Norbert Sternmut

 5 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor*in von Schattensprung, Abschied vom Feuer und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Norbert Sternmut *1958, lebt in Ludwigsburg und arbeitet als Sozialpädagoge. Der Theaterautor, Rezensent, Maler, Lyriker und Romanschreiber veröffentlichte seit 1980 über dreißig Einzeltitel, ist in über 50 Anthologien vertreten. 1980 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband. 40 Jahre literarisches Schaffen, eine Kontinuität, die nur wenige Lyriker vorweisen können. Zuletzt erschien auch im Geest-Verlag: Abschied vom Feuer. Lyrik (ISBN-3-978-386685-988-3).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Norbert Sternmut

Cover des Buches Abschied vom Feuer (ISBN: 9783866859883)

Abschied vom Feuer

(1)
Erschienen am 16.10.2023
Cover des Buches Fadenwürde (ISBN: 9783937139678)

Fadenwürde

(1)
Erschienen am 17.02.2009
Cover des Buches Marlies (ISBN: 9783932497896)

Marlies

(1)
Erschienen am 11.07.2003
Cover des Buches Pfeilschrift (ISBN: 9783956322846)

Pfeilschrift

(1)
Erschienen am 02.07.2015
Cover des Buches Schattensprung (ISBN: 9783690645317)

Schattensprung

(1)
Erschienen am 10.11.2025
Cover des Buches Wildwechselzeit (ISBN: 9783942063258)

Wildwechselzeit

(1)
Erschienen am 01.02.2011
Cover des Buches Winterdienst (ISBN: 9783863562915)

Winterdienst

(1)
Erschienen am 05.12.2019
Cover des Buches Absolut, Du: Liebes-Gedichte (ISBN: 9783924944421)

Absolut, Du: Liebes-Gedichte

(0)
Erschienen am 01.01.1998

Neue Rezensionen zu Norbert Sternmut

Cover des Buches Schattensprung (ISBN: 9783690645317)
Heidelinde12s avatar

Rezension zu "Schattensprung" von Norbert Sternmut

Heidelinde12
Analytisches scharfes, stilistisches elegantes Werk

 

Norbert Sternmut ist ein lyrischer Perfektionist. Seine Gedichte fordern dazu auf, tiefer in seine Denkmaterie vorzudringen. So auch sein neuestes Werk Schattensprung – 144 Seiten philosophischer Reflexion, durchzogen von gesellschaftlicher Kritik in nuancierten Versen. Es ist kein Buch, das man beiläufig liest, sondern eines, das fordert – und einlädt, über den eigenen Schatten zu springen.

In den Abschnitten „Nahaufnahme“ und „Lichteinfall“ entfaltet Sternmut eine fotografisch geschärfte Perspektive, die Abbild und Wahrnehmung kunstvoll verschränkt. Er überschreitet gesellschaftliche Grenzen und tradierte Denkmuster, kritisiert kriegerische und gewaltförmige Konfliktmodelle und entwirft stattdessen die Vision einer „Solidarität der Kreaturen“ – einer empathischen Verbundenheit von Mensch, Tier und Natur. So entsteht ein Plädoyer, das die Beckettsche Existenznot und apokalyptische Vorstellungen mit der Idee natürlicher Harmonie kontrastiert.

Zyklische Langgedichte wie „Textwuchs“ verweben Metaphern und aktuelle Bezüge zu einem dichten, assoziativen Gewebe. Alltägliche Erfahrungen verwandeln sich in poetische Bilder, die zu neuer Deutung anregen. Der Titel steht symbolisch für jenen mutigen Sprung über die eigene innere Schranke – ein Aufbruch, Gewohnheiten zu durchbrechen und ethisch neu zu denken.

Fotomotive wie „Camera Obscura“ knüpfen an frühere Werke an und laden zur Meditation über Realität und Abbild ein. Innere Reflexion und äußere Wirklichkeit halten sich hier die Waage: die Schattenseiten des modernen Lebens ebenso wie die Sehnsucht nach Verbundenheit, Sinn und Nähe. In diesen Gedichten spürt man Sternmuts sozialpädagogischen Hintergrund – klar positioniert und zugleich lyrisch verfeinert durch präzise, bildhafte Sprache.

Mit über dreißig Publikationen seit 1980 beweist der Autor seine Fähigkeit, klare Argumentation und dichte Poetizität zu verbinden. Segmentierungen innerhalb längerer Texte erleichtern den Zugang, ohne die Tiefe zu mindern. So entsteht reflektierte Lyrik, die Intellekt und Gefühl, Bildkraft und emotionale Resonanz eindrucksvoll vereint.

Schattensprung ist ein analytisch scharfes, stilistisch elegantes Werk von meditativer Empathie – in polarisierten Zeiten ein inspirierender Aufruf zu ethischem Mut. Es lädt dazu ein, über den eigenen Schatten hinauszuwachsen und im poetischen Denken neue Räume des Mitgefühls zu öffnen.

Heidelinde Penndorf

(Januar 2026)



Cover des Buches Abschied vom Feuer (ISBN: 9783866859883)
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Rezension zu "Abschied vom Feuer" von Norbert Sternmut

Heidelinde12
es ist ein starkes Buch und lohnend zu lesen, um den Gedankengängen des Autors zu folgen, und um vielleicht auch in der Stille des Nachhalls seinen eigenen Gedanken zum Thema nachzuspüren.

Norbert Sternmuts Werke sind immer sehr intellektuell, wortgewaltig und anspruchsvoll, so auch sein neues Lyrik-Buch ››Abschied vom Feuer‹‹. Der Titel allein ist schon mehrdeutig, wenn wir uns unsere gegenwärtige Welt anschauen. Es braucht Konzentration, um zwischen den Zeilen zu lesen, was der Autor seiner Leserschaft sagen möchte.

