Scheuer Passagen von großer, ja ergreifender Schönheit. . Fazit: Norbert Scheuers "Überm Rauschen", ein kunstvoll komponierter, kleiner poetischer Roman voller Symbolik und Gedanken über die großen Fragen des Glücks, der Hoffnungen, aber auch der Selbstzerstörung menschlicher Existenzen, offenbart kostbare gegenwärtige Literatur. Seine scheinbar schwerelose, ruhige Erzählung, die nur manchmal eine Untiefe und einen glitzernden Strudel offenbart, wurde völlig zu Recht für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2009 nominiert.

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  • Rezension zu "Überm Rauschen" von Norbert Scheuer

    Überm Rauschen

    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    01. October 2009 um 11:51

    Leo, Mittvierziger, kehrt nach Jahren der Abwesenheit zurück an die Stätte seiner Kindheit. Er sucht den elterlichen Gasthof auf, der an einem Fluss gelegen ist. Seine Mutter liegt mittlerweile an Demenz erkrankt im Wohnheim, sein Vater ist längst tot und sein sonderbarer Bruder Hermann sitzt seit Tagen eingeschlossen im eigenem Zimmer und will mit niemand sprechen. Hermann war früher ein begabter Junge und wie der Vater ein leidenschaftlicher Angler. Auch Leo begibt sich an den Fluss, doch seine Versuche Hermann zum Reden zu bringen scheitern kläglich: „Im Fluss stehend, warte ich auf Erinnerungen und den großen Fisch Ichthys, der anbeißt.“ So beginnt der Strudel der Erinnerungen lebendig zu werden: Gegenwart und Vergangenheit fließen ineinander, wie die Figuren und Erlebnisse, die in den Reflexionen des Ich-Erzählers Leo auftauchen und verschwinden. Er erinnert sich beispielsweise an die Aussage seines Vaters, die er erst jetzt zu verstehen scheint, dass Fischen ja nichts anderes sei als die Kunst des Täuschens; dies gelte für das Leben, die Liebe und eben besonders für das Fischen. Oder wie der Vater von diesem mythischen Fisch berichtete, den er einst beim Fischen gesehen zu haben glaubte, groß wie ein ausgewachsener Mensch, alt wie Methusalem und auf seinen moosbewachsten Schuppen seien alle Fische dieser Welt abgebildet. Wie Hermann als Außenseiter der bürgerlichen Enge dieses Ortes zu entfliehen versuchte, zur See fuhr und schließlich wieder im elterlichen Gasthof landete, von dem aus er jahrelang seinem Bruder Leo merkwürdig besprochene Kassetten schickte, die mit solchen Aufschriften wie Nymphen, Libellen oder Geruch des Wassers versehen waren. Leo verwahrte diese meist ungehört in einem Karton, während Hermann auf der Jagd nach dem Urfisch „Ichthys“ wohl langsam aber sicher seinen Verstand verlor. Norbert Scheuer erzählt sehr eindringlich und psychologisch dicht vom Leben der Familie am Fluss. In einer ruhigen, fließenden und poetischen Sprache schreibt er von der dörflichen Enge, der Armut und der Sehnsucht nach Liebe und Glück. Und das Glück ist da, im Rauschen, in der wehmütigen Kraft des Erzählens. Der Autor zeigt gekonnt, wie die magischen Momente des Lebens aus der Vergangenheit immer auch in der Gegenwart eine wesentliche Rolle spielen und wie der Mensch den Sinn des Daseins in der Wahrnehmung der Natur erkennen kann, in der sich Trauer und Schönheit wieder finden. „Überm Rauschen“ ist verdientermaßen für den Deutschen Buchpreis 2009 nominiert und wird hoffentlich ein großes Echo in den Medien finden.

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  • Rezension zu "Überm Rauschen" von Norbert Scheuer

    Überm Rauschen

    paroles

    21. July 2009 um 17:22

    Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Roman über die Faszination des Fliegenfisches so vereinnahmen könnte. Erinnerungen eines Mannes an seine Kindheit in einem Gasthaus am Fluss, ausgelöst durch das Irrewerden seines Bruders, des Fliegenfischers. "Ich liege mit meinem Bruder zusammen im Zimmer, wir treiben langsam mit ausgebreiteten Armen auf dem Fluss, hören Musikboxlieder aus der Gaststätte, sehen zu den Sternen, zum unendlichen Firmament über uns ... Alles, was je gewesen ist, treibt jetzt mit uns auf dem Fluss zum Rauschen hinunter."

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