Norbert Walter Wer soll das bezahlen?

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Inhaltsangabe zu „Wer soll das bezahlen?“ von Norbert Walter

Das Wort des ehemaligen Chefvolkswirts der Deutschen Bank findet weltweit Beachtung. Norbert Walter hat als einziger Ökonom den Absturz der deutschen Wirtschaft in der Finanzkrise 2008 präzise vorausgesagt. Zusammen mit seinem Kollegen Jörn Quitzau von der traditionsreichen Hamburger Berenberg Bank bilanziert er die Konsequenzen, die aus der Weltfinanzkrise zu ziehen sind. Sie fordern "Schluss mit dem Schuldenmachen!" und mahnen einen radikalen Kurswechsel in Wirtschaft und Politik an.

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  • Rezension zu "Wer soll das bezahlen?" von Norbert Walter

    Wer soll das bezahlen?

    michael_lehmann-pape

    16. October 2011 um 13:10

    Die Lösung der Finanzkrise? Vielfach sind die Stimmen, die sich im Rahmen der gegenwärtigen existentiellen Finanzkrise zu Wort melden. Von ganz rechts bis ganz links reicht die Palette der politischen Haltung hinter den Diskussionsbeiträgen und ebenso klar ist, dass die vermeintlichen Antworten auf die Krise ebenso variieren wie die grundsätzlichen politischen Startpunkte. Zumindest aber sind die beiden Autoren, anders als viele im Kanon der Stimmen, erkennbar vom Fach. Norbert Walter, ehemals Chefvolkswirt der Deutschen Bank und Jörn Quitzau, Volkswirt bei der Berenberg Bank. Eine biografisch-fachliche Kompetenz, die man den Einlassungen der beiden Autoren wohltuend im Buch anmerkt, auch wenn, vorweg gesagt, letztgültige „Antworten auf die globale Wirtschaftskrise“ nicht im Raume stehen werden nach der Lektüre. Wohl aber zunächst ein fundierter Einblick in die Ursachen und die Breite der Problematik und ebenso ernstzunehmende Hinweise auf jene Bereiche des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens, bei denen es anzusetzen gilt, will man der Krise Herr werden. Wobei die Autoren zunächst, ohne die faktischen Probleme abzuleugnen, ihr Augenmerk auch auf die, in ihren Augen, deutlich suboptimale Kommunikation der Verantwortungsträger reichten (ein „Armutszeugnis“). Eine Kommunikation, die es vor allem versäumt, die Ereignisse der letzten Jahre in einen entsprechenden historischen Kontext zu stellen. Dies holen die Autoren ebenso eingängig nach, wie sie auf Möglichkeiten hinweisen, in der Krise besonnen und produktiv zu reagieren. Kernthese des Buches ist dabei, dass (entgegen der aktuellen finanzpolitischen Handlungen) nicht mehr die Niedrigzinspolitik einen Ausweg zu bieten vermag (im Gegenteil), sondern nur mehr eine strukturelle Korrektur (Regulierungen, die hier tatsächlich von Bankern energisch eingefordert werden!), deren Ziel eine möglichst zeitnahen Konsolidierung staatlicher (aber auch finanzwirtschaftlicher) Finanzen sein muss. Auf dem Weg der Erläuterung ihrer Einlassungen brechen die Autoren durchaus eine Lanze für die soziale Marktwirtschaft, legen dabei den Finger aber ebenso auch auf massive Fehlentwicklungen, welche aus der Finanzkrise eine drastische Schuldenkrise hervorgerufen haben. Ein Netz voller gegenseitiger Verflechtungen und auch Fehlhaltungen, welches sich in solcher Form ineinander verwirrt hat, dass auch drastische Maßnahmen wie eine „geordnete Staatsinsolvenz“ nicht mehr ausgeschlossen werden können (auch zu diesem Vorgang legen die Autoren eine Verfahrensweise im Buch vor). Dennoch beharren die Autoren darauf, dass es Wege aus der Schuldenkrise gibt. Erschwert sicherlich durch das historisch neue Element, das sich noch nie so viele, große Industrienationen zur gleichen Zeit in Schieflage befunden haben. Dies ist das eindringlichste und klarste Anzeichen dafür, dass eine systemische Problematik massiv im Raume steht und nicht wirtschaftliches Fehlverhalten einzelner Teilnehmer an der globalisierten Wirtschaft Ursache der gegenwärtigen Probleme sind. Aber auch wenn der Korrekturprozess „in jedem Fall lang und zäh“ werden wird, Konsolidierung ist möglich. Der erste Schritt muss hierbei in den Augen der Autoren sein, unbedingt das Vertrauen des Kapitals wieder herzustellen. Hier sehen die Autoren Europa auf dem ansatzweise richtigen Weg, betonen aber deutlich und klar, dass es klarer Regulierungen (und den Mut, diese umzusetzen) bedarf, um damit das Vertrauen von Konsumenten und Investoren in eine klare, verantwortliche und mutige politische Haltung wieder herzustellen.. Walter und Quitzau erläutern verständlich und nachvollziehbar die Fehlentwicklungen der letzten Jahre und bieten in eigenen Worten „Planken“, die einen Weg aus der Krise heraus anzeigen können. Eine Universalformel bieten die Autoren dabei genauso wenig, wie alle anderen, zumindest aber erhält der Leser ein nüchternes Bild der aktuellen Situation, der gewachsenen Ursachen, der historischen Einordnung und der notwendigen, ersten Schritte, die zur Überwindung der Krise angegangen werden müssten (ob allerdings hierzu der Mut der Politik ausreicht oder ob der Börsenfachmann Müller recht behält, der ein „vor die Wand fahren“ prognostiziert aufgrund eben der zu großen Verflechtung von Politik und Finanzwelt, das bleibt abzuwarten).

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