Am Grund des Universums

von Norbert Scheuer 
4,8 Sterne bei4 Bewertungen
Am Grund des Universums
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Ein wundervoller Erzählstil, der diesen Ort mitsamt dem Stausee und den Figuren zum Leben erweckt. Eine lebendige Geschichte

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Inhaltsangabe zu "Am Grund des Universums"

Ein Stausee soll vergrößert und ein Ferienpark errichtet werden: Vor diesem Hintergrund wird ein fantastischer Reigen abenteuerlicher Geschichten erzählt, deren Kristallisationspunkt die Cafeteria eines Supermarktes in Kall, einem imaginären, aber doch realen Städtchen ist. Es geht um die erste Liebe zwischen Nina und Paul, den Liebesverrat von Sophia und Eugen und eine späte, glückverheißende Leidenschaft zwischen Herrn Vallentin und Isabell. Daneben begegnet den Lesern in dramatisch- poetischen Episoden die Wirkkraft menschlicher Schwächen und enttäuschter Hoffnungen, und wir erfahren, welche Folgen Betrug, Intrigen und das Streben nach Bereicherung freisetzen können. Die Grauköpfe, eine Gruppe alter Männer, versuchen von ihrem Stammplatz in der Cafeteria aus hinter all die Geheimnisse des Alltags im „Urftland“ zu kommen und die verborge- nen Mechanismen dieses Universums zu begreifen. Aber auch sie sind verstrickt und können den wahren Grund der Dinge nicht erkennen. Aber wir vielleicht? Raffiniert und spannend, suggestiv und poetisch erzählt Norbert Scheuer in seinem neuen Roman vom Glück des Alltags, unerfüllten und erfüllten Sehnsüchten, von einer Welt verschollener Dinge und ihrer großen und kleinen Geheimnisse.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783406711794
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:C.H.Beck
Erscheinungsdatum:29.08.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 21.09.2017 bei Parlando ein Imprint von Argon erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    WinfriedStanzickvor einem Jahr
    Ein „Reigen aus unendlich vielen vergessenen Geschichten"



    Mit „Überm Rauschen“, das 2009 erschien und auf der Shortlist für den Deutschen Buchkreis stand, hat der in der Eifel lebenden Schriftsteller Norbert Scheuer seine Leser zum ersten Mal in die leise und verborgene Welt eines Eifeldorfes namens Kall entführt und über seine Bewohner, ihre Beziehungen, ihre Geschichte und ihre Sehnsüchte geschrieben.

    Mit „Peehs Liebe“ und „Die Sprache der Vögel“ folgte ein weiterer Roman über Kall, ein Buch, das einen treffen kann dorthin, wo man selbst klein und verletzlich, unverstanden und belacht, schwach und unscheinbar ist. Ein Buch, das mit einer faszinierende Sprache von der ersten Seite an Poesie in die Seele des Lesers zaubert, von der er lange zehrt. Und es ist Ausdruck einer Haltung, die Norbert Scheuer an einer Stelle des Buches so ausdrückt: „Vielleicht hat das Leben nur den Sinn, dass man am Ende jemandem eine Geschichte erzählt.“

    Der in „Die Sprache der Vögel“, seinem dritten Dorfroman in Afghanistan kämpfende und dort schwer verletzte Vogelforscher Paul Arimond ist im vorliegenden Band genauso nach Kall zurückgekehrt, wie der ehemalige Betriebselektriker des Zementwerkes Lünebach. Er will ein Raumschiff bauen und bis ans Ende des Universums fliegen.

    Der Erzählbogen reicht von der Rückkehr Pauls 2006 bis zum Jahr 2014 und beschreibt eine stille Liebes- und Alltagsgeschichte. Im Hintergrund geht es immer um eine Welt verschollener Dinge und Geheimnisse. Eine Gruppe von alten Männer, die er „die Grauköpfe“ nennt, trifft sich jeden Tag im Cafe und beobachten das Dorfgeschehen und geben ihre eigenwilligen Kommentare dazu ab.  Besonders kritisch und stellenweise auch schadenfreudig kommentieren sie die sehr schleppenden Versuche, durch die Erweiterung des Stausees ein Ferienpark zu errichten und Touristen nach Kall zu locken. Nicht die einzige Veränderung ist das allerdings, die im Dorf vor sich geht. Norbert Scheuer erzählt vom Leben unterschiedlichster Menschen, die Debatten um den Stausee sind sozusagen das Zentrum, um das er sie alle anordnet. Er erzählt von ihnen mit leisen Tönen, unspektakulär beschreibend und mit einer wunderschönen poetischen Sprache, die mich bei den früheren Büchern schon in den Bann  gezogen hat.

