Norbert Zähringer Bis zum Ende der Welt

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Inhaltsangabe zu „Bis zum Ende der Welt“ von Norbert Zähringer

Die ukrainische Studentin Anna wendet sich an eine internationale Partnerschaftsagentur und wird an einen älteren Mann aus Berlin vermittelt. Sein Auswahlkriterium: Anna hatte angegeben, sie interessiere sich für Sterne, und er ist Hobbyastronom. Bald erfährt sie, dass er nur noch ein halbes Jahr zu leben hat. Er bietet ihr 20.000 Euro, damit sie ihm bis zuletzt in seinem portugiesischen Ferienhaus Gesellschaft leistet. Einfach so, damit er nicht allein ist. Aber kann sie ihm vertrauen?
Eine junge Ukrainerin, ein alternder deutscher Amateurastronom und der Sohn des "millionsten Gastarbeiters" sind die Hauptfiguren dieses Romans über Menschen, die - aus der Bahn geworfen - auf vorsichtige Weise zueinanderfinden.

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  • Rezension zu "Bis zum Ende der Welt" von Norbert Zähringer

    Bis zum Ende der Welt

    Wolkenatlas

    12. September 2012 um 11:15

    Von Sternen, Westmännern, Ostfrauen, Tschernobyl, Baikonur, Kometen und anderen Ereignissen ... Norbert Zähringers Roman hält leicht, was die Vorgänger "So" und "Einer von vielen" versprochen hatten. Wie bereits in den früheren Romanen hat Zähringer offensichtlich keine Hemmungen, eine ganz und gar nicht minimalistische Geschichte zu erzählen; mit spannenden Handlungssträngen und treffender Figurenzeichnung. Wenn auch einzelne Momente leicht verdächtig an der Grenze zur Glaubwürdigkeit kratzen, geht seine Rechnung am Ende doch voll auf. Das ist angenehm erfrischend und macht Lust auf mehr ... Anna Tschertschenko hat nach dem Tod ihrer Großmutter niemanden mehr. Nur ihren Vater. Der einbeinige Alkoholiker hat allerdings bis dahin kaum Interesse an seiner Tochter gezeigt und war lediglich zur Abiturfeier erschienen, um sich auf dieser volllaufen zu lassen. Bald nach dem Tod seiner Schwiegermutter erscheint er und nistet sich in der Wohnung zusammen mit seinen Saufkumpanen ein. Norbert Zähringer zeichnet hier Szenen, die erstaunlich realistisch und glaubhaft sind. Oft denkt Anna an ihren Großvater, der mit der sowjetischen Raumfahrt in Verbindung war und der in Anna die Liebe zu den Sternen entfacht hat. Anna weiß, dass sie weg muss und sieht einen westlichen Mann als einzigen Ausweg aus ihrer Misere. Von der Agenturchefin dazu angehalten, spezielle Freizeitvorlieben zu nennen, gibt sie Astronomie an, und genau dieser Punkt ist es, der zur Bekanntschaft mit dem ältlichen Gerhard Laska führt. "Was ist ein richtiges Hobby? Das ist etwas, was man in seiner Freizeit macht, aber nicht, um das Leben zu genießen, sondern um es zu vergessen. Es ist so eine Art zweites Leben, ein kleines Glück, das die Mühen des Alltags vergessen lässt. Die Männer aus dem Westen lieben und pflegen ihre Hobbys. Sie sammeln exotische Pflanzen, Fische, alte Schallplatten oder Spielzeugeisenbahnen. Sie kochen, putzen, züchten Hunde und seltene Fische. Es hält sie jung, verhindert, dass sie melancholisch werden und zum Wodka greifen. Deshalb sind sie so erfolgreich." Da Gerhard Laska sich angenehm von den meisten Männern unterscheidet und offensichtlich gar nicht plant, irgendwelche Avancen zu machen, nimmt Anna seine Einladung nach Deutschland an. Anna erfährt, dass Laska bald sterben wird. Er bietet ihr zwanzigtausend Euro dafür an, ihn bis zu seinem Tod nach Portugal zu begleiten, da er nicht allein sterben will. Da weder das Heim Laskas, noch seine Vorhaben, die Anna gar nicht einordnen und verstehen kann, ihren Vorstellungen entsprechen, entschließt sie sich zuerst, zu verschwinden. An dieser Stelle beginnt ein spannender Erzählstrang, der mit einer filmreifen Entführung anhebt und durch eine fast unglaubliche Wendung wieder bei Gerhard Laska endet. Absurde Figuren säumen den Weg Annas, russische oder ukrainische Stiernacken mit Markensonnenbrillen, ehemalige Kollegen ihres Vaters, die seine bisherigen Erzählungen über den Verlust seines Beines in Afghanistan in ein anderes Licht rücken, die vermeintliche Rotlicht-Stadt Castrop-Rauxell; so entschließt sich Anna nach ihrer Flucht, doch mit Gerhard Laska nach Portugal zu gehen. In Portugal wird ein weiterer Erzählstrang eingeführt, der die Thematik "Deutschland und die Gastarbeiter" auf differenzierte Art in eine andere Richtung lenkt. Der portugiesische Polizist Yuri Fernao Gouveia, benannt nach dem russischen Astronauten Gagarin und Sohn des millionsten Gastarbeiters in Deutschland, bekommt es mit einem mysteriösen, abgetrennten Finger zu tun, der ihn am Ende zu Anna führen wird. Wie, wird an dieser Stelle nicht verraten. Zwischen Anna und Laska entwickelt sich eine Art Freundschaft, die im gemeinsamen Sterneschauen und einer Kometensuche gipfelt. Ob der vom russischen Wort für Zärtlichkeit abgeleitete Name "Laska" von Norbert Zähringer bewusst gewählt worden ist, sei dahingestellt, der Rezensent vermutet jedoch, dass der ruhige und feine Laska seinen Namen nicht zufällig erhalten hat. Norbert Zähringer führt virtuos die diversen und teilweise auch absurden Erzählstränge und Ideen auf besonders spannende Art und Weise zusammen und treibt die Handlung auf ein großes Finale zu, über das hier auch nicht mehr verraten werden soll. Norbert Zähringers Prosa ist präzise und schnörkellos. Sie dient in erster Linie dem erzählerischen Zweck und ist nicht das Ergebnis einer selbstgefälligen, befindlichkeitsprosaähnlichen Verweigerung jeglicher erzählerischer Linie, wie sie häufig in der jüngeren deutschsprachigen Literatur zu finden ist. Und so folgt man gebannt der Geschichte von Anna, Gerhard Laska, dem einbeinigen Vater, Yuri, von verschiedenen Bösewichten und vermeintlichen Serienärzten, von Kiew über Berlin nach Portugal. Zusätzlich ist "Bis ans Ende der Welt" ein tiefgehendes Buch über Verständnis, Liebe, Verlust und Vertrauen, was, wie bei großen Erzählern immer, nie vordergründig erkennbar ist, sondern erst als Summe des soeben Gelesenen. Und ein großer Erzähler ist Norbert Zähringer allemal. (Roland Freisitzer; 07/2012) (erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at)

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