Feuer, ein Wort, welches er in seiner Deutung in einer jung erblühten Liebe verwendet. Auch das Lebensfeuer, welches in jungen Jahren entflammt und uns vorwärtstreibt, Höchstleistungen zu vollbringen.  In dieser Lebensphase  haben wir das Gefühl, wir können die ganze Welt verändern. Mit vorangeschrittenen Lebensjahren wird die Flamme kleiner und auch die Liebe verändert sich und weicht einem gemeinsamen zwischenmenschlich guten Miteinander.

Feuer ist auch ein Wort, welches Kriege beschreibt, in welchen Menschen ihr Leben lassen und ganze Infrastrukturen in verkohlter Erde versinken. Als Gleichnis steht Feuer auch für den Klimawandel unserer Zeit, den wir nicht abwenden, aber verlangsamen können. Und Feuer steht auch für die psychischen Brandwunden und deren seelischen Narben, die wir im Laufe unseres Lebens erfahren. Ebenso auch für einen Neuanfang, der das Alte metaphorisch verbrennt und Platz für Neues schafft.  

Beeindruckt haben mich im Buch seine Verse ›Der letzte Akt‹ (1–12), weil er unser ganzes Menschsein erfasst, inklusive unserer Lebenskultur, die letztlich den Klimawandel beschleunigt. Ebenso beeindruckend ist auch der Anhang (1–6), der die Eindrücke eines, vielleicht seines Lebens, schildert, vollgepackt mit einer ganzen Palette Emotionen.

›Abschied vom Feuer‹ ist ein Buch, für das man Zeit braucht, es ist so wuchtig, sodass man es nicht hintereinander weg lesen kann, weil es herausfordert, nachzumerken. 

Ich empfehle das Buch Literaturfreunden dieses Genres sehr gern weiter, es ist ein starkes Buch und lohnend zu lesen, um den Gedankengängen des Autors zu folgen, und um vielleicht auch in der Stille des Nachhalls seinen eigenen Gedanken zum Thema nachzuspüren.

Heidelinde Penndorf

(Januar 2024)

Cover des Buches Winterdienst (ISBN: 9783863562915)
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Rezension zu "Winterdienst" von Norbert Sternmut

Heidelinde12
Norbert Sternmuts neues Werk ist ein psychologisch dichtes und schweres Buch, mit einem Inhalt, der eigentlich immer präsent sein sollte und der grade jetzt in der Corona-Krise ein immenses Gewicht erhält

Norbert Sternmuts neues Werk ist ein psychologisch dichtes und schweres Buch, mit einem Inhalt, der eigentlich immer präsent sein sollte und der grade jetzt in der Corona-Krise ein immenses Gewicht erhält. In epischer Weise erzählt der Ich-Erzähler des Buchs von seinem Winterdienst in einem Kinderheim, in welchem traumatisierte und verhaltensauffällige Jungen leben. Erschütternd beschreibt er die einzelnen Traumata der Jungen, die nachzeichnen, warum sie so sind wie sie sind – verstört, verschüchtert, voller Zorn, Hass, Wut, aggressiv gegen sich selbst, gegen andere und gegen Gegenstände. Aber auch sprachlos.

Sie haben ihr eigenes ›ICH‹ verloren.

Durch physische, sexuelle und psychische Gewalt, zugefügt von Vater oder Mutter, oder manchmal durch beide, oder auch von Verwandten, wurde ihre Kinderseele gemartert und zerstört. Narben auf der Seele, die vielleicht nie richtig heilen. Ausweglosigkeit – Suizidgefahr und der verlorene Glaube an Liebe zeichnet diese Kinder. Sie haben sich eingeigelt in ihrer eignen Welt, den Glauben an das Gute verloren, sind misstrauisch gegenüber jeder Hilfe und es bedarf jeglicher Anstrengung zu ihnen durchzudringen. Deutlich wird auch, wie Pädagogen, Psychologen und das ganze Personal, oft psychisch an ihre eigenen Grenzen stoßen.

Die Arbeitsbedingungen sind prekär, die Fluktuation in dem Bereich sehr hoch und ich denke mal die Bezahlung am unteren Rande der Mittelmäßigkeit.

Unbegreiflich, wie Eltern ihren Kindern so weh tun können, unbegreiflich wie sie die Seele ihrer Kinder zerstören, sodass sie nur noch eine einzige Wunde ist. Unbegreiflich, dass das nicht jeden Tag in den Focus der Öffentlichkeit gerückt wird. Unbegreiflich warum in unserem Land immer noch weggeschaut wird.

Und jetzt in der Zeit der sozialen Distanz der Corona-Krise, in welcher Schulen und Kindergärten geschlossen haben, mag ich mir das Ausmaß psychischer, sexueller und physischer Gewalt gegenüber Kindern gar nicht ausmalen. Kinder die Gewalt jeglicher Art tagtäglich erfahren, tragen das in sich, vergessen das nie und geben es vielleicht weiter, weil sie es nicht anders kennen. Die Mandelkern-Gedichte des Autors, die sich der epischen Erzählung anschließen, verdeutlichen die ganze Thematik in umfassender lyrischer Weise – melancholisch, traurig, aufrüttelnd. Stark finde ich auch die Schreibweise des Buchs, ohne Punkt und Komma, das Wesentliche erfassend, episch eben.

Der Inhalt des ganzen Buchs ist ein Schrei nach Liebe!

Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter, es sollte eine große Anzahl der Leserschaft erreichen.

Heidelinde Penndorf

(06.04.2020)

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