    Der Roman besteht aus vielen kleinen, meist nur drei Seiten umfassenden Geschichten, ein „Reigen aus unendlich vielen vergessenen Geschichten", wie Scheuer in einer Danksagung schreibt. „Vielleicht kann man sagen, das unser Leben auch nur ein Reigen, aus unendlich vielen vergessenen Geschichten ist.“

    Vielleicht deshalb lösen Scheuers Geschichten und seine Sprache beim begeisterten Rezensenten eine Art Wärme aus, die ihm eine ganz besondere Wertschätzung für die sonst unsichtbaren und vergessenen Aspekte seines eigenen Lebens und des Lebens insgesamt nahebringt.


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    Buchraettinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein wundervoller Erzählstil, der diesen Ort mitsamt dem Stausee und den Figuren zum Leben erweckt. Eine lebendige Geschichte
    Ein wundervoller Erzählstil, der diesen Ort mitsamt dem Stausee und den Figuren zum Leben erweckt.

    Es war für mich das erste Buch dieses Autors, aber mit dieser Erzählstimme und diesem mich vollkommen vereinnahmen, mich hineinziehen als Leser in seine Geschichte, hat er geschafft, dass ich unbedingt weitere Bücher von ihm lesen muss.
    Das Buch beginnt mit der Erklärung, wie ein Staudamm aufgebaut ist. Und das Besondere dabei war, dass sich das daran anschließende Inhaltsverzeichnis des Buches dann so in diese 3 Bausteine unterteilt.
    Eine kleine Geschichte eröffnet das Buch. Ein Mann, der ein Raumschiff baut und zu den Sternen fliegen will, ungewöhnlich fand ich und es blieb die Frage, wie ist er verwickelt in den Lauf des weiteren Buches. Nun wird das Buch eröffnet. Durch die Jahreszahl über dem Kapitel erfahre ich als Leser es spielt 2014. Paul kehrt zurück. Erinnerungen werden wach. An Nina. Die Menschen vor Ort. Den Stausee. Es werden hier gleich Figuren, Schauplätze erwähnt, die den Leser durch die Geschichte begleiten.
    Nun beginnen die Abschnitte des Buches. Die Geschichte springt in die Vergangenheit. Es ist Anfang 2006. Hier wird die Geschichte im Präsens erzählt, als Leser erhalte ich das Gefühl hautnah dabei zu sein.
    Es ist eine Fülle an Figuren. Das besondere hier war, dass sie so perfekt ausgeformt werden. Unheimlich gelungen fand ich die kurzen Kapitel, in denen immer wieder auch eine Person im Vordergrund steht, die dann im Laufe der Geschichte verknüpft wird mit den anderen Personen. Es gab sogar eine Figur, der Wirt, der eine Art Biographie des Ortes geschrieben hat. Es wirkt dadurch so realistisch, ich habe mich gefragt, gibt diesen Ort, diesen See, diese Menschen, die hier Figuren sind?
    Auch der Erzählstil war besonders. Der Autor beschreibt mit Worten nicht nur die Umgebung, die Figuren, sondern es gelingt ihm, auch die Geräusche vor Ort zum Leben zu erwecken.
    Es ist ein Eintauchen in den Ort, die Figuren, die Vergangenheit, die Sorgen, Fragen, Personen- unheimlich gelungen. Es so kleine Dinge, kleinste Beschreibungen, die die Besonderheit der Erzählung unterstreichen. Ich bekomme als Leser so Momentaufnahmen, das hat mir sehr gut gefallen. Ich hatte ein wenig das Gefühl, zusammen mit den „Grauköpfen“ das Leben in diesem Ort zu beobachten.
    Mir hat auch der Stausee gefallen. Die Idee, diesen in den Mittelpunkt zu stellen. Alle Ereignisse auch ein wenig damit zu verknüpfen, er taucht immer wieder in den Gesprächen auf.
    So einen See umgibt hier auch dieser Flair des Geheimnisvollen. Als Ort der Veränderung, der Geheimnisse, schöner Erlebnisse, Affären, Liebe, Sehnsucht. Das hat mir auch sehr gut gefallen.
    Ich lese zum Abschluss eines Buches auch gern die Danksagung des Autors, ich erfahre auch gern, was hat ihn dazu inspiriert, zu seiner Geschichte, das erfährt der Leser hier am Schluss des Buches und hier findet sich auch noch ein Literaturverzeichnis.
    Ein wundervoller Erzählstil, der diesen Ort mitsamt dem Stausee und den Figuren zum Leben erweckt. Eine lebendige Geschichte mit einer tollen detailreichen Sprache, die einen Leser in ihren Bann zieht.

    Kommentare: 3
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    alascas avatar
    alascavor 10 Monaten
    Liserons avatar
    Liseronvor einem Jahr

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